Belagerung von Aruad
Belagerung von Aruad
Teil von: Kreuzzüge
Die Inselfestung Aruad diente den Kreuzfahrern als Brückenkopf für eine gemeinsame Offensive mit den Mongolen.
Die Inselfestung Aruad diente den Kreuzfahrern als Brückenkopf für eine gemeinsame Offensive mit den Mongolen.
Datum 1302
Ort Aruad
Ausgang Sieg der Mamelucken
Konfliktparteien
Hughes de Payns.svg Templerorden Mameluke Flag.svg Mamelucken
Befehlshaber
Barthélemy de Quincy unbekannt
Truppenstärke
120 Ritter

500 Bogenschützen

400 Zivilisten

unbekannt

16 Schiffe

Verluste
alle unbekannt

Die Belagerung von Aruad fand im Jahr 1302 auf der Insel Aruad an der Küste Syriens statt. Mit der Inselfestung fiel am 28. September 1302 der letzte Außenposten der Kreuzfahrer an der Levanteküste endgültig in die Hände der muslimischen Mamelucken.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

In den vorangegangenen 200 Jahren waren die Kreuzfahrerstaaten nach und nach von den Muslimen zurückgedrängt worden. Nach dem Fall Jerusalems verlegten die Kreuzfahrer ihr Hauptquartier 1191 in die Küstenstadt Akkon, dort hielten sie sich für 100 Jahre, bis zum Fall der Stadt am 28. Mai 1291. Das Hauptquartier wurde zunächst ins nördlich gelegene Tartus verlegt, doch die Stadt fiel noch im gleichen Jahr an die Mamelucken, worauf die Kreuzfahrer ihre Stellungen auf dem Festland (insbesondere auch Château Pèlerin) aufgaben und ihr Hauptquartier auf die Insel Zypern zurückzogen. Der letzte König von Jerusalem, Heinrich von Lusignan, der gleichzeitig König von Zypern war, versuchte im Jahre 1300 zusammen mit den drei wichtigsten Ritterodern (Templer, Hospitaliter und Deutschritter) Tartus zurückzuerobern, um erneut auf dem Festland Fuß zu fassen. Unmittelbar gegenüber von Tartus vor der Küste war die winzige befestigte Insel Aruad gelegen. Die Truppen schifften sich zunächst nach Aruad ein, um von dort aus die Stadt von See her anzugreifen, während gleichzeitig die verbündeten Mongolen unter Ghazan Ilchan von der Landseite her angreifen sollten. Da sich die Mongolen um Monate verspäteten, kehrte der Großteil der Truppen nach Zypern zurück ohne etwas erreicht zu haben.

Belagerung

Der Templerorden versuchte auf Aruad einen permanenten Stützpunkt zu errichten. Der Besitz der Insel wurde ihnen von Papst Bonifatius VIII. bestätigt. Ihre Garnison umfasste 120 Tempelritter, 500 Bogenschützen und 400 Männer und Frauen als ziviles Dienstpersonal (größtenteils syrische Christen) der Garnison. Kommandeur des Stützpunktes war Barthélemy de Quincy, Marschall des Templerordens.

Im Jahre 1302 sandten die Mamelucken eine 16 Schiffe starke Flotte von Ägypten nach Tripolis, von wo aus sie die Belagerung der Insel begannen. Sie landeten an zwei Stellen und errichteten ein befestigtes Lager. Die Templer verteidigten sich erbittert, wurden aber schließlich ausgehungert. Bruder Hugues de Dampierre vereinbarte mit den Belagerern, die Insel am 26. September 1302 zu übergeben, unter der Bedingung, dass sie freies Geleit in ein christliches Land ihrer Wahl erhielten. Als die Verteidiger daraufhin am 26. September die Tore öffneten, brachen die Mamelucken die Vereinbarung und überfielen die Christen. Barthélemy de Quincy wurde im folgenden Gefecht getötet, alle Bogenschützen und syrischen Christen wurden hingerichtet, dutzende der überlebenden Tempelritter wurden als Gefangene nach Kairo verschleppt und eingekerkert. Gemäß dem Bericht eines damaligen Mitgefangenen im Kerker von Kairo, dem Genuesen Matthias Zaccaria, waren Jahre später noch 40 von ihnen am Leben, die man schließlich verhungern ließ, nachdem sie eine Konversion zum Islam hartnäckig abgelehnt hatten.[1]

Eine zypriotische Flotte zum Entsatz der Insel war bereits von Famagusta aufgebrochen, traf allerdings nicht mehr rechtzeitig ein.

Folgen

Aruad war die letzte lateinisch-christliche Siedlung im Heiligen Land. Die Mongolen rückten 1303 erneut mit einer gewaltigen Armee, zusammen mit ihren christlichen Verbündeten aus Kleinarmenien, nach Syrien ein, konnten aber keine entscheidenden Gebietsgewinne erzielen. Schließlich wurden die Mongolen sowie ihre armenischen Vasallen in der Schlacht von Homs am 30. März 1303 und der entscheidenden Schlacht von Shaqhab, südlich von Damaskus, am 21. April 1303, geschlagen.

Nach dem Fall von Aruad unternahmen die Kreuzfahrer von Zypern aus noch einige Überfälle auf die syrische Küste und zerstörten die südlich von Beirut gelegene Stadt Damur. Einen dauerhaften Stützpunkt an der Levanteküste konnten sie jedoch nie wieder errichten.

Literatur

  • Demurger, Alain: Jacques de Molay. Payot, 2007 (ISBN 2-228-90235-7).
  • Barber, Malcolm: The Trial of the Templars. Cambridge University Press, 1978 (ISBN 0-521-45727-0).
  • Barber, Malcolm: The New Knighthood. A History Of The Order Of The Temple. Cambridge University Press, 1995 (ISBN 0-521-55872-7).
  • Jackson, Peter: Mongols and the West: 1221–1410. Longman, 2005 (ISBN 0-582-36896-0).

Einzelnachweise

  1. Malcolm Barber, The Trial of the Templars, S. 22

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