1. Königlich Bayerisches Infanterie-Regiment „König“

Das 1. Infanterie-Regiment „König“ war neben dem Infanterie-Leib-Regiment der zweite Verband der 1. Infanterie-Brigade der bayerischen Armee. Der Friedensstandort des Regiments war München.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Entstehung

Das Regiment wurde am 1. Juli 1778 aufgestellt und führte folgende Namen:

  • 1778–1790 Leibregiment
  • 1790–1799 1. Grenadier-Leibregiment
  • 1800–1811 Leibregiment
  • 1811–1918 1. Linien-Infanterie-Regiment bzw. Infanterieregiment „König“

Koalitionskriege

Hauptmann Karl von Büllinger erhielt gemäß Kabinettsordre vom 13. Juni 1801 für seine militärischen Leistung während des gesamten Feldzüge gegen Frankreich von 1793 bis 1800 das Militär-Ehrenzeichen (gemäß Armeebefehl vom 1. März 1806 Ritter des Militär-Max-Joseph-Ordens).

Am 2. und 3. November 1805 stürmte der frisch ernannte Bataillons-Kommandant Oberstlieutenant Alois Freiherr von Ströhl an der Spitze seines Verbandes gegen die Schanzen des westlichen Forts am Strubpass, das er trotz Durchschuss am Oberschenkel eroberte. Mit Armeebefehl vom 22. November 1805 wurde ihm hierfür das Militär-Ehrenzeichen verliehen (gemäß Armeebefehl vom 1. März 1806 Ritter des Militär-Max-Joseph-Ordens).

Nachdem Oberlieutenant Anton von Grafenstein mit seinen 60 Schützen als Vorausabteilung am 26. Oktober 1805 Rosenheim besetzt hatte, rückte er zur Innbrücke vor und befahl, diese wieder herzustellen. Die österreichischen Truppen erkannten am 27. Oktober morgens die bayerische Absicht und griffen von Land und über den Inn die Brücke an. Von Grafenstein konnte diese Vorstöße abweisen und nach Eintreffen von Verstärkung in einer schneidigen Bootsfahrt mit einigen Männern über den Inn setzen. Kaum dort gelandet zogen sich die österreichischen Truppe überstürzt zurück, um der Verfolgung zu entgehen. Mit Armeebefehl vom 20. November 1805 wurde Oberlieutenant von Grafenstein mit dem Militär-Ehrenzeichen ausgezeichnet (gemäß Armeebefehl vom 1. März 1806 Ritter des Militär-Max-Joseph-Ordens).

Am 14. Mai 1807 wurde durch Teile des Regiments die Ortschaft Kanth und die Brücke über die Schweidnitz genommen und über 160 preußischen Gefangene gemacht. Oberstlieutenant Johann Baptist Theodor Graf Waldkirch auf Schollenberg griff mit seinen mit 2 Eskadrons Kavallerie und 2 Kanonen verstärkten Bataillon ca. 1400 preußische Schützen/Jäger an und vertrieb sie von ihrer Position, wobei eine preußische Kanone erbeutet wurde. Die beiden Eskadrons attackierten überlegene preußische Kavallerie und verfolgte sie zu hitzig, dass die beiden Eskadrons nicht mehr für das weitere Gefecht zur Verfügung standen. Die zweite Linie der Preußen wurde durch ein Maneuver im Rücken des Feindes ebenfalls geworfen.

Am 24. Juni 1807 befehligte Unterlieutenant Anton Freiherr von Gumppenberg die Avantgarde (Vorhut) während der Erstürmung des verschanzten Lagers bei Glatz und eroberte trotz hartnäckiger gegenwehr als erster die feindlichen Batterie. Hierfür sowie für seine Entschlossenheit und Tapferkeit wurde er mit Armeebefehl vom 15. April 1808 zum Ritter des Militär-Max-Joseph-Ordens ernannt.

Erster Weltkrieg

Kommandeure von 1. August 1914 bis Kriegsende:

  • Oberst Ignaz Frhr. v. Godin (ab 2. August 1914 Gen.-Maj.)
  • Oberstlt. Wilhelm Frhr. v. Freyberg ab 10. April 1915
  • Oberst Anton v. Langlois ab 5. August 1915
  • Oberstlt. Ritter v. Schmidtler ab 1. Juli 1918

Das 1. Infanterie-Regiment war während des gesamten Ersten Weltkrieges im Rahmen der 1. bayerischen Infanteriedivision in Frankreich eingesetzt. Während der Schlacht an der Somme bei Péronne marschierte am 24. September 1914 das Regiment unter dem Kommando der 2. Infanterie-Division der 6. Armee über Péronne nach Dompierre und trat am 25. September 1914 eingesetzt am rechten Flügel der Division in Richtung Cappy und Chuignes an. Durch einen Gegenangriff von überlegenen französischen Territorialtruppen wurde der Angriff des Regiments zurückgeschlagen. Für die Herbstschlacht von La Bassée – Arras (September/Oktober 1915) wurde das Regiment von Péronne abgezogen und südlich Givenchy am rechten Flügel der 1. Infanterie-Division eingesetzt, wo der Angriff von Teilen des III./XII. französischen Armeekorps schon vor den Stellungen des Regiments blutug abgewiesen wurde. Der an wenigen Stellen eingebochene Feind wurde im Nahkampf vernichtet. In der Schlacht von Verdun schaffte das Regiment die Voraussetzung für den Sturm auf Fleury, indem es nach wiederholten Angriffen am 12. Juni 1916 die sogenannten Wabengräben nordwestlich von Thiaumont in Besitz nehmen konnte. Nach den Schlachten bei Verdun wurde das Regiment an der Somme eingesetzt. Im Oktober 1916 hielt es im Wald von St. Pierre Vaast ostwärts von Rancourt am linken Flügel der 1. Infanterie-Division unerschütterlich seine Stellungen gegen die wütenden französischen Angriffe. Am Chemin des Dames bei Ailles wurde das Regiment zur Verstärkung an die Front geworfen und vermochte sie wirksam zu stabilisieren. Im Zuge der Abwehrkämpfe zwischen Oise und Aisne wurde das Regiment, am rechten Flügel der 1. Infanterie-Division, am 20. August 1918 ostwärts von Loges zum Gegenstoß eingesetzt. Es konnte wegen seiner bereits deutlich verringerter Gefechtsstärke die alten Stellungen nicht mehr in Besitz nehmen. Der französische Angriff aber kam vor Blérancourt zum Stehen, so dass die Absetzbewegungen geordnet durchgeführt werden konnten. Am 22. August 1918 besetzte das Regiment die vorbereiteten Stellungen ostwärts des Oise-Aisne-Kanals und der Ailette zwischen Vilette und Champs. Am 26. September 1918 wurde das Regiment ostwärts von Somme-Py – Tahure den angreifenden Franzosen entgegen geworfen und es gelang, den Feind nochmals über die Bahnlinie Somme-Py – Challerange zurückzuwerfen. Diese Linie konnte es für die nächsten Tage gegen die Angriffe der französischen und amerikanischen Truppen halten. Anfang Oktober 1918 sollte das Regiment, das nur noch die Gefechtsstärke eines verstärkten Zuges hatte, aus der Front herausgezogen werden, aber wurde trotzdem zur Bereinigung eines kritischen Lage bei St. Etienne am 4. Oktober 1918 in den Kampf geworfen und opferte sich dabei nahezu vollständig auf. Am 21. Oktober 1918 griffen die Reste des Regiments, unterstützt durch die 242. württembergische Infanterie-Division, ostwärts von Vouziers auf der Linie Landèves – Chamiot an und konnte die Franzosen, die bereits auf dem Westufer der Aisne einen Brückenkopf gebildet hatten, an einem weiteren Vormarsch bis zum 4. November 1918 weitestgehend hindern. Am Ende des Krieges stand das Regiment ostwärts Sedan. Am Tage des Waffenstillstands, dem 11. November 1918, verlegte es von dort über Koblenz nach Hungen, das Anfang Dezember 1918 erreicht wurde.

Ritterkreuzträger des Militär-Max-Joseph-Ordens während des Ersten Weltkriegs:

  • 28. August 1914 Hptm Balduin von Winckler (gefallen am 6. September 1917)
  • 2. Oktober 1914 Lt Kurt Hopffer (gefallen am 2. Juni 1916)
  • 25. Oktober 1914 OLt d. Res. Karl Gruny
  • 28. Juni 1916 Lt d. Res. Otto Lang (gefallen am 12. Juni 1916)
  • 27. Mai 1916 OLt Wolfgang Eder (gefallen am 13. März 1916)
  • 1. November 1916 Lt d. Res. Joachim Hitzen (gefallen am 13. Oktober 1918)
  • 23. März 1918 Maj Eugen Ritter von Schobert
  • 21. Oktober 1918 Maj Johann Schmidtler

Pour le Mérite

  • Major Johann Schmidtler, verliehen am 26. Oktober 1918, damals Kommandeur des Regiments

Tradition nach 1918

Die Tradition des Regiments übernahmen in der Reichswehr die 3., 6. und 8. Kompanie des (bayerischen) Infanterie-Regiments 19.

Literatur

  • „Das K. B. 1. Infanterie-Regiment König“ (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, bayer. Anteil, Band 8, München 1922)
  • „Das Bayernbuch vom Weltkriege 1914–1918“, I. Band, Konrad Krafft von Dellmensingen, Friedrichfranz Feeser, Chr. Belser AG, Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1930

Siehe auch


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