Beetzer Heide

Die Beetzer Heide (nach der Ortschaft Beetz, Ortsteil von Kremmen) ist ein geschlossenes Waldgebiet nordwestlich von Oranienburg im nördlichen Land Brandenburg.

Blick von der B 167 auf den Nordrand der Heide westlich von Grieben
Das Waldgebiet Beetzer Heide

Inhaltsverzeichnis

Name

Das gesamte Waldgebiet besitzt keine einheitliche Bezeichnung. Die größten Dörfer hatten jeweils Anteil am Wald, der dann deren Namen trug. So gibt es auch die Rüthnicker, die Griebener, die Schleuener und die Neuhöfer Heide. Gelegentlich wird auch Schleuener Heide benutzt, um das gesamte Gebiet zu benennen.

Geografie

Die Beetzer Heide erstreckt sich als annähernd quadratische Fläche über etwa 100 km². Sie erhebt sich, von West nach Ost leicht ansteigend zwischen dem östlichen Rhinluch und der Granseer Platte. Im Süden befinden sich überwachsene Dünengebiete, der höchste Punkt erreicht im äußersten Osten 74,7 m über NN. Entstehungsgeschichtlich ist sie die Sanderfläche einer glazialen Serie, die sich nach Nordosten mit der Moränenlandschaft der Granseer Platte fortsetzt.

Um die Beetzer Heide zieht sich ein Ring von Dörfern; das Waldgebiet selbst ist unbewohnt. Die Beetzer Heide liegt zum größten Teil im Landkreis Oberhavel; der Nordwesten gehört zum Landkreis Ostprignitz-Ruppin.

Geschichte

Seit dem frühen Mittelalter lagen an den Waldrändern einige slawische Dörfer wie Grieben, Kerkow und Schleuen. Der unfruchtbare Sandboden führte dazu, dass der Wald nicht zu Siedlungszwecken oder zur Ackerflächengewinnung gerodet wurde. Die deutsche Ostsiedlung führte zu weiteren Dorfgründungen rund um das Waldgebiet. Einige Dörfer wurden allerdings schon im ausgehenden Mittelalter wieder wüst (Kerkow, Schleuen, Neukammer, Alt-Neuendorf). Erst der Ausbau der Straßenverbindungen Herzberg (Mark) - Kremmen über den Kremmer Damm, sowie Herzberg (Mark) - Löwenberg sorgte für einen bescheidenen Aufschwung.

Seit Anfang der 60er Jahre bis 1990 existierte im westlichen Teil der Beetzer Heide, von Ludwigsaue aus zu erreichen, die Raketenstellung FRA-4124 (Flugabwehr-Raketenabteilung 4124) der NVA. Das führte dazu, dass ein großer Teil des Waldes Sperrgebiet war.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Melioration der Luchlandschaften führte noch im 18. Jahrhundert zur Gründung der Dörfer Ludwigsaue und Hohenbruch. Die Bedeutung der Landwirtschaft begann im 20. Jahrhundert stark nachzulassen. Viele Bauern wurden zu Pendlern oder verließen ihre Dörfer ganz. In Sommerfeld wurde 1912–1914 ein Lungenklinik-Komplex errichtet, der noch heute als medizinisches Zentrum für Erkrankungen des Bewegungssystems betrieben wird. Beetz ist Standort der Belafarm, die zu den bedeutendsten Spargelproduzenten in Brandenburg gehört. Neuendorf wurde durch seinen Badesee, die Große Plötze, zum Standort von Wochenendgrundstücken, Ferienlagern und eines Campingplatzes.

In der Nähe von Neuendorf wird seit den 90er Jahren verstärkt Kies gefördert, was zur umstrittenen Rodung von Waldflächen geführt hat.

Nördlich an die Beetzer Heide anschließend trifft man auf eine relativ hohe Dichte von Windrädern. Mit dem Bau einher gingen Proteste der Anwohner.

Verkehr

Am Westrand der Beetzer Heide verläuft die Landstraße 19, an der Nordseite die Bundesstraße 167. In etwa 1,5 bis 2 km Entfernung verläuft im Osten die B 96.

1898 wurde im äußersten Südwesten der Bahnhof Beetz-Sommerfeld der Kremmener Bahn errichtet. Von hier ist seit dem Neuruppin und in entgegengesetzter Richtung Velten, Hennigsdorf und Berlin-Reinickendorf erreichbar.

Im Norden der Beetzer Heide verläuft parallel zur B 167 die Eisenbahnverbindung (Rheinsberg bzw. Neuruppin) - Herzberg - Löwenberg. Es wurde bereits diskutiert, die eingleisige Strecke stillzulegen. Derzeit besteht sie mit geringer Zugdichte weiter. Der Haltepunkt Linde wurde abgebaut und der Bahnhof Grieben zum Haltepunkt heruntergestuft.

Natur

Der Wald selbst besteht größtenteils aus Kiefernmonokulturen. Nachdem im 18. Jahrhundert Damwild zu Jagdzwecken ausgesetzt wurde, gibt es bis heute davon einen stabilen Bestand. Im Osten der Beetzer Heide liegen Brutgebiete von Fisch-, Schrei- und Seeadler, Schwarz- und Weißstorch und Kranich, im dünnbesiedelten Westen eine Graureiherkolonie.

Weblinks

Bundesamt für Naturschutz


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