Webseite

Als Webseite (eine Wortzusammensetzung aus „Web“ und „Seite“), Webdokument, Internetseite oder kurz Seite wird ein Dokument als Bestandteil eines Angebotes oder einer Präsenz im World Wide Web bezeichnet, das mit einem Browser unter Angabe eines Uniform Resource Locators (URL) abgerufen und von einem Webserver angeboten werden kann. In diesem Zusammenhang wird auch von einer HTML-Seite oder einem HTML-Dokument gesprochen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die erste Webseite wurde am 13. November 1990 von Tim Berners-Lee auf einem NeXT-Rechner verfasst und veröffentlicht – einen Tag, nachdem dieser gemeinsam mit Robert Cailliau ein neugefasstes Konzept für ein weltweites Hypertext-Projekt veröffentlicht hatte.[1]

Aufbau

Webseiten bestehen zumeist aus strukturiertem Text, in dem Bilder und andere Multimediaelemente eingebunden sein können. Das wesentliche Merkmal von Webseiten ist, dass sie Verweise, sogenannte Hyperlinks, auf andere Webseiten enthalten und gemeinsam den Hypertext bilden. Dabei hat jedes Dokument mindestens eine Adresse (URL), über die es in einem Webbrowser aufgerufen werden kann. Webseiten können statische (feste) oder dynamische Inhalte haben. Dynamische Inhalte werden bei jedem Aufruf neu generiert, vorzugsweise basierend auf dem Ergebnis einer Datenbankanfrage. Zudem können gleiche Inhalte verschiedenartig dargeboten werden, z. B. als Druckversion oder Textversion.

Webseiten werden meist aus dem Internet oder einem Intranet geladen, können aber auch auf einem lokalen Speichermedium, zum Beispiel einer Festplatte, abgelegt sein. Die Gesamtheit der Webseiten eines Internetauftritts wird als Website, Webpräsenz, Webauftritt, Internetpräsenz oder umgangssprachlich auch als Homepage bezeichnet.

Rezeption von Webseiten

Webseiten werden anders wahrgenommen als gedruckte Textseiten. In Versuchen mit Augenkameras (Blickbewegungsregistrierung) hat man festgestellt, dass die meisten Besucher einer Webseite den Text überfliegen (scannen) und dabei mit den Augen zunächst den oberen Rand und dann den linken Rand des Inhaltsbereichs abtasten. Es entsteht ein Z- oder F-förmiger Bereich, der von den meisten Besuchern angeblickt wird.[2] Schon 1997 hat man festgestellt, dass Besucher, die über eine Suchmaschine auf eine Webseite kommen, dort vorzugsweise nach ihrem Suchwort (Schlüsselwort) Ausschau halten.[3] Aus diesen Tatsachen ergeben sich besondere Anforderungen für den Webtext.

Erstellung

Die Erstellung und Gestaltung von Websites wird unter dem Begriff Webdesign zusammengefasst. Basissprache für die Erstellung von Webseiten ist die Auszeichnungssprache HTML, wobei die Formatierung zusätzlich noch durch Formatierungssprachen wie Cascading Style Sheets (CSS) beeinflusst werden kann. Vor allem für das Erstellen dynamischer Seiten wurden weitere Sprachen entwickelt, mit deren Hilfe auch komplexe Gefüge aus Webseiten (siehe Website) erstellt werden können.

Dynamische Webseiten

Im Gegensatz zu statischen Webseiten, die technisch ein valides HTML-Dokument auf dem Webserver darstellen, werden Webseiten häufig auch dynamisch oder aktiv im Moment der Anforderung erzeugt. Das ist dann sinnvoll, wenn eine Webseite sehr aktuelle Informationen wie z. B. Börsenkurse oder das Wetter von morgen enthalten sollten. In diesem Fall führt der Webserver ein Programm aus, das vorher spezifisch für diese Aufgabe entwickelt wurde. Es trägt die Daten z. B. aus Datenbanken zusammen und erstellt das HTML-Dokument. Dieses wird dann vom Webserver an den Browser übertragen und beim Benutzer angezeigt.

Ein anderer Anwendungsfall ergibt sich aus dem Bedürfnis, auf Eingaben des Benutzers zu reagieren. Diese Eingabe kann z. B. ein Suchbegriff in einer Suchmaschine sein. Die Software der Suchmaschine erstellt anhand des Suchbegriffs eine Liste von passenden Links und erzeugt eine Webseite, die dem Benutzer diese Liste komfortabel darstellt.

Die Möglichkeit, Webseiten dynamisch in Abhängigkeit von Benutzereingaben und Datenbankinhalten zu generieren, machte das Web schnell zu einer universellen Plattform für alle Arten von Anwendungen. Die Vorteile liegen in Unabhängigkeit von Betriebssystemen und anderen Eigenschaften der Clients. Grundvoraussetzungen sind lediglich eine Netzwerkverbindung zum Server und ein Webbrowser.

Zum Generieren von dynamischen Webseiten kommt jedes Programm in Frage, das sich auf dem Serversystem ausführen lässt. Um die Programmierung zu vereinfachen, wurden jedoch Standards wie das Common Gateway Interface (CGI) eingeführt, um Webanwendungen auch unabhängig von der Art des Webservers zu machen. Die Mehrzahl von CGI-Anwendungen wurden und werden in der Programmiersprache Perl geschrieben. Aufgrund des rasant steigenden Bedarfes nach sehr leistungsfähigen Servern zum Betrieb von Web-Anwendungen entwickelten sich Technologien wie PHP, J2EE und .NET.

In der Praxis gibt es einen starken Trend, auf sog. Content-Management-Systeme (CMS) aufzusetzen. Oftmals wird allerdings der Erstellungsaufwand unterschätzt. Es drängen mehr und mehr, meist PHP und MySQL basierte, Lösungen in freier Software auf den Markt, die auch für ungeübte Programmierer schnell zu bedienen sind, solange sie eine gewisse Komplexität nicht übersteigen.

Siehe auch: DHTML, ASP und Servlet

Dynamisch generierte statische Webseiten

Mit den Standardisierungen für XML und XSLT hat das W3C im Dezember 2000 einen Weg gewiesen, wie sich auch „echte“ und damit statische HTML-Dokumente auf dynamischem Wege erzeugen lassen, die es an Komplexität mit den Datenbankauszügen eines CMS aufnehmen können oder diese sogar noch übertreffen: einfach gehaltene und auf den Inhalt beschränkte, dabei aber gut durchstrukturierte Ausgangsdaten in XML werden durch einen angepassten XSL-Transformator in valides, komplexes HTML umgesetzt, das dann als statisches Dokument auf dem Webserver abrufbereit vorliegt.

Vorteil ist vor allem die höhere Leistung, weil der Aufwand des Hostrechners entfällt, komplexe Webseiten erst auf Anfrage zusammenzustellen und der Server daher höhere Besucherzahlen verkraften kann. Weiterer Vorteil ist die größere Flexibilität bei der Gestaltung. Im Gegensatz zu herkömmlichen CMS, wo Datenbankinhalte in vorgefertigte und relativ starre HTML-Schablonen eingefügt werden, bestimmt ein strukturiertes XML-Ausgangsdokument Layout und Benutzerführung des daraus generierten HTML-Dokuments wesentlich mit.

Das ermöglicht die laientaugliche Herstellung auch von langen und zusammenhängenden Inhalten per XML-Editor sowie deren Präsentation in leicht rezipierbarer Form, etwa als webgerechtes E-Book, wobei eine einzige „Webseite“ aus etlichen Bildschirmseiten bestehen kann, die per CSS „gefaltet“ sind und sich bequem durchblättern oder per Menünavigation ansteuern lassen. Auch die Gestaltung ganzer Websites als grafische Benutzeroberflächen mit mehreren, parallel bedienbaren Elementen wird so möglich.

Das Haupthindernis für eine breite Verwendung dieser wesentlich erweiterten Möglichkeiten bzgl. Darstellung und Datenvorhaltung war bislang der Microsoft Internet Explorer, der als bis dato Marktführer erst mit der 2009 erschienenen Version 8 auch hinsichtlich CSS ausreichende Standardkonformität bietet.

Einzelnachweise

  1. Kopie der ersten Webseite bei w3.org
  2. Jakob Nielsen (2006): F-Shaped Pattern For Reading Web Content
  3. Jakob Nielsen (1997): How Users Read On the Web

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Webseite – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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