Bellemer Heiner

August Heinrich (* 20. September 1881 in Bellheim; † 5. Mai 1965 ebd.) war ein deutscher Schauspieler und Schriftsteller. Deutschlandweit bekannt wurde er als Pfälzer Mundartdichter unter dem Künstlernamen „Bellemer Heiner“.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Heinrich wurde als achtes Kind einer Krämerfamilie geboren. Mit seiner Ehefrau Helene hatte er eine Tochter (Margarete, * 1913 in Köln).

Ausbildung und Beruf

Im elterlichen Geschäft lernte Heinrich zunächst den Beruf des Kaufmanns. Nachdem er bereits Deutschland, Frankreich und die Schweiz kennengelernt hatte, reiste er 1904 in die USA. Dort schlug er sich zwei Jahre lang mit verschiedenen Gelegenheitsjobs durch, u. a. als Reinigungskraft in Philadelphia, als Gärtner und Kellner in St. Louis sowie als Telegrammbote in Oklahoma City. 1906 heuerte er in San Francisco als Koch auf einem Frachtdampfer an und gelangte über Hawaii, Neuseeland und Australien zurück nach Deutschland.

1907–09 absolvierte Heinrich eine Ausbildung zum Schauspieler an der Reicherschen Hochschule für Dramatische Kunst in Berlin. Während eines knappen Jahrzehnts übernahm er dann - unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, in dem er 1915/16 als Landsturmmann eingesetzt war - Bühnenrollen in Deutschland und den USA, z. B. in „Wallenstein“ (Schiller), „Romeo und Julia“ (Shakespeare) und „Die Wildente“ (Ibsen).

Pfälzer Mundart

1920 erschien Heinrichs erster Band mit Gedichten in Pfälzer Mundart unter dem Titel Knepp und Schnitz. Ab 1922 trat er, von seinem Dichterfreund Philipp Ernst Kiefer „Bellemer Heiner“ (pfälzisch für „Bellheimer Heinrich“) getauft, unter diesem Künstlernamen zunächst in der Südpfalz, später in der gesamten Region, mit Mundartvorträgen bei Heimatabenden und ähnlichen Veranstaltungen auf. Auch seine späteren Bücher gab er unter dem Pseudonym heraus. Schon in den 1920er Jahren konnte er von seinem anfänglichen Hobby leben. Sein großes Plus war die in der Schauspielerausbildung geschulte Interpretationskunst.

Während der Zeit des Nationalsozialismus benutzten die politischen Machthaber die Popularität Heinrichs, welcher der Naziideologie sehr unkritisch „frischen Wind“ bescheinigte, und arrangierten „Bellemer-Heiner-Abende“ sogar in Großstädten außerhalb der Pfalz, wie z. B. in München oder Nürnberg. Die verbalen Fehlformulierungen im Dritten Reich taten seiner Beliebtheit allerdings keinen Abbruch. Seine zehn Gedichtbände, meist auf Pfälzisch, zwischen 1920 und 1964 herausgegeben, fanden weiterhin reißenden Absatz, und von 1952–62 wurde seine Wochenendkolumne „Spätles“ in der damaligen Landauer Tageszeitung Vorderpfälzer Tageblatt abgedruckt.

Werke

(Auswahl)

  • Knepp und Schnitz (wörtlich „Knöpfe und Schnitze“ für „Kartoffelklöße und Apfelschnitze“, ein Gericht der Pfälzer Küche), 1920
  • Für stille Stunden zum Strauß gebunden. Hochdeutsche Dichtung. Verlag Zechner, Speyer 1931
  • Die Hettemer un die Wammer („Die Hätten wir und die Wenn wir“), 1950
  • E Dutt voll Rosine („Eine Tüte voll Rosinen“), 1964
  • Ich war zufriede mit de Welt, Neuauflage 1981
  • Vun allem e bissel. Aus dem Nachlass herausgegeben vom Kulturverein Bellheim mit Zeichnungen von Andreas Rüdiger, Bellheim 2003, ISBN 3-929893-510-0 (formal falsche ISBN)
  • Vum Welttheater. Aus dem Nachlass herausgegeben vom Kulturverein Bellheim mit Zeichnungen von Herbert Gawrisch, Bellheim 2005, ISBN 3-929893-18-5

Ehrungen

Bereits 1929 setzte der Verkehrsverein des Weindorfes St. Martin Heinrich ein Denkmal im „Dichterhain“ der Schwalbenfelsen - einen Steinblock mit seinem Relief. 1951, zum 70. Geburtstag, verlieh ihm sein Heimatort Bellheim die Ehrenbürgerschaft.

Literatur

  • Hans Blinn: Millione haw ich froh gemacht. Der Mundartdichter August Heinrich, genannt „Bellemer Heiner“. Lebensverse. Verlag Pfälzer Kunst, Landau 1991, ISBN 3-922580-31-9

Weblinks


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