Belakane
Hochmittelalterliche Darstellung der Hölle im Hortus Deliciarum Manuskript (um 1180)

Der Begriff Mohr ist eine seit dem Mittelalter verwendete Bezeichnung für Menschen mit dunkler Hautfarbe, zum Beispiel historisch in Bezug auf Kuschiter und Mauren oder später allgemeiner für Schwarzafrikaner. Sie wird heute aufgrund ihrer negativen Konnotation nur noch selten gebraucht.

Inhaltsverzeichnis

Sprachgeschichtliches

Ursprünglich bezeichnete das mittelhochdeutsche Wort mōr[1] einen Mauren. Der Begriff Maure stammt allerdings vom Griechischen μαῦρος, was soviel wie „schwarz, dunkel, dunkelhäutig, dunkelhaarig“ bedeutet. Mauretanien bedeutet daher zunächst das Land der Dunkelhäutigen. Das lateinische maurus kennzeichnet in aller Regel bereits den Mauren als Herkunftsbezeichnung (aus der Provinz Mauretania bzw. dem Königreich Mauretanien).

Im Mittelhochdeutschen wurde dann nicht selten zwischen swarzer mōr („Maure mit dunkler Hautfarbe“) und mōr („Maure“) differenziert. Sogar heute noch findet sich im Deutschen die Bezeichnung schwarzer Mohr, was man aber eher als unnötige Doppelung (Tautologie) oder als literarische Betonung empfindet. Sehr früh belegt ist auch die Verbindung von mōr und Ethiops.

Andererseits wurden jedoch sowohl das einfache mōr als auch hellemōr („Höllenmohr“) als Synonyme für den Teufel verwendet, den man sich damals mit schwarzer Hautfarbe vorstellte. So dichtete Walter von der Vogelweide: „Nun lehret ihn sein schwarzes Buch, das ihm der Hölle Mohr gegeben hat und aus ihm lesen sie nun vor.“ Von Anfang an ist also eine ambivalente Bedeutung zwischen Herkunft und Hautfarbe gegeben. Da zugleich das griechische Wort μωρός moros („töricht, dumm, gottlos“) mitschwingt, wurde der Begriff schon sehr früh als mehrfaches Stereotyp verwendet.

Erst im 16. Jahrhundert erwarb das Wort Mohr im Deutschen die ausschließliche Bedeutung eines Menschen mit schwarzer Hautfarbe, während der Maure fortan als solcher bezeichnet wurde.

Als im 18. Jahrhundert der Ausdruck „Mohr“ dann zunehmend durch den Begriff „Neger“ ersetzt wurde, kam es dabei auch zur Gegenüberstellung von edlem Mohr (vorkoloniale Vorstellung) und primitivem Neger (koloniale Vorstellung). Auch der Versuch, zwischen schwarzafrikanischen „Negern“ und weißafrikanischen „Mohren“ im Zuge der Rassentheorien zu differenzieren, ist heute obsolet.

Die Bezeichnung Mohr für einen Menschen dunkler Hautfarbe wird heute nur noch in historischen Zusammenhängen verwendet. Wie auch der Ausdruck „Neger“ kann „Mohr“ als ein rassistisch diskriminierender Ausdruck verstanden werden.

Bedeutung in anderen Sprachen

Im Französischen wird sowohl le more als auch le maure (auch Lemaure) in der Regel als „der Maure“ verstanden. In den aktuellen Wörterbüchern gilt die Schreibweise mit o daher lediglich als orthographische Variante.[2]

Die Sarden nennen die vier „Mohren“ auf ihrem Wappen und auf ihrer Fahne Sos Bator Moros, wobei Moru mit Braun- bzw. Dunkelhäutiger zu übersetzen ist.[3]

Die Korsen sprechen entsprechend von U Moru. Beides ist im Deutschen eher mit „der Maure“ zu übersetzen als mit „der Mohr“.

Im Italienischen bedeutet il moro zunächst der Mohr im Sinne von „der Dunkle“ (siehe Ludovico Sforza) oder Schwarzbraune[4] , nicht aber „der Schwarze“ (il nero). Es ist eine Bezeichnung, die eher auf die dunkelhäutigen Mauren bezogen wird, denn auf Schwarzafrikaner.

Statue in Santiago: Matamoros

Im Spanischen ist el moro ebenfalls nicht der Mohr, sondern historisch eine Bezeichnung für die arabisch-muslimischen Mauren, die Spanien zwischenzeitlich erobert hatten.[5] Heute wird es hauptsächlich als negativ besetztes bis diskriminierendes Wort für muslimische Araber allgemein verwendet. In diesem Zusammenhang ist auch der Beiname „Matamoros“ für den heiligen Jakobus den Älteren zu sehen, der in der Übersetzung und Ikonographie meist als Maurentöter bzw. Maurenschlächter, nur selten als Mohrentöter bzw. Mohrenschlächter wiedergegeben wird.

Auch im Englischen wurden früher mit „the Moors“ die mittelalterlichen muslimischen Einwohner von al-Andalus, also der Iberischen Halbinsel, und des Maghreb bezeichnet, deren Kultur moorish genannt wird.[6] Der Mohr als schwarzer Afrikaner ist im Englischen dagegen analog zum Mittelhochdeutschen the blackamoor.[7]

Mohr als Stereotyp

Begegnungen zwischen Europäern nördlich der Alpen und Afrikanern hatten bis ins 18. Jahrhundert Seltenheitswert. Zwar lebten und kämpften in der Römerzeit auch dunkelhäutige Afrikaner als Soldaten der römischen Armee in Mitteleuropa, doch endete dies mit der Zeit der Völkerwanderungen. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit sind bildliche Darstellungen von Menschen schwarzer Hautfarbe nördlich der Alpen daher eine bemerkenswerte Ausnahme, während in den italienischen Staaten wie der Republik Venedig der Kontakt zu Afrika nie abriss.

Selten beruhen mitteleuropäische Darstellungen von „Mohren“ auf tatsächlichen Begegnungen, weit eher auf Reisebeschreibungen und überlieferten Darstellungen. Historische Abbildungen von Mohren folgen daher oft einem Stereotyp: dunkle bis schwarze Haut, dicke Lippen, krauses Haar, oft mit großen Ohrringen oder anderen Attributen „wilder Völker“.

Zahlreiche Wortprägungen, historische Namen, Wappen und Abbildungen haben dieses Bild des „Mohren“ bis heute erhalten.

Angelo Soliman
Ignatius Fortuna

Erst seit der Kolonialzeit kommen diese „Mohren“ aus Afrika und Amerika als Sklaven an die europäischen Höfe. An Fürstenhöfen, aber auch bei reichen Bürgern, wird es bis ins 18. Jahrhundert eine Prestigesache bleiben, „Hofmohren“ zu haben, gewöhnlich als Kammerdiener („Kammermohren“) oder soldatisch gekleidete, eher zur Zier dienende Wachen. Viele andere kamen auch zum Militär, meist als Spielleute.

Bekannte Mohren sind beispielsweise Anton Wilhelm Amo († nach 1753), der „hochfürstliche Mohr“ Angelo Soliman († 1796) und Ignatius Fortuna († 1789). Soliman endete makabrerweise als ausgestopftes Präparat in der Sammlung des Naturhistorischen Museums. [8]

Schließlich dienten einige von ihnen auch als Ausstellungsattraktionen auf Jahrmärkten und speziellen Völkerschauen (beispielsweise seitens der Firma Hagenbeck, die heute für ihren Tierpark bekannt ist).

Im Jahr 1784 erschien Samuel Thomas von Soemmerrings Buch Über die körperliche Verschiedenheit des Mohren vom Europäer. Offiziere aus Hessen-Darmstadt hatten dem Mediziner Körper von in Deutschland verstorbenen Sklaven zur Sezierung überlassen. Diese „Mohren“ waren aus Amerika mitgebracht worden, sind hier aber an der mangelnden klimatischen Anpassung, durch Infektionskrankheiten oder durch Selbstmord gestorben. Aufgrund seiner mangelhaften Methodik glaubte von Soemmerring, das bereits gängige Vorurteil, dass Mohren bzw. Neger intellektuell und körperlich näher beim Affen seien als europäische Männer, „bestätigen“ zu können.

Aus der Sicht von May Ayim, eine der Pionierinnen der afro-deutschen Bewegung und der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland übt in diesem Zusammenhang deutliche Kritik an der christlich-abendländischen Farbsymbolik, die „die Farbe Schwarz von jeher mit dem Verwerflichen und Unerwünschten in Verbindung“ gebracht habe.

„Entsprechend sind in der frühen Literatur Beispiele zu finden, wo weiße Menschen durch unrechtmäßiges Verhalten zu ‚Mohren‘ werden. Im Kirchenvokabular des Mittelalters wurden in markanter Weise die Bezeichnungen ‚Aethiops‘ und ‚Aegyptius‘ zeitweise als Synonyme für den Begriff Teufel benutzt. Religiös bestimmte Vorurteile und Diskriminierungen bildeten so einen Teil des Fundamentes, auf dem sich in der Kolonialzeit mühelos ein Konglomerat rassistischer Überzeugungen entfalten konnte, welches die Schwarzen Heiden (Mohren) zu Schwarzen Untermenschen (Negern) werden ließ.“ May Ayim (1997) [9]

Was für die christliche Komponente im Blick auf den „Höllenmohr“ und den „schwarzen Mann“ zutrifft, hat sich im Mittelalter durch die veränderte Heiligendarstellung und -verehrung (vor allem Schwarze Madonnen, dritter hl. König, Hl. Mauritius) und durch die positive Verwendung von Mohren in bischöflichen Wappen (unter anderem Freising, Würzburg) relativiert.

Das „Mohrenland“: Zur geografischen Herkunft des Begriffs Mohr

Heute wird der Begriff „Mohr“ mit Menschen aus Subsahara-Afrika in Verbindung gebracht, der historische Sprachgebrauch zielt dagegen auf Menschen aus nordafrikanischen Regionen, vor allem aus Nordostafrika (Äthiopien, Eritrea, Abessinien, Aksum, Nubien) und Nordwestafrika (Mauretanien, Westsahara, Mali, Marokko, Algerien, siehe Bidhan).

Im Deutschen hat das Wort „Mohr“ allem Anschein nach historisch eine stärkere Affinität zum altgriechischen Wortes ethiopos (für verbranntes Gesicht). Die Identifizierung von Mohren mit Mauren kommt von der zugrundeliegenden Lautähnlichkeit und dem spanischen Einfluss, wo moro aus historischen Gründen das Wort für den arabisch-islamischen Mauren ist.

Wenn im Mittelalter, so zum Beispiel auch im Zusammenhang mit dem „Freisinger Mohr“, latinisiert von caput aethiop(i)s bzw. caput ethiopicum die Rede ist, hat dies im damaligen Kontext daher nicht unmittelbar etwas mit Äthiopien zu tun, sondern ist bereits allgemein mit „Mohrenkopf“ zu übersetzen.

In diesem Sinne übersetzt auch Martin Luther das Land Kusch, das sich südlich an Ägypten anschloss (Ezechiel 29,10) und im griechisch-römischen Sprachraum den Namen Äthiopien erhielt (so auch in der Septuaginta), konsequent mit „Mohrenland“. Dabei gibt der Prophet Jeremia (Jer 13,23) den Ausschlag, wo es heißt: „Kann etwa der Kuschite seine Haut wandeln oder der Panther seine Flecken?“. Auch hier steht bei Luther „der Mohr“. Der Prophet Jesaja hat dagegen bei seiner Beschreibung der Kuschiten (Jes 18) nicht auf die Hautfarbe angespielt, sondern stattdessen auf ihre Körpergröße („hochgewachsen“) und Unbehaartheit („blank“). Im Blick auf den äthiopischen Kämmerer scheint Luther außerdem die Begriffe „Morgenland“ und „Mohrenland“ miteinander zu identifizieren.

1670 schrieb Jerónimo Lobo über die „wahre Beschaffenheit des Mohrenlandes, sonderlich des abbysinischen Kayserthums“. Andererseits verstand Giovanni Antonio Cavazzi da Montecuccolo 1694 bei seiner historischen Beschreibung des „occidentalischen Mohrenlandes“ darunter neben anderen Gebieten die drei Königreiche Congo, Matamba und Angola. 1728 erschien erstmals in Deutsch der Bericht von Bartolomeo de Rogatis Von dem Verlust des Königreichs Spanien und dessen Wieder-Eroberung aus denen Händen der Mohren, womit wiederum die Mauren gemeint sind.

Adschai Samuel Crowther, evangelischer Bischof von Nigeria

1894 wurde das Buch Dr. Adschai Samuel Crowther, der erste evangelische Neger-Bischof, oder Mohrenland wird seine Hände ausstrecken zu Gott veröffentlicht. Hier liegt also auch Nigeria im Mohrenland.

Sogar Anfang der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts erschienen noch Titel wie Als Mohrenland noch christlich war ... (G. von Massenbach, 1933), Der Erstling aus Mohrenland (Biographisches von Samuel Ali Hussein, 1932) oder Altes und Neues aus dem Mohrenland (Kirchen- und Missionsgeschichtliches von Christoph Schomerus, 1934), wobei hier sowohl „Mohr“ und „Neger“ austauschbar werden als auch zunehmend ganz Afrika zum „Mohren-“ bzw. „Negerland“ wird.

Mohren in der Kulturgeschichte

Die Sibylle Agrippina

Die Sibylle Agrippina wird als einzige unter den Sibyllen als Mohrin im Purpurgewand dargestellt.[10][11]

Biblische Begriffsverwendung

Da Luther in seiner Bibelübersetzung die Kuschiter generell mit Mohren identifizierte, gelten heute auch einige biblische Gestalten als Mohren bzw. Mohrinnen. Dagegen sprechen die Einheitsübersetzung von Kuschitern und die King James Bible von Äthiopiern.

Die Frau des Moses

Moses heiratete eine Kuschitin (siehe Zippora). Die entsprechende Passage im Buch Numeri 12,1 heißt bei Luther: „Und Mirjam und Aaron redeten wider Mose um seines Weibes willen, der Mohrin, die er genommen hatte, darum dass er eine Mohrin zum Weibe genommen hatte...“

Serah, der Mohr und Tirhaka, König der Mohren

Pharao Taharqa

Auch beim kuschitischen Heereszug gegen König Asa (2 Chr 14,7-8) ist bei Luther vom „Sieg Asas über die Mohren“ die Rede und von deren Anführer „Serah, der Mohr“. Im Zweiten Buch der Könige (19,9) und in Jesaja (37,9) nennt er Thirhaka „König der Mohren“ bzw. „der Mohren König“. Es handelt sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um Taharqa, König von Kusch bzw. Nubien. [12]

Äthiopischer Kämmerer

In der Apostelgeschichte (Apg 8,26) ist von einem äthiopischen Kämmerer der Königin Kandake - bei Luther aus dem „Mohrenland“ - die Rede, der vom Diakon Philippus getauft wird. Dieser Mohr gilt als Gründer, Philippus als Vater der äthiopischen Kirche. Schon der Kuschite, bei Luther wieder „Mohr“, Ebedmelech war zu Zeiten des Propheten Jeremia als Hofkämmerer beschäftigt (Jer 38-39). Immerhin rettet dieser den Propheten aus der Zisterne.

Die Mohrin im Hohenlied Salomos und die Königin von Saba

Anders verhält es sich in Bezug auf das Hohenlied der Liebe, das allgemein dem König Salomo zugeschrieben wird. Er beschreibt dort seine Geliebte als dunkelhäutig (1,5-6): „Ich bin schwarz, aber gar lieblich, ihr Töchter Jerusalems, wie die Hütten Kedars, wie die Teppiche Salomos. Sehet mich nicht an, dass ich so schwarz bin; denn die Sonne hat mich so verbrannt.“ Aufgrund dieser Beschreibung, also nicht aufgrund einer Übersetzung folgte der Schluss, dass es sich um eine Mohrin handeln müsse.

Diese Figur wird der Tradition gemäß mit der Königin von Saba identifiziert. Daher haben mittelalterliche Künstler geschlossen, dass die Königin von Saba eine Mohrin gewesen sein müsse. Eine frühe und recht eindrückliche Darstellung in diesem Sinne findet sich im romanischen Verduner Altar in Klosterneuburg aus dem Jahr 1181.[13]

Und ebenfalls am Ende des 12. Jahrhunderts findet sich eine Statuen-Darstellung der Königin als mittelalterliche Prinzessin durch Antelami Benedetto in Parma (um 1196-1216), dunkelhäutig mit blondem Haar. [14]

Schwarze Madonna

Schwarze Madonna von Loreto (Kopie)

Vermutlich in der allegorischen Übertragung des Hohenliedes auf Jesus (Gott) und Maria (Kirche) und in Anlehnung an die Darstellungen der Königin von Saba kam es zu Darstellungen von Maria, der Mutter des Jesus von Nazareth, als Mohrin, siehe Schwarze Madonna. Die ältesten, der Legende nach wie viele Ikonen dem Evangelisten Lukas zugeschriebenen, Bildnisse von Schwarzen Madonnen, stammen wohl aus dem 6. bis 9. Jahrhundert, die entsprechenden Statuen aus dem 12 und 13. Jahrhundert. Die Tradition von Oropa im Piemont erzählt davon, dass der heilige Bischof Eusebius von Vercelli († 381) im 4. Jahrhundert, nach seiner Teilnahme am Konzil von Nicaea, eine Schwarze Madonna mitgebracht und in die von ihm gegründete Klosterzelle gebracht habe. Die heute dort verehrte Statue stammt dagegen eher aus dem 13. Jahrhundert.[15]

Siehe auch: commons:Category:Black Madonna

Der Mohr der heiligen drei Könige

Einer der Heiligen Drei Könige wird seit dem 12. Jahrhundert, verstärkt seit etwa Anfang des 14. Jahrhundert[16] als schwarzer Afrikaner dargestellt. Hintergrund ist die schon ältere Auffassung von Augustinus und Hrabanus Maurus, dass die drei Könige Nachfahren der drei Söhne Noahs seien und die drei damals bekannten Erdteile repräsentieren.

Je nach Region und Tradition unterschiedlich wird Caspar (der „jüngste“ König, der Weihrauch bringt), Melchior (unter anderem in der Geschichte König Melchior von Karl Heinrich Waggerl) oder Balthasar als Mohr dargestellt. Zunächst war es wohl überwiegend Balthasar, der auch als König von Saba aufgefasst wurde, doch später in der Volkstradition am häufigsten Caspar, der diese Kennzeichnung erhielt.[17] Die Volkstradition kann sich zudem auf Pseudo-Bedas Codex Vaticanus (traditionell ins 10. Jh. dateiert) berufen, wo Kaspar als Mohr genannt wird.[18]

Die dunkle Hautfarbe, die man dem König zuschrieb, entstammt wohl einer Fehldeutung eines überlieferten Textes. Dennoch hat sich die Darstellung eines Königs als Mohr in der Bildenden Kunst bis heute erhalten und ist, wenn auch zunehmend weniger, an Kostümen beim Dreikönigsfest zu sehen.

Besonders eindrückliche Darstellungen, bei denen sich zudem chronologisch der dunkelhäutige zum schwarzen König entwickelt, finden sich:

  • 1423 bei Gentile da Fabriano (1370-1428) in der Florentiner Akademie (galt lange als das früheste Anbetungsbild mit dunkelhäutigem König)
  • um 1470 bei Hugo van der Goes
  • Mainz 1479 in der Ausgabe der "Meditationes seu Contemplationes devotissimae" von Juan de Torquemada.[19]
  • beim Lichtentaler Altar
  • bei den Wandmalereien der Rupertikirche zu Niederhofen (Ende 15. Jahrhundert)[20]
  • in Wien um 1490[21]
  • 1495 durch Andrea Mantegna[22]
  • am Mittelrhein um 1500[23]
  • beim Meister MS zwischen 1506 und 1510[24]
  • bei einem fränkischen Meister um 1510[25]

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Darstellung in einem Tiroler Wappenbuch aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts. Dort wird zwar der König selbst hellhäutig, auf der Wappenfahne jedoch ein Mohr dargestellt.[26]

Briefmarke 1971

Im Blick auf den Mohrenkönig wird auch im religiösen Brauchtum des Sternsingens ein König geschwärzt. Auf diesen Brauch abhebend zeigt eine bundesdeutsche Briefmarke von 1971 einen Mohrenkönig.

Hl. Mauritius und hl. Katharina

Der hl. Mauritius († um 290), der - ähnlich wie auch der Hl. Maurus aufgrund seines Namens in langer Tradition als Mohr gesehen wurde. Nicht selten wurde im deutschen Alltagssprachgebrauch aus dem Vornamen Mauritius bzw. Maurus die geschliffene Kurzform Mohr.

Mauritius war zunächst Schutzpatron Burgunds. Nach der Heirat von König Otto I. 951 mit Adelheid, der Tochter von König Rudolf II. von Burgund, schenkte dieser zum Weihnachtsfest 960 die Reliquien des hl. Mauritius aus der Abtei Saint-Maurice im Schweizer Kanton Wallis dem Magdeburger Dom, der der hl. Katharina von Alexandrien und dem hl. Mauritius geweiht ist. Dort befindet sich auch eine der ältesten figürlichen Statuen des hl. Mauritius, auf denen er ebenfalls als Mohr dargestellt ist. Er gilt als zugrundeliegende Figur für das Wappen von Coburg. Mauritius findet sich auf dem ältesten Siegel der Stadt Ingolstadt von 1291, aber wohl nicht als Mohr.[27] Außerdem gilt er mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als zugrundeliegende Figur im Wappen der Adelsfamilie Wolffskeel bzw. Grumbach.

  • Im Magdeburger Dom ist aber auch die hl. Katharina als Mohrin dargestellt.[28]
  • Als Motiv auf mittelalterlichen Bucheinbänden findet sich der hl. Mauritius beim Nachfolger des Johannes Fogel in Erfurt, der dort von um 1462 bis nach 1500 gewirkt hat.[29]
  • In Jüterbog findet sich eine Statue aus dem Jahr 1506.[30]
  • Die Kombination von Mohrenkönig und dem hl. Mauritius als Mohr findet sich auf dem Dreikönigsaltar von Hans Baldung aus dem Jahr 1507, der sich heute in den Staatlichen Museen Berlins befindet.
  • Ein von Hans Mielich (1516-1573) gemalter Ritter-Mohr Mauritius findet sich im Hochaltar des Ingolstädter Münsters.[31]
  • Ebenso zeigt eine Holzplastik in der Kirche St. Johann Baptist in Barby/Elbe den Ritter als Mohr.

Moses, der Äthiopier

Moses der Äthiopier war ein christlicher Einsiedlermönch in Ägypten, Glaubensbote bei den Sarazenen und späterer Bischof. Er wurde um 320 in Athiopien geboren und starb dort um 390/395. Als Äthiopier hatte er dunkle Hautfarbe und galt daher als „Mohr“.

Belakane

Die schöne Sarazenenkönigin Belakane in Wolfram von Eschenbachs Parzival ist eine Mohrin. Ihr und Gahmurets Sohn Feirefiz wird als Elster-Mischling vorgestellt („schwarz-weiß-gescheckt“). Der Sohn von Feirefiz und Repanse de Schoye wird dereinst der sagenumwobene Priesterkönig Johannes sein. Die Spekulationen über einen historischen Hintergrund dieser Figuren sind vielfältig und umstritten.

Ludwig der Mohr und Alessandro de Medici

Ludovico il Moro
Alessandro de Medici

Herzog Ludovico Sforza (1452-1508) hat bei den Italienern den Beinamen il Moro („der Dunkle“), ebenso wie Herzog Alessandro de Medici (1510-1537), wobei bei ihm il Moro meist mit „der Maure“ wiedergegeben wird.

Der Mohr von Venedig

Der Mohr von Venedig, der später durch Shakespeares Schauspiel Othello (um 1604, gedruckt 1622) und durch die Opern von Gioacchino Rossini (1816) und Giuseppe Verdi (Otello, 1887) bekannt wurde, war ursprünglich nur dem Familiennamen, nicht der Hautfarbe nach ein Mohr. Er hieß Cristoforo bzw. Cristofalo Moro und zog 1505 als Gouverneur der Republik des heiligen Markus nach Zypern, um dort die Insel gegen die heidnischen Türken zu verteidigen. Als er nach drei Jahren zurückkehrte, starb auf der Rückfahrt seine Frau, was ihn in tiefe Trauer stürzte. Die Sage hat daraus einen wirklichen Mohren gemacht, der als Befehlshaber von Zypern seine Frau aus Eifersucht ermordet hat.

1692 wurde vom Kapuziner-Missionar Dionigi de Carli eine davon unabhängige Schrift mit dem Titel Der nach Venedig überbrachte Mohr in Deutsch veröffentlicht.

Benedikt der Mohr

Ikone von Benedikt, dem Mohren

Benedikt der Mohr (um 1526 in San Fratello bei Messina in Italien, † 4. April 1589 in Palemero auf Sizilien) war Ordensoberer in Palermo und wurde 1807 von der katholischen Kirche heilig gesprochen.

Der Mohr Peters des Großen

Vermutliches Porträt von Abraham Petrowitsch Hannibal
Abraham Petrowitsch Hannibal, um 1720

Der Mohr Peters des Großen mit Namen Abraham Petrowitsch Hannibal[32] war ein abbessinischer Fürstensohn und Vorfahr von Alexander Sergejewitsch Puschkin. Puschkin hat dessen Lebensschicksal in einem Roman ausgestaltet. Ibrahim Hannibal wurde 1707 getauft, wurde vom Zaren wie ein Sohn geliebt, fiel aber in Ungnade, als er sich nicht verheiraten lassen wollte. Über diesen Mohren wurde 1976 im Stile eines Märchens der russische Film Wie Zar Peter seinen Mohren verheiratete gedreht.

Schwarzer König beim Schach

In mittelalterlichen Schachbüchern wird der Schwarze König als Mohr charakterisiert, so zum Beispiel im Konstanzer Schachzabelbuch von 1479 (heute in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien).[33]

Der Mohr von Riedlingen

Riedlinger Mohr

Die Fasnet in Riedlingen an der Donau kennt einen Mohren, die Riedlinger selbst sind die dazugehörigen „Mohrenwäscher“. Für diesen Umstand wird folgende Geschichte als Begründung angeführt: In Riedlingen gastierte einmal ein Zirkus, bei dem unter anderem ein Schwarzer, ein „Mohr“ war. Da die Einwohner Riedlingens bislang noch nie einen Schwarzen gesehen hatten, glaubten sie, es handle sich dabei um einen Weißen, der sich nicht gewaschen habe. Sie packten ihn, brachten ihn zum Marktbrunnen und versuchten, den Mohr weiß zu schrubben, was jedoch nicht gelingen wollte.

Mohren in der Heraldik

Die gekrönte Mohrin im Wappen der Kirchberger

Bereits ein alter Wappenschild der Grafen von Kirchberg zeigt eine gekrönte Frauengestalt (Jungfrau) mit vermutlich dreiblütiger Blume (Rose, Lilie oder Distel) in der Hand[34], die zu dieser Zeit als Symbol der Trinität steht, weshalb ein Bezug zu Maria möglich erscheint. Auf einem Siegel des Grafen Konrads von Kirchberg auf einer Urkunde des Klosters Wiblingen aus dem Jahr 1313 hält die gekrönte Jungfrau (Mohrin) eine Kugel in der rechten Hand.

Bei den Kirchbergern erhält die Mohrin spätestens ab dem 15. Jahrhundert statt einem „schwarzen Hut“ eine Bischofsmütze, zunächst anstelle der Krone auf dem Kopf, dann in die Hand. Dies hat allem Anschein nach Eberhard von Kirchberg veranlasst, nachdem er 1407 Bischof von Augsburg geworden war.

  • 1488: Illertissen wird von Kaiser Friedrich III. ein Wappen in Anlehnung an das der damaligen Ortsherren, der Grafen von Kirchberg, verliehen. Dieses zeigte eine wachsende schwarz gekleidete Mohrin mit einer schwarzen Bischofsmütze auf dem Kopf, in der Rechten einen grünen Zweig mit drei Blättern, hier wohl allerdings mit drei Disteln. Die Grafen von Kirchberg starben 1520 aus, bald darauf erhält Illertissen das Wappen der neuen Grundherrn.

Eine Frau mit Mitra zeigt aber noch das Wappen von: Oberkirchberg seit mindestens 1555[35] (aber noch nicht als Mohrin), Unterkirchberg, die aus diesen beiden Ortsteilen gebildete Gemeinde Illerkirchberg und des Landkreises Neu-Ulm.

Auch das Wappen der Grafen von Fugger, Kirchberg und Weißenhorn zeigt diese Mohrin mit Mitra [36] [37][38]

Der Mohr im Wappen von Wolffskeel und Grumbach

Vollwappen der Grafen Wolffskeel v. Reichenberg
Wappen der Familie von Wolfskeel nach Siebmachers Wappenbuch
Wappen der Familie von Grumbach seit 1492 nach Siebmachers Wappenbuch
Wolfskeel´sches Wappen im Tiroler Wappenbuch
Grumbacher Wappen im Tiroler Wappenbuch

Wolffskeel´scher Mohr[39]: Das Wappen der Adelsfamilie Wolffskeel zeigt einen nach rechts schreitenden Mohr mit drei roten Rosen. Es erscheint erstmals beim Würzburger Fürstbischof Wolfram von Grumbach (1322-1333). Der Tradition nach handelt es sich um den hl. Mauritius. Er soll durch Ritter Eberhard von Wolfskeel, den Stammvater der Wolfskeels, in das Wappen gekommen sein.

Die Grabsteine Bischofs Wolframs und seines Neffen Otto II. von Wolfskeel (†1345)[40], der ihm 1333 als Bischof von Würzburg nachfolgte, sind im Würzburger Dom zu sehen. Zwei weitere Grabsteine befinden sich heute im Mainfränkischen Museum:

  • Eberhard von Wolfskeel († 1379)[41]
  • Friedrich von Wolfskeel († 1408)[42]

Grumbach´scher Mohr: Die Grumbachs sind gleichen Ursprungs mit den Wolfskeels und führten anfangs auch das gleiche Wappen.

So findet sich auch der Mohr im Wappen und somit auf dem Zeremonienschwert und auf Münzen des Würzburger Fürstbischofs Johann III. von Grumbach (Bischof von 1455 bis 1466).[43] [44] Als die Wolfskeels eine Wappenänderung forderten, um sich von den ihnen bald unbeliebten Grumbachs unterscheiden zu können, legte Kaiser Maximilian 1492 fest, dass der Mohr der Grumbacher nach links, der Mohr der Wolfskeels nach rechts schreiten soll.

Das Mohrenwappen findet sich auch auf den zumeist von Riemenschneider gefertigten Grabmälern folgender Grumbacher Adeligen:

Auch einige andere Ortswappen ehemaliger Besitzungen der Wolffskeels und Grumbachs zeigen daher auch einen derartigen Mohren.

Davon abhängig ist zum Beispiel der Mohr von Uettingen und der Mohr von Unterpleichfeld.

Bis 1974 befand sich der Wolffskeel´sche Mohr auch im Wappen des Landkreises Würzburg

Der gekrönte Mohr von Freising

Der „Freisinger Mohr“ von 1316
Nachträgliches Wappen mit Mohr, um 1490

Freisinger Mohr: Auch das Bistum Freising und der Landkreis Freising tragen einen „Mohren“ im Wappen. Der gekrönte Afrikaner („caput aethiopis“) erschien zum ersten Mal 1284 im Wappen des Bischofs Emicho Wildgraf von Wittelsbach (1283–1311). Der Titel „Wildgraf von Wittelsbach“ verdeckt, dass er väterlicherseits von den Kyrburgern und über seine Großmutter von den Kirchbergern abstammt. Bereits sein Onkel Konrad war Bischof von Freising († 1278), so dass ein Bezug zum Kirchberger Wappen naheliegt.

Der Legende nach wurde aber bereits vorherigen Bischöfen, insbesondere Bischof Otto von Freising (1112-1158) im Zuge seiner Teilnahme am zweiten Kreuzzug, der Mohr im Wappen verliehen. Otto war Sohn des heiligen Babenbergers Leopold III., Markgraf von Österreich, und der Tochter Kaiser Heinrichs IV., Agnes von Waiblingen und somit Enkel Kaiser Heinrichs IV. und Onkel Kaiser Friedrich Barbarossas. Seine erste Ausbildung erhielt er im Chorherrenstift Klosterneuburg, das sein Vater 1114 gegründet hatte. Im Jahr 1126 wurde er von diesem zum Propst des Stiftes ernannt, weshalb ein Bezug zur Verduner Altar mit der Königin von Saba möglich erscheint. Ende des 15. Jahrhunderts ordnete man ihm auf einer Klosterneuburger Wandmalerei selbstverständlich einen Mohren zu. 1586 weist der Maler Stephan Andreas Mayr ihm dann ein Wappen mit zwei Mohren zu.[49]. Auch dieses Bild befindet sich in Klosterneuburg.

Nach einer verbreiteten Interpretation entstand der Mohr aber aus der Fehldeutung einer Darstellung, auf der eigentlich einfach ein gekröntes Haupt dargestellt war, mit dem Bischof Emicho die Reichsunmittelbarkeit seines Gebiets anzeigen wollte. Denkbar ist, dass es sich eigentlich um ein Porträt des Rudolf von Habsburg oder von Emicho selbst handelte. Eine weitere mögliche Herleitung ist der Bezug auf eine Stelle in der Apostelgeschichte, wo ein äthiopischer Kämmerer von dem Apostel Philippus getauft wird (Apg. 8,26).

Wappen des Hochstifts Freising

In kolorierter Fassung wurde er dann im Jahr 1316 – eindeutig als „Mohr“ – auf dem Deckblatt des Haus- und Notizbuches von Bischof Konrad III. (1314–1322) abgebildet. Bis zur Auflösung des Hochstifts Freising im Jahr 1803 stand er dauerhaft im Wappen der Bischöfe von Freising. Ab 1846 durfte das neue Erzbistum München-Freising den Mohren wieder im Wappen tragen.

Auch Sebastian Münsters Cosmographie Universalis mit einem Freisinger Stadtbild von 1550 trägt ein Wappen, das in zwei Wappenvierteln Mohren zeigt, allerdings mit zwei unterschiedlichen Gesichtern.[50]


Wappen mit dem „Freisinger Mohr“ haben einige Städte und Orte, die früher dem Hochstift Freising angehörten:

Von Freising abhängige Gemeinde- und Landkreiswappen

Das Mittenwalder Wappen ist insofern von besonderem Interesse, weil es in der Frühform (ab 1408) ein Frontalporträt eines Mohrenkopfes bietet.[51]

Zusätzlich in Niederösterreich:

Steiermark:

Slowenien:

Von Freising abhängige bischöfliche Wappen

Viele Freisinger Bischöfe haben den Mohren in ihr Wappen übernommen, zum Beispiel:

Der Mohrenlöwe von Abfaltersbach

Mohrenlöwe im Wappen von Abfaltersbach (Tirol)

Beim Mohrenlöwen handelt es sich um eine zweiteilige fiktive Wappenfigur, bei der der Oberkörper eines Mohren mit dem Hinterleib eines Löwen zusammen gesetzt ist. Der Mohr ist dabei vom Freisinger Wappen abhängig.

Mohrin im Wappen der Freiherrn von Eberstein

Eberstein, ~1885

Der Wappenschild der Ebersteiner wird seit etwa dem 15. Jahrhundert geziert von einem offenen Turnierhelm, der wiederum eine weiß bekleidete, goldgekrönte und mit einer weißen Kopfbinde (Zindelbinde) nach orientalischer Art versehene Mohrin ohne Arme als Helmaufsatz trägt. Mitunter wurde die Auffassung vertreten, dieses Element rühre von einer im Zuge der Kreuzzüge gefangen genommene Mohrenprinzessin her. Da die Ebersteiner seit 1303 als Marschalle des Hochstifts Würzburger Vasallen waren, reichten auch sie einem Aufruf folgend das Wappen 1540 an ihren Lehenhof ein. Dennoch findet sich wie schon vor 1540 auch später - vor allem in der Gehofener Linie - noch statt der weißen Kopfbinde ein Zopf oder sogar wehende Haare und statt dem weißen Kleid ein blaues.[74]

Mohr und Mohrin im Wappen der Grafen von Strasoldo

Wappen des Eichstätter Fürstbischofs Raymund Anton von Strasoldo in Schloss Hirschberg, 1764

Der Eichstätter Fürstbischof Raymund Anton Graf von Strasoldo (1757–1781) hatte nach allgemeiner Deutung in zwei Vierteln seines Wappens das Brustbild einer Mohrin mit silberner Stirnbinde mit abflatternden Bändern sowie roten Ohrringen. Das Stammwappen derer von Strasoldo zeigt noch einen wachsenden Äthiopier mit kurzen und eine wachsende Äthiopierin mit langen Haaren. 1641/1673 kommt beim Äthiopier eine silberne Kopfbinde hinzu, dann auch bei der Äthiopierin.[75]

Der gekrönte Mohr von Lauingen

Wappen der Stadt Lauingen

Lauinger Mohr: In Lauingen (Schwaben) findet sich bereits ein altes Siegel von 1270 im Stadtarchiv, das einen Männerkopf mit langem Haupthaar, Bart und Bügelkrone zeigt, wobei es sich vermutlich um Friedrich Barbarossa handelt. 1451 wendet sich der seither mehrmals veränderte Kopf nach rechts ins Profil. Dabei ist erstmals deutlich ein Mohrenkopf mit Halskette, Ohrring und Mauerkrone zu erkennen. Lauingen ist neben Eisenberg auch die Stadt, die gerne als Mohrenstadt bezeichnet wird.

Eine im Hofturm der Stadt Lauingen abgemalte Sage berichtet dagegen: Zur Zeit, als die Heiden oder Hunnen bis nach Schwaben vorgedrungen waren, rückte ihnen der Kaiser mit seinem Heere entgegen und lagerte sich unweit der Donau zwischen Lauingen und dem Schloß Faimingen. Nach mehreren vergeblichen Anfällen von beiden Seiten kamen endlich Christen und Heiden überein, den Streit durch einen Zweikampf entscheiden zu lassen. Der Kaiser wählte den Marschall von Calatin (Pappenheim) zu seinem Kämpfer, der den Auftrag freudig übernahm und nachsann, wie er den Sieg gewiß erringen möchte. Indem trat ein unbekannter Mann zu ihm und sprach: "Was sinnst du? Ich sage dir, daß du nicht für den Kaiser fechten sollst, sondern ein Schuster aus Henfwil (später Lauingen) ist dazu ausersehen." Der Calatin versetzte: "Wer bist du? Wie dürfte ich die Ehre dieses Kampfes von mir ablehnen?" – "Ich bin Georg, Christi Held", sprach der Unbekannte, "und zum Wahrzeichen nimm meinen Däumling." Mit diesen Worten zog er den Däumling von der Hand und gab ihn dem Marschall, welcher ungesäumt damit zum Kaiser ging und den ganzen Vorfall erzählte. Hierauf wurde beschlossen, daß der Schuster gegen den Heiden streiten sollte. Der Schuster übernahm es und besiegte glücklich den Feind. Da gab ihm der Kaiser die Wahl von drei Gnaden sich auszubitten. Der Schuster bat erstens um eine Wiese in der Nähe von Lauingen, daß diese der Stadt als Gemeingut gegeben würde. Zweitens, daß die Stadt mit rotem Wachs siegeln dürfte (welches sonst keinem mittelbaren Ort verstattet war). Drittens, daß die Herrn von Calatin eine Mohrin als Helmkleinod führen dürften. Alles wurde ihm bewilligt und der Daumen St. Georgs sorgfältig von den Pappenheimern aufbewahrt, die eine Hälfte in Gold gefaßt zu Kaisheim, die andre zu Pappenheim.[76]

Diese Sage legt nahe, dass es sich beim Lauinger Mohren ebenfalls um eine Mohrin handelt und das Wappen in direkter Verbindung zum Pappenheimer Wappen steht.

Der Mohr und die gekrönte Mohrin von Pappenheim

Wappen von Pappenheim
Stammwappen von Pappenheim

Pappenheimer Mohr und Pappenheimer Mohrin: Das Stadtwappen von Pappenheim zeigt einen Mohrenkopf mit gekräuseltem Haar und einer Stirnbinde. Die Pappenheimer Marschälle haben diese Figur in ihre Helmzier aufgenommen. Auf den ältesten Siegeln der Marschälle findet sich ein edler Kaiserkopf (1251), der wohl eher das Haupt des Hiero von Syrakus darstellt. Dieser Männerkopf trägt auf einem Stadtsiegel 1335 eine Stirnbinde. Aufgrund einer vergröbernden Darstellung sei aus dem ursprünglichen Kaiserkopf ein Mohrenkopf geworden, so auf einem Siegel 1378, wobei auf dem recht fratzenhaften Gesicht eine hohe dreizackige Krone sitzt.

Interessant ist, dass diesem Kopf im 15. Jahrhundert - in Übereinstimmung mit der von den Brüdern Grimm übermittelten Sage - ein weiblicher (!) Oberkörper beigefügt wird, der im 16. Jahrhundert einen Zopf oder zwei abstehende Zöpfe hat[77] und später eine Mohrin wird. [78][79]

Die Mohrin von Gräfenthal

Wappen von Gräfenthal

Die Mohrin im Wappen von Gräfenthal geht auf die Reichserbmarschälle von Pappenheim zurück. Von 1438 bis 1621 stand ihnen die Grundherrschaft zu.[80]

Der Mohr von Coburg

Wappen von Coburg

Coburger Mohr (14. Jahrhundert): Einen „Mohren“ zeigt das Stadtwappen von Coburg. Es handelt sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Darstellung des Stadtpatrons Hl. Mauritius. Denn die älteste Kirche Coburgs ist die Morizkirche. Sie geht zurück auf eine romanische Basilika aus dem 12. Jahrhundert. Ab 1380 hat dann auch ein Coburger Münzmeister als Meisterzeichen einen Mohrenkopf. 1493 taucht in alten Akten das erste Mal das Wort "Mohrenkopf" auf, der von der Stadt verpflichtet wurde, neben seinem Meisterzeichen seine Ware auch mit dem Mohrenkopf zu versehen. Aus dem Jahr 1521 stammt schließlich der älteste Abdruck des Stadtsiegels mit dem Mohrenkopf. Nachdem der Mohr während des Nationalsozialismus aus dem Wappen verschwinden musste[81], wurde er 1953 in veränderter Form wieder aufgenommen [82]

Heute hat u.a. eine Tanzsportgarde des Coburger Faschings den Namen "Coburger Mohr" und ein Coburger Stadtmagazin ist nach dem Mohr benannt.

Wappen von Zwickau

Der Mohr von Zwickau

Zwickauer Mohr: Auch von Zwickau ist der Stadtpatron der hl. Mauritius, nachdem er bereits 1212 als Patron der Stadtpfarrkirche erwähnt wird. Daher stellt der im aktuellen Großen Stadtwappen am Schildrand hinzugefügte Mohr auch ihn dar.

Wappen von Schauenstein

Der Mohr von Schauenstein

Schauensteiner Mohr: In der ersten erhaltenen farbigen Zeichnung des Wappens von Schauenstein (Oberfranken) aus dem Jahr 1581 ist der vorher schon traditionelle Mann schwarz und hält einen kleinen roten Stein empor. Es ist eindeutig ein Bergmann mit einem Erzbrocken in der Hand, um den Ortsnamen zu verbildlichen: ein zur Schau gestellter Stein. Seit 1692 wird der Bergmann nun als Mohr fehlgedeutet. Ab 1812 ist der Mann nackt dargestellt mit einem Stück Fleisch in der Hand, es gibt auch Abbildungen, auf denen der Mohr einen Spiegel hält.

Der Mohr von Bad Sulza

Wappen von Bad Sulza

Sulzener Mohr: Im Stadtwappen von Bad Sulza findet sich ein Mohr in Ritterrüstung. Er findet sich bereits im ältesten bekannten Siegel aus dem Jahre 1567 mit einer gefähnelten Lanze in der Hand. Dieser Mohr verweist auf den heiligen Mauritius als Patron der Soldaten und Salzsieder.

Der Mohr von Mehring

Wappen von Mehring (Bayern)

Mehringer Mohr: Das Adelsgeschlecht der Moringer scheint seit dem 8. Jahrhundert im Besitze von Mehring gewesen zu sein. Sie starben allerdings Mitte des 14. Jahrhunderts aus. Im Wappen trugen sie einen Mohren mit roter Kopfbedeckung. Dieser fand als beredtes Zeichen für den Ortsnamen auch Eingang in das heutige Gemeindewappen.

Der Mohr von Tuttlingen-Möhringen

Wappen von Tuttlingen-Möhringen

Zeigt das Wappen der früheren Stadt Möhringen an der Donau (seit 1973 ein Stadtteil von Tuttlingen). Das Wappen ist von Kaiser Friedrich III. aus Wien 1470 an Möhringen verliehen worden.

Der Mohr von Stuttgart-Möhringen

Wappen von Stuttgart-Möhringen bis 1942

Möhringer Mohr: Zeigt das Stadtteilwappen von Möhringen bis 1942 einen ungekrönten Mohren, so findet sich ab 1957 darauf ein gekrönter Mohr.

Der Mohr von Eisenberg

Wappen von Eisenberg (Thüringen)

Eisenberger Mohr: Der Eisenberger Mohr geht auf eine Sage über einen Mohren als Diener des Grafen von Eisenberg zurück, die sich sowohl in einer Standfigur am Marktplatz als auch im Wappen niederschlug, interessanterweise als „korsischer Mohr“ mit verbundenen Augen. [83]. Mitunter wird Eisenberg ebenso wie die Stadt Lauingen daher auch Mohrenstadt genannt.

Der Mohr von Mörlau

Mörlauer Mohren: Die historisch exakte Herkunft der Mohren im Wappen von Ober-Mörlen ist nicht geklärt. Jedoch entstand das aktuelle Gemeindewappen auf Basis der Heraldischen Zeichen (Eppsteiner Sparren, Kurmainzer Rad und dem Mohren) eines Gerichtssiegels aus dem Jahr 1716. Im Codex Laureshamensis, einem Kopialbuch des 12. Jahrhunderts, findet sich für das Jahr 790 die Bezeichnung „Moruller Marca“, was meist als „Mark des Mohren“ gedeutet wird. An das Wappen angelehnt tritt der Mohr von Mörlau seit 1948 als Figur der Ober-Mörler Fassenacht auf; in früheren Zeiten im Dienerlivree (ähnlich „Sarottimohr“), seit 2003 begleitet er in seinem „orientalischen“ Fantasie-Kostüm (siehe rechts) das jeweilige Ober-Mörler Prinzenpaar bei seinen offiziellen Auftritten.

Der Mohr der Tucher und von Simmelsdorf

Wappen von Simmelsdorf

Die Nürnberger Patrizierfamilie Tucher hatte sehr bald einen Mohren im Familienwappen, der auch zum Markenzeichen der mit ihr verbundenen Brauerei wurde.[84] Aber auch die Nürnberger Landgemeinde Simmelsdorf hat aufgrund der historischen Verbundenheit mit dieser Familie einen Mohren ins Wappen aufgenommen.

Die Herren Mohr vom Wald

Die Herren „Mohr vom Wald“ bei Daun nahmen um 1482 ein horizontal zweigeteiltes Wappen an, der obere Teil gold und schwarz geschacht, der untere gold. Das Zimier war eine Mohrenbüste ohne Arme, gekleidet in den Farben des Schilds. Das Rittergeschlecht derer von Mohr von Wald geht auf das 12. Jahrhundert zurück, die sich ab 1241 nach ihren Besitzungen im Peterswald „de Walda“ nannten.

Die Mohren in der Schweiz

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass in der zwischen 1335 und 1345 entstandenen Zürcher Wappenrolle auf dem Schild selbst oder im Wappenzier insgesamt neun Mohren vorkommen. In heutigen Wappen findet sich der Mohr in folgenden Gemeinden:

Mohrener Mohr: Das Wappen von Mohren in der Schweiz trägt ein besonders aufschlussreiches Kopfbild eines Mohren.

Mandacher Mohr: Das Wappen von Mandach geht auf einen Helmschild der Herren von Mandach (13. Jahrhundert) zurück, der volkstümlicher Deutung nach den hl. Mauritius darstellt, der auch der Schutzpatron der Kirche von Mandach ist.

Flumenthaler Mohr: Das heutige Gemeindewappen von Flumenthal in der Schweiz zeigt ein Mohrenhaupt mit weißem Stirnband und Kragen sowie roten Lippen. Dieser ist so ähnlich schon im Vogteiwappen zu finden, bei dem man einen Zusammenhang mit dem heiligen Mauritius vermutet, der allem Anschein nach früher der Patron der Kirche war. Zudem ist der Weihetag der Kirche der Mauritzentag (22. September) 1514.

Oberweninger Mohr: Das heutige Gemeindewappen von Oberweningen zeigt ebenfalls einen Mohr. Vermutet wird die Übernahme des Wappens der Ritter von Mandach, die in Oberweningen Grundbesitz hatten, oder aber eine Schöpfung als "sprechendes" Wappen der lokal ansässigen Familie Moor.

Möriken-Wildegger Mohr: Und auch das Gemeindewappen von Möriken-Wildegg trägt einen Mohrenkopf. Die Deutung des Ortsnamens als Mohrenkopf erscheint erstmals 1592 auf einem Grenzstein.

Mohr von Avenches/Waadtland: Das Wappen des Städtchens Avenches zeigt in rot einen schwarzen Mohrenkopf mit weißem Stirnband.

Die Mohren von Aragon, Sardinien und Korsika

Aragonische Mohren: Bereits alte spanische Chroniken berichten davon, dass Peter I. in der Schlacht von Acoraz vier schwarze Könige enthaupten ließ. Entweder er selbst oder sein Nachfolger hätten diese Köpfe in ihren Wappenschild aufgenommen als Symbol für die Rückeroberung vier ehemals maurischer Gebiete. Spätestens 1281 führte Peter III., König von Aragon (Spanien) endgültig dieses Hoheitszeichen ein, das dann lange Zeit als Siegel verwendet wurde. Es handelt sich jeweils um einen weißen Schild mit dem roten St. Georgs-Kreuz und den Köpfen von vier Mohren mit weißem Stirnband. [85]

  • Sardische Mohren: Das Landeswappen der italienischen Insel Sardinien zeigt wie das aragonische Wappen vier maurische Köpfe. Erst im 17. Jahrhundert wurde das ursprünglich aragonische Wappen durch Philipp IV. von Spanien offiziell für Sardinien eingeführt, indem er es auf Münzen prägen ließ.
  • Korsische Mohr: Das Landeswappen der französischen Insel Korsika zeigt ebenfalls einen Kopf eines „Mohren“ oder Mauren (Testa Maura). Er wird in Verbindung gebracht mit dem Kampf gegen die sarazenischen Mauren im 9. und 10. Jahrhundert. Eine sagenhafte Gestalt des damaligen korsischen Widerstandes war Ugo Colonna. Dieser soll auch den Mohrenkönig Nugalon bezwungen und danach alle heidnischen Korsen haben taufen lassen (Zwangstaufe). Diese maurische Besatzung spiegelt sich in korsischen Ortsnamen wie Campomoro, Morosaglia, Morsiglia usw. wider. Schon bald darauf tauchte der Mohrenkopf in diversen Siegeln und Wappen auf. Doch erst 1762 wurde der Mohrenkopf mit Stirnband von Pascal Paoli und der von ihm geleiteten Consulta zum offiziellen Wappen und Symbol für den Freiheitskampf der Korsen bestimmt. Der Legende nach geht dieses Symbol auf einen Kampf zwischen einem arabischen Herrscher, ein Maure, und einem korsischen Verlobten um dessen Verlobte zurück, die der Maure entführt hatte. Im Kampf blieb der Korse siegreich, und er schlug dem Mauren den Kopf ab, spießte ihn auf eine Lanze und reckte ihn hoch in den Himmel. Das Stirnband geht dagegen auf eine andere Legende zurück. Nach dem Sieg der Pisaner und Genueser über die Mauren sollte ein maurischer Gefangener hingerichtet werden, dem dazu die Augen mit einem weißen Tuch verbunden wurden. Der Maure wollte aber sehenden Auges sterben und schob daher das Tuch hoch zur Stirn. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich bei der Fahne um eine Einführung durch den König von Aragon handelt.

Vincentellu d’Istria, der für Aragon und gegen die pisanischen und genuesischen Besatzer kämpfte, brachte es bis zum Vize-König. Er wurde dann aber von den Besatzern geschlagen und in Genua hingerichtet; dennoch wird dieser Kampf heute als Beginn der korsischen Monarchiebewegung angesehen.

Als dann der deutsche Baron Theodor von Neuhoff sich am 12. März 1736 selbst zum ersten und einzigen König Korsikas machte, führte er bei seinem Triumphzug durch Korsika ein Porträt von sich mit, auf dem unten ein Wappen abgebildet war, das auf dem Schild den nach rechts gerichteten Kopf eines Mohren mit verbundenen Augen und einer Kette um den Hals zeigte.

Erst Paoli hat dann das Tuch als Zeichen der Freiheit zum Stirnband umfunktioniert und etwas später auch die Halskette weggenommen.[86]

Der Mohr der Schwarzhäuptergilde

In Riga gab es die sogenannte „Compagnie der Schwarzen Häupter“ (kurz auch Schwarzhäuptergilde), eine frühe Abspaltung der Ledigen von der „Großen Gilde“ (14. Jahrhundert). Der Patron der Schwarzhäuptergilde ist der hl. Mauritius. Daher hat man auch einen Mohren im Wappen. Der Name leitet sich aber mehr vom Kopfschutz der gewappneten Kriegsknechte her: der schwarzen Sturmhaube. Das Schwarzhäupterhaus (Gildenhaus) ist durch die Rekonstruktion in den 90er Jahren bekannt geworden, nachdem das ursprünglich 1341 erbaute Gebäude 600 Jahre später 1941 bei einem deutschen Angriff zerstört wurde. An der Pforte des Hauses rechts steht im Blick auf Patron und Wappen ein Mohr.[87] Im Zuge des Hitler-Stalin-Paktes von 1939 mussten die deutschstämmigen Schwarzhäupter Riga verlassen. Sie haben ihren neuen Sitz in die Stadt Bremen gelegt.

Mohren als Wasserzeichen

Die Wasserzeichenkartei Piccard, die der Datierung von mittelalterlichen Codices dient, kennt mehrere Mohrenköpfe

  • Mohrenkopf mit Stirnband ohne Krone, Ende 14. Jahrhundert, Codex 22 im Stadtarchiv von Tulln. [88]
  • Mohrenkopf, Süddeutschland, letztes Viertel 14. Jahrhundert.[89]
  • Mohrenkopf mit Krone, erstes Viertel 15. Jahrhundert. [90]

Literatur und Kunst

Literatur und Theater

Der „Mohr“ im Kinderbuch Struwwelpeter von 1845

Bekanntester „Mohr“ der Weltliteratur ist wohl William Shakespeares tragischer Held Othello, auch als "Mohr von Venedig" bekannt. Nach heutigen Interpretationen soll Othello ein Maure sein, dessen Hautfarbe im Stück jedoch als black (schwarz) beschrieben wird.

Davon abgeleitet ist das Theaterstück "Othellerl, der Mohr von Wien oder Die geheilte Eifersucht" von Karl Meisl aus dem Jahr 1806.

Das geflügelte WortDer Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“ lautet im Original: „Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen.Friedrich Schiller legte diesen verbitterten Satz in den Mund des Spitzbuben Muley Hassan, dem Mohren von Tunis (Die Verschwörung des Fiesco zu Genua).

Bekannt ist auch die Moritat „von den schwarzen Buben“ aus dem Kinderbuch Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann (1845): „Es ging spazieren vor dem Tor / ein kohlpechrabenschwarzer Mohr (...)“, in der sich Kinder über einen Mohren wegen seiner Hautfarbe lustig machen, dann jedoch vom „großen Nikolas“ in ein Tintenfass getunkt werden. Sie werden also zur Strafe „viel schwärzer als das Mohrenkind“ gemacht. Die Geschichte dient der antirassistischen Erziehung, aber der schwarze Knabe wird als stereotyper Schwarzafrikaner (barfuß, dicke Lippen, krauses Haar, nackt bis auf eine kurze Hose) dargestellt; jedoch mahnt der Dichter: „Ihr Kinder, hört mir zu, und lasst den Mohren hübsch in Ruh! Was kann denn dieser Mohr dafür, dass er so weiß nicht ist wie ihr?

Heinrich Heine veröffentlichte 1844 das Gedicht Der Mohrenkönig in seiner Gedichtsammlung Romanzero. Und in seinem Wintermärchen Caput 14 stehen die heiligen drei Könige stellvertretend in der Kritik, darunter auch Herr Gaspar, der König der Mohren. Der Mohrenkönig von Heine ist eine Weiterfabulierung der Ballade "Der Mohrenfürst" von Ferdinand Freiligrath, vertont von Carl Loewe.

Mohren und Mohrinnen spielen außerdem in folgenden Werken eine bedeutende Rolle:

Im Jugendbuch Mohr und die Raben von London von Vilmos Korn und Ilse Korn tritt Karl Marx in einer Nebenrolle als Mohr auf.

Musik

Nicht vergessen werden sollte auch der Mohr Monostatos aus der Zauberflöte von Mozart und Antonio Salieris Musikkomödie Il Moro, sowie dessen deutsche Oper Die Neger. Und der König der Nubier Amonasro in Verdis Aida ist ebenfalls ein Mohr. Auch Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal ließen am Ende des „Rosenkavaliers“ „einen kleinen Neger in Gelb“ auftreten, „ein Präsentierbrett mit Schokolade tragend“.

Bei Orlando di Lasso gibt es neapolitanische Madrigale, die er Moresken nennt und in denen neben Figuren der commedia dell'arte auch Mohren als Spassmacher und exotisches Element vorkommen.

Am Bereich der Volksmusik gibt es bis heute in England die sogenannten „Morris dancers“, die höchstwahrscheinlich mit den Moriskentänzern ( vgl. Erasmus Grasser ) verwandt sind. Dieser Morris Dance ist mit dem Square Dance verwandt.

Malerei und Skulptur

Im Bereich der bildenden Kunst sind hervorzuheben:

Die Dienstbotenrolle vieler Mohren in der Kolonialzeit hat sich auch in funktionellen Mohrenfiguren niedergeschlagen, zum Beispiel im sogenannten Rauchverzehrer-Mohr.

Werbung

Der Sarotti-Mohr

Der Sarotti-Mohr, ausgestellt im Imhoff-Stollwerck-Museum
Der Meinl-Mohr mit rotem Fes
Das bis heute verwendete Firmenlogo der „Aachener Thermalwasser Kaiserbrunnen Aktiengesellschaft“ ziert ein Mohr in weißer Livree.

Der 1868 von Hugo Hoffmann gegründete und 1881 durch Übernahme der „Confiseur-Waaren-Handlung Felix & Sarotti“ unter dem Namen Sarotti bekannt gewordene Schokoladenhersteller wirbt seit den 1920er Jahren mit dem „schokoladenbraunen Sarotti-Mohr“ als Firmenlogo. Nach Beendigung des Krieges entwarf die Werbeagentur des Grafikers Julius Gipkens anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Unternehmung, in Anlehnung an die erste Fabrikationsstätte in der Mohrenstraße, das erste Mohrenzeichen: drei Mohren mit dem Tablett. Am 27. August 1918 wurde das Markenzeichen angemeldet.

Die bis heute verwendete Gestalt erhielt der Mohr dann von Gipkens 1920 und wurde 1922 zur eingetragenen Marke. Die Werbefiguren trugen einen Turban und ein Tablett und sollte wohl ursprünglich auf die traditionelle Funktion von Mohren als Bedienstete des Hochadels anspielen. Möglicherweise sollen sie auch auf den Anbau von Kakao in Afrika verweisen (der meiste Kakao kam zu der Zeit allerdings aus Südamerika). Denkbar ist auch, dass damit Sinnlichkeit und gesteigerte Genussfähigkeit assoziiert werden sollen, wie sie in stereotypen Vorstellungen den Bewohnern südlicher Länder zugeschrieben werden. (Wichtig ist in diesem Kontext der Kolonialismus, der in Europa Fantasien vom „sinnlichen Süden“ anregte; siehe Exotismus). Vielleicht geht die Nutzung des Mohren aber auch auf die Produktionsstätte der Neumann'schen Warenhandlung zurück; diese befand sich nämlich eine Zeit lang in der Berliner Mohrenstraße. Der Mohr trat seit 1918 (dem 50-jährigen Bestehen des Unternehmens) auf Produktverpackungen, in der Print-Werbung wie auch ab 1964 in der Fernsehwerbung auf und wurde seither in zahlreichen Formen als Souvenir vermarktet. Seit 2004 wird der Sarotti-Mohr von der Firma Stollwerck offiziell und als Zeichen der politischen Korrektheit als „Sarotti-Magier der Sinne“ bezeichnet. Die Figur wurde farblich umgestaltet und jongliert nun mit Sternen, statt ein Tablett zu tragen.

Der Meinl-Mohr

Auch im Logo der Wiener Kaffeerösterei Julius Meinl findet sich ein „Mohr“. Der Meinl-Mohr trinkt Kaffee, trägt einen hohen roten Fez und die Uniform eines Hotelpagen oder Dienstboten. Er wurde 1924 von dem Grafikdesigner Joseph Binder entworfen und 1965 zu einer abstrakteren Darstellung modernisiert. Auch mit ihm sollten Sinnlichkeit und eine „weltoffene“ und „exotische“ Atmosphäre von südländischen Hotels oder Kolonialherren-Anwesen assoziiert werden. Für die USA hat der Meinl-Konzern das schwarze Gesicht durch Gold ersetzt und begründet dies mit der dortigen Political correctness. In Europa präsentiert sich Meinl weiterhin mit dem traditionellen „Mohren“ mit rotem Fez. Allerdings gibt die Firma offiziell an, der Mohr ähnele einem „sympathischen Barockengel“ und stehe daher für „die europäische Komponente“ der Firma.

Weitere Begriffsverwendungen

Grube Schwarzer Mohr

In der Nähe des bayerischen Ortes Dürrenwaid im Frankenwald gibt es eine aufgelassene und erschloschene Grube mit Namen Schwarzer Mohr.

Apotheken, Gasthäuser, Brauereien, Häuser

„Mohren“ finden sich auch vielfach in den Namen und Wappen von Apotheken, Gasthäusern und Brauereien. Bei den Apotheken ist wohl öfter der Nachname des ersten Besitzers ausschlaggebend gewesen denn die Vorstellung vom Mohren, der dann erst später in die Wappen Eingang gefunden hat. Dagegen wird bei der Benennung von Gasthäusern und Brauereien wohl öfter an den schwarzen König der heiligen Drei Könige angeknüpft.

  • Mohrenapotheken finden sich zum Beispiel in:
    • Deutschland: Aschaffenburg, Bad Langensalza, Bad Salzungen, Baesweiler, Bautzen, Bayreuth, Bergheim, Bielefeld, Bochum, Bremen, Celle, Coburg (seit 1955 in der Mohrenstraße), Dortmund, Eberbach, Erfurt, Erlangen, Friedberg, Fürth, Gelsenkirchen, Görlitz, Halle, Hamburg, Hanau, Hannover, Heidelberg, Heilbronn, Herne, Hofgeismar, Jüterbog, Karlstadt, Kiel, Köthen (Anhalt), Konstanz (Apotheke seit 1788), Kulmbach (1563 eröffnet), Langenfeld, Leipzig-Wiederitzsch, Magdeburg, Mainz, Meerbusch, Meisenheim (erbaut im 16. Jahrhundert), Memmingen, Mühlhausen/Thüringen, München (seit 1438), Nürnberg zu St. Lorenz (erste urkundliche Erwähnung: 1442), Nürnberg-Südstadt, Osnabrück, Schwäbisch Gmünd, Schwäbisch Hall, Torgau, Ulm, Weiden, Wolfsburg, Worms, Wuppertal, Zwickau
    • Österreich: Bad Radkersburg, Graz-Gries, Krems an der Donau, Wien
    • Schweiz: Winterthur
    • vgl. auch die Erzählung Die Leute aus der Mohrenapotheke von Ernst Penzoldt
  • Mohrenbrauereien gibt oder gab es außerdem in Dornbirn, Coburg, Leutkirch im Allgäu (Brauereigasthof „Zum Mohren“), in Ravensburg, in Schwäbisch Gmünd („Drei Mohrenbrauerei“) und in Zwiefalten-Baach.
  • Gasthäuser, Restaurants, Hotels etc. mit dem Titel „Zum Mohren“ finden sich zum Beispiel in:
    • Deutschland: Das Volkshaus zum Mohren in Gotha, ein historisch bedeutsamer Versammlungsort, wurde 2007 abgerissen. Außerdem finden sich entsprechende Lokalitäten in: Aachen, Ansbach, Augsburg (Drei Mohren), Aulendorf, Bad Sachsa, Ettlingen (Drei Mohren), Flensburg, Gotha, Halle (Saale), Heidelberg (Großer Mohr und Kleiner Mohr), Isselburg, Landsberg am Lech, Niederstotzingen, Oberpullendorf, Ottobeuren, Poppenricht (Zu den Drei Mohren), Ravensburg[94], Riedlingen, Rottweil
    • Österreich: Burgeis, Rankweil, Reutte, Salzburg
    • Schweiz: Willisau
    • Südtirol: Prissian bei Meran, Reschen
  • Als Mohrenhaus sind bekannt:
  • In Erfurt gibt es ein Haus zum Mohrenkopf

Straßen, Plätze und Brunnen

  • Bekannt ist die Mohrenstraße in Berlin, die um 1700 nach Afrikanern benannt wurde, die als Sklaven nach Deutschland verschleppt wurden und in Berlin dort wohl untergebracht waren. Viele von ihnen wurden ab 1707 beim preußischen Militär als Spielleute ausgebildet. Die Firma Sarotti hatte in der Mohrenstraße 10 von 1881 bis 1913 ihren Hauptsitz und entwickelte unter anderem aus diesem Umstand heraus ihre Werbefigur, den Sarotti-Mohr. 2004 hat die PDS einen Antrag auf Umbenennung der Straße gestellt, weil der Name rassistisch sei (siehe Political Correctness). Heute haben in der Mohrenstraße das Bundesministerium der Justiz, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtsfragen ihren Sitz.
  • In Deutschland gibt es Mohrenbrunnen in Freising, Eisenberg, Möhringen, Obergünzburg, Tuttlingen[95] und im Kloster Schöntal.
  • In der Schweiz befindet sich ein Mohrenbrunnen in Schaffhausen[96] und Stein am Rhein.
  • In Italien gibt es seit 1575 eine Fontana del Moro in Rom (Piazza Nova). Sie wurde 1655 von Giannantonio Mari nach Zeichnungen von Gian Lorenzo Bernini umgestaltet und zeigt den Kampf zwischen einem Mohren (eigentlich ein muskulöser Triton) und einem Delfin. Außerdem gibt es eine Fontana dei quattro mori im Garten der Villa Lante (Bagnaia). Ein Denkmal mit vier Mohren gibt es außerdem in Livorno und in Marino. In Anlehnung an dieses Motiv nennt sich heute ein bekannter Rotwein aus Castel de Paolis I quattro mori.

"Schwarzer Mann"

Auch die Figur des Schwarzen Mannes, so zum Beispiel als Kinderschreck im Kinderspiel: Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? gehört in diesen Zusammenhang. Dabei ist es unklar, auf was genau der „schwarze Mann“ sich bezieht. Die angebotenen Deutungsmöglichkeiten reichen von einer biosoziologischen Erklärung über Tod, Teufel, Köhler und Schornsteinfeger bis direkt zum Mohren. Wahrscheinlich ist jedoch, dass diese Figur zunächst nicht für dunkelhäutige oder verrußte Menschen steht, sondern allgemein für das dunkle Angstmachende und Böse (siehe im Englischen: Bogeyman). Die mittelalterliche Vorstellung vom Teufel als schwarzem Mohr wurde erst allmählich durch die Vorstellung vom „roten Teufel“ abgelöst.

Flora und Fauna

Mohrrübe, Möhre, Morchel

Blütendolde mit "Mohrenblüte" in der Mitte

Umstritten ist inwieweit die Begriffe Mohrrübe bzw. Möhre mit Mohr zusammenhängen. Im althochdeutschen mor(a)ha, mittelhochdeutschen mohre, morhe, morche, aber auch im mittelniederländischen und altenglischen more für Möhre könnte unter Umständen ein Zusammenhang bestehen. Im 17. Jahrhundert findet sich umgangssprachlich auch der Begriff Mohrrübe. Tatsächlich hat die Wilde Möhre in der Mitte der Blütendolde eine durch Anthocyane schwarz/schwarzrot gefärbte „Mohrenblüte“ (auch „Scheininsekt“), von der sich der Name ableiten könnte. Erst den späteren Kultursorten fehlt diese Mohrenblüte, was dann aber für die Namensgebung nicht mehr relevant war, da sich der Art- und Gattungsname eingebürgert hatte.

Die Morchel (morhila) ist demzufolge ein „möhrenähnlicher Pilz“ oder eine Verkleinerungsform von Möhre, übertragen also Möhrchen. Da sie aber vom Art- bzw. Gattungsnamen herleitbar scheint, ist ein unmittelbarer Zusammenhang mit Mohren nicht gegeben. Andererseits gibt es viele Morcheln, die durch ihre dunkle Kappe durchaus Mohren-Assoziationen wecken.[97]

Mohrenfalter

In der Gattung Erebia gibt es eine Anzahl von Arten, die auf Grund ihrer vorwiegend dunkelbraun gefärbten Flügel als Mohrenfalter bezeichnet werden (Auswahl):

  • Graubindiger Mohrenfalter (Erebia aethiops), er wird auch als Waldteufel bezeichnet
  • Weißbindiger Mohrenfalter (Erebia ligea), er wird auch als Milchfleck-Mohrenfalter bezeichnet
  • Weißbindiger Bergwald-Mohrenfalter (Erebia euryale)
  • Rundaugen-Mohrenfalter (Erebia medusa), auch Frühlings-Mohrenfalter genannt
  • Gelbbindiger Mohrenfalter (Erebia meolans)
  • Gelbäugiger Mohrenfalter (Erebia alberganus), auch Mandeläugiger Mohrenfalter genannt.
  • Schillernder Mohrenfalter (Erebia tyndarus)
  • Graubrauner Mohrenfalter (Erebia pandrose)
  • Kleiner Mohrenfalter (Erebia melampus)
  • Gelbgefleckter Mohrenfalter (Erebia manto)
  • Lorkovi’s Mohrenfalter (Erebia calcaria)
  • Lungauer Mohrenfalter (Erebia claudina)
  • Knochs Mohrenfalter (Erebia epiphron)
  • Freyers Alpen-Mohrenfalter (Erebia styx)
  • Rätzers Mohrenfalter (Erebia christi)
  • Unpunktierter Mohrenfalter (Erebia pharte)
  • Sudeten-Mohrenfalter (Erebia sudetica Staudinger)
  • Alpen-Mohrenfalter (Erebia triaria)
  • Eismohrenfalter (Erebia pluto)
  • Kleiner Mohrenfalter, (Erebia gorge)
  • Blindpunkt-Mohrenfalter, (Erebia mnestra)
  • Doppelaugenmohrenfalter, (Erebia oeme)
  • Ähnlicher Mohrenfalter (Erebia eriphyle)

Weitere „Mohren“-Tiere und -Pflanzen

Im Deutschen gibt es neben den Mohrenfaltern noch einen:

Im Englischen gibt es einen

  • Black moor goldfish.

Weitere „aethiops“-Kennzeichnungen

In der Biologie

Interessanterweise ist die lateinische Namengebung mit „aethiop(i)s“ bzw. „aethiopiacis“ (griech. für „wachsend im Mohrenland“ oder „durch die Sonne versengt“) häufig ein Anzeichen für „mohrenhaftes“ Aussehen, so bei folgenden Tieren:

  • Mohrengesichtige Affen, wie zum Beispiel die Äthiopische Grünmeerkatze (Chlorocebus aethiops) - mitunter auch Mohrenaffe genannt.
  • Schwarzer Käfer, wie der äthiopische Hals- bzw. Schmalbock (Leptura aethiops = Strangalia aethiops), der äthiopische Erdbock (Dorcadion aethiops)[98], der Carinatodorcadion aethiops [99], der äthiopische Laufkäfer (Pterostichus Steropus aethiops), der Schwarze Grabkäfer (Pterostichus aethiops)[100] oder der Schwarze Vierfleck-Gaukler
  • Schmetterlinge wie der Pontia daplidice aethiops
  • Schwarze Ameisen, wie die äthiopische Holzameise (Camponotus aethiops)[101]
  • Schwarze Vögel, wie die äthiopische Kapuzenwollrücken (Thamnophilus aethiops) oder der äthiopische Schmätzer (Myrmecocichla aethiops).
  • Schwarze Schnecken, wie die äthiopische Schnecke (Diloma aethiops)[102]
  • Äthiopischer Schlangenstern (Ophiocoma aethiops)

Schließlich auch bei folgenden Pflanzen:

  • Kakteen wie der äthiopische Säulenkaktus (Cereus aethiops)[103]
  • Pilze wie der äthiopische Rötling (Entoloma aethiops)[104]
  • Dunkler Löwenzahn (Taraxacum aethiops)

Die Zantedeschia aethiopica (äthiopische Zimmerkalla) ist dagegen nicht mohrenhaft, sondern wächst lediglich in Äthiopien.

In der Chemie, Alchemie und Homöopathie

Der Arzt und Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann zählt in seinem von 1793 bis 1798 herausgegebenen „Apothekerlexikon“ folgende „aethiops“-Kennzeichnungen auf:

  • Salvia aethiopis (Mohrensalbei),
  • Mercurius aethiops alcalisatus (alkalisierter Mohr, Quecksilber, abgerieben mit Krebsstein),
  • Aethiops antimonialis („Spießglanzmohr“, Verbindung aus rohem Spießglanz mit Quecksilber),
  • Aethiops martialis („Eisenmohr“, im Wesentlichen Eisenoxydulosyd),
  • Aethiops martis Lemeryi („Lemery's Eisenmohr“),
  • Aethiops mineralis empyrus oder apyrus bzw. Aethiops mercurialis („Mineralmohr“, „mineralischer Mohr“ oder „Quecksilbermohr“, entsteht durch Zusammenreiben des rohen Quecksilbers mit gleichen Teilen schmelzenden Schwefels, siehe auch Zinnober),
  • Aethiops narcoticus („schlafmachender Mohr“ oder „Schlafmohr“),
  • Mercurius aethiops saccharatus („Zuckermohr“, Quecksilber, abgerieben mit Zucker)
  • Mercurius aethiops tartarisatus (Quecksilber, abgerieben mit gereinigtem Weinstein)
  • Aethiops vegetabilis („Pflanzenmohr“, Blasentang, in verdeckten Geschirren schwarz gebrannt und zu Pulver gemacht)

Im Artikel über Quecksilber schreibt Hahnemann: Am häufigsten aber bedient man sich des „Quecksilbers in Zubereitungen. Durch sehr langweiliges Schütteln vor sich, (Aethiops per se) ungleich weniger mühsam aber mit andern Substanzen gerieben, die seine Trennung erleichtern, verwandelt es sich in einen schwarzen Halbkalk, welcher sich leichter als das laufende Metall in Säuren, selbst in der Essigsäure auflöst. In dieser Gestalt ist es vorhanden in den Abreibungen mit Krebssteinen (Merc. Aethiops alcalisatus), [4] mit Harzen, Balsamen, Manna, Zucker (Merc. Aethiops saccharatus) mit gereinigtem Weinstein (Merc. Aethiops tartarisatus) oder mit arabischem Gummi (Mercurius gummosus, Liquor s. Mucilago mercurialis Plenckii)“.[105]

“Aethiops caput“ („Mohrenkopf“) nennt Hahnemann den in der Destillation verwendeten Hutabkühler.

Diese Begrifflichkeiten sind größtenteils bereits vor Hahnemann in der Alchemie und Chemie, seit ihm vor allem in der Homöopathie verbreitet.

Familienname

Siehe Mohr (Familienname)

Sonstiges

Schwarze Dampflokomotiven

Schwarze Dampflokomotive als Mohr

Im Englischen werden unter „black moors“ auch schwarze Dampflokomotiven verstanden.

Schaumwaffelgebäck Mohrenkopf und Süßspeise Mohr im Hemd

Die südwestdeutsche Bezeichnung „Mohrenkopf“ (auch „Negerkuss“) für einen Schokokuss (Schaumwaffelgebäck mit Schokoladenüberzug) stammt vermutlich ebenfalls aus den 1920er Jahren. Sie leitet sich von der dunklen Farbe der Schokolade und der damals gängigen Assoziation von „Mohren“ mit Schokolade her. Die offiziellen Namensgebungen mit rassistischer Tendenz wurden mittlerweile abgeändert; der Alltagssprachgebrauch blieb erhalten. Siehe dazu auch die österreichische Süßspeise Mohr im Hemd.

Mohrle

Im süddeutschen Sprachraum werden schwarze Katzen und Hasen häufig „Mohrle“ genannt (Unsre Katz heißt Mohrle, hat ein schwarzes Ohrle, hat ein schwarzes Fell...).

Biermischgetränk Mohr

Ein Biermischgetränk aus Cola und Hefeweizen wird in Süddeutschland mitunter als Mohr, häufiger jedoch als Neger bezeichnet.

Nickneger

Nickneger waren bis in die 1960er Jahre hinein kleine, meist sitzend dargestellte Mohrenknaben-Statuen, die in katholischen Kirchen standen und auf einen als Geldkassette dienenden Sockel montiert waren. Warf man eine Münze in den Geldschlitz, so wurde über einen Hebelmechanismus der Kopf des Mohren in eine nickende Dank-Bewegung versetzt. Das Geld wurde für Missionszwecke verwendet.[106]

Siehe auch

Literatur

  • Schlamp, M.F.: Der Mohrenkopf im Wappen der Bischöfe von Freising 1930
  • Adolf Wilhelm Ziegler: Der Freisinger Mohr. Eine heimatgeschichtliche Untersuchung zum Freisinger Bischofswappen. München 1975; 1976
  • Dione Flühler: Die Darstellung des Mohren in Mittelalter 1980
  • Peter Schütt: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan ...“ Gibt es Rassismus in der Bundesrepublik? 1981
  • Eckhard Henscheid, Immanuel Kant: Der Neger (Negerl) München 1982 ISBN 3-921499-58-5
  • Thomas Kleber: Der Sarotti-Mohr. Zum ikonographischen und literarischen Umfeld einer Werbefigur 2001
  • Peter Martin: Schwarze Teufel, edle Mohren. Afrikaner in Geschichte und Bewußtsein der Deutschen 2001
  • Sylvia Hahn (Red.): Der Mohr kann gehen. "Der Mohr von Freising". Ausstellungskatalog zur Ausstellung im Diözesanmuseum Freising 23. November 2002 bis 2. März 2003, 2002
  • Mira Alexandra Schnoor: Der Mohr im Wappen. Afrikaner als Schildfiguren bayerischer Gemeinden 2003
  • Susan Arndt und Antje Hornscheidt (Hg.): Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk 2004 ISBN 3-89771-424-8
  • Das Wappen Coburgs. Der Coburger Mohr 2004
  • Rita Gudermann: Der Sarotti-Mohr. Die bewegte Geschichte einer Werbefigur 2004
  • Eva Verma: Hofmohren in: "...wo du auch herkommst" Bi-nationale Paare durch die Jahrtausende Dipa, Frankfurt 1993 ISBN 3-7638-0196-0 (S. 73 - 80) Literatur

Einzelnachweise

  1. Vgl. dazu Mittelhochdeutsches Wörterbuch. Mit Benutzung des Nachlasses von Georg Friedrich Benecke ausgearbeitet von Wilhelm Müller und Friedrich Zarncke. Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1854-1866 mit einem Vorwort und einem zusammengefassten Quellenverzeichnis von Eberhard Nellmann sowie einem alphabetischen Index von Erwin Koller, Werner Wegstein und Norbert Richard Wolf. 4 Bde. u. Indexbd. Stuttgart: S. Hirzel 1990.
  2. französisches Wiktionary
  3. Ditzionariu
  4. italienisches Wiktionary
  5. spanisches Wiktionary
  6. englisches Wiktionary
  7. englisches Wiktionary
  8. Naturhistorisches Museums
  9. May Ayim (1997): Die afro-deutsche Minderheit. In Susan Arndt Hg. (2001): AfrikaBilder.
  10. Wolfgang Menzel: Christliche Symbolik, 1854, S. 371; Walter Hildebrand: Kartause Gaming, 1985, S. 75
  11. Jan van den Hoecke, Sibylle Agrippina
  12. [1]
  13. [2]
  14. [3]
  15. [4]
  16. [5]
  17. Theologische Realenzyklopädie, Bd. IX., 1982, S. 166f.
  18. U. Monneret de Villard: Le leggende orientali sui magi evangelici, 1952, S. 217
  19. [6]
  20. [7]
  21. [8]
  22. [9]
  23. [10]
  24. [11]
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  41. [28]
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  55. [42]
  56. [43]
  57. [44]
  58. [45]
  59. Wappen von Bischof von Tulbeck
  60. [46]
  61. [47]
  62. [48]
  63. [49]
  64. [50]
  65. [51]
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  67. [53]
  68. [54]
  69. [55]
  70. [56]
  71. [57]
  72. [58]
  73. [59]
  74. Louis Ferdinand Freiherr von Eberstein: Geschichte der Freiherren von Eberstein und ihrer Besitzungen, 1865, S. 25ff., 31 und 85
  75. Kronländer: Grafen von Strasoldo, siehe auch [60]
  76. Deutsche Sagen, hrsg. von den Brüdern Grimm, Zweiter Band: 473. Der Schuster zu Lauingen
  77. [61]
  78. [62]
  79. [63]
  80. Lexikon der Städte und Wappen der DDR, VEB Verlag Enzyklopädie Leipzig, 1979
  81. Besondere Kennzeichen: Neger“. Schwarze im NS-Staat. Ein Ausstellungsprojekt des NS-Dokumentationszentrums Köln
  82. [64]
  83. Die Mohrensage
  84. [65]
  85. [66]
  86. [67]
  87. [68]
  88. [69]
  89. [70]
  90. [71]
  91. [72]
  92. [73]
  93. [74]
  94. Abbildung des Wirtshausschilds: Datei:Ravensburg Marktstraße Mohren Wirtshausschild.jpg
  95. [75]
  96. [76]
  97. [77]
  98. [78]
  99. [79]
  100. [80]
  101. [81]
  102. [82]
  103. [83]
  104. [84]
  105. [85]
  106. Darstellung eines 'Nicknegers' auf der Seite 'Christen am Rhein'

Weblinks


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