Bekreuzigung

Das Kreuzzeichen ist ein Ritual, das in den meisten christlichen Konfessionen gepflegt wird.

Im Christentum gilt das Kreuz als ein dreifaches Symbol. Es ist ein Zeichen für Jesus Christus, für dessen Leiden, Tod und Auferstehung und damit für den christlichen Glauben selbst.

Das Kreuzzeichen ist nicht nur symbolischer Ausdruck der Zugehörigkeit zur christlichen Kirche; es soll auch der Glaube an die Dreifaltigkeit aus Gott-Vater (Gott), Gott-Sohn (Jesus Christus) und Gott-(Heiligem Geist) zum Ausdruck gebracht werden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtliche Entwicklung

Die Art des Kreuzzeichens hat sich im Laufe der Geschichte gewandelt; in den christlichen Konfessionen werden noch heute unterschiedliche Formen gepflegt.

Das Kreuzzeichen selbst geht auf das Urchristentum zurück. Die frühesten Belege stammen aus dem zweiten Jahrhundert. Seinerzeit wurde das Kreuzzeichen nur mit einem Finger, mit dem Daumen oder dem Zeigefinger, gemacht. Dabei wurde das Kreuzzeichen zunächst nur auf die Stirn gemacht, später über das ganze Gesicht (von der Stirn über die Nase zum Mund und beiden Augen). Der Vollzug des Kreuzzeichens mit nur einem Finger mag den Glauben an den einen Gott ausgedrückt haben.

Athanasius von Alexandria nennt zu Beginn des vierten Jahrhunderts das Kreuzzeichen als Beispiel für einen uralten christlichen Brauch, der dennoch nicht in der Bibel erwähnt ist; damit wendet er sich gegen die Ansicht, sämtliche Aspekte des Christentums ließen sich aus den biblischen Schriften herleiten.

Im achten Jahrhundert kam der Brauch auf, sich mit zwei Fingern, Zeige- und Mittelfinger, zu bekreuzigen. Das Kreuzzeichen wurde seit dem von der Stirn bis zur Brust gemacht. Die Verwendung von zwei Fingern mag die göttliche und menschliche Natur Jesu Christi symbolisieren.

Parallel dazu entwickelte sich die Form des Kreuzzeichens mit drei Fingern, Daumen, Zeige- und Mittelfinger, als Symbol für die Dreifaltigkeit. Seit dem 13. Jahrhundert ist dies die vorherrschende Form des Kreuzzeichens in der Ostkirche. In der Westkirche ist der Vollzug mit ausgestreckten Fingern vorherrschend, was als Symbol für die fünf Wundmale Christi gedeutet wird.

Formen des Kreuzzeichens

Die meisten christlichen Konfessionen pflegen das Kreuzzeichen, jedoch in unterschiedlicher Form.

Katholische Kirche

In der katholischen Kirche wird zum Kreuzzeichen Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. (nach Matthäus 28,19) gesprochen. Man unterscheidet dabei das kleine und das große Kreuzzeichen.

Das große Kreuzzeichen wird wie folgt gemacht:

Vorerst vereine man beide Hände vor der Brust, lege dann die linke Hand flach vor die Brust (infra pectus, ungefähr in der Gegend des Herzens) und suche beifolgende Figur [im Original ist eine Skizze in Form eines Kreuzes abgebildet] möglichst genau (nicht in kreisförmiger Bewegung) nachzubilden, d. h. man erhebe die rechte Hand mit ausgestreckten und aneinandergeschlossenen Fingern bis zur Stirn, wobei die innere Handfläche dem Körper bzw. der Stirn ganz zugekehrt sein muß, berührt danach wirklich (nicht scheinbar) mit den Spitzen der drei ersten Finger unter den Worten In nomine Patris die Stirn, ohne das Haupt dabei zu neigen, lasse dann in der geraden Linie die Hand bis zur Brust hinab, berühre diese und spreche et Filii, hierauf führe man die Hand zur linken Schulter, berühre sie und spreche et Spiritus, nun bringe man die etwas gekrümmte Hand (in gerader Linie) zur rechten Schulter und berühre sie und spreche sancti und vereine bei Amen die Hände wieder vor der Brust.[1]

Darüber hinaus kennt die katholische Kirche noch die Form des kleinen Kreuzzeichens, bei der mit geschlossener oder offener Hand und abgespreiztem Daumen der Daumen in Form eines kleinen Kreuzes bewegt wird. In der Liturgie vor dem Evangelium wird so ein Kreuz jeweils auf Stirn, Mund und Brust gezeichnet, zum Ausdruck dafür, dass der Gläubige das Wort Gottes verstehen, verkündigen und verinnerlichen will.

Mit dem Kreuzzeichen segnen Katholiken sich selbst oder andere, indem sie entweder mit der Hand ein Kreuz schlagen oder die Stirn des zu Segnenden damit bezeichnen. Auch Mahlzeiten und Lebensmittel werden mit dem Kreuzzeichen gesegnet, vor allem beim Anschneiden eines Brotes.

Siehe auch: Segensgestus, Aschenkreuz

Orthodoxe Kirche

In der Orthodoxen Kirche sind beim Sichbekreuzigen Daumen, Zeige- und Mittelfinger zusammengelegt und ausgestreckt; Ringfinger und kleiner Finger berühren die Handfläche. Die drei ausgestreckten Finger symbolisieren die Dreifaltigkeit und die zwei übrigen Finger die zwei Naturen Christi sowie sein erstes Kommen und seine erwartete Wiederkunft. Das Kreuzzeichen wird von der Stirn über die Brust zu den Schultern gemacht, wobei im Gegensatz zur in der katholischen Kirche üblichen Form zunächst die rechte und dann die linke Schulter berührt wird. Die russischen Altorthodoxen strecken nur zwei Finger und krümmen drei.

Evangelische Kirche

Das Sich-Bekreuzigen wird in Evangelischen Kirchen gewöhnlich nicht gepflegt. Ein Grund mag sein, dass es nicht in der Bibel erwähnt ist. Evangelische Christen lehnen das Bekreuzigen jedoch nicht ab. So schreibt Martin Luther im Kleinen Katechismus über den Morgen- und Abendsegen:

Des Morgens, so du aus dem Bette fährest, magst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sollst sagen: „Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.“
Des Abends, wenn du zu Bette gehst, magst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sollst sagen: „Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.“

Protestantische Befürworter des Bekreuzigens weisen darauf hin, dass das Wort „segnen“ vom lateinischen signare (mit einem Zeichen versehen) kommt, dass also das Zeichen des Kreuzes die Segenshandlung bewusst unterstreicht.

Quellen

  1. Philipp Hartmann, Johannes Kley: Repertorium Rituum. Zusammenstellung der rituellen Vorschriften für die bischöflichen und priesterlichen Funktionen. Paderborn, 14. Aufl. 1940, 211.

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