Beethoven-Halle
Beethovenhalle Bonn (2005)

Die Beethovenhalle ist ein denkmalgeschütztes Konzert- und Veranstaltungshaus in Bonn. Seit ihrer Errichtung im Jahr 1959 besteht die zentrale Aufgabe der Beethovenhalle in der Pflege der Musik des in Bonn geborenen Komponisten Ludwig van Beethoven. Prominente Künstler aus der ganzen Welt gastieren in der Halle. Sie ist ein Wahrzeichen der Stadt und eines der bedeutendsten Bauwerke der jungen Bundesrepublik. 50 Jahre nach ihrer Errichtung wollen die Sponsoren eines geplanten neuen Festspielhauses den Abriss der Halle.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Beethovenhalle befindet sich in unmittelbarer Nähe des Rheinufers im Bonner Norden. Das Gebäude liegt in fußläufiger Entfernung sowohl zur inneren Nordstadt, als auch zur Innenstadt.

Die Halle wurde auf den Resten einer Bastion gebaut, die zur barocken Stadtbefestigung gehörte. 1717 wurde die Befestigung auf Veranlassung der Niederlande geschleift. Im 19. Jahrhundert entstanden zwischen Rheinufer und Wilhelmsplatz die Klinikgebäude der Universität, an der Stelle, wo sich heute die Beethovenhalle befindet, die Frauenklinik. 1944 wurde sie wie die anderen Klinikgebäude durch Fliegerangriffe weitgehend zerstört und nach dem 2. Weltkrieg nicht wieder aufgebaut.

Die Beethovenhalle prägt aufgrund ihrer erhöhten Lage und ihrer Architektur, ganz besonders der weithin sichtbaren grünen Kuppel seit einem halben Jahrhundert das Bild der Stadt. Die Halle ist neben zahlreichen sakralen Bauten der einzige bedeutende säkulare Kulturbau, der in den am Rhein liegenden Städten nördlich des Bodensees eine unmittelbare Verbindung zum Fluss hat.

Blick von Beuel

Geschichte

Die Errichtung der Beethovenhalle im Bonn der Nachkriegszeit war für die „provisorische Hauptstadt“ eine national und international beachtete Leistung, die im wesentlichen von der Bürgern der Stadt erbracht wurde. Von ihnen ging die Initiative aus und sie sorgten für den größten Teil der finanziellen Mittel. Ihr Einsatz rührte daher, der Darbietung der Musik des in Bonn geborenen Komponisten ein angemessenes Konzertgebäude zu verschaffen. Darüber hinaus sollte sich in dem neuen Haus der Geist der jungen Bundesrepublik zeigen. Wie in Bonn gab es in der Nachkriegszeit in zahlreichen Kommunen Ausschreibungen für Kulturbauten, die „dem neuen Geist eine Form geben“ [1] sollten. In Bonn wurde diese Absicht mit der Beethovenhalle in einer Weise realisiert, die „beispielhaft für einen demokratischen Entscheidungsprozeß (ist), der von der Formulierung der Wettbewerbsforderungen bis hin zu der Frage der Ausstattungsstücke reicht“ [2]

Die heutige Beethovenhalle ist das dritte Konzertgebäude in der Geschichte Bonns, das diesen Namen trägt. Die folgende Darstellung der Geschichte der beiden im 19. Jahrhundert errichteten Hallen basiert auf der Studie von Jörg Rüter „Die Bonner Beethovenhalle“.

Die erste Beethovenhalle

Die erste Beethovenhalle entstand 1845 als „kurzzeitige Festarchitektur und Kulisse“ [3] für Franz Liszt. Im Rahmen der Feierlichkeiten zur Enthüllung des Beethoven-Denkmals auf dem Münsterplatz war Liszt zum Dank für seine großzügige Geldspende zur Errichtung des Denkmals geladen worden und sollte Regie bei den Feierlichkeiten spielen. Die bereits für 2.000 Besucher umgebaute Akademische Reitbahn lehnte er als Veranstaltungsort ab. Stattdessen entstand ein Neubau nach den Plänen von 14 Bonner Werkmeistern auf dem Privatgelände des „Räss'schen Gartens“ neben der Franziskanerkirche. Heute befindet sich dort das Viktoriabad. Fachkundigen Rat suchten die Bauherren bei dem Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner und dessen Mitarbeiter Vincenz Statz.

Die erste Beethovenhalle wurde basilikal in Holz ausgeführt und konnte 2.500 Besucher aufnehmen. Sie wurde wegen ihrer Akustik gelobt und war eine „Leistung handwerklicher Akkordarbeit“ [4]. Innerhalb von elf Tagen hatten 95 Zimmerleute, Schreiner und Dekorateure ein Festgebäude mit Kapitellschmuck, aufgemalten Friesen und Wandverkleidungen geschaffen. Die Bonner Bürger jedoch betrachteten die erste Beethovenhalle nicht als 'ihr' von ihnen gewünschtes Gebäude. Zwei Monate nach dem Beethovenfest von 1845 bot sie ein Notar zum „Verkauf auf Abbruch“[5] an. Feuerpolizeiliche Gründe spielten dabei eine wichtige Rolle.

Die zweite Beethovenhalle

1870 errichtete Beethovenhalle

Aus Anlass des 100. Geburtstages von Ludwig van Beethoven wurde 25 Jahre später am Vierecksplatz in der Brückenstraße, der heutigen „Berliner Freiheit“, eine neue Halle errichtet. Sie entstand auf Initiative Bonner Bürger. Bevor der Rat der Stadt sich am 4.Februar 1870 für den Neubau am Vierecksplatz entschied, hatte eine Suche nach alternativen Orten zur Durchführung des geplanten Festes zum 100. Geburtstages des in Bonn geborenen Komponisten stattgefunden. In die engere Wahl waren die evangelische Kreuzkirche am Kaiserplatz gekommen, die aber erst im August 1870 fertiggestellt wurde, die Universitätsaula und der Arkadenhof der Universität. Der Industrielle Joseph Drammer sowie der „Bonner Bürgerverein“ und ein im Entstehen begriffener „Beethoven-Aktienverein“ hatten auf der Grundlage unterschiedlicher Vorstellungen als potentielle Finanziers dieses Projekts mit der Stadt verhandelt. Der am 3. März 1870 begonnene Neubau erfolgte auf Grundlage eines Finanzierungsplans, der von einem „Beethovenkomitee“, das sich aus 38 Bonner Bürgern zusammensetzte, der Stadtverwaltung und dem Bauunternehmer Joseph Engelskirchen erarbeitet worden war. Engelskirchen lieferte den Entwurf für die Beethovenhalle.

Der Bau entstand überwiegend aus Tannenholz mit einer freistehend vorgelagerten Stuckfassade, die eingeschossig in neoklassizistischem Stil und mit einem giebelbekrönten Rundbogenportal die Gestalt der eigentlichen Halle verdeckte. Das Gebäude war eine dreischiffige Basilika mit längsseitiger Empore. Es fasste rund 1500 Besucher.

Die Halle wurde im Verlauf der nächsten Jahrzehnte zu einem „international angesehenen und wegen ihrer Akustik gelobten Zentrum des Musiklebens“ [6] Der Bau diente jedoch nicht nur der Pflege der klassischen Musik, mit dem Bau hatten sich die Bonner Bürger gleichzeitig ein „Festlokal zur Abhaltung von öffentlichen Festen“ [7] geschaffen. „Ihre friedliche Verwendung reicht von den Dichterlesungen bis zu den Boxkämpfen, von Max Reinhardts Oedipus-Masseninszenierung und den Oberammergauer Passionsspielen bis zu den landwirtschaftlichen Ausstellungen und Wohltätigkeitsbazaren mit Badenzauber und rheinischen Kirmessen, von den Universitätsfeiern und Rektoratsübergaben bis zu den Karnevalssitzungen und Maskenbällen, von Katholikentagen bis zu den Saalschlachten der NSDAP.“[8]

Die zweite Beethovenhalle wurde durch einen Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg am 18. Oktober 1944 zerstört.

Neubau

Beethovenhalle kurz nach der Eröffnung im Oktober 1959
Urkunde zur Grundsteinlegung

1950 begannen die ersten Aktivitäten zur Errichtung einer neuen Halle. Ein Jahr später gründete sich der „Stifterverband Beethovenhalle e.V.“. Da aufgrund der städtebaulichen Neuordnung im Bereich der „Berliner Freiheit“ (Ost-West Trasse Berliner Freiheit/Bertha-von-Suttner-Platz) der alte Bauplatz nicht mehr zur Verfügung stand, wurde 1952 das Gelände der zerstörten Universitätskliniken am nördlichen Rand der Altstadt als neuer Bauplatz ausgewählt.

Einen Errichtungsbeschluss fasste der Rat der Stadt Bonn am 8. Juni 1955. In einem internationalen Wettbewerb gab es 109 Entwürfe. Von einem Preisgericht unter der Leitung von Otto Bartning und Paul Bonatz wurde dem Entwurf des zum damaligen Zeitpunkt 29-jährigen Architekten und Scharoun-Schülers Siegfried Wolske der erste Preis zuerkannt. Die Grundsteinlegung erfolgte am 16. März 1956 durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss. In der von Theodor Heuss unterschriebenen Urkunde zur Grundsteinlegung drückten neben ihm der Bonner Oberbürgermeister und Stadtdirektor den Wunsch aus, dass die neue Halle „zu einem internationalen Zentrum der Pflege Beethovenscher Musik“ werde. 1959 war der Neubau unter der Leitung Siegfried Wolskes fertig. Die Kosten betrugen 9,5 Mio. DM.[9] Davon brachten Bonner Bürger in einer Spende mehr als 1 Mio. DM auf, Bund und Land NRW gaben jeweils 1 Mio. DM, die Stadt Bonn 6,5 Mio. DM.

Zu Ehren der Einweihung gab die Deutsche Bundespost ihren ersten Briefmarkenblock mit fünf deutschen Komponisten heraus, mit Ludwig van Beethoven, Georg Friedrich Händel, Louis Spohr, Joseph Haydn und Felix Mendelssohn Bartholdy. Ein Festakt am 8. September 1959 eröffnete die neue Beethovenhalle. Eingeleitet wurde das Fest durch Beethovens „Zur Weihe des Hauses“. Ansprachen hielten Bundespräsident Theodor Heuss, der Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen und Oberbürgermeister Wilhelm Daniels. Paul Hindemith dirigierte persönlich seine „Nobilissima Visione“. Aus Anlass der Einweihung fand erstmals das Beethovenfest der Stadt Bonn, es war das XXII., im September statt.[10]

Architektur

Plan der Halle von 1959

Ein fingerartiger, länglicher Flachbau erschließt das Hauptfoyer, das durch frei im Raum positionierte Treppenaufgänge zur Empore des großen Saals geprägt wird. Der Saal, durch eine Holzverkleidung „nahezu expressionistisch wirkend“ [11], liegt im Zentrum des asymmetrischen Baus und verfügte über ein Orchesterpodium und, zum Zeitpunkt der Eröffnung, über Sitzplätze für 1.400 Besucher. Zur Ausstattung der Bühne gehört eine Klais-Orgel. Der Große Saal öffnet sich mit Portalen, die zwischen den kiemenartig ausgestellten Seitenwänden liegen, zu frei darum herum gruppierten Vestibülen und Foyers. Im Süden schließen sich ein Saalbau und ein Vortragsraum, im Westen ein Restaurant mit Freiterrasse an. „Das Volumen des großen Saals spiegelt sich im fensterlosen, flach sphäroid überdachten und natursteinverkleideten Außenbau.“[11]

Siegfried Wolske über seine Arbeit

Am Abend des 7. September 1959, dem Tag vor der feierlichen Einweihung der Beethovenhalle, übergab Siegfried Wolske den Schlüssel für den Bau dem damaligen Bonner Oberbürgermeister Wilhelm Daniels. Wolske hielt dabei eine Rede, in der er seine Ideen formulierte:

„Das Wesen dieses Baus ist in besonderer Weise mit der Gesellschaft im weiten Sinne des Wortes ‑ und ihren spezifischen Aufgaben in ihrer eigenen Sache, der Kultur, verbunden. Wenn das Ziel der Kultur nicht ein ästhetisches ist, so kann es nur darin liegen, die Menschen zueinanderzubringen.“

Siegfried Wolske: in: Die Weihe des Hauses, Bonn 1960, S. 12

Wolskes Lehrer, Hans Scharoun, wollte zwischen Individuum und Gesellschaft eine Vermittlung durch „Räume der Mitte“ als Umgebung gemeinschaftlichen Handelns. Wolske nahm diesen Aspekt auf:

„Bauen nicht des Bauens wegen, nicht einer ästhetischen Konzeption zuliebe, nicht, um allein einen gut funktionierenden technischen Apparat zu schaffen, ist die Aufgabe! Sie müßte vielmehr lauten: Zusammenhänge zwischen Indi­viduum und Gesellschaft, zwischen Produktion und Rezeption, Musikspiel und Musikaufnahme, zwischen Darstellung und Betrachtung, zwischen Bewegung und Ruhe, Konzentration und Entspannung sichtbar zu machen.“

Siegfried Wolske: in: Die Weihe des Hauses, Bonn 1960, S. 13

Renovierung und Erweiterung

Lageplan der Beethovenhalle (2009)

1985 musste das Gebäude wegen eines Feuerschadens durch Brandstiftung geschlossen und renoviert werden. In den 80er Jahren wurde die Halle so stark genutzt, dass sie teilweise drei Jahre im voraus gebucht werden musste, um einen Veranstaltungstermin zu erhalten. Pläne, um in der Nachbarschaft der Halle ein Konferenzzentrum zu errichten, wurden nicht realisiert. Ende der 80er Jahre bis Anfang der 90er Jahre gab es mehrfach Pläne, die Halle umzubauen. Nachdem die Halle 1990 unter Dekmalsschutz gestellt worden war (s. Kapitel unten), nahm die Stadt davon Abstand. Mitte der 90er Jahre wurde die Halle für 22,6 Mio. DM unter der Planung von Siegfried Wolske modernisiert und im südlichen Bereich um drei Seminarräume erweitert.

Nach der Renovierung besteht die Beethovenhalle heute aus vier Veranstaltungsbereichen:

  • Großer Saal (1.980 Plätze)
  • Studio (487 Plätze)
  • Kammermusiksaal (240 Plätze)
  • Forum Süd (Kongresszentrum mit mehreren Seminarräumen)

Akustik

Die erste und ganz besonders die zweite Beethovenhalle waren berühmt wegen ihrer guten Raumakustik. Das sollte für den Bau der neuen Halle ebenfalls gelten. Mit der akustischen Ausgestaltung des großen Saales wurde deshalb von den Bauherren der zum Zeitpunkt des Neubaus der Halle zu den renommiertesten Fachleuten gehörende Göttinger Professor Erwin Meyer beauftragt. Er stand vor der Aufgabe, gute akustische Bedingungen für einen Raum zu schaffen, der sowohl als Konzertsaal für klassische Musik vorgesehen war als auch für Veranstaltungen, in denen Redebeiträge im Vordergrund standen - wie z.B. bei Kongressen und Karnevalsveranstaltungen.

„Darf man auch heute noch die Akustik so dem architektonischen Zufall überlassen?“, fragte Meyer in einem Beitrag für den vom damaligen Bonner Kulturamtsleiter Gert Schroers herausgegebenen Band über die Beethovenhalle. „Diese Frage“, so Meyer weiter, „ist mit einem glatten Nein zu beantworten. Die wissenschaftliche Akustik ist so weit fortgeschritten, daß man die grundlegenden Erfordernisse für eine gute Akustik genau kennt und sie berücksichtigen kann. Daß es wirklich so ist, zeigen zahlreiche nach dem Kriege in allen Ländern neu erbaute Konzertsäle, Theater, Opernhäuser.“[12]

Eines der wichtigsten Ziele, die Meyer zusammen mit dem Architekten anstrebte, war es, mit Hilfe von Baumaterialien - in der Beethovenhalle sind das z.B. die Holzvertäfelungen an den Seitenwänden und den an der Decke angebrachten gelben „Eierkartons“ - dafür zu sorgen, dass der Anteil des Direktschalls gegenüber den Reflexionen ausgewogen ist, groß genug, um die Musik noch klar und transparent wahrzunehmen, aber nicht zu groß, um den räumlichen Eindruck nicht zu mindern. Der Nachhall sollte räumlich gut verteilt sein, einen merklichen Anteil am Gesamtschall haben und nicht zu kurz sein, um den Hörer möglichst gut von der Musik zu umhüllen. Als die besten Nachhallzeiten gelten 1,5 bis 2 Sekunden.

1988 testete ein Team der japanischen Universität Osaka die Akustik in mehreren europäischen Konzerthallen, neben der Beethovenhalle die Concertgebouw-Halle in Amsterdam, die Münchner Philharmonie am Gasteig und den wohl berühmtesten klassischen Saal, den Großen Musikvereinssaal in Wien. Die Bonner Halle konnte dabei, so der General-Anzeiger in einem Artikel unter der Überschrift „Beethovenhalle hat erstklassige Akustik“, die besten Nachhallzeiten vorweisen.[13]

Diesem wissenschaftlichen Ergebnis entspricht, wie Besucher von Konzerten in der Beethovenhalle das Klangerlebnis erleben. „Auf den meisten Plätzen hört man gut bis sehr gut“, schreibt der Kölner Musikwissenschaftler Michael Gassmann, „einzig ganz rechts und ganz vorne verfehlen Teile des Klangs das Publikum. Aber in welchem Saal der Welt - den ewigen Referenzbau Wiener Musikverein einmal ausgenommen - gäbe es nicht tote Ecken? Selbst in der Kölner Philharmonie bekommen am Rande Sitzende die an der Rampe stehenden Solisten kaum mit. Das ist in der Beethovenhalle anders: Der Klang eines großen Orchesters und der Solisten mischt sich zu einem homogenen Ganzen. Bei Klavierabenden zeigt sich, dass auch ein einzelnes Instrument den Raum insgesamt zum Schwingen bringt.“[14]

Wenn in den vergangenen Jahrzehnten Kritik an der Raumakustik gab, betrafen die nicht die Akustik bei (klassischen) Konzerten, sondern bei Veranstaltungen, in denen Redebeiträge im Vordergrund standen. Das war ganz besonders nach der Brandstiftung und der daran angeschlossenen Renovierung der Halle der Fall. Die Stadt veränderte daraufhin die Eigenschaften des Raumes elektroakustisch durch den Einsatz einer dezentralen Lautsprecheranlage samt eines computergesteuerten Kontroll-Systems [15].

Nutzung

Mit dem Großen Saal verfügt die Beethovenhalle, so die Betreiber, über einen Konzert- und Kongresssaal „von internationalem Format“[16]. Das Podium mit 280 m² lässt viel Raum für „großzügige Inszenierungen“. Bei Bedarf kann die Empore durch absenkbare Deckenelemente vom Saal getrennt werden.

Beethovenfest

Konzert während des Beethovenfestes 2007

Die Beethovenhalle ist „Heimathalle“ des „Beethoven Orchesters Bonn“, das von 1945 bis 2003 den Namen „Orchester der Beethovenhalle Bonn“ trug. Zu den wichtigsten klassischen Konzerten in der Beethovenhalle gehören das Eröffnungskonzert sowie weitere Konzerte des Beethovenfestes. Im großen Saal findet ebenfalls das Abschlusskonzert der Beethoven Competition Bonn for Piano statt. Prominente Musiker und Orchester aus der ganzen Welt gastieren in der Halle. Dazu gehörten die Pianisten Hélène Grimaud und Lang Lang, das New York Philharmonic Orchestra unter Lorin Maazel, das London Symphony Orchestra unter Daniel Harding, das Orchestre National de France unter Kurt Masur und das Gewandhausorchester unter Riccardo Chailly.

„Bonns größte Disco“

Prinzenproklamation 1961

Neben Konzerten, die ein Drittel der jährlichen Veranstaltungen ausmachen, gibt es Tagungen und Konferenzen, die ein weiteres Drittel ausmachen, und ein drittes Drittel bestehend aus Abendveranstaltungen, Partys und Gastspielen. Die Proklamation des Bonner Karnevalsprinzenpaares gehört zu diesen Veranstaltungen genauso wie „The Final“-Abiparty [17], bei der 4.500 Abiturienten mit Freunden zusammen den Abschluss ihrer Schulzeit feiern, oder der „Fun Kölsch Karneval“, bei der die Beethovenhalle zu „Bonns größter Disco“ [18] wird.

Bundesversammlungen

Wahlparty in der Beethovenhalle zur Bundestagswahl 1965

In der Zeit, als Bonn Bundeshauptstadt war, stellte die Beethovenhalle einen Ort dar, an dem zahlreiche repräsentative und historische Veranstaltungen der Bundesrepublik Deutschland stattfanden. Von besonderer Bedeutung war die Beethovenhalle in der Zeit von 1974 bis 1989 als Ort der Bundesversammlung. Die 6. Bundesversammlung war die erste, die in Bonn zusammenkam. Sie tagte am 15. Mai 1974. Ihre Präsidentin war Annemarie Renger. Die Versammlung wählte Walter Scheel zum vierten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Am 23. Mai 1979 tagte die 7. Bundesversammlung in der Beethovenhalle. Ihre Präsidenten waren Richard Stücklen, Hermann Schmitt-Vockenhausen und Liselotte Funcke. Bei der Wahl wurde Karl Carstens zum Bundespräsidenten gewählt. Die 8. Bundesversammlung fand am 23. Mai 1984 statt. Ihr Präsident war Rainer Barzel. Bei der Wahl wurde Richard von Weizsäcker zum Bundespräsidenten gewählt. Er wurde auf der 9. Bundesversammlung, der letzten in Bonn, am 23. Mai 1989 wiedergewählt. Sie fand unter der Leitung von Rita Süssmuth statt.

Kunst im Innen- und Außenbereich

Hauptfoyer mit der von Joseph Fassbender gestalteten Wand - davor die Beethovenbüste von Bourdelle

Zu den Feierlichkeiten zur Eröffnung der Halle am 9. September 1959 gehörte eine Ausstellung „Berliner Künstler der Gegenwart“. Dabei waren u.a. Werke von Bernhard Heiliger, Hann Trier, Karl Schmidt-Rottluff und Hans Uhlmann zu sehen. Heiliger und Uhlmann beteiligten sich mit eigenen Arbeiten an der künstlerischen Gestaltung der Halle. Auf der Rheinseite steht seit 1959 eine abstrakte Skulptur von Hans Uhlmann. Eine Plastik von Bernhard Heiliger war viele Jahre im Innenhof der Halle zu sehen.

Die Beteiligung von bildenden Künstlern an der Gestaltung der Beethovenhalle entsprach Siegfried Wolskes Vorstellung von der Halle als einem Gesamtkunstwerk, in dem eine Verbindung von Kunst und Architektur hergestellt wird. Wolske selbst betätigte sich als Künstler: Am Haupteingang findet der Besucher ein Farbfenster, das den Grundriss der Halle variiert. Den Entwurf für das Fenster hat Wolske erstellt. Von Joseph Fassbender ist im Großen Foyer eine Wandmalerei ohne Titel, sowie im Kleinen Raucherfoyer die Wandmalerei „Vihaminazhera“ zu sehen. Frankreich schenkte Émile-Antoine Bourdelles Beethoven-Portrait, das im Großen Foyer aufgestellt ist. Vor der Halle befindet sich seit 1986 die Betonplastik Beethon von Klaus Kammerichs. Auf der Rheinseite ist, in einiger Entfernung von Uhlmanns Plastik, ein weiteres Werk zu sehen. Es wurde von Alexander Wahl geschaffen und trägt den Titel "Vertrauen in die Zukunft".

Denkmalschutz

Die Beethovenhalle wurde 1990 in die Denkmalliste der Stadt Bonn eingetragen. „Sie verkörpert baugeschichtlich die Richtung des „organischen Bauens“, die sich vom rein „funktionalen Bauen“ abhebt,“[19] heißt es in der Begründung der Denkmaleigenschaft. „Sie reiht sich bundesweit in die Gruppe von Konzertbauten der Nachkriegszeit ein, wie z.B. die Philharmonie in Berlin oder die Liederhalle in Stuttgart. Bauplastische Strukturelemente, von der expressionistischen Architektur ausgehend, werden hier weiterentwickelt. Außen- und Innengestaltung gehen in Material, Form und Farbe eine gelungene Synthese mit der Funktion ein, die bis heute dem Bau in seiner unveränderten Form seine unverwechselbare künstlerische Individualität geben.“ In städtebaulicher Hinsicht „dokumentiert die Beethovenhalle in hervorragender Weise,“ so die Begründung weiter, „die Neubebauung auf dem Gelände der ehemaligen Bastionärsbefestigung Bonns des 17. Jahrhunderts und der Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts. In exponierter Lage, auf dem erhöhten Rheinufer gelegen, gehört sie zur unverwechselbaren Stadtsilhouette Bonns.“ Ein weiterer Aspekt, der die Denkmaleigenschaft der Halle begründet, ist ihre künstlerische Ausstattung.

Eigentümer und Betreiber

Eigentümerin der Beethovenhalle ist die Stadt Bonn. Sie unterstützt den Betreiber jährlich mit einem Betriebskostenzuschuss in Höhe von 1 Mio. €. Betreiber der Halle ist die World Conference Center Bonn Management GmbH. Neben der Beethovenhalle ist die Firma im Bonner Bundesviertel engagiert. Dort betreibt sie das World Conference Center Bonn.

Verschiedenes

Die Beethovenhalle ist die neunte Station des seit 2006 bestehenden „Beethoven-Rundganges“ in Bonn. Auf einer Tafel vor dem Haupteingang heißt es: „Mit der neuen Beethovenhalle nach den Plänen des Architekten Siegfried Wolske im September 1959 trat Bonn in die Reihe der weltweit bedeutendsten, regelmäßigen Musikfeste ein. Paul Hindemith weihte sie mit seiner Eigenkomposition „Nobilissima visione“ ein. Die heutige Beethovenhalle ist die dritte in Bonn; die erste wurde 1845 zur Feier des 1. Beethovenfestes erbaut.“[20]

In „Mord am Funkenmariechen - Eine Bonner Kriminalgeschichte“ erzählt Krimiautor Peter Assion von einem Verbrechen in der Beethovenhalle.

Sponsoren des geplanten Festspielhauses Beethoven wollen Abriss

Im Januar 2009 wählten die Bonner DAX-Unternehmen Deutsche Post und Deutsche Telekom und die Postbank aus zehn vorgelegten Architektenentwürfe für das von ihnen geplante Festspielhaus Beethoven in einer Vorauswahl vier Entwürfe aus. Alle vier Entwürfe verlangen den Abriss der Beethovenhalle.

Für den Erhalt der Beethovenhalle

Gegen einen Abriss der Beethovenhalle sprach sich Landeskonservator Professor Udo Mainzer unter Berücksichtigung vorliegender Architektenentwürfe aus, die auch den Erhalt der Beethovenhalle vorsehen. Zu der Verbesserung in Funktionalität und Akustik der Halle meinte er: „… All das könnte man innerhalb der bestehenden Hülle verbessern. Bonn kann gerne ein Festspielhaus bekommen, aber nicht auf Kosten des Denkmals.“[21]

„Ein barbarischer Akt“ wäre der Abriss der Beethovenhalle für den Musikwissenschaftler Michael Gassmann. Am 16. Februar 2009 würdigte er in einem Beitrag im FAZ-Net das Werk Siegfried Wolskes und sieht in der Beethovenhalle „das bedeutendste Nachkriegsbauwerk der Stadt Bonn“. Zur Rechtfertigung des Baus des Festspielhauses an Stelle der Beethovenhalle „redet man“, so Gassmann, „das bestehende Bauwerk schlecht“[22].

Abrissbefürworter

Für einen Abriss hatten sich im Vorfeld der Vorauswahl der Sponsoren nur wenige lokale Prominente stark gemacht. Auf einer Veranstaltung im August 2008 sagte der Bonner CDU-Bundestagsabgeordnete Stephan Eisel, dass es bei dem Projekt „um einen echten Neubau, sprich Abriss der alten Beethovenhalle, geht“. Auf die Frage danach, ob der Denkmalschutz ein Hindernis für den Abriss der Beethovenhalle sei, meinte er, die Halle stehe „nur“ in der Denkmalliste[23]. Bei mehreren Gelegenheiten rechnete Eisel vor, „dass die Stadt mindestens 1 Mio. € an jährlichen Unterhaltskosten und ca. 20 Mio. € an absehbaren Sanierungskosten einspare, wenn die Beethovenhalle durch ein neues Festspielhaus ersetzt werde“[24].

Prominenteste Abrissbefürworterin ist mittlerweile die Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD). 2007 stimmte sie dem Grundsatzbeschluss zu, der ein Nebeneinander von Beethovenhalle und Festspielhaus vorsieht[25]. Ein Jahr später machte sie sich für eine „integrative“ Lösung stark, für eine Verbindung von (alter) Beethovenhalle und (neuem) Festspielhaus[26]. Nach der Entscheidung der Sponsoren für vier Modelle, die den Abriss der Halle vorsehen, erklärte Frau Dieckmann im März 2009, dass die Entscheidung zum Abriss der Halle „keinem leicht gefallen ist“[27]. Gleichzeitig versucht sie als Chefin der Verwaltung Weichenstellungen, die durch keinen Ratsbeschluss gedeckt sind. So soll vom nächsten Jahr an das Beethovenfest nicht mehr in der Beethovenhalle stattfinden [28] und generell sollen bei dem Betreiber der Halle keine Veranstaltungen mehr geordert werden können, die für die Zeit nach dem 31. März 2010 geplant sind.[29]

Literatur

  • Gert Schroers (Hrsg. i.A. der Stadt Bonn): Bonn Beethovenhalle, 1959
  • Theordor Anton Henseler: Das musikalische Bonn im 19. Jahrhundert, in: Bonner Geschichtsblätter 13, Bonn 1959
  • Presseamt der Stadt Bonn: Die Weihe des Hauses, Bonn 1960
  • Jörg Rüter: Die Bonner Beethovenhalle in: Bonner Geschichtsblätter 39 1989 (1992)
  • Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01150-5
  • Andreas Schätzke: Fünfzig Jahre Beethovenhalle, in: Bauwelt 11.09, März 2009

Weblinks

Quellen

  1. Jörg Rüter: Die Bonner Beethovenhalle, S. 451
  2. Jörg Rüter: Die Bonner Beethovenhalle, S. 454
  3. Jörg Rüter: Die Bonner Beethovenhalle, S. 471
  4. Jörg Rüter: Die Bonner Beethovenhalle, S. 471
  5. zit. in: Jörg Rüter: Die Bonner Beethovenhalle, S. 472
  6. Jörg Rüter: Die Bonner Beethovenhalle, S. 468
  7. General-Anzeiger, 13. Januar 1934, zit in: Jörg Rüter: Die Bonner Beethovenhalle, S. 471
  8. Theodor Anton Henseler: „Das musikalische Bonn im 19. Jahrhundert“, Bonn 1959, S. 281
  9. Gert Schroers (Hrsg. i.A. der Stadt Bonn): Bonn Beethovenhalle
  10. Manfred van Rey: „Zur Geschichte der Beethovenhalle“
  11. a b Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn, S. 17
  12. Gert Schroers (Hrsg. i.A. der Stadt Bonn): Bonn Beethovenhalle, S. 52
  13. „Beethovenhalle hat erstklassige Akustik“, General-Anzeiger, 17. Juli 1988
  14. Michael Gassmann: Ein barbarischer Akt
  15. „Gute Note für Akustik der Halle“, Rhein-Sieg-Anzeiger, 29. Februar 1992
  16. Homepage der Beethovenhalle
  17. „Erst Party, dann die Büffelei“, General-Anzeiger, 6. April 2009
  18. „4.500 feiern in der Beethovenhalle mit DJ Ötzi“, General-Anzeiger, 23. Februar 2009
  19. Anlage zur Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Bonn
  20. Beethoven-Rundgang
  21. General-Anzeiger Bonn, 13. Februar 2009, S. 10: Interview mit Landeskonservator Udo Mainzer: Die Wegwerfmentalität nimmt zu. Auch online: Interview mit Udo Mainzer
  22. Michael Gassmann: Ein barbarischer Akt
  23. „Podiumsdiskussion über Festspielhaus Beethoven“, General-Anzeiger, 22. August 2008
  24. Homepage von Stephan Eisel
  25. Grundsatzbeschluss des Rates vom 13. Juni 2007
  26. Bernd Leyendecker: „Oberbürgermeisterin drückt beim Bonner Festspielhaus aufs Tempo“, General-Anzeiger, 19./20. April 2008
  27. zit. in: „Programm für Beethovenfest vorgestellt“, General-Anzeiger, 7. März 2009
  28. Bernhard Hartmann: „Programm für Beethovenfest vorgestellt“, General-Anzeiger, 7. März 2009
  29. Bettina Köhl: Festspielhaus: Karnevalisten ziehen erst 2011 um, General-Anzeiger, 12. Februar 2009

50.7409228463287.1049141883857Koordinaten: 50° 44′ 27,32″ N, 7° 6′ 17,69″ O


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