Beat-Club

Der Beat-Club war die erste Musiksendung mit englischsprachigen Interpreten im deutschen Fernsehen, wurde von Radio Bremen produziert, und zwischen 1965 und 1972 gesendet. Sie war gleichzeitig die erste Musiksendung im deutschen Fernsehen, die speziell für Jugendliche geschaffen worden war.

Inhaltsverzeichnis

Erfordernis

Die weitgehende Ignoranz des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Hinblick auf englischsprachige Pop-Musik führte zur Abwanderung der jugendlichen Zielgruppe der 14- bis 34-jährigen Zuhörer und Zuschauer zu Soldatensendern wie BFBS oder AFN, Radio Luxemburg oder Piratensendern. Ab 1960 – und verstärkt seit 1963 mit Aufkommen der Beatmusik – war das Interesse der deutschen Jugendlichen an der englischsprachigen Pop-Musik so stark gewachsen, dass es in der deutschen Hitparade deutlich ablesbar wurde.

Diesem Zeitgeist konnten sich die Fernsehmacher letztlich nicht mehr widersetzen und beauftragten Mitte 1965 Michael „Mike“ Leckebusch, damals in der Unterhaltungsredaktion bei Radio Bremen, und Gerhard „Gerd“ Augustin, einem ortsbekannten Bremer Discjockey, ein Konzept zu entwickeln. Augustin hatte seit Dezember 1963 als einer der ersten deutschen DJs im Bremer „Twen Club“ Erfahrungen sammeln können.[1] [2] Tatsächlich beruhte das Konzept der Sendung auf älteren Ideen, die der Anthropologe und Jazz-Experte Ernst Bornemann zwei Jahre zuvor für das geplante Deutschland-Fernsehen entwickelt hatte.

Das Sendeformat war am Vorbild des amerikanischen American Bandstand orientiert, wo Interpreten Playback sangen und die Live-Atmosphäre durch tanzende Jugendliche hergestellt werden sollte. Dieses Format stieß bei vielen Erwachsenen damals auf absolutes Unverständnis und Ablehnung, während die Beatmusik längst den deutschen Markt erobert hatte und die Jugend das Hippiezeitalter und die Flower-Power-Generation favorisierte.

Erstsendung

Am 25. September 1965 wurde die erste Sendung live ausgestrahlt. Die Reaktion des älteren Publikums fürchtend, kündigte Wilhelm Wieben, der spätere Tagesschausprecher, die Livesendung mit tanzenden Jugendlichen und lauter Musik mit einer Vorwarnung für die Eltern an und bat um Verständnis für die Musik und die Jugend[3].

Uschi Nerke im Beat Club

Durch die Sendung führte das Moderatorenpaar Uschi Nerke und Gerhard Augustin, der nur bis zur 8. Folge blieb. Das Format sah Liveauftritte vor Publikum, Einspielfilme bekannter Künstler und GoGo-Girls als Blickfang vor. Insgesamt waren für die erste Folge 150 Jugendliche aus dem „Twen Club“ sowie Freunde und Bekannte von Mitarbeitern des Senders eingeladen. Die erste Folge konnte noch nicht den Anspruch auf erstklassige Popstars erheben und musste sich mit eher drittklassigen Interpreten begnügen. Es spielten die Bremer „Yankees“ als Opener der ersten Folge „Halbstark“ und gefolgt von drei weiteren Songs in englisch, „The Liverbirds“, eine englische weibliche Rock-Band aus Liverpool, die als die erste Girlgroup der Welt gilt, mit 3 Songs sowie „John O'Hara & His Playboys“ mit ebenfalls drei Songs[4]. Die Sendung wurde von 16:45 Uhr bis 17:15 Uhr am Samstag ausgestrahlt.

Weitere Folgen

Mood-Mosaic – A Touch of Velvet – A Sting of Brass

Neben der harschen Kritik durch Erwachsene gab es überwältigende Zustimmung von Jugendlichen zur ersten Folge. Schnell erreichte die Sendung in ganz Deutschland unter Jugendlichen Kultstatus. Die Eintrittskarten waren sehr begehrt und wurden über Bremen hinaus gehandelt. Die Nachfrage überstieg bei weitem die Saalkapazitäten. Es war zunächst für die Produzenten schwer, erstklassige englischsprachige Interpreten einzuladen. Das zeigte sich noch bis 4. Dezember 1965, als Sonny & Cher und Gerry & The Pacemakers gewonnen werden konnten. Auch der Erfolg der Lords wurde nicht ignoriert, sodass sie mit gleich 7 Titeln am 22. Januar 1966 vertreten waren. Als Titelmusik wurde zunächst „Rinky Dink“ von „Sounds Incorporated“ genutzt, sie wurde ab 13. Juli 1968 durch die mittlerweile legendäre Erkennungsmelodie „A Touch of Velvet – A Sting of Brass“ von der unbekannten Gruppe „The Mood Mosaic Featuring The Ladybirds[5] ersetzt. Dieser Titel wird heute unter Sammlern als Rarität gehandelt.

Ab Folge 35 (14. September 1968) bis Folge 74 kam der WDR als mitproduzierender Partner hinzu, wobei die Sendezeit auf 60 Minuten ausgedehnt wurde. Ab Folge 51 (31. Januar 1970) wurde in Farbe gesendet, die GoGo-Girls hatten in Folge 55 (30. Mai 1970) ihren letzten Auftritt.

Bemerkenswert war Leckebuschs fernsehmäßige Umsetzung der Musik, die vom Einsatz visueller Effekte bis zur Grenze der damaligen technischen Möglichkeiten begleitet wurde. Besonders nach dem Einzug der Farbtechnik dominierten teilweise übertriebene psychedelische Bild- und Farbeffekte. Der Beat-Club war auch die erste Sendung im westdeutschen Fernsehen, die Jingles einsetzte.

Moderatoren

Die bekannteste Moderatorin war die attraktive Architekturstudentin Uschi Nerke. Bei den Männern folgte auf Gerd Augustin bereits ab 28. Mai 1966 Dave Lee Travis. Dieser hatte zuvor beim Piratensender Radio Caroline moderiert und wechselte nach Folge 45 (2. August 1969) zur BBC. Für die nächsten acht Folgen konnte Dave Dee von der Musikformation Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich gewonnen werden. Außerdem trat Eddi Vickers sporadisch in einigen Folgen auf.

Am 9. Dezember 1972 wurde die Sendung nach 83 Folgen eingestellt. Als Nachfolgesendung produzierte Radio Bremen den Musikladen, moderiert wiederum von Uschi Nerke, mit Manfred Sexauer an ihrer Seite.

Beat-Club auf DVD

Heute sind viele alte Aufnahmen des Beat-Clubs auf den Sendern VH1 und VH1 Classic zu sehen. Highlights der Sendungen wurden von der ARD auf DVD veröffentlicht (The Best of '65 bis The Best of '72). Neben international bekannten Stars wie Chuck Berry, Gerry & the Pacemakers, Jimi Hendrix, Deep Purple, Black Sabbath, Emerson, Lake and Palmer oder The Who traten auch Gruppen im Beat-Club auf, die heute nur noch durch diese Wiederveröffentlichungen in Erinnerung sind, wie die Yankees, The German Blue Flames oder The Phantoms.

Im März 2009 erschienen 3 DVD-Boxen mit jeweils 8 DVDs, die alle Beat-Club Sendungen in voller Länge enthalten. Es fehlen lediglich 2 „Best of“ Sendungen und eine Sendung in der ausschließlich Musikvideos gezeigt wurden. Es fehlt aber auch der extra Beat-Club mit Frank Zappa vom 6. Oktober 1968 mit dem Titel Lieder-Liches.

  • the story of BEAT-CLUB Volume 1 (1965–1968) [8DVD Box] 2009

  Beat-Club 1 (25. September 1965) – Beat-Club 35 (14. September 1968) – außer den Folgen 9 (Best of), 13 (nur Musikvideos) und 23 (Best of)

  • the story of BEAT-CLUB Volume 2 (1968–1970) [8DVD Box] 2009

  Beat-Club 36 (12. Oktober 1968) – Beat-Club 59 (26. September 1970)

  • the story of BEAT-CLUB Volume 3 (1970–1972) [8DVD Box] 2009

  Beat-Club 60 (24. Oktober 1970) – Beat-Club 83 (9. Dezember 1972)

Einzelnachweise

  1. Spiegel-Online „Der Mann, der den Beat brachte“
  2. Spiegel-Online „Als das Fernsehen rocken lernte“
  3. „Sie aber, meine Damen und Herren, die sie Beat-Musik nicht mögen, bitten wir um Verständnis …“
  4. Spiegel-Online Ausschnitte aus der ersten Folge
  5. erschienen auf Columbia DB 7801 im Januar 1966

Literatur

Weblinks


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