Becan
Gebäude IX in Becán

Becán ist eine archäologische Stätte und vormaliges Zentrum der Maya der präklassischen Periode. Sie befindet sich im mexikanischen Bundesstaat Campeche im Zentrum der Yucatán-Halbinsel, 150 Kilometer nördlich von Tikal.

Der Name Becán bedeutet in Mayathan „Schlucht, von Wasser geformt“, bezieht sich auf den umgebenden Graben, was einzigartig für einen Maya-Fundort ist. Er stammt jedoch von Forschern des 20. Jahrhunderts; der historische Name ist nicht bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Aufbau

Becán, das im Rio-Bec-Stil erbaut war, war ein regionales religiöses und politisches Zentrum der Maya. Die ersten Nachweise menschlicher Besiedelung gehen ins Jahr 600 v. Chr. zurück. Die Blütezeit der Stadt war jedoch in den Jahren 600 – 1000, bewohnt war die Stadt bis etwa 1450.

Die Stadt ist von einem Graben umgeben, der an sieben Stellen unterbrochen war. Er war damit kein wirksames militärisches Hindernis oder wurde nicht als solches fertiggestellt.[1]. Der große Arbeitsaufwand für den Graben zeugt jedoch von einer strategisch wichtigen Lage im Zentrum der Halbinsel und möglicherweise kontinuierlichen Auseinandersetzungen mit anderen Städten der Region. Der Graben kann aber auch nur als räumliche Trennung des inneren Areals mit den Monumentalbauten von den im Umkreis gelegenen Wohnstätten der einfachen Bevölkerung gedient haben.[2]

In dem vom Graben umschlossenen Areal befinden sich mehrere Gruppen von Gebäuden, die um annähernd rechteckige Höfe oder Plätze angeordnet sind. Entsprechend dem Rio-Bec-Stil sind die großen Bauten zumeist Kombinationen von palastartigen Gebäuden mit zahlreichen Innenräumen und hohen seitlichen Türmen, die nicht begehbar waren.[3]

Südlicher Platz

Dieser Platz liegt am nächsten zum modernen Zugang. Er ist annähernd quadratisch und an allen Seiten von allerdings sehr unterschiedlichen Gebäuden umgeben. Nahe der Mitte befindet sich eine offensichtlich in später Zeit errichtete runde Altarplattform.< ref> George F.Andrews: Structure IV, Becán, Campeche, form, organization, and function. In: George F.Andrews: Pyramids and palaces, monsters and masks, the golden age of Maya architecture, vol. 3: Architecture of the Rio Bec region and miscellaneous subjects. Labyrinthos, Lancaster (CA) 1995. ISBN 0-911437-34-7. S. 129-156</ref>

Gebäude I

Das Gebäude ist eine unübliche Kombination einer breiten, über verschiedene Niveaus angeordneten Anlage. Auf dem unteren Niveau sind zwei parallele Reihen von 7 Räumen anzutreffen, die nach Süden, nach außerhalb des Platzes orientiert sind. Ein quer verlaufender Raum an der Ostseite liegt neben einer winkelig gestalteten Innentreppe, die auf das Niveau des Platzes hinaufführt. Auf dem zweiten Niveau, gegenüber dem unteren um die Breite von dessen Räumen zurückgesetzt, finden sich wiederum zwei Ketten von diesmal fünf Räumen, ebenfalls nach Süden orientiert. Die Eingänge dieser Räume sind durch Mauerscheiben in jeweils drei Öffnungen geteilt. Die Rückseite des Gebäudes zum Platz hin wird von zwei ungewöhnlich massigen Türmen mit quadratischem Grundriss eingenommen, zwischen denen ein Mauerblock eine niedrigere Verbindung bildet.

Gebäude II

Es handelt sich um ein an der Westseite des Platzes gelegenes quadratisches Gebäude. Ausgegraben ist bisher nur der dem Platz zugekehrte Teil: Hier verlaufen zwei Reihen von Räumen mit fünf Raumeingängen. Hinter den mittleren drei Räumen liegen hintere Räume. An der Fassade sind außerdem zwei schmale Einänge zu beiden Seiten des mittleren einganges sichtbar, von denen einer zu einer innenliegenden Treppe auf die zweite Ewährend der andere in einen kleineren Raum mündet. Vom zuweiten Niveau führen weitere Innentreppen zum dritten, auf dem ein Tempelbau, der nach Westen ausgerichtet ist, liegt.

Gebäude III

Gegenüber dem Gebäude II auf der Ostseite des Platzes liegt ein auf zwei Niveaus angeordnetes Gebäude. Auf dem unteren Niveau liegen eine einfache Kette von Räumen, die dem Platz zugewandt sind. Es handelt sich bei jeder der beiden Gebäudeteile um zwei Räume, zwischen denen eine mehr oder weniger gut erhaltene Treppe zu einer vor den Räumen des oberen Niveaus verlaufenden Plattform führt, die ursprünglich auch das Dach der unteren Räume umfaßte und entsprechend breit gewesen ist. Zwischen den Gebäudeteile verläuft außerdem eine schmale innenliegende Treppe zu demselben Niveau. An der nördlichen Schmalseite liegt ein weiterer Raum. Auf dem zweiten Niveau weisen die beiden Gebäudeteile, die durch einen in Verlängerung der Innentreppe verlaufenden Gang getrennt sind, zwei Reihen von Räume auf. Wohin der Gang führte, ist nicht mehr feststellbar. Der nördliche Bauteil umfaßt somit 6 Räume, die alle von der Seite des Platzes zugänglich sind. Der südliche Bauteil hat nur 5 Räume, während der Platz des mittleren Raumes der vorderen Reihe von einem massiven Turm mit der üblichen unbesteigbaren Treppe eingenommen wird. Durch den rechten Raum, den dahinter liegenden, den diesem benachbarten gelangt man zu einem weiteren Eingang, der auf eine vermutlich östlich dem Genäude auf der zweiten Ebene vorgelagerten Plattform führte. Es ist anzunehmen, dass dort eine ähnliche Gestaltung wie auf der dem Hof zugewandten Seite existierte.

Gebäude IV

Gebäude IV, Nordseite

Das komplexeste Gebäude von Becan und sicher eines der kompliziertesten des gesamten Mayagebietes liegt an der Nordseite des Platzes, hatte aber Schauseiten nach allen vier Richtungen. Während es zum Platz A hin den Eindruck eines hohen Tempelgebäudes erweckt, in das das charakteristische Schlangenmaulportal führt, ist es an der gegenüberliegenden Seite, im Norden, eine über mehrere Ebenen gestaffelter Palastbau.[4] Bemerkenswert ist vor allem, dass sich an der Spitze des pyramidenartigen Bauwerkes hinter dem Schlangenmauleingang kein Tempelraum befindet, sondern ein etwas tiefer gelegener Hof mit Innenräumen an allen vier Seiten. Zu diesem Innenhof gelangte man nicht nur über die monumentale Treppe im Süden von Hof A aus, sondern auch durch mehrere Innentreppen von nördlichen Palast teil und über eine sehr enge, verdeckt unter der steilen, nicht begehbaren Treppe auf der Westseite in leichten Schlangenlinien verlaufende Treppe, die in einer Nische eines der Seitenräume mündete.[5] Hier handelt es sich offensichtlich um die Residenz einer der lokalen Herrscherfamilien, in der ein sakraler Apsekt mit dem eines repräsentativen Wohnquartiers geschickt verbunden waren. Grabungen haben nachgewiesen, dass sich im Inneren des massiven Gebäudekerns ein älteres Bauwerk verbirgt.

Zentraler Platz

Nordwestlich des Südliche Platzes liegt ein weiterer Platz, der weniger geschlossen, aber erheblich größer ist. An ihm liegen sich die Gebäude VIII und X gegenüber, während die mit rund 32 Metern höchste Pyramide einen Teil der Nordseite einnimmt.

Gebäude VIII

Gebäude VIII

Der Grundriss ist typisch für den Rio-Bec-Stil, allerdings weicht die hohe Lage auf einem großen, paramidenartigen Unterbau vom Schema ebenso ab wie die Gestaltung des zentralen Eingangs mit gemauerten Pfeilern. Bemerkenswert sind verborgenen Räume mit hohen Gewölben im Inneren, die durch einen niedrigen Zugang an der Südseite zu erreichen waren. Da die Wände dieser Räume nicht verputzt waren, nimmt man, das sie nur zum Zwecke der Materialersparnis und Gewichtsenlastung errichtet wurden, aber keinen anderen Zwecken dienten. Die monumentale Außentreppe führt zu einer Plattform zwischen den Sockeln der beiden Türme mit nicht besteigbaren Treppen. Auf der Plattform steht völlig unüblich eine Stele. Dahinter liegt ein Art Säulenhalle, deren Front geetragen wurde von 6 massiv gemauerten dicken Säulen. Von diesem Raum führt ein breiter Durchgang durch zwei Räumme auf die andere Seite des Gebäudeszu einer ursprünglich breiten Plattform, die den Zugang zu den neben den Durchgangsräumen gelegenen jeweils jeweils zwei Räumen auf jeder Seite ermöglichte. Diese Räume sind ungewöhnlich lang. Von der Plattform führten auch Eingänge in quer gelagerte Räume an den beiden Enden. Von dem nördlichen führte eine schmale, mehrfach abgeknickte Innentreppe in den nördliche Turm hinein.

Gebäude X

Gebäude X, Rückseite

Ähnlich dem Gebäude IV kombiniert auch dieses einen Palast mit einem sakralen Teil. Nach Osten, zum Platz ist liegt nur eine breite, monumentale Treppe, die zu einem Eingang mit Schlangenmaul-Dekor führt. Zu beiden Seiten dieser Fassade liegen die üblichen Türme mit Scheintreppen. Auf der Rückseite, im Westen, befindet sich auch hier auf mehreren Ebenen ein verwirrendes Geflecht von Innenräumen, zu denen enge, zumeist innen liegende Treppen führten.

Nördlich und südlich schließen an den massiven Gebäudeteil zwei Höfe mit allseitig Räumen an. Diese Räume liegen auf Geländeniveau, nur jene, die an den zentralen Teil des Gebäudes anschließen, weisen ein erheblich höheres Niveau auf. Der Zugang zu den Höfen erfolgt durch überwölbte Durchgänge.

Pyramide IX

Die Konzeption deses Bauwerks weicht vom Río-Bec-Stil ab und erinnert an Bauten weiter im Süden und Südwesten, beispielsweise Calakmul Struktur II. Zu beiden Seiten der großen Treppe liegen auf zwei verschiedenen Ebenen kleine Raumeinheiten mit jeweils drei Eingängen. Vom eigentlichen Tempelgebäude an der Spitze sind nur geringe Reste erhalten.

Ballspielplatz

Hinter dem Gebäude X liegt auf in nord-südlicher Ausrichtung der Ballspielplatz von Becan.

Erforschung und Erschließung

Becán wurde in der wissenschaftlichen Literatur zuerst im Jahr 1934 von den Archäologen Karl Ruppert und John Denison beschrieben, die den Ort im Rahmen einer Expedition des Carnegie-Institutes, Washington, erkundet hatten. Diese etablierten auch den heutigen Namen. Von 1969 bis 1971 und später wurden weitere Ausgrabungen vorgenommen, die bis in die Gegenwart andauern. Heute sind die wichtigsten Strukturen restauriert und für den Tourismus zugänglich.

Einzelnachweise

  1. David L. Webster: Defensive earthworks at Becán, Campeche, Mexico; implications for Maya warefare. Tulane University, Middle American Reserach Institute, New Orleans 1976
  2. Prentice M.Thomas: Prehistoric settlement patters at Becan Campeche, Mexico. Tulane University, Middle American Reserach Institute, New Orleans 1981
  3. Ricardo Bueno Cano: Entre un rio de robles; un acercamiento a la arqueología del la región Río Bec. Conaculta, México, D. F. 1999. ISBN 97-018-2514-4
  4. Hasso Hohmann: A Maya palace in Mexico: Structure IV at Becán, Campeche. Akademische Druck und Verlagsanstalt, Graz, 1998.
  5. David F. Potter: Maya architecture of the Central Yucatan Peninsula, Mexico. Tulane University, Middle American Research Institute, New Orleans 1977.

Literatur

  • Karl Ruppert, John H. Denison, Jr: Archaeological Reconnaissance in Campeche, Quintana Roo, & Peten. Publication 543. Washington D.C. Carnegie Institution of Washington. 1943. (Kapitel zu Becán als PDF)

Weblinks

18.5175-89.4672222222227Koordinaten: 18° 31′ 3″ N, 89° 28′ 2″ W


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Becán — Saltar a navegación, búsqueda Becán Estructura IX. Nombre: Zona Arqueológica de Becán. Ubicación Campeche …   Wikipedia Español

  • Becan — (alternatively Becán, using Spanish orthography to mark vowel stress not otherwise marked in Mayan languages) is an archaeological site of the Maya civilization in pre Columbian Mesoamerica. Becan is located near the center of the Yucatán… …   Wikipedia

  • Becan — Bécan Pour les articles homonymes, voir Kahn. Bécan, Bernhard Kahn, ou encore Bernard Bécan (1890, Stockholm (Suède) 1942, Paris) est un dessinateur. Biographie Élève des Beaux Arts qui le mènent à la gravure et aux émaux. Engagé dans la Légion… …   Wikipédia en Français

  • Bécan — Porté dans l Ouest (35, 61, 72), pourrait être une variante du breton Bécam (voir ce nom) …   Noms de famille

  • Becán — Gebäude IX in Becán Becán ist eine archäologische Stätte und vormaliges Zentrum der Maya der präklassischen Periode. Sie befindet sich im mexikanischen Bundesstaat Campeche im Zentrum der Yucatán Halbinsel, 150 Kilometer nördlich von Tikal. Der… …   Deutsch Wikipedia

  • Bécan — Cette page d’homonymie répertorie les différents sujets et articles partageant un même nom. Bécan (Johannes Goropius Becanus) : Jan Gerartsen van Gorp (1519 1572), humaniste et médecin Bécan (dessinateur) : Bernhard Kahn ou Bernard… …   Wikipédia en Français

  • Becan, Martin — • Controversialist, born at Hilvarenbeck, Brabant, Holland, 6 January, 1563; died at Vienna, 24 January, 1624 Catholic Encyclopedia. Kevin Knight. 2006 …   Catholic encyclopedia

  • Bécan (humaniste) — Pour les articles homonymes, voir Bécan. Bécan, de son nom latinisé complet Johannes Goropius Becanus, né Jan Gerartsen van Gorp à Gorp, 23 juin 1519 et mort à Maastricht, 28 juin 1572), est un humaniste et médecin qui a publié nombre de livres… …   Wikipédia en Français

  • Bécan (dessinateur) — Pour les articles homonymes, voir Bécan et Kahn. Bécan, Bernhard Kahn, ou encore Bernard Bécan (8 mars 1890, Stockholm (Suède) 1942, Paris) est un dessinateur, lithographe, aquafortiste, graveur, illustrateur, affichiste. Biographie Élève des… …   Wikipédia en Français

  • Bernard Bécan — Bécan Pour les articles homonymes, voir Kahn. Bécan, Bernhard Kahn, ou encore Bernard Bécan (1890, Stockholm (Suède) 1942, Paris) est un dessinateur. Biographie Élève des Beaux Arts qui le mènent à la gravure et aux émaux. Engagé dans la Légion… …   Wikipédia en Français

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”