Bellacoola
Verbreitung der Salish-Sprachen

Die Bellacoola oder Nuxalk sind ein Indianer-Stamm aus der Sprachfamilie der Salish. Sie leben an den Ufern des Bella-Coola Rivers in British Columbia, in einem bis 1906 bzw. 1955 isolierten Fischerdorf. Heute steht ihr Dorf Qomqots nahe der Stadt Bella Coola.

Die Bellacoola nennen sich selbst Nuxalk während Bella-Coola eine Verballhornung des Heiltsuk-Wortes für die Nuxalk ist. Ursprünglich umfasste der Name den Stamm gleichen Namens, aber auch die Talio, Kimsquit und einige Kwatna, die in Dörfern am South und North Bentinck Arm und im Bella Coola-Tal lebten, aber auch am Dean Channel und am Kwatna Inlet. Bis zu den 1920er Jahren hatten diese Stämme jedoch ihre Dörfer aufgegeben und amalgamierten mit den Nuxalk. Erst Ende der 70er Jahre begannen die Bella Coola, sich Nuxalk Nation zu nennen.

Ihre Sprache gehört zur Salish-Sprachfamilie, jedoch bilden sie damit eine Insel zwischen den Nachbarvölkern, die entweder der Sprachfamilie des Wakash oder des Athapaskischen angehören. Dabei haben sie große kulturelle Ähnlichkeiten mit den Heiltsuk, ihren Nachbarn entwickelt, die aber eine Wakash-Sprache sprechen.

Die Nuxalk gehören einem Stammesrat, dem Oweekeno-Kitasoo-Nuxalk Tribal Council an.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

- s. a. Geschichte der Küsten-Salish

Das frühere Hauptdorf der Bella Coola, Qomq'-ts, lag an der Mündung des gleichnamigen Flusses. Die Gesellschaft gliederte sich, wie bei allen Küsten-Salish, in drei Klassen, die einer gleichsam adligen Oberschicht, dazu die einfachen Stammesmitglieder und Sklaven. Die bemalten Häuser gehörten dabei den Familien mit dem höchsten Rang.

Jedes Stammesmitglied war durch Lineages, Verwandtschaftslinien, mit einem mythischen Urahnen verbunden. Diese stammten jeweils von einem der umgebenden Berggipfel und waren von diesen herabgestiegen, um eine Lineage zu begründen. Ehebande verknüpften die Lineages und die Dörfer miteinander, wobei der Wohnort meistens in der väterlichen Familie gewählt wurde, jedoch war dies nicht zwingend. Die großen Plankenhäuser[1] beherbergten bis zu sechs Familien.

Die Zeremonien des Stammes waren, selbst für die Verhältnisse der Küsten-Salish, sehr komplex. Beherrschende Elemente waren der Potlatch und zwei Geheimgesellschaften, die Sisaok und die Kusiut. Nur die Kinder von Häuptlingen und bestimmte Verwandte konnten Mitglied werden, jedoch erst nach einem Einweihungsritual. Dazu gehörte der Rückzug aus der Gemeinschaft und die Präsentation einer maskierten Figur bei der Rückkehr, die die neue Stellung des Mitglieds darstellte. Die Mitglieder der beiden Gesellschaften traten überwiegend bei Potlatches und Beerdigungen auf.

Dabei dominierten die Kusiut die Winterzeremonien, wobei jede(r) von ihnen einen Namen erhielt und einen übernatürlichen Schutzherrn, dessen Tanz er aufführte.

Auch die Nuxalk lebten überwiegend vom Lachsfang, aber auch vom Kerzenfisch (Eulachon oder Ooligan). Lachs wurde dabei rauchgetrocknet und diente als Handelsgut, ebenso wie der verarbeitete Kerzenfisch.

Europäer

1793 berührte George Vancouver die Gewässer der Nuxalk. Wenige Wochen später erreichte eine Expedition Alexander Mackenzies das Gebiet, die mit großem Aufwand empfangen und sehr freigebig behandelt wurde. In Nusqalst („großes Dorf“) fand er vier große Plankenhäuser auf Hügeln vor, dazu sieben kleinere. Auch erreichten sie Q’umk’uts, wo Mackenzie und seine neun Begleiter zunächst zahlreiche kleine Häuser passierten, und wo sie schließlich auf sechs sehr große Häuser trafen. Sie wurden von nur vier Männern, wohl Häuptlingen, und ihren Familien bewohnt. Schließlich hielt Mackenzie auf einem Felsen an der Pazifikküste durch eine Inschrift fest, dass er am 22. Juli 1793 (eigentlich schon am Vortag) diese Küste erreicht hatte.[2]

Das Handelsgebiet der Nuxalk war sehr weitläufig, und Mackenzie wunderte sich, wie einer der Häuptlinge zu einem Blechknopf gekommen war. Sie lieferten bereits zu dieser Zeit Pelze an die Heiltsuk, die wiederum mit den europäischen Pelzhändlern Kontakt aufnahmen. Umschlagplatz war dort seit den 1830er Jahren die Handelsstation der Hudson's Bay Company (HBC) in Bella Bella, Fort McLoughlin.

Mit dem Cariboo-Goldrausch kamen Anfang der 1860er Jahre tausende von Goldschürfern nach Bella Coola. 1862 grassierte eine schwere Pockenepidemie, die wohl mehr als drei Viertel der Bevölkerung das Leben kostete. Die Überlebenden gaben ihre Dörfer überwiegend auf und wohnten nach 1863 in Q'um'kuts.

Dort errichtete die HBC 1867 einen Posten, zunächst auf einem Boot, dann beim Dorf. Doch gab die Gesellschaft den Posten bereits 1882 wieder auf und verkaufte ihn an John Clayton, dessen Familie ihn bis ins 20. Jahrhundert hinein fortführte. Doch dominierte nicht mehr der Pelzhandel sondern die Ausfuhr von Kartoffeln und von Korbwaren und Schnitzwerken. Die Schnitzwerke der Nordwestküste, besonders die Totempfähle, wurden binnen weniger Jahre weltberühmt und zu begehrten Sammelobjekten.

Dennoch versuchte die kanadische Regierung, die Kulturen der Indianer auszulöschen. Auch die Kinder von Bella Coola mussten in eine Residential School gehen, wo sie ihre Muttersprache nicht mehr benutzen durften. Rituale wurden streng verboten und bei einer Gelegenheit erschien sogar ein Kanonenboot vor dem Dorf, um die Verbote vor allem des Potlatch (1884) gewaltsam durchzusetzen.

Am 30. Oktober 1894 kamen 79 namentlich bekannte Norweger nach Bella Coola.[3] Bis dahin lebten nur 8 Nichtindigene unter den Nuxalkmc. Reverend Christian Saugstad hatte die 74 Menschen aus Crookston, Minnesota hierher geführt, vertrieben durch religiöse Auseinandersetzungen innerhalb der Lutheranischen Kirche, angezogen durch die vorteilhaften Beschreibungen des norwegischen Völkerkundlers B. F. Jacobsen und der ebenso günstigen Ansiedlungsbedingungen, die die Provinzregierung bot. Ihm schlossen sich fünf weitere Norweger aus Seattle an. Ihnen folgten im nächsten Jahr weitere 98 Kolonisten, wobei jeder der Siedler 160 Acre Land erhielt, worauf ein Haus zu erbauen war. Es entstand eine Poststation in Kristiania (später nach dem Inhaber Hagensborg genannt) und eine Schule.

1904 entschlossen sich die Siedler, ihren Hauptort auf die Nordseite des Flusses zu verlagern, eine Entscheidung, der sich die Nuxalk überwiegend anschlossen. Der neue Ort war einfacher per Schiff zu erreichen. Es folgten Brückenbauten und bis in die 30er Jahre prosperierte der Ort. Doch starke Überschwemmungen zwangen die Siedler, wieder auf den alten Siedlungsort an der Südseite zurückzugreifen und die neue Stadt aufzugeben.

Union Steamships bot von 1906 bis Mitte der 1950er Jahre eine wöchentliche Verbindung von Vancouver nach Bella Coola an. Doch von hier bis zum Chilcotin-Gebiet gab es nur Trails, auf denen sich Pack-Trails durch die wilde Landschaft schlängelten. Dennoch wäre die Region ohne den Ersten Weltkrieg wohl völlig anders entwickelt worden. 1912 gab es einen regelrechten Landboom im nordostwärts gelegenen Ootsa Lake District. Die Pacific and Hudson's Bay Railway betrachtete die Region als einen möglichen Endpunkt für ihre transkontinentale Eisenbahnverbindung. Doch der Erste Weltkrieg und danach der Niedergang der nordamerikanischen Eisenbahnen beendeten das Projekt.

Selbst ein Straßenbau scheiterte in den 30er Jahren an den enormen Kosten. Während des Zweiten Weltkriegs sollte die Expedition Polar Bear eine Straße zum Aniham Lake bauen, doch wurde auch dieses Projekt abgebrochen.

1952 bis 1955 bauten die Bewohner von Bella Coola die Freedom Road genannte Straße, zu der die Regierung ganze 50.000 CAD beisteuerte. Damit hatte Kanada eine dritte Verbindung zum Pazifik durch das Küstengebirge.

Gleichzeitig schlug die Holzindustrie gewaltige Lücken in das riesige Urwaldgebiet. Dieser Prozess hatte bereits um 1900 eingesetzt, verstärkte sich aber in den 40er Jahren. Zudem entstanden Fischfabriken und -farmen, die selbst die enormen Fischbestände der Region überforderten.

Reservate

Die Nuxalk besitzen 7 Reservate. Das mit Abstand größte ist Bella Coola 1 mit 1355,5 ha, das an der Mündung des gleichnamigen Flusses liegt. Nooseseck 2 (5,3 ha) liegt an der Mündung des gleichnamigen Flusses in die Green Bay, am North Bentinck Arm des Burke Channel. Taleomey 3 (202,3 ha) bezieht seinen Namen ebenfalls von einem Fluss, liegt aber am South Bentinck Arm. Kwatlena 4 (53 ha) liegt am Kwatna River in der Kwatna-Bucht, Kemsquit 1 (203,2 ha) liegt dagegen an der Mündung des Dean River, Chatscah 2 (173,2 ha) an der Mündung des Kimsquit River am Nordende des Dean-Kanals, wo auch Skokwiltz River 3 (32,4 ha) liegt.

Im August 2008 waren 1.484 Menschen als Stammesangehörige der Nuxalk Nation registriert, von denen 791 im Reservat lebten, 27 in anderen Reservaten und 666 außerhalb.[4]

1996 gab es hingegen nur 1.185 registrierte Nuxalk, davon lebten 706 im Reservat. Etwa 200 sprachen 1998 noch ihre Muttersprache.

Aktuelle Situation

Die Bevölkerungszahl hat sich von den Katastrophen des 19. Jahrhunderts erholt, doch dominieren die Nachkommen der Siedler das Gebiet. Die Nuxalk leben heute in einem eigenen Dorf, doch sind ihre Strukturen nicht mehr vom Ort Bella Coola zu trennen.

Der Stamm versucht, die vorhandenen Traditionen zu pflegen und - so weit möglich - verlorene wieder herzustellen. Der erste Erfolg war die Einrichtung der Kii Kii Tii Nursery School in den 70ern. Ein wichtiges Mittel ist die Schule mit dem sprechenden Namen Acwsalcta, was Ort des Lernens bedeutet. Hier werden traditionelle Techniken und Künste, aber auch Gesang, Tänze und die Sprache der Nuxalk unterrichtet. Anlass zur Gründung waren 1982 große Probleme, die so weit führten, dass 38 Familien ihre Kinder aus der Schule nahmen. 1987 eröffnete die neue Schule ihre Pforten. Am 17. Mai 2007 feierte die Schule ihr zwanzigjähriges Bestehen, wobei ein neuer Totempfahl aufgestellt wurde.[5]

Anmerkungen

  1. Im Royal British Columbia Museum von Victoria befindet sich ein Foto, das Nuxalk vor einem Langhaus abbildet: Entstehungszeit ca. 1894, unbekannter Fotograf, Katalognr. HP066361.
  2. Eine Abbildung von diesem Mackenzie Rock mit der Inschrift „Alex Mackenzie from Canada by land 22o July 1793“ findet sich hier: [1].
  3. Quellen zur norwegischen Kolonie: [2].
  4. Nach den Angaben des Department of Indian Affairs and Northern Development, First Nation Profiles: [3].
  5. Ein Video der Feierlichkeiten findet sich auf YouTube: [4].

Literatur

  • T.F. McIlwraith, The Bella Coola Indians (2 Bde), überarbeitete Aufl. 1992
  • C. Mack, Bella Coola Man: More Stories of Clayton Mack, 1994
  • Eric Faa, Norwegians in the Northwest 1858-1918, Runestad Press 1995
  • Thomas Forsyth McIlwraith, The Bella Coola Indians, University of Toronto Press 1948
  • Paula Wild, One River, Two Cultures: A History of the Bella Coola Valley, Harbour Publishing 2004

Siehe auch

Weblinks


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