Bekenntnisschule

Als Konfessionsschule oder Bekenntnisschule wird eine Schule bezeichnet, in der Schüler des gleichen religiösen Bekenntnisses unterrichtet werden.

Früher galt dies uneingeschränkt. Die meisten Schulen haben sich inzwischen Schülern anderer Glaubensrichtungen geöffnet. Das gilt für Bekenntnisschulen in kirchlicher und in öffentlicher Trägerschaft. Falls die Nachfrage nach Schulplätzen die Aufnahmefähigkeit einer Schule übersteigt, kann sie jedoch Schüler der eigenen Konfession bei der Vergabe bevorzugen.

Inhaltsverzeichnis

Bekenntnisschulen in privater Trägerschaft

Die meisten Konfessionsschulen sind katholisch; es gibt aber auch viele evangelische und einige andere, z. B. Bekenntnisschulen der Siebenten-Tags-Adventisten. An etwa 80 Orten in Deutschland sind seit 1973 evangelische Bekenntnisschulen in freier Trägerschaft entstanden.

Evangelische Bekenntnisschulen in Deutschland

Heute (Stand: September 2007) werden dort etwa 26.500 Schüler in verschiedenen Schulformen, von Grundschulen über Haupt- und Realschulen bis zu Gymnasien, unterrichtet. Über die Hälfte der Kinder an christlichen Bekenntnisschulen stammen aus nichtchristlichen Elternhäusern. Dadurch besitzen sie eine große gesellschaftliche Wirkung.

Die Schulen stehen unter der Aufsicht der Schulbehörden und vermitteln in der Regel als Ersatzschulen die Inhalte der Bildungspläne der öffentlichen Schulen. Entsprechend der länderspezifischen Kultusgesetzgebung werden als Ersatzschulen genehmigte Einrichtungen finanziell gefördert. In der Regel können 50 bis 60 % der entstehenden Kosten dadurch gedeckt werden. Die erhobenen Schulgelder werden meistens nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt. An vielen Schulen gibt es reduzierte Schulgelder. Eine zusätzliche Finanzierung erfolgt durch Spenden. Träger der Schulen sind in der Regel gemeinnützige Vereine. Die bisher im Arbeitskreis evangelischer Bekenntnisschulen (AEBS) lose verbunden Schulen haben im Jahr 2006 den Verband evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) als Dachverband gegründet.

Die größte evangelische Bekenntnisschule Deutschlands gibt es in Bremen, die Freie Evangelische Bekenntnisschule Bremen (FEBB). Sie ist eine staatlich anerkannte private Grundschule, Orientierungsstufe, Hauptschule, Realschule und Gymnasium.

Bekenntnisschulen in öffentlicher Trägerschaft

In zwei deutschen Bundesländern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, gibt es auch Konfessionsschulen als staatliche Schulen, also nicht in der Trägerschaft von Kirchen. So heißt es in §129 (1) des Niedersächsischen Schulgesetzes: „Auf Antrag von Erziehungsberechtigten sind öffentliche Grundschulen für Schülerinnen und Schüler des gleichen Bekenntnisses zu errichten.“ Diese Regelung beruht vor allem auf Artikel 6 des „Konkordats zwischen dem Heiligen Stuhle und dem Land Niedersachsen“ vom 26. Februar 1965, in dem es heißt: „Das Land gewährleistet die Beibehaltung und Neuerrichtung von katholischen Bekenntnisschulen.“

In der Stadt Lohne im Landkreis Vechta (Niedersachsen, früher Land Oldenburg) hat die Konkonkordatsregelung dazu geführt, dass sechs von sieben Grundschulen katholische Konfessionsschulen in der Trägerschaft der Stadt sind.[1][2]

In der Stadt Vechta, wo ähnliche Verhältnisse herrschen, wurde der Antrag gestellt, drei Bekenntnisschulen in Schulen für Schüler aller Bekenntnisse umzuwandeln. In einer Abstimmung am 15. Dezember 2008 wurde nur in einer von drei Schulen die erforderliche Zweidrittelmehrheit der katholischen Eltern erreicht, obwohl der Bürgermeister und der Rat der Stadt Vechta sowie Vertreter des Bischöflich Münsterschen Offizialats sich zuvor für die Umwandlung ausgesprochen hatten.[3][4]

Im Gegensatz zu den Konfessionsschulen in öffentlicher Trägerschaft stehen die Gemeinschaftsschulen.

Historische Entwicklung

Welche dieser beiden Schulformen die verfassungsrechtliche Regelschule darstellen sollte, führte in den Nachkriegsjahren in der Politik zu heftigen Auseinandersetzungen (siehe auch Cleavage-Theorie). Beispielsweise wurde 1968 sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch im Baden-Württembergischen Landesteil Südwürttemberg-Hohenzollern die Konfessionsschule in öffentlicher Trägerschaft durch die Gemeinschaftsschule als Regelschule abgelöst.

Einzelnachweise

  1. http://www.elterninitiative-lohne.de/history.htm
  2. http://www.zeit.de/2003/42/Konfessionsschule
  3. Werden Bekenntnisschulen umgewandelt? Oldenburgische Volkszeitung vom 12. April 2008 http://www.elterninitiative-lohne.de/z_2008-04-12_Werden_Bekenntnisschulen_umgewandelt.htm
  4. Umwandlung ist vorerst gescheitert Oldenburgische Volkszeitung vom 18. Dezember 2008 http://www.elterninitiative-lohne.de/z_2008-12-20_Enttaeuschung_ueber_Elternvotum.htm

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