Beechey Island
Die Gegend um Beechey Island

Die Beechey-Insel (englisch: Beechey Island) liegt 75 Kilometer östlich von Resolute Bay und ist ein relativ kleines, unmittelbar der Devon-Insel südwestlich vorgelagertes und mit ihr verbundenes Felsgebirge in der kanadischen Arktis. Sie erhielt besondere historische Bedeutung, nachdem Captain Erasmus Ommanney am 23. August 1850 das nahe gelegene Cape Riley erreichte und kurz danach auf Beechey Reste eines Winterlagers und Gräber entdeckte, die sich als die ersten Spuren der seit 1845 vermissten Franklin-Expedition erwiesen. 1979 wurde die Insel von der Regierung Kanadas zu einem historisch bedeutsamen Ort erklärt.

Entdeckt worden war die Insel bereits 1819 auf einer Polarexpedition unter Sir William Edward Parry; nach dessen erstem Offizier Frederick William Beechey wurde sie benannt. Ihre Lage zwischen dem Lancastersund und dem Wellingtonkanal machte sie offenbar für Sir John Franklin geeignet, hier mit seinen Schiffen HMS Erebus und HMS Terror 1845–46 zu überwintern. Seine Expedition errichtete hier ein Winterlager, das unter anderem aus einem Lagerhaus und einer kleinen Schmiede bestand, und begrub ihre ersten Verluste, die drei Mannschaftsmitglieder:

Relikte des Northumberland-Hauses, Belcher-Säule und Erinnerungspyramide auf der Beechey-Insel

Nachdem Franklins Hinterlassenschaften auf Beechey entdeckt waren, wurde die Insel zu einer Art Ausgangs- und Sammelpunkt der an den verschiedenen Franklin-Suchaktionen beteiligten Schiffe. So warteten vor Beechey Versorgungsschiffe auf Anweisungen, und Schlittentrupps übermittelten von hier Nachrichten zwischen tiefer ins Eis vorgedrungenen Schiffen. Über Jahre kamen Erkundungsschiffe hierher, da man sich irgendwelche aufschlussreichen Botschaften Franklins auf Beechey zu finden erhoffte. Am 21. August 1853 sank das Versorgungsschiff HMS Breadalbane vor Beechey.

Außer den drei Gräbern der genannten Toten befinden sich auf Beechey noch zwei Grabstellen:

  • Zum einen befindet sich hier das Grab des Seemanns Thomas Morgan, der zur Mannschaft von HMS Investigator unter dem Kommando von Robert McClure gehört hatte. McClure suchte von 1850 bis 1854 von der Beringstraße her nach der Franklin-Expedition, musste sein Schiff an der Nordküste von Banks Island aufgeben und erreichte mit seinen Leuten zu Fuß Beechey Island, wo Morgan am 22. Mai 1854 (vermutlich an Skorbut) verstarb.
  • Zum anderen befindet sich auf Beechey ein nicht belegtes „Scheingrab“, vermutlich zur Erinnerung an den französischen Marineleutnant Joseph-René Bellot, der am 18. August 1853 von einer Sturmböe ins Wasser gerissen wurde und seitdem verschollen ist.
Die Gräber der Franklin-Expedition auf Beechey

Die Toten auf der Beechey-Insel wurden inzwischen mehrmals exhumiert und an gleicher Stelle wieder beerdigt; dabei wurden den alten Grabsteinen neue zur Seite aufgestellt, die auch Auskunft über ihre Todesursache – Tuberkulose – geben. Der kanadische Wissenschaftler Owen Beattie gelangte durch die hierbei festgestellten hohen Bleiwerte der Männer zu der Theorie, dass schadhafte Verlötungen der mitgeführten Konservendosen zu einer schleichenden Bleivergiftung der gesamten Expedition geführt haben dürfte.

Die Beechey-Insel zieht heute immer wieder Besucher an (vor allem auf Kreuzfahrtschiffen), die auf der Insel nach Spuren der Geschichte der Nordwestpassage suchen. Sogar das Hinuntertauchen mit Spezial-U-Booten zur Breadalbane, deren Wrack vom eisigen, klaren Wasser der Arktis in erstaunlich gutem Zustand konserviert wurde, ist seit 1999 im Touristikangebot.

Literatur

  • Nunavut Handbook. Iqaluit 2004, ISBN 0-9736754-0-3
  • Owen Beattie, John Geiger: Frozen in Time – Unlocking the Secrets of the Franklin-Expedition. E. P. Dutton, New York 1987. ISBN 0-525-24685-1 (engl.)
  • Owen Beattie, John Geiger: Der eisige Schlaf – Das Schicksal der Franklin-Expedition. R. Piper, München 1992, ISBN 3-492-22113-0
  • Peter Milger: NordWestPassage – Der kurze aber tödliche Seeweg nach China oder die Gesellschaft der Abenteurer. vgs, Köln 1994, ISBN 3-8025-2295-8
  • Ansgar Walk: Nordflug, Pendragon Verlag, Bielefeld 2000, ISBN 3-929096-95-1

74.710383333333-91.8568222222227Koordinaten: 74° 43′ N, 91° 51′ W


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