Bechlingen (Tettnang)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Tettnang
Tettnang
Deutschlandkarte, Position der Stadt Tettnang hervorgehoben
47.6708333333339.5875466Koordinaten: 47° 40′ N, 9° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Bodenseekreis
Höhe: 466 m ü. NN
Fläche: 71,22 km²
Einwohner: 18.467 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 259 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88069
Vorwahl: 07542
Kfz-Kennzeichen: FN
Gemeindeschlüssel: 08 4 35 057
Adresse der Stadtverwaltung: Montfortplatz 7
88069 Tettnang
Webpräsenz:
Bürgermeister: Bruno Walter
Lage der Stadt Tettnang im Bodenseekreis
Karte

Tettnang ist eine Stadt im Bodenseekreis in Baden-Württemberg, rund neun Kilometer nordöstlich von Friedrichshafen und 13 Kilometer südlich von Ravensburg.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Stadt liegt im Bodensee-Hinterland, etwa 70 Meter über der Seehöhe und bietet daher örtlich einen weiten Blick auf das „Schwäbische Meer“, ebenso wie auf die Alpenketten Österreichs und der Schweiz. Östlich von Tettnang beginnen die ersten Ausläufer des Allgäus.

Klima

Monatsmittelwerte für Tettnang-Tannau, 1961 bis 1990
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Niederschlag (mm) 64,3 61,2 63,2 87,6 112,6 136,8 123,3 131,5 97,9 71,1 78,8 71,7 Σ 1.100
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Quelle: DWD Klimadaten Deutschland[2]

Stadtgliederung

Neben dem Stadtbezirk, dem auch der Vorort Bürgermoos zugerechnet wird, gibt es drei Ortschaften: Kau, Langnau und Tannau.

Geschichte

Tettnang wurde unter dem Namen Tettinanc im Jahre 882 in einer in Wasserburg ausgestellten Urkunde des Großbauern Cunzo und des Klosters St. Gallen zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Diese bestätigte die Übergabe von Land Cunzos an das Kloster, um es in dessen Schutz zu stellen. Der Großbauer durfte das Land allerdings unter der Zahlung von Zinsen weiter nutzen und besaß ein Rückkaufrecht. Weiterhin ist von einem Besitz von zwei Huben des Stiftes Lindau zu lesen. Zwischen 1112 und 1154 wurde eine Burg in Tettnang gebaut, die das Zentrum einer neuen Grafschaft bildete. Deren Graf Kuno, in zwei Urkunden König Friedrichs I. Barbarossas erwähnt, regte die Ansiedlung der ersten Ministerialen an. Über die Grafschaft Bregenz kam Tettnang an Hugo I., den ersten Grafen von Montfort. Dessen Enkel Hugo III. von Montfort erhielt bei der Teilung der Grafschaft die Gebiete um Tettnang, war also Begründer der so genannten „Tettnanger Linie“. Er initiierte Ende des 12. Jahrhunderts die Anlegung eines Marktes in Tettnang, da dessen Lage an der Fernstraße Ulm-Ravensburg-Lindau günstig war. Mit der Verleihung des Marktrechtes wurde ein Gericht notwendig, das in daraus resultierenden Streitfällen Recht sprach.

Die Schaffung des Marktes war die Grundlage zur Verleihung des Stadtrechtes, die in einer am 1. Dezember 1297 durch König Adolf von Nassau ausgestellten Urkunde ihren rechtlichen Abschluss fand. Einen wichtigen Beitrag dazu leistete Hugo VI., der während seines Studiums in Bologna das italienische Stadtrecht studierte, das zu dieser Zeit weiter entwickelt war. Das Original der Urkunde ist nicht mehr erhalten, jedoch einige Kopien aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Nachdem die Habsburger Adolf von Nassau in der Schlacht bei Göllheim 1298 besiegt und den Konigsthron in Besitz genommen hatten, bestätigte König Albrecht I. das Stadtprivileg Tettnangs. Außerdem ordnete er einen Wochenmarkt an. 1309 starb Hugo III.; sein Sohn Wilhelm II. erbte dessen Herrschaftsgebiet und damit auch Tettnang. Im Thronstreit zwischen Friedrich dem Schönen und Ludwig dem Bayern stellte er sich zunächst auf die Seite der Habsburger, lief 1319 jedoch zu Ludwig über. Daher wurde die Stadt 1322 vom Habsburger Herzog Leopold belagert und völlig zerstört. Nach dem Wiederaufbau sah die Stadt Tettnang einem weiteren Problem entgegen, da viele Tettnanger Bürger in die benachbarten Reichsstädte Lindau, Ravensburg, Buchhorn und Wangen flohen, um sich mehr Rechte und Privilegien zu sichern.

Um dieser Problematik entgegen zu wirken, setzte Heinrich IV. von Montfort 1379 eine städtische Verfassung fest, die mehr Privilegien für die Bürger beinhaltete. Im wesentlichen entsprach sie dem Freiheitsbrief der Feldkircher Linie des Hauses Montfort. Sie enthielt die Festsetzung der Steuern, ein neues Erbrecht sowie die Befreiung von fremden Gerichten. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden verschiedene zeitlich befristete Städtebunde, die den Landfrieden sichern sollten. So gehörte Tettnang unter anderem zum Schwäbischen Städtebund und zum Bund der Bodenseestädte. Das Stadtrecht wurde unter Wilhelm V. zu einem undatierten Zeitpunkt erweitert, um die Ruhe und Ordnung des Marktes aufrechtzuerhalten. Aus diesen Entwicklungen sowie der Schaffung von Jahrmärkten resultierte ein wirtschaftlicher Aufschwung, der mit der Belebung des Handels einherging. Nach vielerlei Streitigkeiten um Grenzen und Rechtsverteilungen mit der Stadt Lindau kam es 1429 zu einem großen Konflikt der beiden Städte, der in einer Belagerung Tettnangs und einem Mord an Wilhelms unehelichem Sohn seinen Höhepunkt fand.

Magdalena von Öttingen

Nach dem Tod Wilhelms V. teilten seine Söhne Montfort in drei Komplexe: Tettnang, Rothenfels mit Wasserburg und Langenargen sowie Werdenberg mit den rätischen Besitzungen. Ulrich V. (1440–1495) und dessen Sohn Ulrich VII. (1495–1520) widmeten sich daher Tettnang, das Hauptstadt der Grafschaft geworden war. Mit der Festigung der Rolle eines Bürgerrates, des Bürgermeisters und des Ammanns stabilisierten sie so die städtische Selbstverwaltung. An Kunst interessiert und daher beim Adel hoch geachtet schufen die beiden das Torschloss und die Pfarrkirche St. Gallus und traten als Auftraggeber Bernhard Strigels hervor. Auch Kaiser Maximilian I. würdigte den kulturellen Aufschwung durch Besuche 1499 und 1516. Nach dem Tod Ulrichs VII. trat eine Besonderheit ein. Für sechs Jahre hatte dessen Frau Magdalena von Öttingen, die als emanzipiert beschrieben wird[3], die Position der Stadtregentin inne. Nach ihrem Tod belehnte Kaiser Karl V. ihren Neffen Hugo XVI. mit Tettnang. In der Reformation war der Langenargener Urbanus Rhegius besonders in Tettnang tätig und versuchte dort seine Schriften zu publizieren.[4]

1780 traten die verschuldeten Grafen ihre Besitztümer an Österreich ab. Österreich gliederte die Stadt Vorderösterreich an und begründete das Oberamt Tettnang (auch Reichsgrafschaft Tettnang), das ein geschlossenes Gebiet am mittleren Nordufer des Bodensees bis nach Wasserburg am Bodensee umfasste. 1805 fiel Tettnang dann mit dem Pressburger Frieden Bayern zu, das es fünf Jahre später an Württemberg weitergab. Bis zur Kreisreform zum 1. Januar 1973 war Tettnang Kreisstadt des damaligen Landkreises Tettnang, der dann im Bodenseekreis aufging.

Bei Tettnang befinden sich die Reste folgender Burgen: Ruine Altsummerau, Burg Drachenstein und Burgrest Neusummerau.

Eingemeindungen

Einwohnerentwicklung

  • 1450: ca. 650
  • 1960: 7.115
  • 1990: 16.251
  • 2000: 17.432
  • 2005: 18.323
  • 2006: 18.213

Religionen

Zur Zeit der Stadterhebung erlebte Tettnang auch einen religiösen Aufschwung. Neben dem Leutpriester Gerboldus, der 1246 das erste Mal erwähnt wird, bestimmte Hugo III. seinen Sohn Hugo VI. für die geistliche Laufbahn. Diesem Beispiel folgten auch einige Ministeralien. Neben der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche gibt es in Tettnang auch die neuapostolische Kirche, die Zeugen Jehovas und eine Freie Christengemeinde.

Etymologie

Der Name Tettnang setzt sich aus zwei Komponenten zusammen. Tetto war der Name eines Adeligen, der in St. Galler Urkunden mehrfach nachweisbar ist. Der zweite Teil ist die Bezeichnung wang für ein Feldstück. So bedeutet Tettnang quasi Feldstück des Tetto[5]. Bei der Ersterwähnung 882 wurde der Ort Tetinanc genannt, 1297 taucht der Name Dethenan auf. Umgangssprachlich wandelte er sich über Tetlang auf die heutige Form.

Politik

Am 1. Januar 1975 vereinbarte die Stadt mit der Gemeinde Neukirch eine Verwaltungsgemeinschaft.

Bürgermeister

Das Amt des Bürgermeisters ist 1469 zum ersten Mal erwähnt. [6] Er wurde jedes Jahr neu auf Vorschlag des Ammanns von der Bürgergemeinde gewählt und arbeitete Hand in Hand mit dem Rat, der als Verwaltungs- und Gerichtsorgan diente. Der Bürgermeister trat als Stellvertreter des Ammans auf und nahm auch Aufgaben in der Judikative war. Der Name des ersten Bürgermeisters, Hans Gerber, ist erst aus dem Jahre 1537 überliefert, da seine Vorgänger Urkunden mit dem Siegel unterzeichneten. Auch im Nachweis späterer Bürgermeister entstanden so Lücken.

Gemeinderat

Nach der Kommunalwahl vom 13. Juni 2004 ergab sich folgende Sitzverteilung:

CDU 42,3 % -0,7 11 Sitze ±0
FW 28,0 % -6,1 7 Sitze -1
Die Grünen 16,3 % +3,9 4 Sitze +1
SPD 8,6 % -1,8 2 Sitze ±0
FDP/DVP 4,8 % +4,8 1 Sitz  +1

Wappen

Die Herkunft des Wappens der Stadt Tettnang ist nicht eindeutig geklärt. Das Wappentier, ein springender Hund mit Halsband, befand sich auch auf Siegeln der Grafen von Montfort, deren Abdrücke aus dem 15. Jahrhundert erhalten sind. Dieser Bezug sowie die Bedeutung des Wappens sind jedoch umstritten.[7] Verwunderlich ist vor allem, dass das Wappen der damals bedeutendsten Kommune innerhalb der Grafschaft Montfort nicht deren dreilatzige rote Fahne enthält, wie es zum Beispiel Tettnangs Ortsteile tun.[8] Die Blasonierung lautet:

In Silber ein aufspringender schwarzer Hund mit roter Zunge, goldenem Halsband und goldenem Ring daran.[9]

Beziehungen zu anderen Städten

Die Städtefreundschaft mit der Stadt Oomagari in Japan entstand Ende der 1980er Jahre, weil diese einen Partner für ihre Hopfenkultur in Deutschland suchte. Durch die Vermittlung des früheren Bundesratsministers Eduard Adorno fanden 1978 und 1979 erste Besuche des Bürgermeisters von Oomagari, Genosuke Mogami, in Tettnang statt. Dessen Nachfolger unterzeichnete anlässlich der 1100-Jahr-Feier am 13. Juni 1983 eine Freundschaftsurkunde. Bis ins Jahr 1994 fanden weitere Besuche und Jugendreisen statt. Diese brachen jedoch aufgrund der weiten Entfernung und des schwierigen Zugangs zur japanischen Sprache ab. Dennoch besteht weiterhin eine Zusammenarbeit in der Hopfenverarbeitung und der Elektroindustrie.

Nach privaten und offiziellen Kontakten wurde am 15. September 1991 in Tettnang eine Partnerschaftsurkunde mit der französischen Stadt Saint-Aignan-sur-Cher unterzeichnet, deren Ziel die Verbesserung der deutsch-französischen Freundschaft ist. Im Zuge der Unterzeichnung fanden Ausstellungen über die jeweiligen Partnerstädte statt. Die Beziehung zu Saint-Aignan ist die einzige offizielle Städtepartnerschaft Tettnangs.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands übernahm Tettnang 1990 eine Patenschaft für die sächsische Stadt Oelsnitz.

Jugendgemeinde

Der Tettnanger Jugendgemeinderat besteht seit Sommer 1996 und führt diverse Projekte durch, unter anderen die Errichtung eines Grillplatzes und einer BMX-Strecke im Schäferhof, die Planung und Durchführung des Partybusses sowie die Organisation der jährlichen Talentshow im Bäumle mit der Unterstützung des Jugendhauses.

Wirtschaft und Infrastruktur

Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Gegend um Tettnang vorwiegend ländlich geprägt und ist bis heute ein bedeutendes Obst- und Hopfenanbaugebiet.

Auch das Handwerk blickt in Tettnang auf eine lange Tradition zurück und konnte in jüngerer Zeit an Bedeutung gewinnen. Zudem haben sich inzwischen einige Industriebetriebe aus verschiedenen Branchen angesiedelt. Insbesondere entwickelt sich Tettnang mit Hightech-Firmen wie den Sensorherstellern ifm und wenglor immer mehr zur Elektronikstadt.

Verkehr

Tettnang liegt an der Bundesstraße 467 zwischen Ulm und Kressbronn.

Die Stadt ist mit einigen Buslinien u. a. mit Friedrichshafen, Ravensburg und Wangen im Allgäu verbunden und gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an.

Die Bahnstrecke Meckenbeuren–Tettnang wurde 1995 geschlossen, sie war seit 1895 die erste elektrisch betriebene normalspurige Nebenbahn in Deutschland. Bahn- und Fluganbindung stehen im nahegelegenen Friedrichshafen zur Verfügung.

Durch das Stadtgebiet Tettnangs verlaufen die erste und zweite Etappe des Jubiläumswegs, ein 118 Kilometer langer Wanderweg, der 1998 zum 25-jährigen Bestehen des Bodenseekreises ausgeschildert wurde. Er führt über sechs Etappen durch das Hinterland des Bodenseekreises von Kressbronn über Neukirch, Meckenbeuren, Markdorf, Heiligenberg und Owingen nach Überlingen.

Öffentliche Einrichtungen

Das Amtsgericht Tettnang befindet sich im Neuen Schloss. Es gehört zum Landgerichtsbezirk Ravensburg und damit zum OLG-Bezirk Stuttgart. Sein örtlicher Zuständigkeitsbereich erstreckt sich über die Gemeinden Immenstaad, Friedrichshafen, Eriskirch, Langenargen, Kressbronn, Meckenbeuren, Neukirch und Tettnang selbst. Das Rathaus befindet sich im alten Schloss.

Die erste Idee, eine Stadtbücherei in Tettnang zu errichten, entstand unter Bürgermeister Viktor Grasselli im Jahr 1975. Die Standortsuche gestaltete sich kompliziert, bis die Stadt in den Besitz eines Gebäudes in der Schloßstraße kam. Auf Empfehlung des Denkmalamtes Tübingen wurde der Architekt Edgar Dick mit der Planung beauftragt. Da er 1985 überraschend verstarb, führte Sebastian Geiger die Arbeiten fort. Er beschreibt den Bau folgendermaßen:

Licht, Helligkeit, freundliche Atmosphäre. Dies ist der erste Eindruck den wir beim Betreten der Stadtbücherei gewinnen.[10]

Dieser Eindruck entsteht vor allem durch die Glasfronten, die halboffenen Stockwerke und viele Ein- und Durchblicke. Offiziell wurde die Bücherei am 15. Oktober 1989 eröffnet und bietet seitdem neben dem Verleih von Büchern auch kulturelles Programm durch Kinder- und Jugendarbeit sowie durch Ausstellungen regionaler Künstler.

Bildungseinrichtungen

Mit der Elektronikschule Tettnang hat sich hier ein Ausbildungszentrum für technische Berufe, bestehend aus Berufsfachschule, Berufsschule, Berufskolleg und Fachschule etabliert. Schwerpunkte sind elektrotechnische und informationstechnische Ausbildungen.

Ebenso vorhanden sind auf dem Gemeindegebiet zwei Hauptschulen, eine Realschule, das Montfort-Gymnasium (MGTT), eine Sonderschule sowie fünf Grundschulen.

Ansässige Unternehmen

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Tettnang liegt an der Hauptroute der Oberschwäbischen Barockstraße.

Museen

Das Montfort-Museum stellt die Stadtgeschichte Tettnangs dar. Es wurde 1955 vom Stadtarchivar Alex Frick als kleines Heimatmuseum gegründet, das seinen Schwerpunkt auf die Grafen von Montfort legte. Nachdem viele Dokumente und Funde gesammelt worden waren, eröffnete das Museum 1961 im Torschloss erstmals als Dauerausstellung. Trotz der Vergrößerung der Ausstellungsfläche wurde es nur spärlich eingerichtet. Daher sank die Besucherzahl auf circa 300 Besucher im Jahr. Zum 700. Jahrestag der Stadtrechtsverleihung 1997 wurde das Gebäude komplett saniert und neu eingerichtet. Außerdem wurde eine neue Konzeption für das Montfort-Museum erstellt, die es attraktiver gestalten sollte. Während der Renovierungsmaßnahmen entdeckten Handwerker Fresken aus der Renaissance, die daraufhin restauriert wurden und heute eine der Hauptattraktionen des Museums bilden. Weiterhin existiert ein Kuriositätenkabinett, ein Raum, der der Schützentradition gewidmet ist und einer, der Aspekte der kirchlichen Geschichte aufzeigt.[11]

Im Umfeld der Elektronikschule gründete sich 2002 ein Förderverein, der ein Elektronikmuseum Tettnang aufbaut. Mittlerweile kann man bereits einmal in der Woche eine Ausstellung „47 Jahre Elektronik in Tettnang“ besichtigen.

Das Tettnanger Hopfenmuseum zeigt die über 150-jährige Geschichte des Tettnanger Hopfenanbaus: Alte Geräte und Maschinen, lebensecht dargestellte Szenen vom Arbeiten und Leben im Hopfengarten.

Sport

Mit derzeit 2746 Mitgliedern ist der TSV 1848 Tettnang e. V. der größte Sportverein in Tettnang.

Bauwerke

Das Neue Schloss

Das Neue Schloss ist eines der drei Schlösser Tettnangs. An seiner Stelle stand ab dem 12. Jahrhundert eine Burg, die 1633 zerstört wurde. Graf Anton III. von Montfort, der Initiator des Baus, beauftragte im Jahr 1712 den Architekten Christoph Gessinger, Benediktiner-Frater aus Isny, einen Entwurf eines neuen Schlosses zu erstellen. Dieser sah vor, zunächst die Trümmer der mittelalterlichen Burg abzubrechen, um einen völlig neuen Bau zu ermöglichen. Aufgrund einer großen Schuldenlast wurden die Arbeiten, die nahezu vollendet waren, nach Graf Antons Tod 1733 eingestellt. Bei einem Brand 1753 wurde ein großer Teil der Fassaden und der Innendekoration beschädigt. Die Restaurierungsarbeiten, die bis 1770 dauerten, wurden vor allem durch die finanzielle Hilfe Österreichs möglich. Den künstlerischen Rang verdankt das neue Schloss den Stukkateuren und Malern Joseph Anton Feuchtmayer, Käte Schaller-Härlin und Andreas Moosbrugger. Baumeister der dem Rokoko zuzuordnenden Arbeiten war Jakob Emele. Nach dem Übergang des Landes an Österreich wurde die Innenausstattung des neuen Schlosses veräußert. Das in bürgerlichen Besitz gelangte Schloss wurde erst in den Jahren 1960 bis 1982 restauriert und ist seit 1997 weitgehend der Öffentlichkeit zugänglich.

Erste Zeugnisse einer dem heiligen Gallus geweihten Kirche finden sich bereits in den ersten Urkunden der Stadt Tettnang. Aus dem Neubau zwischen 1410 und 1450 ist heute noch der gotische Turm zu sehen. Das heutige Kirchenschiff der Pfarrkirche St. Gallus entstand im Jahr 1860, als der barocke Vorgängerbau abgerissen wurde. Nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche in den 60er Jahren und 1990/91 grundlegend renoviert und mit neuen Kunstwerken ausgestattet.

Die Loretokapelle Tettnangs, die älteste dieser Art in Baden-Württemberg, befindet sich in der nach ihr benannten Straße im Süden der Altstadt. Auftraggeberin für die Votivgabe war Gräfin Euphrosina von Montfort. Der Bau begann 1624 und wurde mit der Weihe 1627 vollendet. 1902 wurde das Gebäude durch eine Empore erweitert. Zur Innenausstattung gehört ein neuromantischer Altar, auf dem sich eine 1,4 m große Madonnenfigur aus dem 17. Jahrhundert befindet. Diese kann anlässlich von Festen mit unterschiedlichen Gewändern bekleidet werden. In zwei Nischen stehen Statuen des heiligen Dominikus und der heiligen Theresa von Avila. Die Kapelle wurde nach ihrem Bau zunächst für Messen genutzt, später in eine Rosenkranzkapelle umfunktioniert. Ende des 19. Jahrhunderts beherbergte das Mesnerhaus eine Kleinkinderschule; heute wird das Gotteshaus nur für besondere Anlässe wie Goldene oder Silberne Hochzeiten verwendet.

Die St.-Anna-Kapelle ist das älteste sakrale Gebäude der Stadt. Sie wurde im Jahr 1513 von Graf Ulrich VII. von Montfort gestiftet. 1812 wurde sie von der Kirchenpflege an einen Privatmann verkauft, um Reparationen an der Pfarrkirche St. Gallus durchzuführen. In der Folgezeit verschlechterte sich der Zustand der Kapelle immer mehr, bis sie 1971 neu eingerichtet und restauriert wurde. Seither wird die Kapelle wieder für regelmäßige Gottesdienste genutzt. Auffällig am Bau ist, dass der Kapelle ein Glockenturm fehlt. Die Decke besteht aus einem spätgotischen Netzrippengewölbe, im Innenraum befinden sich eine Wappengalerie des Hauses Montfort, Gemälde des Stifterehepaares sowie eine Empore, auf der eine Orgel platziert ist.

  • Torschloss: Die Grafen von Montfort residierten in dem 1464 erbauten Schloss
  • Altes Schloss: Das von Michael Kuen ab 1667 erbaute Alte Schloss dient heute als Rathaus.
  • „Hopfenburg“ des Hofguts Kaltenberg (monumentales Ökonomiegebäude zur Hopfentrocknung, erbaut in den 1860er Jahren)
Hopfennarr der „Narrenzunft Tettnang“
Narrenfigur Gätterlet der „Narrenzunft Tettnang“

Regelmäßige Veranstaltungen

Das Montfortfest, das am ersten Wochenende im Juli stattfindet, ist das Heimatfest der Stadt Tettnang. Es wurde unter dem Namen Kinder- und Hopfenfest in Folge der Tettnanger Heimatwochen 1949 eingeführt. Wichtigste Veranstaltung ist der Festzug, an dem neben verkleideten Schülergruppen und Vereinen vor allem zahlreiche Reitergespanne teilnehmen. Weiterhin spielt das Feuerwerk im Schlossgarten eine wichtige Rolle.

Die Fasnet wird in Tettnang nach schwäbisch-alemannischer Tradition gefeiert. Diese entstand in Tettnang im 19. Jahrhundert. Um das Jahr 1836 sind erste Maskenbälle nachgewiesen. Gegen Ende des Jahrhunderts entstand die Narrenzunft „Narrhalla“, die den ersten Umzug organisierte. Ihr Ruf lautete schon damals „Montfort - Jehu“. Nachdem die Fasnet während des ersten Weltkrieges ruhte, entstand in den Zwischenkriegsjahren die heute noch existierende Figur des Hopfennarren, die ein mit Hopfen und Blättern bemaltes Häs trägt, an dem kleine Glöckchen befestigt sind. Sein Attribut ist ein Holzstab mit Schellenkranz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wiederbelebt wurde die Einzelfigur der Hopfensau, die eine Saubloder trägt, dem Hopfennarren beigeordnet. Gleichzeitig mit der Umbenennung der Narhalla in „Narrenzunft Tettnang“ entstand die Rote Spinne, die an ihrem roten Schirm zu erkennen ist. Die NZ Tettnang trat 1965 der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte bei. Weitere Figuren der Tettnanger Fasnet sind der Gätterlet mit einem karierten Häs und der Gickeler, der ein einfaches Hahnenkostüm trägt. Heute steht die Weiberfasnet und der Narrenumzug am Fasnetsdienstag. Für die musikalische Umrahmung sorgt der Fanfarenzug Montfort Tettnang.[12][13]

Das Tettnanger Bähnlesfest fand zum ersten Mal im Mai 1976 anlässlich der Einstellung des Bahnbetriebs von Tettnang nach Meckenbeuren statt. Seitdem wird es jährlich am zweiten Sonntag im September von den verschiedenen Vereinen, Musikkapellen und der Stadtverwaltung veranstaltet. Der Festplatz, auf dem auch ein Flohmarkt veranstaltet wird, befindet sich zwischen der Lindauer Straße und dem Neuen Schloss.

Kulinarische Spezialitäten

Aufgrund der Tettnanger Anbautradition von Hopfen existiert eine Brauerei mit dem Namen „Krone“, die 1781 gegründet wurde. Neben dem klassischen Kronen-Bier und Pils bietet sie zwei Biere an, die mit dem Bio-Siegel ausgezeichnet sind: Das Keller-Pils und das See-Weizen. Neben einer Bockbiersorte werden auch jahreszeitenspezifische Spezialitäten produziert.

Sonstiges

In der Umgebung von Tettnang wurde 1956 der Spielfilm Heiße Ernte gedreht. In den Hauptrollen waren Edith Mill und Erik Schumann zu sehen, Regie führte Hans H. König.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Folgende Personen tragen das Ehrenbürgerrecht der Stadt Tettnang:

  • 1869: Israel Friedrich Wirth, Hopfenpionier
  • 1887: Albert Moll, Arzt und Sexualwissenschaftler
  • 1887: Josef Lorinser, Seelsorger und Lehrer
  • 1956: Gustav Rosenhauer, Kaufmann
  • 1974: Alex Frick, Zahnarzt und Historiker
  • 1982: Rudolf Gnädinger, Bürgermeister
  • 2004: Franz Huchler, Vorstand des Kreisbauernverband Tettnang

Söhne und Töchter der Stadt

weitere Persönlichkeiten, die mit Tettnang in Verbindung stehen

  • Arnold von Hiltensweiler (* 11. Jahrhundert; † nach 1127), Adliger, Gründer des Klosters Hiltensweiler (heutiger Stadtteil von Tettnang)
  • Michael von Jung (1781–1858), Pfarrer und Dichter von Grabliedern, lebte im Alter als Kaplan in Tettnang
  • Adolf Aich (1824–1909), Gründer der Stiftung Liebenau, Kaplan in Tettnang
  • Eduard Adorno (1920–2000), Gutsbesitzer und Politiker (CDU)
  • Verena Bentele (* 1982), mehrmalige Goldmedaillengewinnerin der Paralympics


Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Bevölkerungsstand
  2. [1] Deutscher Wetterdienst
  3. Eine Legende besagt, dass sie ihren Ehemann heftig beschimpfte, als er ihre gemeinsame Tochter zwangsverheiraten wollte.
  4. Schieß, Briefwechsel, Bd. 1, S. 92-94
  5. Ortsbeschreibung Tettnangs auf der Internetpräsenz einer Goldschmiede
  6. Krebs, Investitur-Protokolle, S. 483
  7. Wappenbeschreibung Tettnangs auf bodenseekreis.de
  8. Gisbert Hoffmann in Bodenseekreis und Stadt Friedrichshafen (Hrsg.): Leben am See. Das Jahrbuch des Bodenseekreises Band 6. Verlag Senn, Tettnang 1988, ISBN 3-88812-506-5 (S. 285)
  9. Gisbert Hoffmann: Wappenbuch Bodenseekreis. Verlag Lorenz Senn, Tettnang 1991, ISBN 3-88812-162-0.
  10. Cosima Kehle in: Bodenseekreis und Stadt Friedrichshafen (Hrsg.): Leben am See. Das Jahrbuch des Bodenseekreises Band 17. Verlag Senn, Tettnang 2000, ISBN 3-88812-518-9. (S. 175 - 186)
  11. Jochen Elbs in: Bodenseekreis und Stadt Friedrichshafen (Hrsg.): Leben am See. Das Jahrbuch des Bodenseekreises Band 16. Verlag Senn, Tettnang 1999, ISBN 3-88812-517-0. (S. 15 - 21)
  12. Die Masken der Narrenzunft Tettnang
  13. Chronik der Narrenzunft Tettnang

Literatur

  • Karl Heinz Burmeister: Geschichte der Stadt Tettnang. Universitätsverlag Konstanz, Konstanz 1997, ISBN 3-87940-595-6.
  • Karl Heinz Burmeister, Alois Niederstätter (Hrsg.): Die Grafen von Montfort. Geschichte, Recht, Kultur. Universitätsverlag Konstanz, Konstanz 1996, ISBN 3-87940-560-3.
  • Erika Dillmann (Hrsg.): Tettnang. Ansichten einer Stadt. 1. Auflage. Lorenz Senn Verlag, Tettnang 1982, ISBN 3-88812-051-9.
  • Peter Heidtmann: Grünes Gold. 150 Jahre Hopfenbau in Tettnang. Lorenz Senn Verlag, Tettnang 1994, ISBN 3-88812-167-1.
  • Gisbert Hoffmann: Kapellen in Tettnang und Meckenbeuren. Förderkreis Heimatkunde, Tettnang (Hrsg.), Druckhaus Müller, Langenargen 2004; ISBN 3-00-013294-5.
  • Gisbert Hoffmann: Von der Seide zum Sensor, Tettnanger Industrie, Geschichte und Gegenwart. Förderkreis Heimatkunde, Tettnang (Hrsg.) Bodensee Medienzentrum, Tettnang 2006; ISBN 3-88812-207-4.
  • Johann Daniel Georg von Memminger: Beschreibung des Oberamts Tettnang. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1838 (Volltext bei Wikisource)

Weblinks


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