Beijing Institute of Technology
Stadion der Technischen Universität Peking

Die Technische Universität Peking (englisch: Beijing Institute of Technology (BIT), chin. 北京理工大學 / 北京理工大学, früher bekannt als 北京工业学院) ist eine öffentliche, koedukative, nationale Universität in Peking (Volksrepublik China). Die 1940 in Yan’an (延安) entstandene Technische Universität steht heute unter der Verwaltung der Kommission für Wissenschaft, Technologie und Industrie für nationale Verteidigung (Commission of Science, Technology and Industry for National Defense, COSTIND).

Das BIT ist seit mehr als fünfzig Jahren eine der führenden Forschungsuniversitäten in China. Als einer der ersten Universitäten in China betreibt es eine Graduiertenschule und erhielt privilegierte Förderungen der chinesischen Regierung im „siebten, achten, neunten und zehnten Fünfjahresplan“. Das BIT gehört auch zum Projekt 211 und zum Projekt 985, deren Entwicklung bei der chinesischen Regierung, der COSTIND, dem Bildungsministerium und der Pekinger Gemeindeverwaltung besondere Priorität erhielt.

Zu den strategischen Kollaborateuren des BIT gehören elf chinesische Provinzen und regierungsmittelbare Städte sowie vierzig Stadt- und Bezirksregierungen. Die Universität kooperiert außerdem mit neunzig Bildungseinrichtungen in 29 Ländern und mehr als hundert großen einheimischen und internationalen Unternehmen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das BIT ist die erste von der Kommunistischen Partei Chinas gegründete Universität für Wissenschaft und Technik. Der Vorgänger des BIT is die Yan’an-Akademie für Naturwissenschaften, die im Januar 1940 gegründet wurde. 1943 wurde die Yan’an Akademie für Naturwissenschaften mit der Yan’an-Universität zur Yan’an-Akademie für Naturwissenschaften (延安大學自然科學院) vereinigt. Im Januar 1946 und im Januar 1947 kamen die Shanxi-Chahar-Hebei Border Industrial Vocational School (晉察冀邊區工業專門學校) und das Shanxi-Chahar-Hebei border Industrial Traffic College (晉察冀邊區工業交通學院) hinzu. 1948 wurde die Akademie als Technik-Schule ein Teil der Nord-China-Universität. 1950 wurden diverse Wissenschafts- und Technikabteilungen der Chinesisch-Französischen Universität (中法大學) in die Schule aufgenommen.

1951 trennte sich die Schule wieder von der Nord-China-Universität. Einige Abteilungen wurden gemäß der disziplinären Anpassungspolitik der chinesischen Regierung geschlossen und an andere Universitäten transferiert. So kam die Biologie-Abteilung beispielsweise zur Chinesischen Landwirtschaftsuniversität und Teile der Luftfahrtsabteilung unterstützten die neue Peking-Universität für Luft- und Raumfahrt.

1952 erhielt die Schule ihren heutigen Namen. 1959 wurde das BIT von der chinesischen Regierung zu einer der sechszehn nationalen Schlüssel-Universitäten ernannt, die das Recht erhielten, Graduiertenabschlüsse zu erteilen. Obwohl die Forschung während der Kulturrevolution von 1966 bis 1976 größtenteils angehalten wurde, war das BIT 1978 weiterhin eine von nun 88 Schlüssel-Universitäten. 1984 gehörte das BIT zu den 25 Schlüssel-Universitäten, die von der chinesischen Regierung im Rahmen des siebten Fünfjahrplans besondere Unterstützung erhielt. Im gleichen Jahr wurde das BIT als eine der ersten 22 chinesischen Universitäten autorisiert, probeweise Graduiertenschulen zu betreiben.

1988 änderte die Institution ihren chinesischen Namen von „Institut“ zu „Universität“, während der englische Name unverändert blieb. 1991 wurde das BIT als eine von vierzehn Universitäten für den achten Fünfjahrplan ausgewählt. Im Dezember 1995 gehörte es zu den ersten fünfzehn Teilnehmer des Projekts 211. 1996 durfte das BIT als eine der ersten 32 chinesischen Universitäten offiziell Graduiertenschulen betreiben und im gleichen Jahr wurde es mit 26 weiteren Schlüssel-Universitäten für den neunten Fünfjahrplan ausgewählt. 1999 wurde die Ausbildung der Untergraduierten vom chinesischen Bildungsministerium als „exzellent“ bewertet. Im Jahr 2000 kam das BIT auf die Liste des Projekts 985 der zehn chinesischen Spitzenuniversitäten, die Unterstützung bei der Entwicklung einheimischer Universitäten mit internationalen Ruhm erhielten. Im gleichen Jahr wurde am BIT wie an 21 anderen Universitäten im Rahmen des zehnten Fünfjahrplans das Programm „21st Century Education Promotion“ gestartet.

Campus

Der Haupt-Campus des BIT liegt in der Nähe von Zhongguancun, auch als chinesisches Silicon Valley bekannt. Er hat eine Fläche von 920.700 Quadratmetern einschließlich einer Nutzfläche von 724.000 Quadratmetern.[1] Der Liangxiang-Campus in einem Pekinger Vorort umfasst 2.000.000 Quadratmeter und der Zhuhai-Campus in der Provinz Guangdong erstreckt sich über 3.330.000 Quadratmeter. Weitere Campus gibt es in Xishan sowie in Qinhuangdao in der Provinz Hebei. Die Wohnbezirke der Universität erstrecken sich über 900.000 Quadratmeter.

Bildung und Forschung

Traditionell fokussiert sich das BIT auf polytechnische Ausbildung und Forschung. Während es seine traditionellen Stärken in der Technik bewahrt, richtet es seine Aufmerksamkeit auch auf die ausgewogene Entwicklung anderer Disziplinien. Das BIT ist heute eine multidisziplinäre Universität mit umfangreichen akademischen Disziplinen in Technik, Wissenschaft, Management, Humanwissenschaften, Wirtschaft, Jura und Pädagogik.

Das BIT ist in dreizehn akademische Colleges mit 47 Abteilungen sowie 43 Forschungsinstituten und -zentren unterteilt.

akademische Colleges

  • College of Information Sciences and Technology (Informationswissenschaft- und technik)
    • Department of Electrical Engineering (Elektrotechnik)
    • Department of Automation (Automatisierung)
    • Department of Photonics and Electronics (Photonik und Elektronik)
    • Center for Electronic and Electrical Education and Experiments (elektronische und elektrische Ausbildung und Experimente)
  • College of Mechanical and Vehicle Engineering (mechanische und Fahrzeugtechnik)
  • College of Chemical Engineering and Environmental Science (Chemie und Umwelt)
  • College of Natural Science (Naturwissenschaft)
  • College of Humanities and Social Science (Human- und Sozialwissenschaft)
  • College of Software
  • College of Computer Science and Technology (Computerwissenschaft und -technologie)
  • College of Foreign Studies (Fremdenstudien)
  • College of Aerospace Science and Technology (Luftfahrtwissenschaft und -technologie)
  • College of Material Science and Engineering (Materialwissenschaft und -technologie)
  • College of Life Science and Technology (Lebenswissenschaft und -technologie)
  • College of Management and Economics (Management und Ökonomie)
  • College of Design Arts (Designkunst)

weitere Schulen und Colleges

  • Graduate School (Graduiertenschule)
  • School of Physical Education (Schule für Sportunterricht)
  • School of Continuing Education and Distance Learning (Schule für Fortbildung und Fernstudium)
  • School of Higher Vocational Studies (Höhere Handelsschule)
  • Zhuhai College
  • Qinhuangdao College
  • Xishan-Zweig

Das BIT verfügt über sechszehn nationale Schlüsseldisziplinen und 25 Schlüsseldisziplinen auf Ministeriumsebene. Das BIT vergibt Bachelor-Abschlüsse in 60 Hauptfächern und Master-Abschlüsse in 144 Hauptfächern sowie Doktorgrade in 62 Hauptfächern. Es hat außerdem 17 Stationen für Postdoktoranden.[1].

Das BIT ist eine wichtige Forschungseinrichtung für Militärtechnologie und berühmt für seine Beiträge zur Erforschung und Entwicklung des Radars, von Lenkflugkörpern, Schusswaffen und bewaffneten Kampffahrzeugen. Allerdings ist ein Teil der Forschung geheim und viele Arbeiten können nicht veröffentlicht werden. Die traditionelle Stärken des BIT sind Elektrotechnik, Automatisierung, Photonik, mechanische Technik, Fahrzeugtechnik, Luftfahrttechnik und Chemie. Weitere Forschungsbereiche wie Computerwissenschaften, Industriedesign und höhere Bildung entwickeln sich in den letzten Jahren besonders schnell. Das BIT verfügt über fünf nationale Schlüssellaboratorien (Forschungszentren), sechs Schlüssellaboratorien (Forschungszentren) zur nationalen Verteidigung, zwei Schlüssellaboratorien (Forschungszentren) des Bildungsministeriums und vier Schlüssellaboratioren (Forschungszentren) der Pekinger Gemeindeverwaltung.[1]. Außerdem gibt es einen nationalen Wissenschaftspark. Die Ausgaben für die Forschung betrugen im Jahr 2004 mehr als 620 Millionen Renminbi.

Daten

(Stand: 2007)

  • Studenten (Stand: 2007)
    • 37.479 insgesamt
    • 13.929 Vollzeit-Untergraduierte
    • 5.088 Master-Studenten
    • 2.104 Doktoranden
    • 364 internationale Studenten
    • 15.994 sonstige Studenten (Berufsschule, Fernstudium etc.)
  • Lehrkörper und Personal
    • mehr als 3.500 insgesamt
    • 1.900 Lehrkräfte
    • 14 Kollegen der chinesischen Akademie der Wissenschaften und der chinesischen Akademie der Technik
    • 10 Gelehrte von Chang Jiang
    • 376 Professoren (inklusive Forscher und professionellen Seniortechnikern)
    • 906 außerordentliche Professoren (inklusive Forscher und professionellen Seniortechnikern)
    • 18 nationale Experten mit außergewöhnlichen Beiträgen
    • 5 außergewöhnliche Juniorwissenschaftler
    • 251 Empfänger spezieller Subventionen der zentralen Regierung

Das BIT berief außerdem 174 Gastprofessoren, 38 Hilfsprofessoren und sechs Honorarprofessoren in China sowie 45 internationale Gastprofessoren und zwölf internationale Honorarprofessoren.

Ranglisten und Kontroversen

In der Vergangenheit wurde das BIT von den meisten chinesischen Bildungsoffiziellen unter den zwanzig Spitzenuniversitäten der Volksrepublik eingeordnet. Jüngere Bewertungen zählten das BIT zu den ersten fünfzehn Universitäten des Projekts 211 und als zehnte Universität zum prestigeträchtigen Projekt 985. Gemäß der chinesischen Disziplinenrangliste des Bildungsministeriums wurde das BIT in 30 Disziplinen bewertet und rangiert in den folgenden Disziplinen unter den Top 10:[2][3]

  • Platz 1 bei Weaponry Science and Technology (Waffenwissenschaft und -technologie)
  • Platz 5 bei Information Engineering (Informationstechnik)
  • Platz 5 bei Optical Engineering (optische Technik)
  • Platz 5 bei Aerospace Science and Engineering (Luftfahrtwissenschaft und -technik)
  • Platz 7 bei Mechanical Engineering (mechanische Technik)
  • Platz 7 Metallurgical Engineering (metallurgische Technik)
  • Platz 9 bei Transportation and Traffic Engineering (Transport und Verkehrstechnik)
  • Platz 10 bei Instrument Sciences and Technology (Instrumentenwissenschaft und -technologie)
  • Platz 10 bei Automation Science and Engineering (Automatisierungswissenschaft und -technik)
  • Platz 10 bei Chemical Engineering (chemische Technik)

Bei den Ranglisten, die nicht von der Regierung stammen, ist die Bewertung jedoch leicht unterschiedlich. In der umstrittenen Universitätsrangliste des unabhängigen Forschers Wu Shulian belegte das BIT in den Jahren 2005 bis 2008 die Plätze 37, 35, 33 und 31 unter allen chinesischen Universitäten.[4] Alumni des BIT sehen kritisieren die ihrer Meinung nach zu schlechte Bewertung, weil viele Forschungsarbeiten des BIT klassifiziert werden. Daher gebe es verschiedene Einschränkungen bei der Veröffentlichung des Personals und der Forschungserfolge. Außerdem weisen die Kritiker auf den beschränkten Zugang zu Daten des BIT hin.

Bibliothek

Die Bibliothek des BIT entstand 1940 und besteht heute aus einer Hauptbibliothek und vier Zweigstellen. Neun weitere Zweigstellen sind im Bau oder in der Planung. 2006 wurde die Renovierung der Hauptbibliothek abgeschlossen. Das auf dem neusten Stand befindliche Gebäude hat eine Fläche von 25.509 Quadratmetern und verfügt über ein drahtloses Netzwerk. Die Bibliothek umfasst drei Millionen Medien (darunter 1,13 Millionen elektronische Medien).[5]

Presse

Die Presseabteilung des BIT wurde 1985 eingerichtet und hat mehr als 3.000 Bücher veröffentlicht.[6] Die meisten Bücher beschäftigen sich mit Naturwissenschaft und Technologie. Der aktuelle Pressechef ist Yang Zhijian.

Alumni und bekannte Persönlichkeiten

  • Li Peng - ehemaliger Premierminister der Volksrepublik China und Vorsitzender der ständigen Kommission des Nationalen Volkskongresses der Volksrepublik China
  • Zeng Qinghong - ehemalige Vizepräsident der Volksrepublik China
  • Ye Xuanping - Vizepräsident der Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes und ehemaliger Gouverneur von Guangdong
  • Zou Jiahua - ehemaliger Vizepremierminister der Volksrepublik China
  • Ni Zhifu - ehemaliger Vizevorsitzender des Nationalen Volkskongresses der Volksrepublik China
  • Xie Guangxuan - Chefdesigner der Rakete „Langer Marsch 3“
  • Huang Chunping - Direktor des Raketensystems für Shenzhou 5
  • Mao Erke - führender Wissenschaftler der Radar-Signalverarbeitung
  • Wang Xiaomo - führender Radar-Wissenschaftler
  • Zhou Liwei - führender Wissenschaftler für optische Elektronik in China
  • Duo Yingxian - führender Wissenschaftler für das Design von Sturmgewehren in China
  • Wang Yue - führender Wissenschaftler in Informationssystemen, Informationssicherheit und Radar
  • Xu Gengguang - führender Wissenschaftler für Bomben und explosive Stoffe
  • Yang Dongping - Bildungsreformer und TV-Produzent
  • Na Risu - Wissenschaftsphilosoph
  • Hu Xingdou - Ökonom

Sport

Das BIT verfügt über mehrere College-Sportmannschaften. Die Fußballmannschaft gilt als eine der besten im chinesischen College-Fußball. Zwischen 2001 und 2006 gewann sie vier Mal den Titel in der chinesischen Universitätsliga. 2003 und 2005 vertrat das BIT-Team den chinesischen Fußball bei der Universiade.[7] Seit 2006 spielt es in der zweiten chinesischen Liga (Chinese Football Association Jia League).

In der Sporthalle des BIT finden bei den Olympischen Sommerspielen 2008 Vorrundenspiele im Hallen-Volleyball statt. Bei den Paralympics 2008 werden hier die Wettbewerbe im Goalball ausgetragen. Für diese Zwecke wurde die Wettkampfstätte im Jahr 2005 ausgewählt. Die Halle bietet auf einer Fläche von 21.900 Quadratmetern 5.000 Sitzplätze. Das Dach mit seiner netzartigen Struktur hat eine Fläche von 22.632 Quadratmetern und wurde mit einer Technik errichtet, die sonst beim Brückenbau zum Einsatz kommt. Nach den Olympischen Spielen soll die Halle als Veranstaltungsraum für akademische und kulturelle Veranstaltungen dienen.

Einzelnachweise

  1. a b c BIT Facts and Figures (chinesisch)
  2. China University Disciplines Ranking 2002-2004
  3. China University Disciplines Ranking 2006
  4. Wu Shulian's China University Ranking 2006
  5. Homepage der Bibliothek
  6. Homepage der BIT Press
  7. Homepage der BIT-Fußballmannschaft

Weblinks

39.957777777778116.308333333337Koordinaten: 39° 57′ 28″ N, 116° 18′ 30″ O


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