Weichsel


Weichsel
Weichsel
Weichsel mit Einzugsgebiet und Nebenflüssen

Weichsel mit Einzugsgebiet und NebenflüssenVorlage:Infobox Fluss/KARTE_fehlt

DatenVorlage:Infobox Fluss/GKZ_fehlt
Lage Polen
Flusssystem Weichsel
Quelle Schlesische Beskiden bei Wisła
49° 36′ 41,5″ N, 19° 0′ 38″ O49.61152777777819.0105555555561100
Quellhöhe ca. 1.100 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung in die Ostsee bei Danzig
54.36027777777818.9527777777780

54° 21′ 37″ N, 18° 57′ 10″ O54.36027777777818.9527777777780
Mündungshöhe m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied ca. 1.100 m
Länge 1.047 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Einzugsgebiet 194.424 km²Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
AbflussmengeVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen MQ: 1.080 m³/s
Großstädte Krakau, Warschau, Bydgoszcz, Toruń, Danzig
Schiffbar 914 km, ab Zabrzeg
Weichseldelta heute mit dem 1889-95 gegrabenen Weichseldurchstich

Die Weichsel (polnisch: Wisła [ˈvʲiswa], tschechisch: Visla) ist ein 1.047 Kilometer langer Strom in Polen. Das Einzugsgebiet umfasst jedoch auch Teile der Slowakei, Weißrusslands und der Ukraine. Der längste Gewässerlauf in ihrem Flusssystem sind die 1213 Flusskilometer von der Quelle des Westlichen Bug bis zur Ostsee.

Auf alten Landkarten findet man auch die Schreibweisen W(e)ixel oder Wissel.

Inhaltsverzeichnis

Verlauf

Oberlauf

Der Strom entspringt in den Schlesischen Beskiden am 1.214 m hohen Barania Góra (deutsch: Widderberg) aus den Bächen Czarna Wisełka und Biała Wisełka, die nach neun beziehungsweise sieben Kilometern in den Stausee Zbiornik Czerniański münden. Nach dem Verlassen des Gebirges wendet sie sich nach Osten und bildet ein Stück weit die historische Grenze zwischen Oberschlesien und Kleinpolen. Unterhalb des Stausees von Goczałkowice ist sie schiffbar.

Mittellauf

Die Weichsel in Krakau
Weichsel und Kathedrale in Sandomierz (Ölgemälde 1855)
Burg Czersk an der Weichsel
Weichsel in Warschau
Zusammenfluss von Narew (links) und Weichsel (rechts) bei Modlin
Die Weichsel in Grudziądz (Graudenz)
Mündung der Weichsel am Ende des Weichseldurchstichs, von der Autofähre bei Mikoszewo (Nickelswalde) aus gesehen (September 2008).

Sie fließt ostwärts durch in eine tektonische Senke, die nördlich von der Krakau-Tschenstochauer Höhe und dem Kielcer Bergland begrenzt wird, südlich vom Beskidenvorland und dann östlich vom Lubliner Hügelland. Etwa 70 km nach dem Stausee fließt die Weichsel durch die alte Königsstadt Krakau (Kraków). Von Niepołomice 25 km östlich von Krakau bis etwas unterhalb der Mündung des San war die Weichsel von 1815 bis 1916 die Grenze zwischen dem österreichischen Galizien und dem Russischen Reich. 70 km hinter dem Ort mündet der Karpatenfluss Dunajec. Bald hinter Sandomierz mündet von den Karpaten her der San in die Weichsel. Weiter nördlich erreicht sie das polnische Tiefland. Kurz hinter Warschau (Warszawa) gelangt sie in den Bereich überwiegend ostwestlich ausgerichteter Urstromtäler, durch die ihr von Osten, kurz vorher vereint, Bug und Narew zufließen. Hier wendet sie sich stark nach Westen und passiert Płock, Dobrzyń nad Wisłą, Włocławek und Toruń (Thorn). Bei Włocławek besteht seit 1970 ein großes Stauwehr mit Wasserkraftwerk. Bei Bydgoszcz (Bromberg), dessen Stadtzentrum nicht am Strom liegt, verlässt sie das große ostwestliche Urstromtal und durchbricht in einem kleineren den baltischen Landrücken. Dieser umfasst zwischen Weichsel und Oder die Pommersche Seenplatte, zwischen Weichsel und Njemen die Masurische Seenplatte. In den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden am Mittellauf umfangreiche Regulierungsmaßnahmen durchgeführt, um die Schiffbarkeit zu verbessern.

Delta

Der Einstrom des Flusses in die Ostsee wurde natürlicherweise durch den Dünenrücken der Danziger Binnennehrung versperrt, des westlichen Teils der Frischen Nehrung (Mierzeja Wiślana) [1]. Zwischen Landrücken und Dünenrücken hat sich ein Delta gebildet. Kurz hinter Gniew (Mewe) zweigt nach Osten die Nogat ab, die erst 1371 durch ein Hochwasser vom selbständigen Fluss (wieder) zum Weichselarm wurde und im Bereich der Elbinger Niederung in das Frische Haff (polnisch Zalew Wiślany, also Weichselhaff) mündet. Kurz vor dem Dünenrücken verzweigte sich natürlicherweise der Hauptstrom der Weichsel in die Elbinger oder Königsberger Weichsel (Szkarpawa), die ebenfalls ins Frische Haff mündet und bis Anfang des 19. Jahrhunderts der Hauptstrom war, und die Danziger Weichsel, die nahe der Stadt Danzig den Dünenrücken durchbrach und die in die Danziger Bucht (polnisch Zatoka Gdańska) mündete. Im Jahre 1840 entstand bei einem Hochwasser ein neuer Dünendurchbruch auf halbem Wege zwischen der Gabelung und Danzig, woraufhin der westliche untere Teil des alten Mündungsarms versandete. In den Jahren 1889 bis 1895 wurde dann bei der Gabelung der Dünenrücken durchstochen, um die Hochwassergefährdung des Weichseldeltas zu vermindern. Seit der größte Teil des Weichselwassers durch diesen Weichseldurchstich [2], polnisch Przekop Wisły, in die Ostsee strömt, versandet die Danziger Weichsel insgesamt und wurde zunehmend Tote Weichsel genannt, polnisch Martwa Wisła.

Der östliche Weichselarm Szkarpawa hat ihrerseits ein Delta ausgebildet. Dessen nördlichster Arm wird weiterhin Wisła Królewiecka (Königsberger Weichsel) genannt.

Geschichte

Ob der Name „Weichsel“ indoeuropäischer oder prä-indoeuropäischer Herkunft ist, gibt es bisher keine einhellige Meinung.

Pomponius Mela erwähnte 44 nach Chr. im dritten seiner De chorographia libri tres die „Visula“. Plinius nannte 77 n. Chr. in seiner „Naturgeschichte“ (4.52, 4.89) ausdrücklich zwei Namen: „Visculus sive Vistla“. Der Vistla-Fluss floss demnach in das Mare Suebicum, das heute als Ostsee bekannt ist.

Plinius bezeichnete außerdem die Weichsel als den Grenzfluss zwischen dem germanischen und sarmatischen Einflussgebiet. Die zu seiner Zeit im Weichselgebiet lebenden Ostgermanen bezeichnete Plinius als Vandili (Vandalen) und nannte als Teilstämme Burgodiones (Burgunder), Varinnae, Charini und Gutones (Goten). Die Goten hatten sich erst im letzten Jahrhundert vor der Zeitenwende an der unteren und mittleren Weichsel angesiedelt, begannen aber schon um 200 nach Chr. wieder abzuwandern und sind ab dem 5. Jahrhundert nicht mehr dort nachzuweisen.

Abgesehen von Wanderungsbewegungen änderten sich auch die Bezeichnungen: Tacitus bezeichnete in seiner Germania die östlich der Weichselmündung wohnenden Aesti oder Aisti (wohl gleichbedeutend mit der heutigen Bezeichnung Balten) als Germanen, wies aber darauf hin, dass sie eine Sprache mehr wie Britisch (Keltisch) sprächen und unterschied sie von den Suebi, von ihm anders als von Caesar für alle Germanen im engeren Sinne gebraucht. Ab dem 5.-6. Jahrhundert nach Chr. sind slawische Siedlungen an der Weichsel nachgewiesen. Zwischen germanischer und slawischer Siedlungsperiode war das Weichselbecken nach heutigem Kenntnisstand zeitweise siedlungsleer.[3]

Als Jordanes im 6. Jahrhundert eine Chronik der Goten (Getica) erstellte, benannte er den Fluss Vistula. Er beschrieb ebenfalls zwei weitere Flüsse, beide mit „Viscla“. Dieser Name bezieht sich auf den Nebenfluss Wisloka und den Nebenfluss des San Wislok.

Circa 850 wurden die meist östlich der Mündung der Weichsel wohnenden Prußen vom Bayrischen Geograph als „Bruz“ erwähnt.

Weichsel und Warthe haben in Folge der dritten Teilung Polens als Freiheitssymbole Eingang in die polnische Nationalhymne Mazurek Dąbrowskiego gefunden.

Schon der erste polnische Legendenschreiber Vinzent Kadlubek hat die Weichsel als den Heimatort der Wandalen beschrieben, von denen er die Polnische Wanda (Sage) herleitet.

Weichselhochwasser

Im Mai 2010 kam es in Polen zu großen Hochwassern, siehe Hochwasser in Mitteleuropa im Frühjahr 2010.

Städte an der Weichsel

Reihenfolge flussabwärts, Großstädte in Fettsatz

Nebenflüsse

Lage der Weichsel im polnischen Gewässernetz

Reihenfolge flussabwärts mit Längenangabe (ab 300 km Fettsatz), Abfluss und Größe des Einzugsgebietes; eingerückt mündungsnahe Nebenflüsse der Nebenflüsse

  • Soła (rechts), 80 km, 1.400 km²
  • Przemsza (links), 28 km, 2.121 km², deutsch auch: Perzemsa
  • Skawa (rechts), 78 km, 1.160 km², deutsch auch: Schaue
  • Raba (rechts), 132 km, 1537 km²
  • Szreniawa (links), 80 km, 706 km²
  • Nidzica (links), 66 km, 708 km²
  • Dunajec (rechts), 247 km, 6.804 km², deutsch auch (selten): Dohnst
  • Nida (links), 151 km, 3865 km²
  • Czarna Staszowska (links), 61 km, 1358 km², mit Zufluss Wschodnia links
  • Wisłoka (rechts), 164 km, 4110 km²
  • Koprzywianka (links), 66 km, 707 km²
  • Łęg (rechts), 81 km, 960 km²
  • San (rechts), 433 km, davon 120 schiffbar, 210 m³/s, 16.861 km²
  • Opatówka (links), 51 km, 282 km²
  • Sanna (rechts), 51 km, 606 km²
  • Kamienna (links), 138 km, 2008 km²
  • Iłżanka (links), 77 km, 1127 km²
  • Wieprz (rechts), 303 km, 10.400 km²
  • Radomka (links), etwa 100 km, 2.000 km²
  • Pilica (links), 319 km, 48,6 m³/s, 9.245 km², dt. auch Pilitza
  • Wilga (rechts), 67 km, 569 km²
  • Świder (rechts), 85 km
  • Narew (rechts), 484 km, davon 312 schiffbar, 328 m³/s, 75.200 km²
  • Bzura (links), 166 km, 7.660 km²
  • Linke Skrwa (links), 51,7 km
  • Rechte Skrwa (rechts), 114 km, 1704 km²
  • Zgłowiączka (links), 79 km, 1.496 km²
  • Mień (rechts), 53,5 km, dt. auch Meinbach
  • Drwęca (rechts), deutsch: Drewenz, 253 km, 26 m³/s, 1231–1466 Südgrenze des Ordensstaates und 1815–1918 Grenze zwischen Preußen und dem russischen Reich
  • Brda (links), deutsch: Brahe, 238 km, 31 m³/s, 4.634 km²
  • Wda, deutsch: Schwarzwasser, 210 km, 17 m³/s, 2.345 km²
  • Osa (rechts), 96 km, 5 m³/s, 1.600 km²
  • Wierzyca (links), deutsch: Ferse, 112 km, 1 600 km²
  • Motława, deutsch: Mottlau, 65 km, 1.511,3 km²

Kanalverbindungen

Literatur

  • Udolph, J. (2006): Weichsel. Namenkundlich. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Bd. 33. Berlin-New York: De Gruyter, pp 356–358.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Weichsel – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. Danziger Binnennehrung und Weichseldurchstich
  2. http://www.mapywig.org/kazik/messtischblatt/1679_nickelswalde.jpg MAPSTER: Topographische Karte 1679 Nickelswalde (1940)
  3. Michau Parczewski über die Diskontinuität der polnischen Siedlungsgeschichte (auf Englisch)

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Synonyme:

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