Beatriz Preciado

Beatriz Preciado (* 1970 in Burgos), Philosophin und Queer-Theoretikerin, studierte Philosophie an der Päpstlichen Universität Comillas in Madrid, der New School for Social Research in New York und der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris.

Derzeit schreibt Preciado ihre Dissertation. Sie hat 2005 mit einem französischen Stipendium einen fünfmonatigen Studienaufenthalt in Princeton absolviert. 2004 hielt sie einen Vortrag im Rahmen eines Symposiums an der Universität Vincennes – Saint-Dénis (Paris 8). An der Abteilung für Tanz ist sie im Sommersemester 2006 für einen Kurs über Gender, Körper und Performance zuständig.

Ausgehend von Ansätzen von Jacques Derrida, Judith Butler und Michel Foucault entwickelt Preciado Kritiken herrschender Sexualitätsformen im Kontext von Macht, normativen Körperinszenierungen und sexuellen Praktiken.

Inhaltsverzeichnis

Kontrasexuelles Manifest

In ihrem 2000 erschienen Kontrasexuellen Manifest versucht Beatriz Preciado neue Formen von Sexualität als Gegenentwurf zur Heterosexualität theoretisch zu entwickeln, indem sie die sexuelle Ladung von Penis und Vagina dezentriert und eine Sexualität konstituiert und proklamiert, in der Anus und Dildo - wobei jedes Körperorgan ein Dildo sein/werden kann - im Zentrum sexuellen Handelns stehen.

Preciados Manifest entwirft ein gesellschaftliches System, das Gendernormen und Rollenvorstellungen loslässt und versucht die Gesellschaft völlig neu zu ordnen. Kontrasexualität ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem „heterozentrischen Sozialvetrag“[1], welcher Heterosexualität als Norm ansieht und jegliche Abweichung davon nicht akzeptiert. Sie spricht von „normativen Performanzen, die sich als biologische Wahrheiten in den Körper einschreiben“[1]. Ähnlich wie Judith Butler klagt sie hier die Fremdbestimmung des Subjekts an. Was Frau und Mann ist wird von der Kultur bestimmt und automatisch auf das Subjekt projiziert. Preciado will mit dem heterosexuellen Sozialvertrag brechen und ihn durch einen kontrasexuellen ersetzen, damit einher geht eine „systematische Dekonstruktion sowohl der Naturalisierung der sexuellen Praktiken als auch der Gesellschaftsordnung“[1]. Genau wie Butler gebraucht auch Preciado den Begriff „Performanz“. Nach Precidao funktioniert das heterosexuelle System durch kulturelle Codes. Unter diesen Codes versteht sie den Kreislauf von Performance, Imitieren, Produzieren und Reproduzieren, durch den als natürlich präsentierte Gendervorstellungen geschaffen werden. Preciado definiert Kontrasexualität wie folgt:

„Kontrasexualität ist eine Theorie des Körpers, die sich außerhalb der Opposition maskulin/feminin, Männchen/Weibchen, heterosexuell/homosexuell stellt. Sie definiert Sexualität als Technologie und betrachtet die unterschiedlichen Elemente des Systems Sex/Gender (…) ebenso wie deren Praktiken und sexuellen Identitäten.“[2]

Preciado wehrt sich dagegen, dass Sexualität das Individuum in einer Gesellschaft bestimmt und erhofft sich mit ihrer alternativen kontrasexuellen Gesellschaft die Befreiung des Individuums. Ihre kontrasexuelle Gesellschaft beruht auf einem kontrasexuellen Vertrag, welchen zwischen zwei/oder mehrerer Individuen geschlossen wird. Dieser Vertrag regelt bis ins kleinste Detail den sexuellen Umgang beider Personen. Ergänzt wird der Vertrag durch schriftlich festgehaltene Grundsätze im Sinne von Paragraphen, mit den sich die Mitglieder der Gesellschaft einverstanden erklären. Der/die Unterzeichner/in des Vertrages gibt jegliche sexuelle Identität in dem Sinne auf, dass er/sie auf die „natürliche“ Position Mann/Frau verzichtet und damit jegliche Privilegien und Verpflichtungen, die damit einher gehen, aufgibt. Des Weiteren wird die zwischenmenschliche Beziehung genau definiert. Der Vertrag kommt keiner Heirat gleich und ist auch nicht als eine Lebensgemeinschaft zu verstehen. Fortpflanzung ist in dem Vertrag nicht enthalten und darf auch nur stattfinden, wenn beide Partner einverstanden sind. Der Vertrag bezieht sich allein auf den sexuellen Akt. Um die Abschaffung von Gendervorstellungen zu verdeutlichen, wird der Anus das neue „universale(s) kontrasexuelle(s) Zentrum“[3] . Der Anus diskriminiert nicht und schafft keine Kategorien, denn das weibliche, wie das männliche Geschlecht besitzen ihn. Somit wird der Anus zur Metapher für Sexlosigkeit im Sinne von Gender.

Werke

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Beatriz Preciado: „Was ist Kontrasexualität” (S.9-32), und “Kontrasexuelle Leseübung” (Deleuze), in: diess: Kontrasexuelles Manifest. Berlin: b_books, 2003, 10.
  2. Preciado (2003), 11.
  3. Preciado (2003), 25.

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