Wechselkröte
Wechselkröte
Wechselkröte (aus Russland; Nominatform)

Wechselkröte (aus Russland; Nominatform)

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Überfamilie: Hyloidea
Familie: Kröten (Bufonidae)
Gattung: Echte Kröten (Bufo)
Art: Wechselkröte
Wissenschaftlicher Name
Bufo viridis
Laurenti, 1768

Die Wechselkröte (Bufo viridis-Komplex; gelegentlich [umstritten]: Pseudepidalea viridis-Komplex), auch Grüne Kröte genannt, ist ein Froschlurch aus der Gattung der Echten Kröten innerhalb der Familie der Kröten (Bufonidae). Nach heutiger Auffassung handelt es sich nicht um eine einheitliche biologische Art, sondern um eine Artengruppe aus mehreren evolutionären Linien. Allein in Europa lassen sich demnach wohl fünf verschiedene Formen trennen. Die genaue systematische Stellung und Abgrenzung dieser Taxa ist derzeit teilweise noch unklar.[1]

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Weibchen aus der Toskana
(Form Bufo balearicus?)
Bei Nacht rufendes Männchen
(aus Berlin; Nominatform)
Paarungsruf eines Männchens
Kiesgrube als Ersatzlebensraum

Die Größe der Männchen reicht bis acht, die der Weibchen bis neun (zehn) Zentimeter. Während die Grundfarbe der Männchen eher hellgrau ist, ist diese bei den Weibchen fast weiß. Beide sind übersät mit grünen Inselflecken (beim Männchen etwas „verwaschener“), die nur am Bauch fehlen. An den Flanken der Weibchen befinden sich meist rötliche Warzen. Zur Deutung des Namens „Wechselkröte“ wird entweder auf das wechselnde Fleckenmuster verwiesen oder auf die Fähigkeit der Tiere, ihre Grundfarbe je nach Umgebung von hell nach dunkel oder umgekehrt anpassen zu können. Die Pupillen sind waagerecht, die Iris ist zitronengelb bis grünlich. Wie alle Echten Kröten hat die Art Ohrdrüsen (Parotiden) hinter den Augen. Auf der Oberseite befinden sich viele, nicht stark ausgeprägte Warzen.

Fortpflanzung

Der mit einer Kehl-Schallblase erzeugte, nächtliche Paarungsruf der Männchen ist ein anhaltendes, nicht sehr weit tragendes Trillern („ürrr“), das allmählich lauter und höher wird. Zwischen den Trillern gibt es längere Pausen. Oft wird der Ruf mit dem der Maulwurfsgrille verwechselt.

Die Laichschnüre, die oft am Gewässerboden abgelegt werden, sind je nach Dehnung meist zwei bis vier Meter lang. Die braunen bis schwarzen Eier liegen zwei- bis vierreihig in dieser gallertigen Hüllschnur und können 2000 bis maximal 15.000 Stück umfassen. Ihr Durchmesser liegt bei einem bis 1,5 Millimetern.

Die Rückenfärbung der Kaulquappen ist bräunlich bis grünlich-grau; ihre Flossensäume sind hell. Schon vor der Metamorphose, die sich drei bis vier Monate nach dem Schlupf vollzieht, ist ein undeutliches grünes Fleckenmuster sichtbar. Zum Schluss erreichen sie eine Gesamtlänge von bis zu 50 Millimetern.

Lebensraum

Die Wechselkröte ist als östliche Steppenart sowie mediterranes Faunenelement an Trockenheit und Wärme gut angepasst. Sie bevorzugt offene, sonnenexponierte, trockenwarme Habitate mit grabfähigen Böden und teilweise fehlender, lückiger Gras- und Krautvegetation. Sie ist daher vor allem an Ruderalstandorten, in trockenem Brachland auf Feldern und in Abgrabungsflächen anzutreffen. Sie entfernt sich teilweise sehr weit von offenen Gewässern. Wechselkröten sind vorwiegend nachtaktiv. Die Laichgewässer sind flach und vegetationsarm, zum Beispiel in Steinbrüchen. Als Laichgewässer werden temporäre Gewässer mit mineralischem Boden bevorzugt. Die Wechselkröte toleriert einen leicht erhöhten Salzgehalt der Laichgewässer von mehr als zehn Promille. So sind die Larven auch in Brackwassertümpeln an der Ostsee entwicklungsfähig. Die ökologischen Ansprüche der Art ähneln denen der eher atlantisch bzw. westlich verbreiteten Kreuzkröte.

Verbreitung und Taxa

Verbreitungskarte gemäß IUCN-Daten

Die Artengruppe des Bufo viridis-Komplexes kommt kontinental-mediterran in Mitteleuropa, in Süd-, Südost- und Osteuropa, auf vielen Mittelmeerinseln und bis nach Zentralasien und Nordafrika vor. Auf den Balearen wurde die Art wohl in der Bronzezeit aus mythologischen Gründen durch den Menschen eingeführt. Die nördlichsten Bestände in Europa gibt es an der Südspitze Schwedens, auf einigen dänischen Inseln sowie in Estland und Russland. In Deutschland ist die Wechselkröte nur lückenhaft verbreitet und fehlt unter anderem im gesamten Nordwesten und im äußersten Süden. In Österreich liegt der Verbreitungsschwerpunkt in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland; das Bergland wird weitgehend gemieden.

Derzeit werden in Europa fünf Formen innerhalb des Wechselkröten-Artenkreises unterschieden: Bufo viridis viridis (Nominatform; vom Rheinland im Westen bis nach Westrussland im Osten, Nordostitalien, gesamte Balkan-Halbinsel südlich bis nach Kreta, westlich und nördlich des Schwarzen Meeres), Bufo variabilis (offenbar disjunkt im westlichen Ostseeraum mit Ostholstein, Dänemark und Südschweden, in Süd-Griechenland ohne Kreta, auf Zypern, südlich und östlich des Schwarzen Meeres sowie in Vorder- und Mittelasien bis in den westlichen Iran sowie nach Nord-Kasachstan), Bufo boulengeri (Nordafrika und Insel Lampedusa), Bufo balearicus (Italien, Sardinien, Korsika und Balearen) sowie Bufo siculus (Sizilien und einige vorgelagerte Inseln).[1] Dazu kommt als rein asiatische Form Bufo turanensis mit Vorkommen in Süd-Turkmenistan und im Nordiran.

Die von einigen Autoren neuerdings verwendete Gattungsbezeichnung Pseudepidalea wird kontrovers diskutiert, unter anderem mit dem Hinweis, dass Wechselkröten mit Kreuzkröten (seltener auch Erdkröten) bastardieren können, was jedoch bei Vertretern unterschiedlicher Gattungen eigentlich nicht der Fall sein sollte.[1]

Gefährdung und Schutz

Älteres Weibchen, nachtaktiv auf der Insel Kreta (Nominatform Bufo viridis viridis). Die Pupillen der Augen sind weit offen
Weibliche Wechselkröte von der Insel Zypern (Form Bufo variabilis)

Als Pionierbesiedler vegetationsarmer Trockenbiotope mit kleineren, oft sporadischen Wasseransammlungen leiden Wechselkröten unter dem Fehlen oder zu raschen Austrocknen geeigneter Laichgewässer sowie unter der Verbuschung und Beschattung ihrer Habitate. Besonders betroffen sind sie aber von Eingriffen wie der Rekultivierung oder Umnutzung von Brachland und ehemaligen Bodenabbaugruben. Auch künstlicher Fischbesatz in Kleingewässern gefährdet manche Bestände.

Gesetzlicher Schutzstatus (Auswahl)[2]

Nationale Rote Liste-Einstufungen (Auswahl)[3][4]

  • Rote Liste Bundesrepublik Deutschland: 3 – gefährdet
  • Rote Liste Österreichs: VU (entspricht: gefährdet)
  • Rote Liste der Schweiz: RE (die Art ist hier ausgestorben)

Quellen

Einzelnachweise

  1. a b c Dieter Glandt: Taschenlexikon der Amphibien und Reptilien Europas. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2010. ISBN 978-3-494-01470-8
  2. Wechselkröte bei www.wisia.de
  3. Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands 1: Wirbeltiere. Landwirtschaftsverlag, Münster 2009, ISBN 978-3784350332
  4. Online-Übersicht bei www.amphibienschutz.de

Literatur

  • Andreas & Christel Nöllert: Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1992, ISBN 3-440-06340-2

Weiterführende Literatur

  • C. Colliard, A. Sicilia, G.F. Turrisi, M. Arculeo, N. Perrin & M. Stöck: Strong reproductive barriers in a narrow hybrid zone of West-Mediterranean green toads (Bufo viridis subgroup) with Plio-Pleistocene divergence. BMC Evolutionary Biology 10 (2010): 232 (16 pp.); (Artikel online).
  • M. Stöck, C. Moritz, M. Hickerson, D. Frynta, T. Dujsebayeva, V. Eremchenko, J.R. Macey, T.J. Papenfuss & D.B. Wake: Evolution of mitochondrial relationships and biogeography of Palearctic green toads (Bufo viridis subgroup) with insights in their genomic plasticity. Molecular Phylogenetics and Evolution 41 (2006): 663–689.
  • M. Stöck, A. Sicilia, N. Belfiore, D. Buckley, S. Lo Brutto, M. Lo Valvo & M. Arculeo: Post-Messinian evolutionary relationships across the Sicilian channel: Mitochondrial and nuclear markers link a new green toad from Sicily to African relatives. BMC Evol. Biol. 56 (2008): 8 (19 pp.); (Artikel online).
  • M. Stöck, P. Roth, R. Podloucky & K. Grossenbacher: Wechselkröten – unter Berücksichtigung von Bufo viridis viridis Laurenti, 1768; Bufo variabilis (Pallas, 1769); Bufo boulengeri Lataste, 1879; Bufo balearicus Böttger, 1880 und Bufo siculus Stöck, Sicilia, Belfiore, Buckley, Lo Brutto, Lo Valvo & Arculeo, 2008. In: Grossenbacher, K. (Hrsg.): Handbuch der Amphibien und Reptilien Europas. Vol. 5 (Froschlurche II) [Handbook of the Amphibians and Reptiles of Europe. vol. 5 (Anura II)].: pp. 413–498, Aula-Verlag, Wiesbaden 2009.

Weblinks

 Commons: Wechselkröte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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