Beate Uhse

Beate Uhse-Köstlin (* 25. Oktober 1919 in Wargenau bei Cranz, Ostpreußen; † 16. Juli 2001 in St. Gallen, Schweiz; eigentlich Beate Rotermund-Uhse, geborene Köstlin) war eine deutsche Pilotin und Unternehmerin.

Sie war Deutschlands erste und einzige Stunt-Pilotin und gründete nach dem Zweiten Weltkrieg den ersten Sexshop der Welt. Heute ist die börsennotierte Beate Uhse AG der deutsche Marktführer im „erotischen Zubehörhandel“. Nach ihr wurde der Erotikkanal Beate-Uhse.TV von Sky benannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Beate Uhse war das jüngste von drei Kindern des Landwirts Otto Köstlin und der Ärztin Margarete Köstlin-Räntsch (* 1880). Sie erhielt ihre Schulbildung in Internaten, unter anderem an der Odenwaldschule in Heppenheim und auf Juist. Die Eltern klärten ihre Kinder früh auf, sprachen mit ihnen offen über die Sexualität und die dabei nötige Sexualhygiene. Mit 15 Jahren wurde Beate hessische Meisterin im Speerwerfen. Mit 16 Jahren ging sie für ein Jahr nach England, um als Au-pair Englisch zu lernen. Danach kehrte sie auf das elterliche Gut zurück und absolvierte auf Wunsch ihrer Eltern eine Ausbildung in Hauswirtschaft.

Am 28. September 1939 heiratete Beate Köstlin ihren Fluglehrer Hans-Jürgen Uhse im Rahmen einer Kriegstrauung. 1943 wurde ihr Sohn Klaus geboren, im Mai 1944 verunglückte ihr Mann tödlich. Im April 1945 wurde Uhse von britischen Truppen gefangen genommen und ließ sich nach ihrer Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft mit ihrem Sohn in Flensburg nieder.

1949 heiratete Beate Uhse den Kaufmann Ernst-Walter Rotermund († 1989), der seinen Sohn Dirk mit in die Ehe einbrachte. Mit Rotermund bekam sie einen weiteren Sohn, Ulrich. Uhse war praktizierende Naturistin und wurde 1960 Mitglied des Deutschen Verbandes für Freikörperkultur. Ihre zweite Ehe wurde am 9. Mai 1972 geschieden. 1983 wurde bei ihr Magenkrebs diagnostiziert, der geheilt werden konnte. Mit 75 Jahren machte sie ihren Tauchschein.

1989 wurde Beate Uhse das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen und 1999 wurde sie zur Ehrenbürgerin der Stadt Flensburg ernannt. Beate Uhse starb im Juli 2001 in einer Schweizer Klinik an den Folgen einer schweren Lungenentzündung und wurde später auf dem Glücksburger Friedhof begraben.[1]

2011 verfilmte das ZDF unter dem Titel Beate Uhse - Das Recht auf Liebe Uhses Biographie mit Franka Potente in der Hauptrolle.

Karriere als Pilotin

Am 7. August 1937 durfte Beate Uhse, die sich als Kind bereits für die Geschichte des Ikarus hatte begeistern können, bei der Fliegerschule Rangsdorf bei Berlin in einer Heinkel He 72 mit dem Fluglehrer Tobaschefski erstmals fliegen. Drei Wochen später folgte der erste Alleinflug. Von Fluglehrer Haak wurde sie auf die Muster Klemm Kl 25 und Focke-Wulf Fw 44 umgeschult und flog zum ersten Mal auf der Bücker Bü 131 Jungmann. Mit einem Solo-Überlandflug Rangsdorf–Magdeburg–Halle-Leipzig–Rangsdorf am 11. und 12. Oktober schloss sie ihre Ausbildung ab und erhielt an ihrem 18. Geburtstag ihren Flugzeugführerschein A2.

Vom 1. November 1937 bis 30. April 1938 arbeitete sie als Praktikantin bei Bücker Flugzeugbau GmbH in Rangsdorf und durchlief alle Bereiche der Firma. Während dieser Zeit konnte sie auf Gotha Go 145 und Arado Ar 66 bis zur Klasse B1 weiterschulen und mit der Kunstflugschulung beginnen.

Ihr Fluglehrer war nun Hans-Jürgen Uhse, ihr späterer Ehemann. Die Kunstflugprüfung K1 legte sie am 19. August 1938 ab. Schon einen Monat vorher wurde sie beim 1. Zuverlässigkeitsflug für Sportfliegerinnen unter 13 Teilnehmerinnen mit einer Klemm Kl 25 hinter Melitta Schiller Zweite. Drei Wochen später wurde sie mit einer Bücker Bü 131 A beim Luftrennen in Kortrijk/Belgien in ihrer Klasse Erste und in der Gesamtwertung Dritte. Am 16. Mai 1939 legte sie ihre Kunstflugprüfung K2 ab. Drei Monate später wurde sie beim zweiten Zuverlässigkeitsflug der Sportfliegerinnen hinter Liesel Bach (Bücker Bü 180) und Luise Harden (Siebel Si 202) auf einer Bü 180 Dritte. Am 20. August wurde sie vom Werk aus mit einer Bücker Bü 133 Jungmeister nach Thurö in Dänemark geschickt, um das Flugzeug dort vorzuführen.

Beate Uhse wurde von Bücker als Pilotin eingestellt und flog neue oder reparierte Flugzeuge ein und überführte sie auch, wie zum Beispiel öfter nach Ungarn. Eine Filmfirma fragte bei Bücker wegen Piloten als Doubles an, die ein Flugzeug am Boden rollen und es fliegen können, während die Filmhelden im hinteren Sitz den kühnen Flieger markieren. Die Firma schlug Beate Uhse vor, die klein genug war, um sich im vorderen Sitz verstecken zu können. Im Film Achtung! Feind hört mit! flog sie für René Deltgen mit einer Bücker Bü 180 Student. Auch im Film D III 88 wirkt sie in einer mit Kokarden verzierten Bü 131 mit.

Zum 1. April 1942 wechselte Beate Uhse von Bücker zu dem neu gegründeten Flugzeugreparaturwerk von Alfred Friedrich in Strausberg. Ab April 1944 wurde sie häufig zu Überführungsflügen herangezogen, meist von Junkers Ju 87, die aus der Weser-Fertigung in Tempelhof kamen und zu den Luftparks gebracht werden mussten. Bei der Luftwaffe flog sie die Jäger Messerschmitt Bf 109 und Focke-Wulf Fw 190 sowie Ju 87 und Messerschmitt Bf 110. Dabei kam es zu Begegnungen und Beschuss durch alliierte Jäger, die sie unbeschadet überstand.[2]

Ab dem 1. Oktober 1944 wurde sie im Rang eines Hauptmanns vom Überführungsgeschwader 1, Gruppe Mitte mit Sitz in Staaken übernommen. Kurz vor Kriegsende im April 1945 bekam sie dort eine Einweisung auf den Strahljäger Messerschmitt Me 262.[3]

Beim Einmarsch der Roten Armee konnte sie am 22. April 1945 von Gatow aus mit Sohn, Kindermädchen und weiteren vier Personen mit einer Siebel Fh 104 zunächst nach Barth und von dort am 30. April 1945 über Travemünde nach Leck und schließlich nach Flensburg flüchten.[4]

Karriere als Geschäftsfrau

Da die Besatzungsmächte jede fliegerische Tätigkeit verboten hatten, konnte sie nicht mehr als Pilotin arbeiten. Sie schlug sich mit Schwarzmarktgeschäften durch und erfuhr in Gesprächen mit Hausfrauen von deren Dilemma: einerseits ihrem Bedürfnis nach Sexualität, andererseits dem Wunsch, wegen Wohnungslosigkeit und Zukunftsängsten aktuell keine Kinder bekommen zu wollen. Beate Uhse brachte dazu eine Broschüre über die Verhütungsmethode nach Knaus-Ogino heraus.

Bis 1947 verkaufte sich die Schrift X etwa 32.000-mal zum Preis von 50 Pfennig und verschaffte Beate Uhse Startkapital, um ihren „Betu-Versand“ auch auf größere Städte wie Hamburg und Bremen auszudehnen. Sie wurde als Ratgeberin zur Sexualität und Erotik gefragt. Bald verkaufte sie auch Kondome und „Ehebücher“.

1951 gründete sie mit vier Angestellten das „Versandhaus Beate Uhse“, das Kondome und Bücher zum Thema „Ehehygiene“ anbot. Bereits zwei Jahre später hatte die kleine Firma 14 Angestellte.

Uhse-Laden in Hamburg

1962 eröffnete sie in Flensburg ihr „Fachgeschäft für Ehehygiene“, den ersten Sexshop der Welt. Auf Anraten ihres Anwaltes eröffnete sie das Geschäft zu Weihnachten, da zur Weihnachtszeit keine Übergriffe empörter Bürger zu befürchten seien und sich die Empörung danach abgekühlt haben würde. In ihrem Geschäft und im Katalog bot sie immer mehr „Artikel für die Ehehygiene“ an. Auf Anzeige besorgter Bürger wurden die Artikel polizeilich verfolgt, die „der unnatürlichen, gegen Zucht und Sitte verstoßenden Aufpeitschung und Befriedigung geschlechtlicher Reize“ dienten. Über 2.000 Anzeigen wurden bis 1992 gegen ihr Geschäft eingereicht. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verweigerte ihrem Stephenson Verlag den Eintritt „wegen sittlicher Bedenken“ und der Flensburger Tennisclub wollte sie wegen „allgemeiner Bedenken“ nicht als Mitglied akzeptieren. Dennoch konnte sie aufgrund ihres geschäftlichen Erfolgs ihr erstes eigenes Flugzeug kaufen, eine Cessna 172.

1996 eröffnete sie in Berlin das Beate Uhse Erotik-Museum. Drei Jahre später, 1999, ging die Beate Uhse AG an die Börse. Die Aktie war 64-fach überzeichnet, verlor allerdings seither über 95 Prozent ihres Wertes. Begehrt sind wegen der Abbildung zweier fast nackter Frauen auch die effektiven Stücke der Aktien.

Verweise

Literatur

  • Elizabeth D. Heineman: Der Mythos Beate Uhse. Respektabilität, Geschichte und autobiographisches Marketing in der frühen Bundesrepublik. In: Werkstatt Geschichte. 40, 2006. (Volltext als PDF)
  • Jürgen Hobrecht: Beate Uhse. Chronik eines Lebens. Beate Uhse Holding, Flensburg 2003, ISBN 3-00-010643-X.
  • Beate Uhse, Ulrich Pramann: Mit Lust und Liebe. Mein Leben. Ullstein, Frankfurt am Main/Berlin 1989, ISBN 3-550-06429-2.
  • Beate Uhse, Ulrich Pramann: Ich will Freiheit für die Liebe – Beate Uhse. Die Autobiographie. Ullstein Taschenbuch, München 2001, ISBN 3-548-60049-2.
  • Beate Uhse: Sex sells. Die Erfolgsstory von Europas größtem Erotik-Konzern. Knaur, München 2002, ISBN 3-426-77599-9.
  • Uta van Steen: Liebesperlen – Beate Uhse. Eine deutsche Karriere. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2003, ISBN 3-434-50548-2.
Dieser Artikel existiert auch als Audiodatei.

Filmografie (Auswahl)

  • 2011: Beate Uhse - Das Recht auf Liebe.

Weblinks

 Commons: Beate Uhse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. knerger.de: Das Grab von Beate Uhse
  2. Interview im Sonntagsblatt
  3. Norbert Rohde: Historische Militärobjekte der Region Oberhavel. Band 1. Das Heinkel-Flugzeugwerk Oranienburg. Velten Verlag, Leegebruch 2006, ISBN 3-9811401-0-9, S. 78.
  4. aus: Air Venture Wußten Sie schon...

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