Western Union
Western Union
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Sitz Greenwood Village (Colorado), USA
Deutschlandzentrale: Frankfurt am Main
Leitung Hikmet Ersek (CEO)
Mitarbeiter ca. 6000 weltweit
Umsatz Bilanzsumme: 1.35 Milliarden USD (2. Quartal 2008)
Branche Finanzdienstleistung
Website Western Union

Western Union ist ein US-amerikanischer Anbieter von weltweitem Bargeldtransfer. Er bietet die Möglichkeit, schnell Geld rund um den Globus zu transferieren, Rechnungen zu bezahlen und Zahlungsanweisungen zu erwerben. Dieser Transfer wird vielfach von Arbeitsmigranten genutzt, um Geld an Angehörige in ihren Herkunftsländern zu schicken.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Western Union wurde 1851 in Rochester von Hiram Sibley (1807–1888) als The New York and Mississippi Valley Printing Telegraph Company gegründet.

1856 änderte sie ihren Namen in Western Union Telegraph Company (nachdem sie einige Mitbewerber übernommen hatte), um die Verbindung der Telegraphenlinien von Küste zu Küste zu verdeutlichen.

Western Union stellte 1861 die erste transkontinentale Telegraphenlinie fertig. 1865 gründete sie – für den Versuch, Amerika und Europa über Alaska und Sibirien nach Moskau zu verbinden – die Russian American Telegraph.

1869 führte sie den ersten Börsenfernschreiber ein und 1870 einen standardisierten Zeitservice. 1871 führte Western Union ihren Service zur Geldüberweisung ein, der auf ihrem umfassenden Telegraphennetz basierte. Als das Telefon den Telegraphen ersetzte, wurde das Überweisungsgeschäft zum Hauptzweck des Unternehmens.

Als 1884 der Börsenindex Dow Jones Transportation Average für die New York Stock Exchange ins Leben gerufen wurde, war Western Union eine der ursprünglichen elf teilnehmenden Firmen.

1914 gab Western Union die erste Kreditkarte für Verbraucher heraus; 1920 führten sie Fernschreiber ein, um ihre Geschäftsstellen zu verbinden. 1933 folgten gesungene Telegramme, Faxverkehr zwischen Städten 1935, und kommerzielle Mikrowellenkommunikation zwischen Städten 1943. 1958 begannen sie, ihren Kunden Telex anzubieten. 1964 führte Western Union die Nutzung von Mikrowellenstrahlen für die transkontinentale Kommunikation ein.

Western Union wurde 1974 Amerikas erstes Telekommunikationsunternehmen mit eigenen Kommunikationssatelliten in einer geosynchronen Umlaufbahn. Diese Satelliten (Westar 1 bis 6 und Westar 6S) transportierten die Daten für Telegramme und Mailgramme zwischen den landesweiten Western-Union-Niederlassungen. Sie übernahmen auch den Verkehr für ihre Telex- und TWX-(Telex II)-Dienste. Die Transponder der Westar-Satelliten wurden auch an andere Unternehmen vermietet, um Video-, Sprach-, Daten- und Fax-Übertragungen weiterzuleiten.

In den frühen 1980er Jahren begann Western Union wegen rückläufiger Gewinne und steigender Schulden den langsamen Rückzug aus telekommunikationsbasierten Anlagen. Angesichts der damaligen Deregulierung begann Western Union, sein Geschäft mit Geldtransfers auf Gebiete außerhalb der USA auszuweiten und definierte sich neu als „The fastest way to send money worldwide“.

1994 wurde Western Union durch die First Financial Management Corporation aufgekauft, die ein Jahr später mit der First Data Corporation zusammenging. Am 26. Januar 2006 gab die First Data Corporation die Ausgliederung von Western Union als unabhängiges, börsengehandeltes Unternehmen bekannt. Seit dem 2. Oktober 2006 wird Western Union als unabhängiges Unternehmen an der New York Stock Exchange gehandelt (NYSE: WU).

Präsident und Chief Executive Officer (CEO) des Unternehmens ist seit 1. September 2010 Hikmet Ersek[1]; davor war es seit September 2006 Christina Gold. Gold bekam in 2009 Zahlungen von insgesamt 8,1 Millionen US-Dollar. Damit verdiente sie in 2009 - dem Jahr einer weltweiten Wirtschafts- und Bankenkrise – mehr als dreimal so viel wie in 2007.[2]

Geldtransfer

Der Geldtransfer von Privat- zu Privatpersonen ist heute die meistgenutzte Dienstleistung von Western Union. In Deutschland wird sie hauptsächlich von Migranten genutzt, die hierzulande leben und arbeiten und Geld an Familien oder andere Menschen in ihrem Heimatland schicken. 2004 betrugen diese Rücküberweisungen (Remittances) aus Deutschland 10 Milliarden US-Dollar. Deutschland ist im internationalen Vergleich einer der größten Remittance-Märkte.[3]

Verfahren

Der Sender benötigt für die Transaktion kein Bankkonto und keine Kreditkarte. Um den gesetzlichen Bestimmungen zu entsprechen, muss der Sender lediglich ein gültiges Ausweisdokument vorlegen (zum Beispiel Personalausweis, Meldebescheinigung – ein Führerschein reicht in Deutschland nicht aus). Die deutsche Staatsbürgerschaft ist nicht erforderlich. Der Absender füllt ein Sendeformular in einem Standort von Western Union aus, gibt es mit dem Geld am Schalter ab und zeigt sein Ausweisdokument vor. Die Gebühren variieren je nach Bestimmungsort und Höhe des verschickten Betrags. Der Sender erhält bei der Überweisung eine sogenannte 'Money Transfer Control Number' (MTCN), mit deren Hilfe die Transaktion verfolgt werden kann. Beim Geldtransfer in manche Länder muss zusätzlich eine Testfrage vereinbart werden, die der Empfänger beantworten muss, wenn er das Geld entgegennimmt. Prinzipiell kann der Sender von Deutschland aus einen Betrag in beliebiger Höhe ins Ausland schicken. Um einem Missbrauch des Services vorzubeugen, wird bei bestimmten Transfers abhängig von der Betragshöhe und dem Empfangsland eine gesonderte Sicherheitsüberprüfung vorgenommen. Wenige Sekunden später steht das Geld dem Empfänger weltweit zur Auszahlung bereit. Zur Auszahlung muss der Empfänger ebenfalls einen gültigen Identitätsnachweis, den Namen des Senders, das Land, aus dem gesendet wurde sowie die Höhe des Betrages angeben und bekommt dann sofort den Betrag ausgezahlt.

Kritik, möglicher Missbrauch

Western Union wird vor allem für drei Dinge kritisiert:

  • Zu hohe Bearbeitungsgebühren: Western Union (WU) verlangt für den Bargeldtransfer Bearbeitungsgebühren. Deren Höhe wird seit Jahren öffentlich - sogar von den Regierungschefs der G8-Staaten - kritisiert.[4] [5] Die Online-Kampagnenplattform Avaaz appellierte im Januar 2011 an WU, die Gebühren auf ein faires Niveau zu senken und maximal 5 % der überwiesenen Summe als Gebühr zu nehmen.[6] Die Weltbank stellte wegen der hohen Gebühren eine Seite ins Internet, die diese kritisiert und es jedermann erlaubt, einen günstigen Anbieter zu finden[7] Auf dem G8-Gipfel in L’Aquila 2009 wurde das Ziel beschlossen, die Bearbeitungskosten zu senken.[8] [9]
  • Wechselkurse, die vom Mittelkurs oder von marktüblichen Wechselkursen abweichen (die Abweichung wird "Spread" oder 'exchange rate margin' genannt) - zu Gunsten von WU und damit zu Ungunsten des Kunden.
    • Beispiel: Jemand möchte Euro von Deutschland in die Türkei transferieren. Die Gebühr für Transfers bis zu 300,- Euro beträgt 5 Euro. Der Gebührenrechner auf der Website bietet nur Auszahlung in Dollar an. Er nennt (Stand: 6. Januar 2011) einen Wechselkurs von etwa 1,2743 Dollar pro Euro; gleichzeitig lag der amtliche Mittelkurs bei 1,3103, also etwa 2,8 Prozent höher.
    • Beispiel: Jemand möchte Euro von Deutschland in die Russische Föderation transferieren. Für 145 Euro (oder weniger) zahlt er 14,50 Euro Gebühr (also 10 Prozent). Die Homepage nennt einen Wechselkurs von etwa 1 Euro = 38,7165236 (Stand: 6. Januar 2011). Am selben Tag lag der Mittelkurs bei 40,20109, also etwa 3,8 Prozent höher.
  • Geldtransferdienste ermöglichen es Kriminellen, unrechtmäßig erlangtes Geld schnell aus einem Land herauszuschaffen - zum Beispiel in ein Empfängerland, in dem Korruption bzw. Anarchie herrschen und in dem es nicht bzw. kaum möglich ist, den Empfänger des transferierten Geldes zu identifizieren oder das überwiesene Geld zurückzuerlangen.

Kriminelle nutzen häufig Geldtransferdienste bei ihren kriminellen Handlungen, zum Beispiel beim Online-Betrug.

Zum Beispiel treten Kriminelle von Entwicklungsländern aus gezielt mit partnersuchenden Frauen in Internet-Partnerbörsen in Kontakt und bauen durch regen Mailverkehr ein Vertrauensverhältnis auf. Dann teilen sie den Frauen mit, sie seien im Ausland in eine schwierige Situation gekommen (Erkrankung, Konto gesperrt oder ähnliches) und bitten sie, ihnen Geld zu leihen und per Geldtransferdienst dorthin zu schicken. Dieser sogenannte Vorschussbetrug wird im Englischen "Love Scam" genannt; für ihn gibt es bislang kein deutsches Wort.

Western Union arbeitet mit Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden sowie Präventionsstellen zusammen, um gegen den Missbrauch von Geldtransferdiensten vorzugehen. In Deutschland besteht seit 2005 eine Kooperation mit der 'Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes' (ProPK). Außerdem unterstützt Western Union das Pilotprojekt „elektronische Verdachtsanzeige“ der E-Government 2.0-Initiative der Bundesregierung. Ziel der Initiative ist es, Verwaltungsabläufe in deutschen Ämtern unbürokratischer zu machen und verdächtige Transaktionen noch schneller den Behörden zu melden.

Produkte

Neben dem klassischen Geldtransfer-Service kann man mit Western Union auch online, über die Internetseite von Western Union, mit einer Visa- oder MasterCard-Kreditkarte Geld ins Ausland verschicken. Der Sender muss sich dazu online bei Western Union registrieren. Nach der zweiten Online-Transaktion muss man über das Postident-Verfahren seine Ausweisdaten überprüfen lassen, bevor der Onlineservice genutzt werden kann. Seit 2007 können Postbank-Kunden außerdem Geld mit Western Union per Postbank-Onlinebanking von ihrem Girokonto aus verschicken.

Vertriebsstandorte

Heute ist Western Union an 455.000 Vertriebsstandorten weltweit anzutreffen (Stand: Juli 2011). [10] Die Filialen folgender Vertriebspartner bieten den Geldtransfer-Service von Western Union ihren Kunden in Deutschland an:

  • ReiseBank
  • Postbank
  • Travelex
  • Sparkasse Chemnitz
  • Stadtsparkasse Düsseldorf
  • Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau
  • Sparkasse Schwarzwald-Baar
  • Kreissparkasse Heidenheim
  • Kreissparkasse Waiblingen
  • Kreissparkasse Freudenstadt
  • AGw (in Hamburg)
  • Rekoda (in München)
  • Western Union International Bank
  • ORfinance GmbH

Western Union International Bank

Die Western Union International Bank wurde im Oktober 2004 gegründet und agiert in Österreich, Deutschland und Norwegen. Als Vertriebspartner von Western Union bietet sie in ihren 44 Filialen (29 davon in Deutschland) den Geldtranferdienst von Western Union an.

Internetvorläufer

AUTODIN der US Air Force 1989

Western Union war am Automatic Digital Network (AUTODIN) beteiligt. AUTODIN diente der Kommunikation des amerikanischen Militärs und wurde in den 1960er Jahren entwickelt. Das Defense Message System (DMS) ersetzte AUTODIN 2000.

Eine aus AUTODIN hervorgegangene Erfindung war Western Unions computerbasierter Service EasyLink. Er wurde für die Verwendung in der Wirtschaft entwickelt und stellte eines der ersten Systeme dar, mit dem Nicht-Regierungs-Teilnehmer elektronische Nachrichten versenden konnten. Außerdem ermöglichte es, die gleiche Nachricht an verschiedene Empfänger als E-Mail, Fax, Mailgramm und Telex zu senden. Es ermöglichte auch den Empfang dieser Formate. Über den Dienst konnten die Nutzer über die InfoLink-Anwendung auch eigene Nachforschungen anstellen. EasyLink Services ist heute ein eigenes Unternehmen.

Alternative Angebote

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Management team in: Western Union, abgerufen am 13. Januar 2011.
  2. Michelle Chapman: Western Union CEO's Pay More Than Triples in 2009. New York, 30. März 2010, auf abcnews.go.com, Quelle: AP (Associated Press)
  3. World Bank Report “Global Economic Prospects 2006”
  4. Deutsche Welle 5. Dezember 2007: Die Hälfte für Western Union
  5. [1]
  6. avaaz.org Western Union: Senken Sie die horrenden Gebühren!
  7. Remittance Prices worldwide - making markets more transparent. (deutsch etwa: Geldtransferpreise weltweit - wir machen Märkte überschaubarer)
  8. G8 heads of government and states endorsed the objective of reducing the cost of remittance services by five percentage points in five years at the July 2009 summit in L'Aquila, Italy. The objective was strongly supported by the Global Remittances Working Group created by the World Bank. (abgerufen Januar 2011)
  9. International Remittances Conference in Rome on 9 November 2009
  10. [2]. Western Union Reports First Quarter Results 2011. Abgerufen am 25. Juli 2011.

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