Bedenke Phlebas

Bedenke Phlebas (englischer Originaltitel: Consider Phlebas, erschienen 1987) von Iain M. Banks ist eine Space Opera (also ein Science-Fiction-Roman, der die Begegnung außerirdischer Zivilisationen, Eroberungen und andere Klischees enthält), der sich durch eine konstant hohe Erzählgeschwindigkeit auszeichnet. Das Werk ist ein Bestandteil des Kultur-Zyklus.

Der Titel des Buches ist aus dem Gedicht The Waste Land von T. S. Eliot entlehnt – ebenso wie der Titel des Buches Blicke windwärts.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Erzählt wird die Geschichte eines Formwandlers (im Roman eine sehr seltene Menschenart, kurz Wandler genannt) mit dem klingenden Namen Bora Horza Gobuchul, der aus persönlicher Überzeugung gegen die Kultur kämpft. Die Kultur ist eine mächtige, interstellare Zivilisation, welche organisatorisch an den Anarchismus erinnert. Horza schließt sich den Idiranern (eine alte, kriegerische Alienrasse) an und wird mit der Aufgabe betraut, eine sich versteckt haltende, für die Kultur wichtige, hochentwickelte Künstliche Intelligenz wiederzufinden. Hintergrund der Ereignisse ist der Krieg zwischen der Kultur und den Idiranern, der seine Ursache in dem Aufeinandertreffen von religiösem Fanatismus auf Seiten der Idiraner und dem festen Glauben an die eigenen Prinzipien auf Seiten der Kultur hat. Die künstliche Intelligenz hat auf Schars Welt, einem sogenanntem Planet der Toten, Zuflucht gesucht. Der Zugang zu diesem Planeten wird durch ein übermächtiges Wesen kontrolliert und nur Schutzsuchenden und Schiffbrüchigen gewährt. Da Horza eine Zeit lang dort zu der kleinen Mannschaft einer mit Wandlern besetzten Basis gehört hat, ist er die einzige Möglichkeit für die Idiraner, die künstliche Intelligenz doch noch gefangen zu nehmen.

Horza, der für seine idiranischen Auftraggeber die Stelle eines hohen Funktionär in einer Gerontokratie einnehmen sollte, kann nur knapp aus dem Gefecht zwischen dem Schiff der Idiraner und einem Schiff der Kultur entkommen, nachdem die für Besondere Umstände (die geheimdienstartige Unterorganisation der Kultur) arbeitende Agentin Perosteck Balveda ihn enttarnt hatte. Bevor er von der idiranischen Flotte aufgelesen werden kann, wird er – in einem Raumanzug im All treibend – von einem Schiff von Söldnern/Freibeutern aufgelesen.

Horza wird in die Mannschaft des Freibeuterschiffes Clear Air Turbulence aufgenommen und beginnt eine Beziehung mit einem der weiblichen Mitglieder. Anstatt jedoch wieder zu seiner normale Gestalt zurückzukehren, beschließt Horza einen Zustand anzunehmen, in dem er Kraiklyn (dem Kapitän der CAT und Anführer der Freibeuter) so weit ähnelt, das er mit einer nur geringen weiteren Veränderung dessen Identität annehmen kann. Nach einem missglückten Überfall auf einen Tempel fliegt die CAT zum Orbital Vavatch, um dort eines der die dortigen Ozeane befahrenden Megaschiffe zu plündern, bevor das (bis dato neutrale) Orbital von der Kultur vernichtet wird, um den immer weiter vorrückenden Idiranern nicht als Basis dienen zu können. Auch dieser Einsatz endet in einem Fiasko und die Gruppe der Freibeuter wird voneinander getrennt. Nachdem Horza sich auf einer abgelegenen Insel gegen eine Gruppe fanatischer Kannibalen zur Wehr setzen muss, gelingt es ihm, Kraiklyn wieder aufzuspüren, als dieser an einem Glücksspiel namens Katastrophe (engl. Damage) teilnimmt, welches an Orten gespielt wird, deren Vernichtung unmittelbar bevorsteht. Horza gelingt es, Kraiklyn zu töten und dessen Stelle einzunehmen.

In der Identität Kraiklyns kann Horza die Clear Air Turbulence in seine Gewalt bringen und fliegt mit ihr und den verbleibenden Mitgliedern der Freibeutermannschaft zu Schar's Welt. An Bord ist auch Perosteck Balveda, die versucht hatte, die Freibeutermanschaft zu infiltrieren. Wie gehofft wird es Horza gestattet, auf dem Planeten zu landen. Dort findet er die Mannschaft der kleinen Wandler-Basis ermordet vor. Unter den Opfern ist auch seine ehemalige Geliebte. Offenbar ist es einer kleinen Gruppe von Idiranern gelungen, die Barriere um den Planeten zu durchbrechen, dort zu landen und sich auf die Suche nach der künstlichen Intelligenz zu machen.

Tief unter der Oberfläche des Planeten machen sich die Freibeuter unter Horzas Leitung ihrerseits auf die Suche nach den Idiranern und der künstlichen Intelligenz, welche sich dort in den Tunneln eines ehemaligen militärischen Kommandosystems versteckt. Im Laufe der Suche muss Horza feststellen, das die Idiraner nicht unbedingt seine Verbündeten sind, nur weil er für dieselbe Sache kämpft und er entdeckt immer mehr Wesenszüge in sich, die den Idealen der Kultur ähneln. Gleichzeitig verschwimmen für Horza immer mehr die Grenzen zwischen seiner eigenen Identität und den Personen, deren Stelle er eingenommen hat. Schließlich ist es seine erklärte Feindin Perosteck Balveda, welche versucht, sein Leben vor den Idiranern zu beschützen.

Zusammenhang innerhalb des Kultur-Zyklus

Bedenke Phlebas betrachtet die Kultur aus dem Blickpunkt ihrer Gegner, mit denen sie sich in einem interstellaren Konflikt befindet. Das Buch wird ergänzt durch einen Anhang, der den Krieg gegen die Idiraner in Form einer historischen Zusammenfassung aus Sicht der Kultur darstellt. Ansonsten tritt die Kultur nur in Form der Personen auf, die Horza als Gegenspieler gegenüberstehen.

Der Roman Blicke windwärts kann als eine Fortführung von Bedenke Phlebas interpretiert werden, da beiden Erzählungen dasselbe Ereignis während des Idiran-Krieges als Ausgangspunkt für die Handlung zugrunde liegt.

Kritik

  • Colin Greenland: "Consider Phlebas ist nicht ausgesprochen eine moderne Gralssuche, jedenfalls nicht mehr als irgendwelche anderen Heldensagen mit Schwertgeklirr und Getöse, in denen nach einem vage göttlichen Dingsbums gestrebt wird. Doch wie die Grabelegie Eliots für den ertrunkenen phönikischen Seefahrer (Phlebas) könnte ja auch dieser ganze Roman als ein Gedächtnisakt, als Erinnerung an Totes angesehen werden, als moralische Parabel von epischer Breite, die viele Generationen nach dem Geschehen eine Maschine einer schwangeren jungen Frau übermittelt."[1]

Literatur

Einzelnachweise

  1. In: Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 1990, Wilhelm Heyne Verlag, München, ISBN 3-453-03905-X, S. 555.

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