Bellen
Bellender Schäferhund
Bellender Rat Terrier

Das Bellen (Kläffen) ist die häufigste Lautäußerung der Haushunde. Im Deutschen sind zwei lautmalerische Schreibweisen typisch: „Wau“ und „Wuff“. „Jaul“ (oder dänisch „Jåul“, auch russisch „gaf-gaf“) ist hingegen keine Onomatopoea für das Bellen, sondern für das Jaulen, eine andere Lautäußerung des Haushunds (Canis lupus familiaris).

Inhaltsverzeichnis

Sinn des Bellens

Während Wölfe fast nie bellen, verständigen sich Hunde sehr viel häufiger über Gebell. Die Grimassierspiele junger Wölfe sind in den Spielen junger Hunde untereinander oft durch Bellspiele ersetzt.[1]

Dass Haushunde häufiger bellen als Wölfe, stellt wohl eine evolutionäre Anpassung an das Leben mit Menschen dar.[1] Die Bereitschaft dazu wird vererbt und ist bei verschiedenen Hunderassen unterschiedlich stark ausgeprägt. Sie muss vom Individuum nicht erst durch den Umgang mit Menschen erlernt werden. Auch Wölfe und andere Arten der Gattung Hunde bellen, jedoch nur in wenigen Situationen. Welpen bellen hingegen häufiger, was die Theorie zulässt, dass beim Hund während der Anpassung und Züchtung durch den Menschen speziell die welpentypischen Eigenschaften und Verhaltensweisen gefördert und über seine gesamte Lebensdauer ausgedehnt wurden. Der erwachsene Haushund ähnelt in seinem Verhalten also dem Welpen des Wolfes.

Bedeutung des Bellens

Grob gibt es sechs Möglichkeiten, warum ein Hund bellt:

  • das Nervositäts- oder Aufregungsbellen
  • das Aufmerksamkeitsbellen
  • das Angstbellen
  • das Frustrationsbellen
  • das Abwehr- oder Verteidigungsbellen
  • das Bellen auf Befehl

Das häufigste Bellen ist das Aufmerksamkeitsbellen, jedoch ist es je nach Hund, Rasse und Besitzer unterschiedlich.

Wölfe

Der Wolf ist der nächste Verwandte des Haushundes. Er bellt nur selten und wenn, dann ist es ein kurzes, leises und einsilbiges „Wuff“. Dieses Bellen wird angewandt, wenn sich ein fremdes Wesen oder ein fremder Wolf dem Rudel nähert. Der bellende Wolf warnt somit seine Rudelkameraden. Ansonsten bellt der Wolf nicht, es gibt aber auch wenige Ausnahmesituationen, wie beispielsweise bei Rudelkämpfen, wo ab und zu auch gebellt wird.

Die Welpen bellen jedoch oft zu den Eltern. Sie wollen damit Warnung, Angst, etc. ausdrücken. Erwachsene Tiere heulen meistens (siehe unten). Sie heulen aus Gründen wie zum Beispiel bei der Jagd, zum Kontaktieren anderer Wölfe oder bei Alarm.

Gezähmte, domestizierte Wölfe bellen nicht, deren Kindeskinder (wenn sie noch mit Menschen leben) beginnen jedoch, wie Haushunde zu bellen (beachte oben „Sinn des Bellens“). Ähnlich verhält es sich bei Füchsen.

Wölfe und Haushunde

In den Situationen, bei denen Haushunde bellen, heulen Wölfe bzw. umgekehrt.

Wenn Wölfe eine Zeit lang mit Haushunden zusammenleben, passiert es oft, dass Wölfe bellen anstatt zu heulen. Bellen scheint sich auch in der Wildnis durchzusetzen: Koj-Hunde, also Mischlinge aus Kojoten und Haushunden, bellen.

Andere Hundeartige

Füchse

Füchse bellen und/oder käckern. Das Bellen ist ein lautes, nahezu heiseres kurzes „Hau“. Sie geben diese Laute bei Gefahr, Revierverteidigung und zum Lockruf in der Ranzzeit. Das Käckern findet während eines Kampfes mit einem Rivalen statt oder zur Verteidigung der Beute gegenüber Artgenossen oder Neidern.

Kojote

Kojoten bellen selten, meist pfeifen, heulen oder „rufen“ sie. Der Warnruf (ähnlich dem Wolf) klingt jedoch wie das Bellen eines Haushundes. Häufig klingt das Heulen in ein Bellen ab, was aber meist ungewollt ist.

Schakale

Schakale bellen bei der Jagd, sonst ähnlich dem Fuchs.

Sonstige Tiere

Auch andere Tiere können bellen oder geben ein Gebell-ähnlichen Laut von sich. Hyänen haben ein lachendes und grobes Bellen. Seehunde und Seelöwen können beispielsweise bellen, wobei man beachten muss, dass sie zu den Hundeartigen gehören. Muntjak heißen auf englisch „Barking Deers“ („bellende Hirsche“), denn sie geben bei Erregung einen ähnlichen Laut von sich. Auch das „Schrecken“ der Rehe, das als Warnruf dient, klingt wie ein Bellen. Fledermäuse bellen nicht, aber das Geschrei mancher Arten erinnert schon an ein Gebell. Das wohl interessanteste Tier ist jedoch die Shushupe, eine vier Meter lange Giftschlange (eine der giftigsten in Amerika) aus der Gruppe der Grubenottern, die im peruanischen Urwald lebt. Für die Indios ist das Gebell ein Zeichen für die Flucht, denn die Schlange springt einem Menschen sogar bis zum Hals hoch. Auch manche Vogelarten geben Laute von sich, die an das Bellen des Haushundes erinnern. Das gilt insbesondere für Papageien, die zusammen mit Hunden gehalten werden.

Entstehung des Bellens

Er jault lieber: Der Basenji

Das Bellen eines Hundes kommt, wie die Laute bei jedem anderen Tier, aus dem Kehlkopf. Für das Bellen muss der Kehlkopf jedoch relativ groß sein. Die Urhunde konnten vermutlich nicht bellen – ihr Kehlkopf war zu flach. Der Urhund hat vermutlich gejault. Einige seiner Nachkommen, wie der australische Dingo oder der zentralafrikanische Basenji (Kongo-Terrier), haben heute noch einen urtypischen flachen Kehlkopf, und können daher nicht so gut bellen. Diese Hunderassen heulen oder jaulen dafür häufiger.

Heulen

Viele Hunde heulen, anstatt zu bellen. Insbesondere in Trennungssituationen oder auch bei Rüden, die läufige Hündinnen riechen, kann dieses Heulen sehr ausgeprägt sein. Generell haben sich die Haushunde das Heulen wahrscheinlich weitgehend abgewöhnt, weil die Tiere keine Jagd mehr brauchen und beim Zusammenhalt des Rudels Heulen nicht mehr notwendig ist (siehe oben „Wolf“). Eine intensiv heulende Rasse ist beispielsweise der Siberian Husky.

Gesetz

Das Bellen des Nachbarhundes kann gerichtlich eine Art Belästigung sein (§§ 906 (Zuführung unwägbarer Stoffe) und § 1004 (Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch) des BGB). Die Voraussetzung ist, dass das Hundegebell das Maß, das als ortsüblich geduldet werden muss, übersteigt.

Debarking

In einigen Ländern der Welt ist es üblich, das Hundegebell durch Entfernung eines Teils der Stimmbänder zu dämpfen. Diese als Debarking bekannte Praxis ist in England sowie in jenen EU-Ländern verboten, welche die sogenannte „European Convention for the Protection of Pet Animals“ unterzeichnet haben.

Legal ist Debarking, das auch „Devocalization“ genannt wird, nach wie vor in allen anderen Ländern der Welt, beispielsweise auch in vielen Staaten der USA. Da hier aber das jeweilige Gesetz der einzelnen Staaten zum Tragen kommt, variieren die Bestimmungen. Anträge auf ein Verbot gab es unter anderem in Kalifornien, in Bundesstaaten wie zum Beispiel Massachusetts ist Debarking bereits illegal.

Zitate

  • Hunde, die bellen, beißen nicht – ein Sprichwort.
  • Wenn im Oktober die Füchse bellen, rufen sie Schnee herbei oder ..., sie Schnee bestellen – alte Bauernregel.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: bellen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. a b Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen: Hundepsychologie. Kosmos, Stuttgart 2004, ISBN 3-440-09780-3.

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  • Bellen — Bêllen, verb. reg. neutr. (ich belle, du bellst, er bellt; ich bellte; gebellt,) welches das Hülfswort haben erfordert, und heut zu Tage eigentlich von der lauten Stimme der Hunde und der Füchse, bey den Jägern aber auch von dem eigenthümlichen… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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  • bellen — bellen: Mhd. bellen, ahd. bellan (starkes Verb) »bellen (vom Hund)«, engl. to bell »röhren (vom Hirsch)«, aisl. belja »brüllen (von Kühen)«, norw. belje »brüllen, schreien« sind lautnachahmenden Ursprungs und sind z. B. ‹elementar›verwandt mit… …   Das Herkunftswörterbuch

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  • Bellen — Kläffen * * * bel|len [ bɛlən] <itr.; hat: (von Hunden und Füchsen) kurze, kräftige Laute von sich geben: in der Ferne hörte man einen Hund bellen. Syn.: ↑ kläffen. * * * bẹl|len 〈V. intr.; hat〉 1. Laut geben (von Hund u. Fuchs) 2. 〈fig.〉… …   Universal-Lexikon

  • bellen — blaffen (umgangssprachlich); belfern; kläffen; knurren; husten * * * bel|len [ bɛlən] <itr.; hat: (von Hunden und Füchsen) kurze, kräftige Laute von sich geben: in der Ferne hörte man einen Hund bellen. Syn.: ↑ kläffen. * * * bẹl|len 〈 …   Universal-Lexikon

  • Bellen — 1. Das Bellen des Hundes dringt nicht in den Himmel. – Luther. Man bedient sich des Sprichworts, um die Verachtung von Schmähungen und Verwünschungen zu bezeichnen. Auch um zu sagen: Unverdienter Fluch trifft nicht. Des Gottlosen Gebet wird nicht …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

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