Bedretto-Fenster

Als Bedretto-Fenster wird der Baustollen des Furka-Basistunnels bezeichnet, der die Tunnelmitte mit dem unteren Teil des Bedretto-Tals verbindet und in Ronco in der Nähe von Airolo endet. Gelegentlich wird es aufgrund des Portalstandorts auch als Baufenster Ronco oder einfach Fenster Ronco bezeichnet.

Der Stollen war ursprünglich 6100 m lang geplant und erhielt schliesslich dank der südlichen Ausbuchtung des Furkabasistunnels eine Länge von 5200 m. Er hat einen Querschnitt von 9 bis 10 Quadratmetern.

Während des Baubetriebs wurde er von einer Stollenbahn mit Spurweite 600 mm befahren.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Schon im Jahre 1955 reichte ein Initiativkommitee "für eine Tunnelbahn Oberhasli-Goms-Bedrettotal" ein Konzessionsgesuch ein für zwei Tunnels, die die Kantone Bern, Wallis und Tessin miteinander verbinden sollten. Konkret war eine Tunnelverbindung von Oberwald nach Ronco geplant. Das Gesuch wurde bis 1957 überarbeitet.

1960 wurde das Projekt, ausgehend vom Syndicat d'initiative pour le tunnel Oberwald-Realp, durch den Furkabasistunnel konkurrenziert.

1965 kam eine Studie der Motor-Columbus über den Furkabasistunnel zum Schluss, dass ein Schacht in der Tunnelmitte keine Ersparnis mit sich bringen würde.

1968 wurde ausserdem analysiert, ob eventuell eine direkte Tunnelverbindung von Ulrichen ins Val Bedretto sinnvoll wäre. In der Studie erschien erstmals die Vorstellung eines Tunnel-Y zwischen den Kantonen Wallis, Uri und Tessin.

Im Mai 1970 kritisierte das Eidgenössische Militärdepartement das Bedrettofenster und bezeichnete es als militärisch unerwünscht, ohne jedoch den Bedrettostollen ernsthaft zu bekämpfen.

Im Juni 1970 wurde das Projekt unter Einschluss des Bedrettofensters durch den Bundesrat gutgeheissen, mit der Aussicht auf eine Kosteneinsparung von 2 Millionen Franken dank des Bedrettofenster. Diese potenzielle Kosteneinsparung fusste nicht auf einer öffentlich zugänglichen Berechnung und stand im Widerspruch zur Studie von Motor-Columbus. Sie wurde jedoch auch durch die ständerätliche Kommission im Oktober 1970 gestützt, doch kam die Société générale pour l'industrie (SGI) zum Schluss, dass das Bedrettofenster wahrscheinlich - im Gegenteil - Mehrkosten in der gleichen Grösse verursache. Nationalrat Robert Eibel stellte im Februar 1971 ausserdem einen Zusammenhang her zwischen dem Bedrettofenster und der südlichen Ausbuchtung der Streckenführung des Haupttunnels her, fand jedoch keine Zustimmung.

Im Juni 1971 wurde der Bau von Haupttunnel und Bedrettofenster beschlossen, allerdings wurde das Bedrettofenster bis zum Baubeginn im Juni 1973 mehrfach wieder in Frage gestellt. Seit der Eröffnung des Furka-Basistunnels im Jahr 1982 ist der Stollen stillgelegt.

Gründe für den Bau

Als Gründe für den Bau wurden von verschiedenen Interessengruppen die folgenden Gründe angegeben:

  • Technische Vorteile beim Bau.
  • Risikoverminderung bei geologischen Schwierigkeiten.
  • Erhöhung der Baugeschwindigkeit um ein bis zwei Jahre.
  • Ausbauoptionen.

Die mutmasslichen Vorteile konnten jedoch weitgehend nicht realisiert werden. Insbesondere konnte die Arbeit im Haupttunnel trotz des Bedretto-Fensters nicht im Vollprofil durchgeführt werden, weil die Lüftung durch den Stollen zu schwach war. Insbesondere konnte keine Zeitersparnis realisiert werden.

Obschon das Militärdepartement das Bedretto-Fenster in der Planungsphase kritisierte, existiert bis heute die Volksmeinung, das Bedretto-Fenster sei unter anderem aus militärischen Gründen gebaut worden.

Gegenwart

Obschon zunächst geplant war, den Stollen beim Portal in Ronco zuzubetonieren, wurde er bis heute bloss durch ein Eisengittertor abgeschlossen. Bis in die heutige Zeit wird eine mögliche Nutzung des Bedretto-Fensters diskutiert, wie zum Beispiel eine vom Kanton Graubünden in Auftrag gegebene Studie vom August 2005 [1] oder eine ähnliche Studie der Gemeinden der Alta Leventina von 2006[2] bezeugen.

Ebenfalls wurde die Nutzung des Bedretto-Fensters anlässlich der Kandidatur von Sion für die Olympischen Spiele im Jahr 2006 diskutiert.

Heute wird der Eingang des Stollens als Unterstand für eine landwirtschaftliche Maschine genutzt. Der Eingang, der sich im hinteren Teil des Kieswerkes direkt bei der Verzweigung der Nufenen-Passstrasse und der Strasse nach Ronco (südwestlich des Dorfes) befindet, ist stark von Gras, Sträuchern und Blumen überwachsen.

Referenzen

  1. Hermann Alb (31. August 2005): Raumkonzept Gotthard – Grundlagen, Inhalte, Struktur und Prozess (PDF). raonline.ch. Abgerufen am 11. August 2011.
  2. MGF CONSULENZE SA (2006). Studio di scenari aggregativi in Alta Leventina.
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