Beast of Omaha Beach
Hein Severloh (rechts) mit Hobbyhistoriker M.-R. Galle in Arromanches. Anfang Oktober 2001

Heinrich Severloh (* 23. Juni 1923 in Metzingen (heute Gemeinde Eldingen); † 14. Januar 2006 in Lachendorf) war zur Zeit des Zweiten Weltkriegs Soldat der 352. deutschen Infanteriedivision, welche 1944 in der Normandie stationiert war.

Als Maschinengewehrschütze des Widerstandsnestes 62 gelangte er zu Bekanntheit, da er am 6. Juni 1944 sehr viele amerikanische Soldaten tötete bzw. verwundete, als diese im Rahmen der Operation Overlord anlandeten. In englischsprachigen Medien wurde und wird Severloh deshalb als „Bestie von Omaha“ (Beast of Omaha Beach) bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Dienst in der Wehrmacht

Heinrich Severloh, der Sohn eines Bauern aus der Lüneburger Heide, wurde am 23. Juli 1942 zur Wehrmacht eingezogen und der Leichten Artillerie-Ersatzabteilung 19 in Hannover-Bothfeld zugeteilt. Am 9. August 1942 wurde er nach Frankreich verlegt und kam zur 3.Batterie des Artillerie-Regiments 321 der 321. Infanterie-Division, wo er unter anderem als Meldereiter ausgebildet wurde. Im Dezember 1942 wurde er an die Ostfront verlegt, wo er beim rückwärtigen Teil seiner Division als Fahrer eines Pferdeschlittens eingesetzt wurde. Aufgrund kritischer Äußerungen wurde Severloh im März 1943 zum Strafexerzieren verurteilt, wodurch er dauerhafte gesundheitliche Schäden davontrug. Es folgte ein längerer Lazarettaufenthalt, der bis Juni 1943 andauerte. Im Oktober 1943 wurde Severloh zu einem Unteroffizierslehrgang nach Braunschweig abkommandiert. Da seine Stammeinheit, die 321. Infanteriedivision, zwecks Neuaufstellung nach Frankreich verlegt worden war, musste er seinen Unteroffizierslehrgang abbrechen und zu seiner Einheit zurückkehren. Im Dezember stieß Severloh wieder zu seiner Einheit, welche mittlerweile zur 352. Infanteriedivision umbenannt und in der Normandie stationiert worden war.

6. Juni 1944

Severlohs letzter aktiver Einsatzposten war ein einfaches Schützenloch am Strandabschnitt „Omaha Beach“ in der amerikanischen Landungszone „Easy Red“. Seine Vorgesetzten gaben ihm den Befehl, mit allen Mitteln die landenden Amerikaner abzuwehren. Dieses Schützenloch war Teil eines mittelgroßen Stützpunktes mit der Bezeichnung „Widerstandsnest 62“. In Ermangelung einer durchgehenden Verteidigungslinie wurden an der Atlantikküste so genannte Widerstandsnester eingerichtet und entsprechend durchnummeriert. Es bestand Funk-und Telefonverbindung, oft auch Sichtkontakt zwischen den einzelnen Stützpunkten. So war es möglich, sich gegenseitig Feuerschutz zu geben.

Blick aus der Stellung von Heinrich Severloh auf den Strand von Omaha Beach, aufgenommen im Juni 2008

Während Oberleutnant Frerking aus seinem Betonbunker das Artilleriefeuer seiner Batterie lenkte, übernahm der junge Mann das MG42. Mit dem Maschinengewehr und zwei Karabinern K98 schoss er auf die angreifenden amerikanischen Soldaten. Bis etwa 15 Uhr verschoss er etwa 12.000 Schuss mit dem MG und 400 Schuss mit den beiden Karabinern. Die genaue Zahl amerikanischer Soldaten, die durch Severlohs Einsatz fielen, ist nicht mehr feststellbar. Severlohs eigene Angabe von mehr als 2.000 schätzen amerikanische und deutsche Militärexperten als übertrieben ein.[1]

Die amerikanischen Truppen fanden letztlich direkt unterhalb des heutigen amerikanischen Soldatenfriedhofs eine nur dünn besetzte Lücke zwischen WN 62 und WN 64 und konnten so WN 62 von hinten angreifen und ausschalten.

Gefangenschaft und Heimkehr

Nach dem Kampf bei Omaha Beach wurde Severloh verwundet. Er zog sich mit einem anderen Soldaten ins nahe gelegene Dorf Colleville-sur-Mer zurück. Mit einigen gefangenen Amerikanern, die er von einem dortigen Unterstand zu einer Sammelstelle bringen sollte, wurde er am 7. Juni 1944 von amerikanischen Truppen gefangengenommen.

Er wurde bis Mai 1946 als Kriegsgefangener nach Boston geschickt und kam im Dezember 1946 mit anderen Kriegsgefangenen nach Bedfordshire, um dort beim Straßenbau mitzuarbeiten. Ein Ersuchen seines Vaters an die englischen Militärbehörden brachte ihm 1947 die Freiheit zurück, da ihn sein Vater für die landwirtschaftlichen Arbeiten im elterlichen Gehöft dringend benötigte.

Nach dem Krieg

Einer der Überlebenden von Severlohs MG-Beschuss war der damals 19-jährige amerikanische Soldat David Silva, der durch die Geschossgarben schwer verwundet wurde. Jahre nach dem Krieg fand Severloh Silvas Namen in dem Buch „Der längste Tag“ von Cornelius Ryan über die Invasion. Nach vielen Monaten fand Severloh heraus, dass Silva wieder in der US Army tätig und in Karlsruhe stationiert war. Dort trafen sie sich zum zweiten Mal. Aus den damaligen Feinden wurden sehr enge Freunde und beim Erinnerungstreffen 2005 der Alliierten Siegermächte in der Normandie trafen sich Severloh und Silva wieder.

Heinrich Severloh schwieg außer seiner Frau gegenüber viele Jahrzehnte lang über das Erlebte. Erst als er von einem Reporter direkt darauf angesprochen worden war, ob er die „Bestie von Omaha“ gewesen sei, brach er sein Schweigen. Seine Erlebnisse schrieb er in einem Buch nieder. Severloh starb 2006 in einem Seniorenheim in der Nähe von Celle.

Trivia

David Silva wurde später Militärgeistlicher und wurde in Karlsruhe während der sechziger Jahre stationiert. Bei dem ersten Treffen zwischen Heinrich Severloh und David Silva fragte Severloh ihn, wie es dazu gekommen sei, dass er nun Pfarrer in der Armee sei. Daraufhin antwortete David: „In dem Moment, da ich damals aus dem Landungsboot und in Dein MG-Feuer hinaus musste, rief ich Gott an, mir zu helfen, lebendig aus dieser Hölle herauszukommen. Ich gelobte, dafür später Pfarrer zu werden und als solcher anderen Soldaten zu helfen…“

Der Artilleriebeobachtungsbunker des Oberleutnants sowie das gesamte Widerstandnest 62 existieren auch heute noch am Strand unterhalb des Dorfes Colleville in der Normandie und können frei besichtigt werden. Das Schützenloch ist nur noch zu erahnen.

Literatur

  • Heinrich Severloh: WN 62 - Erinnerungen an Omaha Beach Normandie, 6. Juni 1944. Hek Creativ Verlag, 2004, ISBN 9783932922114.  OCLC 56831668

Einzelnachweise

  1. http://media.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A10191-2004Jul23.html washingtonpost.com 24. Juli 2004

Weblinks


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