Waltharius
Der Waltharius (= Walthari-Lied) ist eine lateinische Heldendichtung wohl des 10. Jahrhunderts. Der Dichter gestaltet in 1455 Hexametern die germanische Walther-Sage. Dazu dürften ihm ein oder mehrere volkssprachliche Lieder als Quelle gedient haben, in welcher Form jedoch, ist ungeklärt. Er könnte seinen Stoff einem mündlich überlieferten deutschen Waltherlied entnommen haben, zudem finden sich Teile der Sage im altenglischen „Waldere“, welcher als älteste Fassung der Geschichte von Walther und Hildegund gilt, jedoch nur in Teilstücken erhalten ist.
Für den Autor des Waltharius werden zwei Namen ins Spiel gebracht:
- Eine Gruppe von Handschriften enthält einen Prolog von 22 Versen, in dem ein Geraldus einem hohen Geistlichen namens Erckambald das Epos zueignet. Letzterer könnte Bischof Erkanbald von Straßburg (965–991) gewesen sein. Allerdings lässt der Prolog im Unklaren, ob Geraldus ein eigenes oder ein fremdes Werk überreicht. Auch unterscheidet sich der sprachliche Stil des Prologs so deutlich von dem des Epos, dass eine nachträgliche Entstehung des Prologs wahrscheinlicher ist als die Autorschaft Geralds.
- Laut den Casus sancti Galli des Ekkehard IV. (cap. 80) hat Ekkehard I. von St. Gallen als Schüler eine Vita Waltharii manu fortis verfasst (also etwa um 930), deren schlechtes Latein Ekkehart IV. auf Veranlassung Erzbischof Aribos von Mainz zwischen 1022 und 1031 verbessert habe. Dass mit diesem Text jedoch der Waltharius gemeint gewesen sei, wird von der Forschung zunehmend bezweifelt. Dafür, dass man zumindest in St. Gallen Ekkehart I. für den Verfasser des Waltharius hielt, spricht allerdings der Umstand, dass Herimannus von St. Gallen, der Verfasser der jüngeren Vita der Heiligen Wiborada (ca. 1075), offenbar als hommage an Ekkehart I., den Verfasser der älteren, von Herimannus stark überarbeiteten Vita der Heiligen Wiborada, Vers 51 aus dem Waltharius zitiert.[1]
Die Sage von „Walther und Hildegunde“ spielt am Wasigenstein im Wasgenwald (=Vogesen) (Frankreich) nahe der französisch-deutschen Grenze und handelt vom Kampf des Walther von Aquitanien mit den zwölf Recken des Königs Gunther von Franken (= Gunther der Burgunderkönig des Nibelungenliedes). Er tötet alle Angreifer bis auf Gunther, dem er das rechte Bein abschlägt, und Hagen, welcher sechs Zähne und ein Auge verliert. Walther selbst verliert eine Hand. Nach der Schlacht kommt es zur Versöhnung und die Kämpfer ziehen zurück in ihre Heimatländer. Hildegunde begleitet ihren Bräutigam Walther.
Einzelnachweise
- ↑ Gereon Becht-Jördens: Sprachliches in den Vitae S. Wiboradae (II). Dabei: Ein Walthariuszitat in der jüngeren Vita. In: Mittellateinisches Jahrbuch 24/25, 1989/1990, S. 1–9, hier S. 7–9
Literatur
- Paul Klopsch, Artikel Waltharius, in: Verfasserlexikon Bd. 10 (1999), Sp. 627–638.
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