Becherquallen
Stiel- oder Becherquallen
Stauromeduse aus Ernst Haeckel's Kunstformen der Natur, 1904

Stauromeduse aus Ernst Haeckel's Kunstformen der Natur, 1904

Systematik
Unterreich: Vielzellige Tiere (Metazoa)
Abteilung: Gewebetiere (Eumetazoa)
Stamm: Nesseltiere (Cnidaria)
Klasse: Staurozoa
Ordnung: Stiel- oder Becherquallen
Wissenschaftlicher Name
Stauromedusae
Familien
  • Eleutherocarpidae
  • Cleistocarpidae

Stiel- oder Becherquallen (Stauromedusae) sind sessil oder halbsessil, einzeln lebende Quallen ohne Skelett. Sie gehören als einzige Ordnung zur Klasse Staurozoa (Marques & Collins, 2004) nachdem sie lange als Schirmquallen (Scyphozoa) galten.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Stauromedusae zeigen sowohl Merkmale der Polypen als auch der Medusen. Der Körper kann in einen becherförmigen, medusoiden Oberteil und einen polypoiden Stiel unterteilt werden. Der Kelch entspricht dem Schirm bei Medusen, die Innenseite der Subumbrella, die Außenseite der Exumbrella. Die Gallerte ist dünn, aber deutlich ausgebildet. Da die Tiere keine Schwimmbewegungen machen, ist der subumbrellare Ringmuskel zwar meist vorhanden, aber zurückgebildet. Auch fehlen die Statholithen in den Rhopalien. Am Schirmrand befinden sich in 8 Gruppen von je 20 - 100 angeordnete geknöpfte Tentakel. Der Rand zwischen den Tentakelbüscheln ist gebuchtet, so dass die Tentakel auf „Armen“ stehen. Es gibt atriche Haplonemen und microbasische heterotriche Eurytelen als Nesselkapseltypen. Zwischen den Tentakelarmen, in den Per- und Interradien, sind polsterförmige Randanker. Sie besitzen viele Drüsenzellen, sie scheiden ein klebriges Sekret aus und haben die Funktion von Haftpapillen. Phylogenetisch sind die Randanker von Rhopalien abzuleiten und sind damit umgewandelte Tentakel. Zum Teil sind sie sekundär rückgebildet oder fehlen ganz. Der Kelch trägt die Gastralfilamente und die Gonaden.

Die Mundscheibe ist trichterförmig eingesenkt und trägt das vierlappige Mundrohr. Der Gastralraum ist durch 4 wandständige Septen in 4 Gastraltaschen unterteilt. In den Septen befinden sich Septalmuskeln und 4 ausgeprägte Septaltrichter. Jede Gastraltasche kann durch ein Claustrum in eine äußere und eine innere Tasche unterteilt werden (Familie Cleistocarpidae).

Die halbsessilen Arten können sich mit einer verbreiterten Fußscheibe am Untergrund anheften und zur Nahrungsaufnahme oder nach Reizung wieder ablösen. Einige Arten scheiden eine chitinähnliche Substanz aus, die sich mit dem Substrat fest verbindet, so dass sie sich nicht mehr fortbewegen können. Es gibt einen Jahreszyklus in der Entwicklung.

Fortpflanzung

Stauromedusae sind getrenntgeschlechtlich. Die Eier gelangen durch Platzen der Gonadenwand in den Magen und werden durch den Mund in das Umgebungswasser abgegeben. Es gibt kein Planula-Stadium, sondern eine wurmförmige, unbegeißelte Larve, die Kriechbewegungen ausführen kann. Dem Kriechstadium fehlt ein Gastralraum, das Entoderm ist geldrollenartig gestapelt. Die Kriechlarven können sich asexuell durch Knospung vermehren. Nach der Anheftung wandelt sich die Larve zunächst in eine polypoide Form um, später durch Differenzierung in die typische Becherform.

Die Stauromedusae sind im Sommer geschlechtsreif und sterben nach der Fortpflanzung ab. Im Winter vermehren sie sich ungeschlechtlich aus dem Larvalstadiun. Einige größere Arten sind vermutlich mehrjährig.

Familien

  • Eleutherocarpidae, 16 Arten, Gastraltaschen zur Mitte hin offen, Stiel mit 4 perradialen Kanälen des Gastral-raumes
  • Cleistocarpidae, 9 Arten, Gastralraum mit Claustrum

Arten

Es gibt 31 bekannte Arten, die meisten sind nur wenige Zentimeter groß, die größte Art kann bis 8,5 Zentimeter Durchmesser und eine Gesamthöhe bis zu 24 Zentimeter erreichen.

  • Lucernaria quadricornis, bis 6 cm hoch, Arme deutlich ausgezogen und paarweise angenähert, ohne Randorgane, einheitlicher Stielkanal, Nord- und Ostsee, nördlicher Atlantik
  • Haliclystus octoradiatus, 3 cm hoch, eiförmiger Randanker, Nordsee
  • Craterolophus tethys, 4 cm hoch, Schirmdurchmesser 2,5 cm, sehr farbvariabel, die Fuß-scheibe nimmt Pigmente aus Algen auf, Nordsee
  • Thaumatoscyphus atlanticus, Ostküste Nordamerikas

Literatur

  • Gruner (Hrsg.): Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band I: Wirbellose Tiere, 2. Teil, 4. Auflage, 1984, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, ISBN 3-437-20261-8

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