Bear community
Flagge der internationalen Bären-Gemeinde

Als Bear Community (Bärengemeinschaft) wird die Gemeinschaft der sogenannten Bären bezeichnet: homo- oder bisexuelle erwachsene Männer mit behaartem Körper (besonders Brust-, Bauch- und Schambehaarung) sowie ausgeprägtem Barthaar. Teilweise sind auch weibliche Butch in der Szene vertreten, die stolz auf ihre Körperbehaarung sind. Darüber hinaus gibt es eine Schnittmenge zwischen Bären und korpulenten Homo- bzw. Bisexuellen, den sogenannten Chubbies, was oft zu dem Irrglauben führt, ein Bär würde über ein erhöhtes Körpergewicht definiert.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung

Mitglieder der Bärengemeinde auf der San Francisco Pride Parade 2004
Mitglied der Bärengemeinde

Die heute unter dem Begriff Bear Community zusammengefasste Szene hat verschiedene Szene-Ursprünge und ist nicht originär in den USA entstanden. In den USA fanden sich Vorläufer schon in den frühen 1970ern in den „chubby and chubby-chaser“- (etwa: Dickerchen und Dickenjäger) Netzwerken. In Europa bildeten sich, vor allem nachdem sich aus dem Zusammenschluss homosexueller Motorradfahrer zu Organisationen in den 1970er die sogenannte Lederszene entwickelte, Zusammenhänge von Männern, die betont bärtige und haarige Männer bevorzugten. So entstand Anfang der 1980er die Gruppe „Beards meeting Beards“ in London.

Analog zu dieser gründete 1984 Michael Zgonjanin zusammen mit Henning Marburger die Gruppe „Bartmänner Köln“, die heute zu den ältesten bestehenden Bärengruppen weltweit gehört. Gemeinsam war den Initiatoren die Überlegung, einen Freundeskreis für Anhänger haariger Männer zu schaffen, der nicht den Zwängen der Leder- und Fetischszene - vor allen deren teilweisen strikten Codes wie Fetischorientierung und starren Vereinsstrukturen unterworfen war.


Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Bear Community war die Gründung des Bear Magazine in San Francisco 1987, die zur Geläufigkeit des Namen Bärenszene (Bear Community) beitrug und oft zur der Vermutung führt, die Bärenszene hätte ihren Ursprung in den USA. Seit 1996 erscheint das BEAR-Magazin auch in deutscher Sprache.

In Europa setzte sich die Entwicklung mit der Gründung der Nederbears 1988 in Delft, des Ebmc (EUROPEAN BEARS & BIG MEN'S CONVERGENCE) 1990 in Brüssel, Girth & Mirth Germany (1991) in Berlin, der Bartmänner Berlin (1992) und der Bartmänner Frankfurt (1993) fort. Einige der Initiativen verschwanden in den 1990ern wieder und entstanden, nun zumeist unter dem Begriff Bärengruppe, später wieder neu.

[1] [2] [3] [4]

Filme zur Bear Community

  • Men on Fur on Men, Martin Borden und Clark Niklolai, Kanada, 2003, MiniDV
  • A Bear’s Story, Vincent Mtzlpick, Vereinigte Staaten, 2003, Video
  • Porn Proof, Chris Street, Canada, 2003, MiniDV
  • More Than Hair Care Products, Pendra Wilson, Kanada, 2003, MiniDV
  • Hard Fat, Frederic Moffet, Canada, 2001, Video
  • Lazy Bear 2002, Greg Garcia, Vereinigte Staaten, 2002, DVD
  • Making of “A Bear’s Story”, Village TV, Vereinigte Staaten, 2003, Video
  • My Heart the Cook, Jerry McCadden und Clark Nikolai, Kanada, 2001, MiniDV
  • 30 Bears in a Bathtub, gefilmt von Jonathan Robinson [5] und Features von der Manbears group in Manchester
  • Bear Cub - Cachorro, Originaler Titel: Cachorro, Englischer Titel: Bear Cub, Deutscher Titel: Cachorro - Der Club der Bären, Französischer Titel: Le Gamin, Spanien 2004, Regie Miguel Albaladejo (Die deutsche DVD-Fassung (Salzgeber-Edition) ist stark gekürzt - von daher unbedingt auf die Originalfassung zurückgreifen)

Bücher zur Bear Community

  • Chris Nelson's Original San Francisco Bear Magazine photographische Kollektion, gesammtelt in The Bear Cult: Photographs by Chris Nelson (1992, ISBN 0-85449-161-9) von Gay Men's Press, London
  • Les K. Wright editierte zwei Anthologien The Bear Book: Readings in the History and Evolution of a Gay Male Subculture (1997, ISBN 1-56023-890-9) und The Bear Book 2 (2001, ISBN 1-56023-165-3), beides von Haworth Press
  • Ray Kampf schrieb The Bear Handbook: A Comprehensive Guide for Those Who Are Husky, Hairy and Homosexual, and Those Who Love 'Em (2000, ISBN 1-56023-997-2). [6]
  • Ron Suresha schrieb die Anthologie Bears on Bears: Interviews & Discussions (ISBN 1-55583-578-3), 25 Gespräche mit 57 Bären und Liebhabern von Bären weltweit, inklusive Interviews mit dem Komiker Bruce Vilanch, dem Pornmodel Jack Radcliffe und Survivor Star Richard Hatch. Suresha schrieb zwei Anthologien, Bearotica: Hot, Hairy, Heavy Fiction (2002, ISBN 1-55583-577-5) und Bear Lust: Hot, Hairy, Heavy Fiction (2004, ISBN 1-55583-818-9), ebenso publiziert von Alyson Publications
  • Jonathan Cohen schrieb 2003 den Roman Bear Like Me (ISBN 1-56023-418-0), Southern Tier Editions
  • I'm a Believer von Jessica Adams (ISBN 0-312-32107-4), (einer der Hauptcharaktere ist ein Bär)
  • PJ Gray schrieb 2005 ein Kochbuch, More Bear Cookin': Bigger and Better (ISBN 1-56023-326-5), illustriert von Terry J; Nachfolger des Buches, Bear Cookin': The Original Guide to Bear Comfort Foods von PJ Gray und Stanley Hunter: beides publiziert von Harrington Park Press
  • Wayne Hoffman's 2006 Roman, Hard (der Hauptcharakter ist ein Bär)
  • Jim Baker & Rainer Hörmann (Hg.) Der Bärenkult - Das Tier im Mann, Querverlag; Auflage: 1 (März 2004) ISBN 978-3-89656-102-2

Zeitschriften

  • A Bear's Life, 2005, Magazin, Bear Brother's Enterprises Ltd. in den Vereinigten Staaten [7]
  • BearParty Magazin 2007, ein kostenloses Magazin in den Vereinigten Staaten [8]
  • BOX, kostenloses Magazin in Deutschland
  • BEAR, deutsches Magazin, seit 1996.
  • Euro-BEAR, englischsprachige Version der deutschen Ausgabe, seit 2004

Sonstiges

  • Im Lied Oh Word? der Beastie Boys lauten zwei Zeilen I swear it wasn't me in Bear magazine, because I'm not that hairy.
  • In der American Dad-Episode American Dream Factory wird Patti LaBelle von Stan gefragt, ob sie wusste, dass „in der Schwulengesellschaft ein behaarter Mann auch als Bär bezeichnet wird“.

Terminologie

Mr. DC Bear Cub 2006 und Mr. DC Bear 2006.

Hier einige Begriffe aus der Bear Community:

  • Admirer - (dt: Bewunderer) ein Ausdruck, der sich auf jemanden bezieht, der sich sexuell oder romantisch von Bären angezogen fühlt (dieser Ausdruck wird oft von verschiedenen Communitys verwendet, um einen Außenseiter zu beschreiben, der sexuell angezogen wird von den Leuten innerhalb dieser Community). Er wird auch oft als Chaser (dt: Verfolger) bezeichnet. Admirer/Chaser können von jedem Gewicht sein, haarig oder unbehaart, und jedweden Alters.
  • Bear - (dt: Bär) ein haariger Mann mit einem stämmigen oder gewichtigen Körperbau und Bartwuchs. Kann sauber rasiert und von jedem Alter sein.
  • Cub - (dt: Junges) eine jüngere Version (oder von jüngerem Aussehen) eines Bären, normalerweise, aber nicht immer, von zierlicherem Wuchs. Der Ausdruck wird manchmal verwendet, um den passiven Partner in einer Beziehung zu implizieren. Er kann haarig oder unbehaart sein.
  • Daddy bear - (dt: Papabär) ist ein älterer Kerl, der manchmal eine Papa-/Sohnbeziehung zu einem jüngeren Bären, Cub, Otter, Wolf oder Chaser sucht.
  • Goldilocks - (dt: Goldlöckchen) eine oft heterosexuelle Frau, die oft in der Gesellschaft von Bären ist (fag hag (wörtlich: Schwulenhexe, dt: Schwulenmutti ) eines Bären). Sie kann auch eine Ursula (lat. ursus „Bär“) genannt werden.
  • Gobi Bear - ein heterosexueller Mann, der Bärenfreundlich ist.
  • Gummy Baer - ein Bär, der Dates mit Bären ausmacht oder ausschließlich von anderen Bären angezogen wird. Wie in „They stick together like gummy bears“.
  • Leatherbear - (dt: Lederbär) ein Bär mit einem Lederfetisch.
  • Muscle bear - (dt: Muskelbär) eine muskulöse Version eines Bären. Ein Muscle Cub (dt: Muskeljunges) ist ein jünger oder kleiner, aber muskulöser Bär. Kann haarig oder unbehaart und von jedem Alter sein.
  • Koala bear - (dt: Koalabär) ein Bär mit blondem Haar
  • Panda bear - (dt: Pandabär) ein asiatischstämmiger Bär. Ein Panda cub (dt: Pandajunges) ist ein jüngerer, normalerweise unbehaart.
  • Polar bear - (dt: Eisbär) ein silber- oder weißhaariger Bär.
  • Otter - ein Mann, der haarig, aber nicht groß oder stämmig ist, normalerweise dünner oder mit schwächer ausgebildeten Muskeln. Schlankere Version eines Bären mit kleinen Fettpolstern wie Liebesgriffe oder einen Ring, aber nicht so mager wie ein Wolf.
  • Spirit bear - (dt: Geistbär) ein Bär, der an seine Sexualität und seinen 'Innerbären' von einem geistigen Standpunkt aus angeht. Normalerweise in verschiedenen internationalen und kulturellen Referenzen und Traditionen verwurzelt. Besonders in heidnischen Communitys anwesend, wo schwul sein überwiegend akzeptiert wird.
  • Wolf - ein magerer, maskuliner Schwuler, der zu Bären angezogen und an der Bärenszene beteiligt wird.
  • Woof - (dt: heulen, bellen) - ein oft verwendeter Gruß, wenn ein Bär einen anderen Bären in der Öffentlichkeit entdeckt und seine körperliche Anziehung ausdrücken will. Er könnte ein knurrendes Geräusch („Grrr!“) machen oder „Woof!“ sagen.
  • Bear run- (dt: Bärenrennen) eine Versammlung oder Bezirkstreffen für Bären-/Cub-Typen und ihre Admirers.
  • Bear soup - (Bärensuppe) ein Schwimmbad oder heißen Pott voll von Bären, das normalerweise eine Menge Gruppenschmusen und fröhliches Herumtoben einschließt. Dies ist beliebter Platz für Bear Runs.
  • Bearwich - (dt: Bärenweiche) eine „menage a trois“ (fr. „Dreiecksbeziehung“), die aus zwei Bären und einem Admirer besteht. Auch beliebt auf Bear Runs.

Einzelnachweise

  1. GLBTQ:Bear Movement
  2. EBMC:Bear Movement
  3. Bartmänner Köln:Bear Movement
  4. BEAR Magazine:Bear Movement
  5. Jonathan Robinson
  6. The Bear Handbook website
  7. A Bear's Life
  8. Bearspartymagazin

Weblinks


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