Wladimir Kaminer

Wladimir Kaminer
Wladimir Kaminer bei einer Lesung in der Universität Bielefeld (2008)
Wladimir Kaminer beim Verkosten von „Renates“ Quittenschnaps (siehe „Mein deutsches Dschungelbuch“)

Wladimir Kaminer (* 19. Juli 1967 in Moskau, Sowjetunion) ist ein deutscher Schriftsteller und Kolumnist russisch-jüdischer Herkunft. Seine Erzählbände Militärmusik und Russendisko machten ihn weit über die Grenzen Deutschlands hinweg bekannt. Kaminer schreibt seine Texte in deutscher Sprache und nicht in seiner Muttersprache Russisch.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kaminer ist der Sohn einer Lehrerin und eines Betriebswirts, der als stellvertretender Leiter in einem Betrieb der russischen Binnenflotte arbeitete. Nach einer Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk studierte Kaminer Dramaturgie am Theaterinstitut von Moskau. Im Juni 1990 kam er nach Berlin und erhielt „humanitäres Asyl“ in der damals noch bestehenden DDR. Noch vor dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober erhielt er kurzfristig die Staatsbürgerschaft der DDR und damit danach automatisch die bundesdeutsche Staatsbürgerschaft.[1]

Lange Jahre war er Mitglied der „Reformbühne Heim & Welt“, auf der er wöchentlich im Kaffee Burger seine neuesten Geschichten vorlas. Er veröffentlicht regelmäßig Texte in verschiedenen deutschen Zeitungen und Zeitschriften, hatte eine wöchentliche Sendung namens Wladimirs Welt beim SFB 4 Radio Multikulti sowie eine lose gesendete Rubrik im ZDF-Morgenmagazin und organisierte im Kaffee Burger zusammen mit Yuriy Gurzhy Veranstaltungen wie seine „Russendisko“. Musikalisch präsentieren die Veranstaltungen einen Mix aus alter und neuer russischer Popmusik und Underground. Einige Zusammenstellungen erschienen unter dem Etikett Russendisko beim Münchener Label Trikont. Im Dezember 2006 eröffnete Kaminer den Club Rodina in Berlin, den er allerdings schon nach viereinhalb Monaten wieder aufgab. Im gleichen Jahr kündigte er an, im Jahre 2011 für das Amt des Regierenden Bürgermeisters der Stadt Berlin anzutreten.[2][3]

Kaminer lebt mit seiner ebenfalls aus Russland stammenden Frau Olga Kaminer, die er 1995 in Berlin kennenlernte, und seinen beiden Kindern im Bezirk Prenzlauer Berg in Berlin.

Kontroverse um eine Äußerung beim Eurovision Song Contest 2009

Bei einer "Countdownsendung" der ARD vor dem Eurovision Song Contest sorgte Kaminer für einen kleinen Eklat, als er die gewaltsame Niederschlagung einer nicht genehmigten Schwulendemo durch die russische Polizei relativierte und auf die Fragen des Moderators Thomas Anders mit den Worten „Die Russen sind nicht schwulenfeindlich, sie sind schwulenfreundlich, sie zeigen es nur nicht.“ reagierte.[4]

Bibliografie

Diskografie

  • Russendisko. Random House Audio, ISBN 3-89830-135-4, 1 CD, ca. 73 min, August 2000
  • Militärmusik. Random House Audio, ISBN 3-89830-263-6, 2 CD, ca. 150 min, September 2001
  • Schönhauser Allee. Random House Audio, ISBN 3-89830-354-3, 1 CD, ca 75 min, März 2002
  • Die Reise nach Trulala. Random House Audio, ISBN 3-89830-414-0, 2 CD, ca. 140 min, August 2002
  • Best of … Random House Audio, ISBN 3-89830-489-2, 2 CD, ca. 140 min, März 2003
  • Helden des Alltags. (Zusammen mit Helmut Höge), Random House Audio, ISBN 3-89830-549-X, 1 CD, ca. 70 min, März 2003
  • Mein deutsches Dschungelbuch. Random House Audio, ISBN 3-89830-610-0, 2 CD, ca. 140 min, August 2003
  • Ich mache mir Sorgen, Mama. Random House Audio, ISBN 3-89830-773-5, 2 CD, ca. 140 min, Juni 2004
  • Karaoke. Random House Audio, ISBN 3-86604-014-8, 2 CD, ca. 140 min, August 2005
  • Radio Russendisko. zusammen mit Yuriy Gurzhy, Random House Audio, ISBN 3-86604-224-8, 1 CD, ca. 70 min, Januar 2006
  • Küche totalitär. Random House Audio, ISBN 3-86604-114-4, 2 CD, ca. 140 min, Februar 2006
  • Ich bin kein Berliner. Ein Reiseführer für faule Touristen. Random House Audio, ISBN 3866044925, 2 CD, März 2007
  • Mein Leben im Schrebergarten. Random House Audio, ISBN 3866046707, 2 CD, September 2007
  • Salve Papa! Random House Audio, ISBN 3866048890, 2 CD, August 2008
  • Es gab keinen Sex im Sozialismus: Legenden und Missverständnisse des vorigen Jahrhunderts. Random House Audio, ISBN 3837100278, 2 CD, Februar 2009
  • Meine russischen Nachbarn. Random House Audio, ISBN 3837101347, 2 CD, August 2009
  • Meine kaukasische Schwiegermutter. Random House Audio, ISBN 3837104001, 2 CD, August 2010

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Wladimir Kaminer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Biographie im Munzinger-Archiv (Anfang kostenlos einsehbar)
  2. Anne Lena Mösken: Kaminer macht die Heimat dicht In: Berliner Zeitung. 27. April 2007.
  3. Kaminer will Wowereit beerben. In: Der Spiegel. 23. Oktober 2006. ISSN 0038-7452.
  4. Stefan Niggemeier: Wladimir Kaminers Schwulenwitz. 17. Mai 2009, abgerufen am 10. Juni 2009 (Webseite des Journalisten Stefan Niggemeier mit Ausschnitt der Fernsehsendung vom 16. Mai 2009).
Dieser Artikel existiert auch als Audiodatei.

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