Belisarios
Belisar als Bettler auf einem Gemälde von Jacques-Louis David

Flavius Belisarius oder auch Belisarios (griechisch Βελισάριος, * um 505; † 565) war ein oströmischer General und Feldherr des Kaisers Justinian I. Laut Prokop stammte er vom Balkan, und zwar aus der Region Germania, die zwischen Thrakien und dem Illyricum lag.

Leben

Als Offizier in der privaten Leibgarde (lat. bucellarii) Justinians befand sich Belisar schon früh im Gefolge des künftigen Kaisers und war ihm auch persönlich verpflichtet. Wahrscheinlich verband beide auch die gemeinsame Muttersprache Latein. Als Justinian im Sommer 527 alleiniger Augustus wurde, erhob er Belisar, damals dux Mesopotamiae, zum magister militum per Orientem, also zum Oberbefehlshaber im Krieg gegen die persischen Sassaniden. 532 schlug Belisar den Nika-Aufstand in Konstantinopel nieder. Die Zirkusparteien der Blauen und Grünen hatten sich dazu vereinigt und im Hippodrom einen Gegenkaiser ausgerufen. Während Justinians Kämmerer Narses mit den Aufständischen verhandelte und die Parteien zu spalten versuchte, drang Belisar mit Truppen ins Hippodrom ein, metzelte die dort versammelten Aufständischen nieder und rettete damit Justinian den Kaiserthron.

Außenpolitisch spielte er eine maßgebliche Rolle bei Justinians Versuch einer Wiedererrichtung des Imperium Romanum in seiner alten Größe. Gegen die Sassaniden hatte er ja bereits um 530 als magister militum per Orientem gekämpft (siehe auch Römisch-Persische Kriege). Dabei wechselten sich große Siege (Schlacht bei Dara) und Niederlagen (bei Callinicum) ab. Nach letztgenannter Schlacht wurde Belisar 531 zunächst seines Kommandos enthoben und nach Konstantinopel zitiert; erst während des besagten Nika-Aufstandes gelang es ihm, wieder Justinians Gunst zu erlangen. Mit einem Heer von ca. 15.000 Mann (wobei unklar ist, ob sich diese Zahl einschließlich der mehrere tausend Mann zählenden Leibgarde Belisars versteht) setzte er 533 nach Africa über und vernichtete dort durch die Schlachten von Ad Decimum und Tricamarum völlig überraschend das Vandalenreich. Für diese Glanzleistung wurde ihm eine Art Triumphzug gewährt – der erste seit fast 500 Jahren, der nicht von einem Kaiser angeführt wurde –, allerdings musste Belisar, der sich in Karthago auf den Königsthron gesetzt hatte, vor dem Kaiserpaar niederknien. Offenbar sollte ihm seine Rolle als Nachgeordneter bewusst gemacht werden, der den Sieg lediglich im Namen des Herrschers errungen hatte. Von 535 bis 540 sowie von 544 bis 548 bekämpfte er die Ostgoten in Italien und focht in Africa gegen den Rebellen Stotzas. Dabei wurde er unter anderem von seinem Leibwächter Traianus begleitet. Belisar verteidigte das Reich ab 541 zudem abermals gegen die Sassaniden.

Wichtigste Quelle ist der Historiker Prokopios von Caesarea (Prokop), der Belisar auf seinen Stationen von 527 bis in die 540er Jahre als assessor begleitete. Er bewunderte Belisar zunächst, verachtete aber dessen untreue Frau Antonina, die zudem eine Freundin der Kaiserin Theodora I. war, die Prokop mit ganzer Inbrunst hasste. Später machte Prokop Belisar schwere Vorwürfe: Belisar habe sich gegenüber seiner Frau nicht durchsetzen können und sei zudem in Italien oft unentschlossen gewesen; offenbar war Belisar in politischen Angelegenheiten weniger versiert als in militärischen. Diese Kritik schlug sich massiv in Prokops Geheimgeschichte nieder, teils aber auch schon in seinen Kriegsgeschichten. Viele Forscher nehmen an, Prokop und viele Senatoren hätten gehofft, Belisar werde gegen den unbeliebten Justinian aufbegehren; als der Feldherr dem Kaiser treu blieb, schlug die Begeisterung in Ablehnung um.

Justinian vertraute zudem seinem einstigen Freund Belisar nach 540 dennoch nicht mehr vollkommen. Zuerst kam es schon während des Afrikafeldzugs zu Verstimmungen, dann wegen Belisars Verhalten in Italien, wo er zwar 540 kampflos Ravenna einnahm, aber zuvor die Kaiserwürde des Westens aus der Hand der Ostgoten (angeblich zum Schein) angenommen hatte, was Justinian zutiefst verärgerte. Belisar litt später darunter, dass ihm kaum noch Truppen zur Verfügung gestellt wurden. Während seines zweiten Italienfeldzugs (544–548) verließen ihn zudem Glück und Talent, daneben fehlte es an Soldaten, da diese im Osten gegen die Sassaniden gebraucht wurden, die 540 den 532 geschlossenen Ewigen Frieden mit den Römern gebrochen hatten. Er wurde schließlich abberufen (den entscheidenden Sieg über die Ostgoten errang 552 sein ewiger Rivale Narses), verteidigte die Hauptstadt dann aber 559 noch einmal erfolgreich mit einer eilig aufgestellten Truppe gegen hunnische Angreifer. 562 wurde er beschuldigt, an einer Verschwörung gegen den Kaiser beteiligt gewesen zu sein. Er starb um 565 wohl in Konstantinopel.

Das Belisar-Epos überliefert die (unhistorische) Legende, der Feldherr sei als blinder Bettler unter der Porta Pinciana in Rom gestorben – vermutlich ein Reflex auf die Hochverratsanklage von 562.

Siehe auch: Prokopios von Caesarea und Justinian I. (bezüglich der Feldzüge findet sich im Artikel Römisch-Persische Kriege eine detailliertere Darstellung)

Literatur

Weblinks


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