Bekennender Junggeselle

Das Wort Junggeselle (in manchen Zusammenhängen auch Hagestolz) wird traditionell auf einen unverheirateten Mann angewendet. Die weibliche Entsprechung ist Junggesellin (früher teilweise synonym mit Jungfrau). Es ist kein rechtlicher Begriff, sondern entspringt dem gesellschaftlichen Empfinden. Er unterscheidet sich daher in einigen Punkten von dem Personenstand "ledig". Zum einen wird seine Anwendung auf Personen, die in einer nichtehelichen (eheähnlichen) Partnerschaft (auch wilde Ehe genannt) leben, nach manchem (vor allem weniger gesellschaftskonservativem) Empfinden für unzutreffend gehalten, zum anderen ist, mit der Entwicklung eines neuen Personenstandes für Leute, die in einer Lebenspartnerschaft leben, unklar geworden, ob zur Beendigung des Junggesellendaseins zwingend eine Ehe erforderlich sei, wie oft von gesellschaftskonservativen Menschen behauptet wird. Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Wandel des Eheverständnisses in der Gesellschaft einen Wandel des Junggesellenverständnisses nach sich zieht. Für die Anwendung des Begriffs spielt das Alter der Zielperson keine Rolle.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Gebrauch im Mittelalter

Der Begriff kommt aus der Handwerkersprache des hochmittelalterlichen Zunftwesens: Der Junggeselle war zunächst der jüngste der Gesellen in einem Handwerksbetrieb und stand im Gegensatz zum Altgesellen auf der untersten Stufe der Rangleiter. Seit dem 15. Jahrhundert bezeichnete das Wort vorrangig den jungen Gesellen auf Wanderschaft, der noch keine Familie gründen konnte, seit dem 16. Jahrhundert allgemein den jüngeren unverheirateten Mann im Gegensatz zum Ehemann. Wer unverheiratet blieb, lebte im Junggesellenstand. Der ältere unverheiratete Mann über 50 wurde - belegt mit einer leicht negativen, ironischen Beinote - Hagestolz genannt.[1]

Gebrauch heute

Gelegentlich wurde mit Junggeselle, selten auch Junker (als Gegensatz zu Jungfer) die männliche Entsprechung zur Jungfrau bezeichnet: ein junger Mann, der noch mit keiner Frau Geschlechtsverkehr hatte. Heute gibt es dafür ebenfalls die Umschreibung männliche Jungfrau. Inwieweit der Begriff auch mit Homosexualität in Verbindung stand, lässt sich kaum noch feststellen, da diese Art der Sexualität im christlichen Mittelalter und der frühen Neuzeit im öffentlichen Diskurs tabu war.

Der Junggesellenstand als Gegensatz zum Ehestand ist heute gesellschaftlich nicht mehr geächtet; der Anteil der Unverheirateten in der Gesellschaft steigt. Auch Geschiedene bezeichnen sich gelegentlich - nicht ganz korrekt - als Junggesellen. Im gegenwärtigen Sprachgebrauch werden Junggeselle und Junggesellin immer häufiger durch die moderneren Begriffe Alleinstehende(r) oder Single ersetzt, was allerdings auch Geschiedene sowie Witwen und Witwer umfasst. Für Unverheiratete, die diese Lebensweise gewollt über einen länger andauernden Zeitraum leben, wird der Begriff Junggeselle oftmals in Verbindung mit einem Wort wie überzeugt, eingefleischt, bekennend oder ewig gebraucht. Die Wahl des Zusatzwortes hängt häufig vom genauen Zusammenhang ab.

Der Begriff Junggeselle wird teilweise jedoch auch (meist in Verbindung mit einem beschreibenden Adjektiv wie eingefleischt,bekennend oder überzeugt) als Euphemismus gebraucht, wenn der Verwender das Thema Homosexualität nicht offen ansprechen möchte. Bei nicht geouteten Männern kommt dies als Selbstbezeichnung vor[2] oder als journalistische Umschreibung[3]. Vor allem in konservativen Kreisen, in denen die Bereitschaft, offen über Homosexualität zu reden, besonders gering ist, gilt der Begriff als gesellschaftlich akzeptierte Sprachregelung[4], auch wenn die Zielperson des Begriffs offen schwul ist.

Junggesellenabschied

Steht ein Mann kurz vor seiner Heirat, wird im rein männlichen Freundeskreis gern sein Junggesellenabschied gefeiert: Da der angehende Ehemann nach der Hochzeit kein Junggeselle mehr ist, wird mit diesem Brauch sein Junggesellendasein feierlich oder auch feucht-fröhlich beendet. In Großbritannien hat dieser Brauch eine besonders lange und ausgiebig gefeierte Tradition, mit eigenen Liedern („For he's a jolly good fellow“), Trinkgelagen und sexuellen Ausschweifungen. Auch junge Frauen feiern dort zunehmend ausgelassen und mit viel Alkohol gemeinsam mit Freundinnen in Pubs und Discos - oft karnevalsmäßig kostümiert - ihren Junggesellinnenabschied. Diese Sitte setzt sich seit einigen Jahren zunehmend auch in Deutschland durch. In Großbritannien nennt man den Jungesellenabschied 'Stag Night', den der Junggesellinnen 'Hen Night'. Auch in den USA und anderen englischsprachigen Ländern ist der Begriff 'Stag Night' bzw. 'Stag Party' bekannt.

Weitere Begriffe mit Junggeselle

Junggesellenhaus heißt bei einigen Naturvölkern, z. B. in Westafrika, Indonesien, Hinterindien und besonders ausgeprägt in Ozeanien, das große Gemeinschaftshaus, in dem die jungen, unverheirateten Männer gemeinsam leben.

Junggesellensteuer bezeichnet allgemein eine Steuer, die für Unverheiratete zusätzlich erhoben wird.

Zitat

„Denn das ist Gottes wahre Gift*,
wenn die Blüthe zur Blüthe trifft;
deszwegen Jungfern und Junggesellen
im Frühling sich gar gebärdig stellen“.
(Goethe)

*Geschenk

Siehe auch

Quellen

  1. Brockhaus 2004, Junggeselle
  2. Eckhard Fuhr: Der Sinn des Skandals, Die Welt, 21. August 2003
  3. Elmar Kraushaar: Der homosexuelle Mann ..., TAZ, 14. Mai 2002
  4. Jürgen Balthasar: Das tragische Ende eines Doppellebens, Stern, 16. Januar 2005

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