Beförderungsklasse
Unterscheidung der Passagiere nach Beförderungsklassen beim Betreten des Passagierbereiches

Die meisten Fluggesellschaften unterscheiden Flugreisen in drei hauptsächliche Beförderungsklassen (auch Service- oder Sitzklassen genannt): Economy Class, Business Class und First Class. Diese wiederum sind unterteilt in verschiedene Buchungsklassen, die im Preis und den Buchungs- oder Reisebedingungen variieren. Die Beförderungsklassen unterscheiden sich in Service- und Komfortleistungen vor, während und nach der Flugreise sowie insbesondere im Preis – sie unterscheiden sich aber auch je nach Flugzeug und Fluggesellschaft.

Inhaltsverzeichnis

Die Beförderungsklassen im einzelnen

Economy Class

Kabine der Economy Class einer Boeing 737

Die Economy Class, häufig einfach Economy, im Volksmund auch Holzklasse oder Touristenklasse genannt (in den USA auch: Coach oder Cattle), ist die niedrigste der drei Beförderungsklassen. Economy steht für Wirtschaftlichkeit (Sparsamkeit).

Hauptanforderung ist, möglichst viele Passagiere bei möglichst geringen Kosten zu befördern. Die Economy beinhaltet daher nur wenige Service- und Komfortleistungen, hat dafür in der Regel aber auch den niedrigsten Buchungspreis. Auf einem Flug sind häufig über 71 % der verfügbaren Sitzplätze für Economy-Buchungen reserviert, bei Billigfluggesellschaften und auf Kurzstreckenflügen gibt es meist sogar nur diese eine Beförderungsklasse.

Economy-Class-Plätze sind außerdem häufig noch in ihren Preisen gestaffelt: Früh eingehende Buchungen erhalten einen sehr günstigen Tarif, während Buchungen, die eingehen, wenn der Flug beinahe ausgebucht ist, sehr viel teurer ausfallen.

Business Class

Business Class in einer Boeing 747-400 der Lufthansa

Die Business Class, häufig auch einfach Business genannt, ist die mittlere der drei Beförderungsklassen. Sie ist speziell auf Geschäftsreisende ausgelegt. Hauptanforderung ist, den Reisenden ausgeruht ans Ziel zu bringen, ihm unterwegs das Arbeiten zu ermöglichen und den Zeitaufwand zu minimieren. Business bietet gegenüber der Economy-Klasse ein erhöhtes Angebot an Service-Leistungen sowie eine bessere Qualität und eine größere Auswahl an Speisen und Getränken. Business-Class-gebuchte Passagiere können z. B. vor dem Flug an speziellen für diese Buchungsklasse reservierten Schaltern einchecken und in Lounges Platz nehmen, erhalten während des Fluges eine höherwertige Verköstigung und nach dem Flug ihr Gepäck vor den Passagieren der Economy Class („Priority Baggage“).

Auf Langstreckenflügen besteht häufig die Möglichkeit, den Sitz in eine Liege umzuwandeln, um den Fluggästen Schlaf zu ermöglichen. Die dafür erforderlichen großen Sitzabstände würden jedoch zu einer zu geringen Kapazität führen, daher gibt es mehrere Methoden, um Platz zu sparen und den Fluggästen dennoch Nachtruhe und eine private Atmosphäre zu ermöglichen. Häufig sind die Liegen nicht horizontal, sondern leicht geneigt, so dass die Beine unter dem Vordersitz Platz haben (Angled lie-flat seats, Beispiel Lufthansa). Einige Fluglinien bauen auch schräg angeordnete Sitze ein (Herringbone- oder Fischgräten-Anordnung), die eine horizontale Liegeposition und direkten Zugang zu jedem Platz vom Gang ermöglichen, jedoch den Ausblick zum Fenster und die Kommunikation zwischen den Reisenden erschweren (Beispiel Cathay Pacific, Air Canada). Die Sitze stehen teilweise nicht direkt hintereinander, sondern seitlich versetzt (Beispiel Emirates). In einigen Fällen ist auch ein Teil der Sitze rückwärts angeordnet (Beispiel British Airways).

Auf Inlandsflügen sind die Economy- und Business-Class-Plätze hingegen meist nur mit einem Vorhang, Class Divider genannt, voneinander getrennt und unterscheiden sich nicht erheblich hinsichtlich der Sitze oder des Sitzabstands. Häufig kommt es stattdessen vor, dass der Mittelplatz nicht belegt wird. Bei den renommierten mitteleuropäischen Fluggesellschaften ist das sogar die Regel. Die Mittelplätze sind bei dreireihiger Bestuhlung dann z.B. mit einem Tisch überbaut, bei ausschließlich zweireihiger Bestuhlung wird jeweils der Gangplatz nicht belegt.

Mit diesem erhöhten Service-Level ist ein höherer Flugpreis im Vergleich zur Economy verbunden. Außerdem variiert das Angebot an Annehmlichkeiten stark zwischen verschiedenen Flugzeugen, Flügen und Fluggesellschaften.

First Class

First Class in "Suite"-Bauform mit Einzelkabinen (Emirates Boeing 777-200LR)
First Class in offener Bauform ohne hohe Außenwände (Air India)

Die First Class, häufig auch einfach First genannt, ist die höchste der drei Beförderungsklassen. Sie wird meist nur auf Langstreckenflügen in Großflugzeugen wie der Boeing 747 oder dem Airbus A340 angeboten, bietet alle Service- und Komfortleistungen der Business und zusätzlich deutlich mehr, ohne die dort beschriebenen Kompromisse zum Platzsparen. So beträgt der Sitzabstand bei Langstreckenflügen der Lufthansa in der First Class mehr als zwei Meter, 1,5 Meter in der Business Class und 79 cm in der Economy Class.[1]

Hauptanforderung ist, die durch eine Flugreise verursachten Unannehmlichkeiten im Rahmen des technisch machbaren – unter Inkaufnahme erheblicher Mehrkosten – zu minimieren. Nach Möglichkeit soll sogar die Reise zum Erlebnis werden, z. B. durch Spitzengastronomie an Bord.

Der Preis für einen Platz in der First ist in der Regel mindestens doppelt so hoch wie in der Business. Außerdem variiert das Angebot stark, je nach Flugstrecke, Flugzeugtyp und Fluggesellschaft.

Manche Fluggesellschaften, wie beispielsweise Singapore Airlines im Airbus A380, Jet Airways in der Boeing 777-300 und im Airbus A330-200 und Emirates im Airbus A340-500 und der Boeing 777-300ER, bieten in der First Class geschlossene Einzel- und Doppelkabinen mit vollwertigen Betten an - diese werden oft als "Suite" bezeichnet.

Verschiedenes

Fluggesellschaften in den Vereinigten Staaten bieten im Allgemeinen auf Inlandsflügen nur First Class und Economy Class an. Die First Class ist dabei im Hinblick auf Komfort und Flugpreis mit der Business Class auf Langstrecken vergleichbar (vier Sitze pro Reihe in der Boeing 737 oder Airbus A320). Entsprechend werden auch Business-Class-Passagiere auf ihren inneramerikanischen Anschlussflügen in die First Class gebucht.

Vor allem asiatische Fluggesellschaften bieten Feinabstufungen zwischen den Hauptklassen an, z. B. „Super Business Class“, „First Economy Class“, „Super First Class“, „ Premium Voyageur“ (Air France)[2], „Premium Economy“ (Thai u.a.) oder „Executive Economy“ (Singapore Airlines)[3], wobei diese Begriffe nicht standardisiert sind und jede Fluggesellschaft anders bezeichnet.

Vereinzelt sind auch ganz andere Klassenbezeichnungen zu finden, so nennt z. B. Air Canada die Business Class „Executive First“, bietet aber keine First im eigentlichen Sinn an. Darüber hinaus führten einige Gesellschaften eigene Markennamen für bestimmte Klassen ein, so beispielsweise die Raffles Class als Business-Klasse der Singapore Airlines. Die Vergleichbarkeit mit anderen Fluglinien ergibt sich dann aus den Buchungscodes.

Unterschiede

Movable Class Divider (MCD) – Abgrenzung der Economy- von der Business-Class per Vorhang (Lufthansa Airbus A320-200)

Die Unterschiede zwischen der Economy Class zum einen und der First bzw. Business Class zum anderen sind sehr groß. In der Regel gibt es bei Buchung der First bzw. Business Class gegenüber der Economy Class einige Vorteile. Meist werden Reisenden in den höherwertigen Beförderungsklassen höhere Freigepäckmengen oder geringere Aufpreise für Übergepäck oder Sperrgut eingeräumt, während die Abfertigung an gesonderten Check-in-Schaltern mit bevorzugter Behandlung stattfindet. Auch bei der Gepäckrückgabe am Zielort erhalten Business- und First-Class-Passagiere ihr Gepäck im Rahmen einer „Priority-Baggage“-Regelung vor den Fluggästen der Economy-Class.

Während der Wartezeit vor dem Abflug bieten die meisten Fluggesellschaften den kostenfreien Zugang zu Lounges oder Verzehrgutscheine für die Flughafen-Gastronomie. Beim Einsteigen dürfen Business- und First-Class-Fluggäste meist vor den übrigen Passagieren einsteigen.

Während des Fluges zeichnet sich eine Reise in einer höherwertigen Klasse durch eine größere Auswahl an Zeitschriften und Magazinen mit Am-Platz-Service, eine qualitativ höherwertige Verpflegung mit Menüs, höherwertiges Geschirr (z. B. Porzellangeschirr, Weingläser, Textilservietten) und einer einzeln servierten Speisenfolge aus. Darüber hinaus findet durch die größere Anzahl von (oft anders gekleideten) Flugbegleitern pro Passagier eine intensivere Betreuung der Fluggäste statt.

Auch die Sitzgestaltung weicht in der Business und First Class auf Mittel- und Langstrecken erheblich von der der Economy Class ab; je höher die Beförderungsklasse, desto komfortabler sind die Sitzabstände und Sessel (Abstände nach vorn und zur Seite, Neigungswinkel, Leder). Ab der Businessklasse bieten immer mehr Fluggesellschaften sogenannte Lie-Flat-Sitze, die sich komplett flach, manchmal sogar horizontal (Flat-Bed-Sitz), stellen lassen und so ein Behelfsbett darstellen. In der „First“ sind solche Sitze auf langen Strecken bereits Standard.

Nicht zuletzt werden in höheren Klassen oft mehr Meilen in den entsprechenden Vielfliegerprogrammen gutgeschrieben.

Bei kurzen Strecken, bei denen man kaum von Komfortleistungen wie einem bequemeren Sitz profitieren kann, machen die oben erwähnten Service-Leistungen durchaus einen gewichtigen Unterschied. Hinzu tritt das erhöhte Sozialprestige beim Nutzen einer höheren Beförderungsklasse.

Buchungsklassen-Codes

Um einer Flugbuchung eine Buchungsklasse zuzuordnen, werden Buchungsklassen-Codes verwendet, die so genannten Class Codes oder Buchungscodes. Die Class Codes treten in der Regel nicht öffentlich auf, werden jedoch auf den Flugscheinen und Bordkarten aufgedruckt, entweder als einzelner Buchstabe oder als Großbuchstabe aus mehreren Sternchen zusammengesetzt.

Die Class Codes stimmen nicht immer auf allen verfügbaren Dokumenten exakt überein. So kann auf dem Ticket ein Class Code Y (für Economy) angegeben sein, während auf der Bordkarte jedoch M aufgedruckt wird. Auf der Bordkarte wird teilweise nur der Buchstabe für die Beförderungsklasse angegeben (M oder Y – Economy, C oder J – Business, F – First).

Dass es mehrere Codes für die verschiedenen Klassen gibt, ist durchaus Absicht: Wie die Codes letztendlich eingesetzt werden, hängt alleine von der jeweiligen Fluggesellschaft ab. Dabei ist man bemüht, die Codes innerhalb einer Luftfahrtallianz anzugleichen. So kann ein Code L-Sitzplatz z. B. für 50 € vergeben werden, wohingegen ein Code M-Sitzplatz 120 € kostet – trotzdem sind beides Economy-Plätze.

Andererseits muss ein eingesetzter Code auch keine besondere Aussage über irgendwelche Qualitätsmerkmale haben. Die Buchungscodes können zudem eine unterschiedliche Vergütung in Vielfliegerprogrammen bewirken: Im Miles-&-More-Programm der Lufthansa werden beispielsweise interkontinentale Flüge der Klasse Y (Economy) mit der 1,5-fachen Entfernung vergütet, in der Klasse W wird dagegen nur der halbe Entfernungswert angerechnet.

Die Buchungsklassen haben im Rahmen des Yield-Managements der Luftfahrtunternehmen auch noch eine andere Funktion: Mit jeder Buchungsklasse sind bestimmte Reisebedingungen verbunden, die durch die Fluggesellschaften nicht immer veröffentlicht werden. Insbesondere die Frist zwischen Buchung und Ausstellung des Flugscheins, Umbuchungsmöglichkeiten, Vorausbuchungsfristen und Aufenthaltsvorgaben haben einen direkten Einfluss auf den Flugpreis.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Beförderungsklasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Fotostrecke auf spiegel.de, 19. Mai 2010
  2. http://www.airfrance.de/DE/de/common/guidevoyageur/classeetconfort/classes_premium_voyageur.htm
  3. http://www.singaporeair.com/saa/de_DE/content/exp/cabin/exececonomyclass_seat.jsp

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