Belorussische Operation 1944
Operation Bagration
Teil von: Zweiter Weltkrieg
Öffentliche Zurschaustellung von 57.000 gefangenen deutschen Soldaten (Moskau, 17. Juli 1944)
Öffentliche Zurschaustellung von 57.000 gefangenen deutschen Soldaten (Moskau, 17. Juli 1944)
Datum 22. Juni 1944–29. August 1944
Ort Weißrussische SSR, Sowjetunion
Ausgang Sieg der Sowjetunion
Konfliktparteien
Polen (Armia Krajowa) (ab dem 1. Juli 1944)
Befehlshaber
Georgi Schukow
(1. und 2. Weißrussische Front),
Alexander Wassilewski
(3. Weißrussische Front und 1. Baltische Front),
Hovhannes Baghramjan
(1. Baltische Front),
Iwan Tschernjachowski
(3. Weißrussische Front),
Georgi Sacharow
(2. Weißrussische Front),
Konstantin Rokossowski
(1. Weißrussische Front)
Ernst Busch
(Heeresgruppe Mitte bis 28. Juni),
Walter Model
(Heeresgruppe Mitte nach 28. Juni),
Georg-Hans Reinhardt
(3. Panzerarmee),
Kurt von Tippelskirch
(4. Armee),
Hans Jordan
(9. Armee),
Walter Weiss
(2. Armee)
Tadeusz Komorowski (Chef der AK)
Aleksander Krzyżanowski (Kommandant AK Vilnius)
Truppenstärke
insgesamt 2.331.700 Soldaten am 22. Juni[1] insgesamt ca. 850.000 Soldaten am 22. Juni[2] 200.000 [3] bis 600.000 [4] Angehörige
Verluste
765.815 Soldaten (davon 178.507 Tote und Vermisste, 587.308 Verwundete) [1] 399.102 Soldaten (davon 26.397 Tote, 262.929 Vermisste, 109.776 Verwundete) [5] 5.073 Soldaten (davon 1.533 Tote und Vermisste, 3.540 Verwundete)
Generalfeldmarschall Ernst Busch (links) zusammen mit Befehlshabern der Heeresgruppe Mitte (Mai-Juni 1944)

Operation Bagration war der Deckname einer großen Sommeroffensive der Roten Armee vom 22. Juni bis zum 29. August 1944, die die Eroberung der weißrussischen Hauptstadt Minsk zum Ziel hatte. Abgesehen von der Schlacht an der Somme 1916 verursachte keine andere Schlacht ähnlich hohe Verluste auf deutscher Seite. Sie führte zur Vernichtung der Heeresgruppe Mitte und war aus dieser Sicht die bedeutendste Niederlage der deutschen Militärgeschichte. Für den Untergang der nationalsozialistischen Herrschaft und die Nachkriegsordnung Deutschlands war die Operation von entscheidender Bedeutung.

Im Verlauf dieser Großoffensive wurden durch Truppen der Roten Armee elf Einzeloperationen durchgeführt, die in der sowjetischen Militärgeschichtsschreibung wie folgt benannt werden: Witebsk-Orscha-Operation, Mogilewer Operation, Babrujsker Operation, Polazker Operation, Minsker Operation, Vilniuser Operation, Siauliaier Operation, Bialystoker Operation, Lublin-Brester Operation, Kaunasser Operation, Ossowezker Operation. [1]

In Folge der deutschen Niederlage begann die polnische Untergrundbewegung Armia Krajowa einen Aufstand mit dem Ziel, Polen eigenständig von der deutschen Besatzung zu befreien. Die dramatische Lage der deutschen Wehrmacht löste den Putschversuch vom 20. Juli 1944 aus.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Die Lage der Heeresgruppe Mitte im Frühsommer 1944

Die an der Ostfront eingesetzten Truppen der deutschen Wehrmacht mussten im Verlauf des zweiten Halbjahres 1943 bis zum Frühling 1944 wiederholt Niederlagen und einen anhaltenden Rückzug hinnehmen. Für die kommandierenden Offiziere der deutschen Heeresgruppe Mitte wurde immer deutlicher, dass auch das Gebiet der Weißrussischen SSR, das dieser Verband verteidigte, auf Dauer nicht zu halten war. Diese Erkenntnis wurde auch an das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) und das Oberkommando des Heeres (OKH) durch den Heeresgruppenkommandeur Generalfeldmarschall Ernst Busch weitergegeben.

Die Wehrmachtführung insgesamt hatte aber seit der Niederlage von Stalingrad keine Strategie mehr, die auf einen Sieg im Krieg gegen die Sowjetunion abzielte; das Ziel sämtlicher Bemühungen bestand letztlich nur noch darin, die sich abzeichnende Niederlage und damit das Ende des NS-Regimes hinauszuzögern und den Krieg in einem Remisfrieden zu beenden. Nachdem Alfred Jodl als Chef des Wehrmachtführungsstabes bereits im Januar 1944 eine radikale Frontbegradigung vorgeschlagen hatte, versuchte auch Busch am 20. Mai 1944, die Genehmigung zur Verkürzung des weißrussischen Frontvorsprungs zu erreichen, deren Durchführung in mehreren Schritten geplant war. Dadurch sollte eine stärkere Besetzung der kürzeren Hauptkampflinie (HKL) ermöglicht und bessere Abwehrmöglichkeiten feindlicher Offensiven geschaffen werden.

Seine Pläne stießen jedoch auf den Widerstand Hitlers, der persönlich die Leitung des OKW übernahm und nicht bereit war, Rückzüge in größerem Umfang zuzulassen. Hitler weigerte sich, die Übermacht der Roten Armee zur Kenntnis zu nehmen und warf Busch vor, „dass dieser nun auch zu den Generälen gehöre, die nach hinten blicken“. Busch gab auf diese Bemerkung hin klein bei und setzte die Frontbegradigung trotz Widerstandes der ihm unterstehenden Armeebefehlshaber nicht um.

Das OKH selbst rechnete mit einer Offensive durch die Rote Armee im Sommer 1944. Man erwartete die Hauptstoßrichtung dieses Angriffs jedoch im Bereich der Heeresgruppe Nordukraine in Richtung der polnischen Hauptstadt Warschau bis zur Weichselmündung. Man befürchtete, dass durch diesen Angriff die Heeresgruppen Nord und Mitte von der Nachschubzufuhr abgeschnitten worden wären, was einen Zusammenbruch der gesamten deutschen Ostfront zur Folge gehabt hätte.[6] Insbesondere Generalfeldmarschall Model verteidigte als Befehlshaber der Heeresgruppe Nordukraine diese These sehr energisch.[7][8] Kurze Zeit nachdem Hitler seinen Willen durchgesetzt hatte, meldete sich der Befehlshaber der 4. deutschen Armee Generaloberst Gotthard Heinrici krank. Heinricis Ansichten über die zukünftige Kriegführung standen dem vom OKH realisiertem Vorgehen diametral entgegen. Am 4. Juni übernahm vertretungsweise General Kurt von Tippelskirch das Kommando.

Als Konsequenz aus dieser ambivalenten Befehlslage begannen die deutschen Truppen der Heeresgruppe Mitte, das Gebiet weiter zu befestigen. Die Städte Wizebsk (Witebsk), Orscha, Mahiljou (Mogiljow) und Babrujsk (Bobruisk) wurden von Hitler persönlich in einem Befehl vom 8. März 1944 als „feste Plätze“ definiert. Die Kommandanten dieser festen Plätze waren auf Hitler mit der besonderen Verpflichtung vereidigt, den Ort nicht ohne Genehmigung aufzugeben und die Stellung erbittert zu halten. In der Realität wurden damit die an diesen Orten eingesetzten Einheiten ihrer Vernichtung durch die Rote Armee preisgegeben.

Zur Verteidigung der festen Plätze mit Ausnahme von Wizebsk wurden jeweils eine Frontdivision eingeteilt und sämtliche Ressourcen für den Bau von Defensivstellungen zur Verfügung gestellt. Der feste Platz Wizebsk erhielt als besonders exponierter Ort drei Divisionen, obwohl der Befehlshaber der 3. deutschen Panzerarmee Generaloberst Reinhardt mehrfach dagegen protestierte.[9] Für den Bau der Verteidigungsanlagen wurden beispielsweise im Bereich der 3. deutschen Panzerarmee zwischen 15.000 und 25.000 Einwohner zwangsrekrutiert. Da die Bevölkerung entweder aufgrund von Hunger nicht arbeitsfähig oder nicht gewillt war, mit den Besatzern zusammenzuarbeiten, gingen die Arbeiten schleppend voran. Die Befestigungsarbeiten wurden bis zum Beginn der sowjetischen Offensive fortgesetzt.

Zeitgleich wurden viele als arbeitsfähig eingestufte Bewohner des durch die Heeresgruppe Mitte besetzten Gebiets systematisch seit Beginn des Jahres 1944 zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert.[10]

Einwohner, die man als arbeitsuntauglich einstufte, waren lästige Mitesser, derer man sich zu entledigen suchte. Dies geschah durch die gezielte Abschiebung der Menschen in die sowjetisch besetzten Gebiete. Im Zuständigkeitsbereich der 9. deutschen Armee wurden bis Mitte März 1944 45.000 Menschen in mit Stacheldraht eingezäunten Grundstücken in der Nähe der Ortschaft Osaritschi interniert, die sich genau an der Frontlinie befanden. Nach dem Abschluss der Transporte wurde ein ca. 5 km breiter Gebietsstreifen um die Lager von den deutschen Truppen geräumt, so dass diese am 19. März von sowjetischen Soldaten übernommen wurden. Von den 45.000 Menschen hatten insgesamt nur 33.000 die Bedingungen in den gebäudelosen Arealen überlebt.[10]

Bei der 3. Panzerarmee wurden die nicht arbeitsfähigen Bewohner der Stadt Wizebsk am 22. Mai 1944 in ein ähnliches Lager in Frontnähe gesperrt, wo sie von der erwarteten sowjetischen Sommeroffensive überrollt werden sollten. Orte in einem Abstand von weniger als 100 Kilometern zur Front waren zum Beginn der russischen Offensive bereits vollständig geräumt und teilweise durch Anwendung der Taktik der Verbrannten Erde unbewohnbar gemacht worden.[11]

Die Moral und die körperliche Verfassung der in der Heeresgruppe Mitte eingesetzten Soldaten war aufgrund von allgemeinem Stillstand, schlechten Nachrichten von anderen Kampfplätzen und Versorgungsengpässen schlecht. So hegten viele deutsche Soldaten nach der Landung der Alliierten in der Normandie die Hoffnung, dass diese den Krieg bald beenden würde.[12]

Die Anzahl von Desertationen häufte sich vor allem bei den aus dem Gebiet der Sowjetunion stammenden freiwilligen Hilfskräften der Wehrmacht, weil anhand der zunehmend kritischen Kriegslage des Dritten Reiches dessen bevorstehende Niederlage immer wahrscheinlicher wurde. Die Propaganda des von der Sowjetunion aufgebauten und geförderten Nationalkomitees Freies Deutschland wurde intensiviert, zeigte aber verhältnismäßig wenig Wirkung gegenüber den meist nationalsozialisch indoktrinierten Soldaten der Wehrmacht.[13][14]

Die deutschen Soldaten waren bereits seit dem Winter 1941 chronisch unterernährt, da die Nahrungsmittelreserven des Deutschen Reiches aufgrund des zu lange dauernden Krieges im wahrsten Sinne des Wortes aufgezehrt wurden und man nicht mehr in der Lage war, die vorgeschriebenen Kostsätze zu liefern. Daraus resultierende dauerhafte Vitaminmangelstörungen und führte zusammen mit weiteren Mangelerscheinungen zu geringerer körperlicher Leistungsfähigkeit, sofern die Feldeinheiten nicht in der Lage waren, in den von ihnen besetzten Gebieten die eigenen Bedürfnisse an Nahrungsmitteln selbst durch Plünderung oder eine provisorische (Zwangs)Landwirtschaft zu ergänzen bzw. zu decken.[15][10] Ein weiteres großes Problem war der starke Missbrauch von Alkohol, um die andauernde psychische Belastung abzumildern. [12] Dieser Zustand wurde aber durch das deutsche Offizierskorps kaum wahrgenommen oder ignoriert.[16] Grobe Verstöße gegen die Vorschriften oder Auflehnung gegen Vorgesetzte waren aber aufgrund nationalsozialistischer Propaganda, der unnachgiebigen Aufrechterhaltung der Disziplin durch das deutsche Offizierskorps sowie wegen des gefürchteten Rufes der deutschen Feldpolizei bis zum Sommer 1944 die Ausnahme.[10]

Partisanenkrieg in Weißrussland

Angehörige der Kaminski-Brigade und deutsche Polizeioffiziere während einer Beratung über eine Partisanenbekämpfungsaktion (März 1944)
Sowjetische Partisanen in Weißrussland
Weissrussische Jugendliche marschieren in Minsk in Richtung Bahnhof, sie sollen in Deutschland für den Kriegseinsatz ausgebildet werden (Juni 1944)

Hauptartikel: Sowjetische Partisanen, Polnische Heimatarmee, 30. Waffen-Grenadier-Division der SS (weißruthenische Nr. 1) bestehend aus weißrussischen Angehörigen

Große Teile des von der Heeresgruppe Mitte besetzten Gebietes wurden seit 1942 durch sowjetische Partisaneneinheiten kontrolliert, die durch eine spezielle Abteilung des NKWD unter Generalleutnant Panteleimon Kondratjewitsch Ponomarenko koordiniert und überwacht wurden. Das waldreiche, wenig erschlossene Gelände begünstigte die Operation solcher Gruppierungen wesentlich. Diese sowjetischen Partisanen, denen sich auch viele der überlebenden weissrussischen Juden angeschlossen hatten, waren zum Teil sehr fest organisiert, andererseits aber bezüglich ihres Auftretens gegenüber der weißrussischen Landbevölkerung auch nicht wesentlich von den Banden zu unterscheiden, wie sie zur heutigen Zeit beispielsweise in Rio de Janeiro oder den Vereinigten Staaten anzutreffen sind.[17] [18] Die Haupttätigkeit der sowjetischen Partisanen war neben der Eigenversorgung die Bekämpfung der deutschen Besatzer.

Neben diesen prosowjetischen Gruppierungen existierten vor allem im ehemals polnischen Teil Weißrusslands Partisanen der Polnischen Heimatarmee, die nicht nur die deutschen Besatzer, sondern auch die prosowjetischen Partisanen bekämpften.

Die weißrussische Zivilbevölkerung hatte allen Gruppierungen Nahrungsmittel und Kleidung abzuliefern und befand sich durch die zunehmend anarchischen Zustände in einer immer kritischer werdenden Situation. Diese führte dazu, das immer mehr Weißrussen aus ihrer Not heraus mit den deutschen Besatzern kollaborierten, wenn sie nicht zu den prosowjetischen Partisanen gingen. Den Polen standen die Weißrussen aufgrund von Benachteiligungen während der Zeit der polnischen Herrschaft im westlichen Teil des Landes feindlich gegenüber. Die weißrussischen Nationalisten, die aufgrund ihres Strebens nach einem eigenständigen Staat in der Zeit der sowjetischen und polnischen Besatzung unterdrückt worden waren (→Smizer Schylunowitsch), standen auf der Seite der Deutschen.

Aufgrund der seit Mitte 1942 rapide anwachsenden Zahl von Partisanenüberfällen fanden seit Anfang 1943 unter der Leitung von SS-Obergruppenführer Erich von dem Bach-Zelewski großangelegte Operationen der Wehrmacht, SS sowie (ab Herbst 1943) der von Bronislaw Wladislawowitsch Kaminski geführten Brigade russischer Kollaborateure vorgeblich gegen Partisanen in diesem Gebiet statt.[19] Diese mit unmenschlicher Härte durchgeführten Operationen führten zu der Ermordung tausender weißrussischer Bewohner sowie der Deportation tausender Menschen zur Zwangsarbeit nach Deutschland. Die von den vermeintlichen oder echten Partisanen bewohnten Orte wurden vollständig zerstört. So wurden im Verlauf von „Partisanenbekämpfungsaktionen“ im Polazker Gebiet während der Monate April und Mai 1944 insgesamt 7.011 Menschen ermordet, 6.928 Gefangene gemacht sowie 11.233 Menschen als Arbeitskräfte nach Deutschland deportiert.[11] Die im Umkreis von Polazk operierenden Partisanen wurden durch dieses Vorgehen sehr geschwächt. Sowjetische Boden- und Luftangriffe, die zur Unterstützung der Partisaneneinheiten durchgeführt wurden, brachten ihnen keine Entlastung.[20]

Die Massenmorde und Deportationen durch die deutschen Besatzer waren aber nur örtlich von Bedeutung für den Kriegsverlauf: Es existierten auch weiterhin im zentralen Weißrussland und westlich von Minsk große, vor allem bewaldete Gebiete, die vollständig durch Partisanenverbände wie beispielsweise die Bielski-Partisanen kontrolliert wurden und die sogar über behelfsmäßige Flugplätze von der Roten Armee versorgt werden konnten.[17][14] Diese Gebiete stellten eine gute Basis für die sowjetische Militäraufklärung dar, die im Hinterland der Heeresgruppe insgesamt 61 Abhörposten betrieb und über die Stützpunkte der Partisanen Agenten in den deutschen Machtbereich schleusen konnte.[21]

Die Angriffsvorbereitungen der Roten Armee

Auf sowjetischer Seite wurden nach dem Ende der Kesselschlacht von Kamenez-Podolski am 15. April offensive Operationen an der westlichen Frontlinie bis zum Beginn des Juni 1944 durch das Hauptquartier des Kommandos des Obersten Befehlshabers (STAWKA) gestoppt, um Kräfte für große Offensiven zur Vertreibung sämtlicher Besatzungstruppen vom Staatsgebiet der Sowjetunion zu sammeln. Bis in den Mai hinein fanden lediglich auf der Halbinsel Krim Kämpfe mit der deutschen 17. Armee statt, die mit der Eroberung der Hafenstadt Sewastopol durch sowjetische Truppen und der Vernichtung dieses Verbandes ihren Abschluss fanden.[22] Der Oberbefehlshaber der 17. Armee, Generaloberst Erwin Jaenecke, wurde vor ein Kriegsgericht gestellt, weil er Hitler in einem persönlichen Gespräch von der Notwendigkeit eines Rückzugs überzeugen wollte.

Nachdem die Verbände der Heeresgruppe Süd, die das ganze Jahr 1943 bis zum April 1944 die Hauptlast der Kämpfe an der Ostfront getragen hatten, bedeutend geschwächt und weitgehend von sowjetischen Territorien verdrängt waren, stellte die Heeresgruppe Mitte immer noch ein starkes Hindernis für die sowjetischen Truppen dar. Dementsprechend wurde vorbereitend eine große Anzahl von Einheiten konzentriert, um ein für einen Erfolg als notwendig erachtetes personelles und materielles Übergewicht gegenüber den deutschen Truppen zu erreichen. Die nun sehr leistungsfähig gewordene sowjetische Rüstungsindustrie ermöglichte der Roten Armee durch einen enormen Ausstoß, der denjenigen der deutschen Industrie bei weitem übertraf, eine gigantische Menge von Kriegsmaterial anzusammeln, die alle bis dahin erreichten Dimensionen sprengte. Zusätzlich dazu erhielt die Sowjetunion nun wirksame Unterstützung durch alliierte Waffenlieferungen, die im Rahmen der Umsetzung des Leih- und Pachtgesetzes durchgeführt wurden. So waren die sowjetischen Truppen mit 12.000 Lastkraftwagen vollmotorisiert, während die deutschen Truppen sich häufig Pferdegespannen bedienten, um den Transport von Nachschub, Artillerie und Infanterieeinheiten durchzuführen.[22] Für sämtliche Fahrzeuge der Roten Armee wurde ein Treibstoffverbrauch von 25.000 Tonnen Dieselkraftstoff pro Tag veranschlagt, der auch problemlos bereitgestellt werden konnte. Im Gegensatz dazu litten die deutschen Einheiten als eine Folge des alliierten Bombenkrieges immer häufiger unter Treibstoffmangel. [16]

Die Moral der sowjetischen Soldaten am weißrussischen Frontabschnitt war bis in den Juni hinein ähnlich wie bei den deutschen Truppen schlecht, was auf allgemeine Kriegsmüdigkeit sowie die Ereignislosigkeit des Geschehens an diesem Frontabschnitt zurückzuführen war. Hinzu kam noch, das eine Anzahl sowjetischer Offiziere sich durch die Plünderung von Hilfslieferungen, die für die Bevölkerung der von der Roten Armee befreiten Gebiete bestimmt waren, bereicherte. Auch als aufgrund verschiedener befohlener Vorbereitungen klar wurde, dass eine große Offensive bevorstand, besserte sich die Stimmung der Soldaten nicht wesentlich. [23]

Die sowjetische Führung nutzte jedoch die mehrmonatige Kampfpause, um den Ausbildungsstand der Soldaten zu verbessern. Es wurde ein koordiniertes Vorgehen der angreifenden Infanteristen trainiert, auf das bisher kaum Wert gelegt wurde. Die sowjetischen Soldaten stürmten während der vorangegangenen Kriegsjahre häufig einfach auf die deutschen Stellungen zu und erlitten dabei exorbitant hohe Verluste. Nicht selten wussten sie dabei die Maschinengewehre spezieller NKWD-Abteilungen hinter sich, die im Falle einer Panik sofort auf die rückwärts fliehenden Reste einer Angriffswelle schossen. Die Abkehr von dieser ineffizienten Taktik des "Verheizens", die in den Zeiten des Ersten Weltkrieges von General Brussilow zum ersten Mal angewendet worden war (→Brussilow-Offensive), erwies sich im Verlauf der Kämpfe des Sommers 1944 als sinnvoll. [6] Die Planung der Offensive wurde vom Armeegeneral und Chef des Operationsstabes der Roten Armee Alexei Innokentjewitsch Antonow ausgeführt, nachdem ihre Durchführung im April 1944 von STAWKA beschlossen worden war. Der Termin für den Beginn sollte gemäß den Vereinbarungen, die auf der Konferenz von Teheran getroffen wurden, mit der unter dem Tarnnamen Operation Overlord geplanten Landung der Alliierten in der Normandie zeitlich koordiniert werden.[9] Diese Vorgabe wurde aber nicht eingehalten, da der 22. Juni 1944 aus sowjetischer Sicht ein weit besserer Termin für einen Angriff war, der klar als Revanche für den deutschen Überfall auf die Sowjetunion betrachtet wurde [24] und weil zwischen den Partnern der Anti-Hitler-Koalition bereits Differenzen bestanden.[25][26]Ein weiterer Grund für die Verspätung lag in der kapazitiven Überforderung des durch den Krieg stark zerstörten sowjetischen Eisenbahnnetzes, über das in kürzester Zeit Armeen mit einer Stärke von ca. einer Million Soldaten von anderen Frontabschnitten und rückwärtigen Gebieten nach Weißrussland transportiert werden mussten. Die von Antonow ausgearbeiteten Planungen wurden von den Marschällen Wassilewski und Schukow übernommen und Stalin und den anderen beteiligten Kommandeuren am 20. Mai 1944 vorgelegt. Es kam zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Front-Kommandeur Rokossowski und Stalin, da der General darauf bestand, im Gegensatz zur ursprünglichen Vorgabe einen Zangenangriff mit zwei Stoßrichtungen auf die Stellungen der 9. deutschen Armee zu führen. Rokossowski setzte sich schließlich durch und die Planungen wurden überarbeitet. Stalin genehmigte daraufhin ihre Ausführung am 31. Mai und benannte die Offensive nach dem georgisch-russischen General Pjotr Iwanowitsch Bagration.

Deutsches Aufklärungsflugzeug vom Typ Fw 189. Von diesen Maschinen existierten 1944 viel zu wenige, um eine wirksame Luftaufklärung auf Seite der Wehrmacht sicherzustellen.

Um das OKW über die beabsichtigte Stoßrichtung des Angriffs im Unklaren zu halten, wurde durch Antonow und Schukow Maskirowka, eine von der Roten Armee bereits vor dem Krieg entwickelte und im Krieg perfektionierte Taktik zur Verschleierung von Armeebewegungen vor dem Feind, am 29. Mai 1944 für die Offensive in Weißrussland initiiert. Das Ziel dieser Militäraktion war die Vortäuschung sowjetischer Truppenkonzentrationen mittels Attrappen vor dem Frontabschnitt der Heeresgruppe Nordukraine. Diese Aufgabe war bei den massiven Truppenbewegungen, die die Operation Bagration erforderte, nicht einfach, konnte aber von der Roten Armee erfolgreich durchgeführt werden. Deutsche Aufklärungsflüge konnten unbehelligt über Scheinkonzentrationen sowjetischer Truppen in der Ukraine durchgeführt werden, sodass die dort aufgestellten Attrappen fotografiert und die Aufnahmen an den deutschen Generalstab weitergegeben wurden. Die echten Truppenbewegungen der Roten Armee wurden sehr verdeckt ausgeführt.[2] Es wurde auf sowjetischer Seite Funkstille befohlen, sodass die deutsche Fernmeldeaufklärung keine Informationen mehr gewinnen konnte. [27] Das nachrichtendienstliche Täuschungsmanöver des sowjetischen Oberkommandos gelang: Im OKW war man bis zum tatsächlichen Beginn der Offensive nicht über ihre beabsichtigte Stoßrichtung informiert. Obwohl auf Korpsebene die Zusammenballung sowjetischer Kräfte im Bereich der Heeresgruppe Mitte weiterhin beobachtet und weitergemeldet wurde [7] und die Führungsebene der Heeresgruppe sich seit dem 10. Juni [7] im Klaren darüber war, dass eine Offensive in ihrem Sektor der Front stattfinden würde [16], zog das Oberkommando des Heeres (OKH) gemäß den Weisungen des OKW Kräfte aus der Heeresgruppe Mitte ab und verstärkte die Heeresgruppe Nordukraine.[7]

Nachdem am 6. Juni 1944 die Landung der Alliierten in Frankreich begonnen hatte, wurden weitere deutsche Einheiten, die bisher im Bereich der Heeresgruppe Mitte eingesetzt waren, zur Verstärkung der in Frankreich stationierten Truppen abgezogen. An die Front in Italien wurden große Mengen an Munition geliefert, die wiederum den Verbänden der Heeresgruppe Mitte fehlte.[28] Diese Faktoren schwächten die Verteidigungsfähigkeit der Deutschen zusätzlich. So standen am 21. Juni 1944 4.050 sowjetischen Panzern und Sturmgeschützen lediglich 495 deutsche gegenüber.[6] Das Kräfteverhältnis in Bezug auf die Mannschaftsstärke belief sich auf 850.000 Soldaten auf der Seite der Wehrmacht gegenüber 2.331.700 Soldaten der Roten Armee.[2][1]

Trotz des massiven sowjetischen Truppenaufmarsches wurden die deutschen Frontverbände vom Ausmaß des Angriffs völlig überrascht, weil aufgrund der Täuschungsmanöver der Sowjetarmee vom deutschen OKW die Anzeichen für einen bevorstehenden Angriff ignoriert wurden. Selbst als die sowjetischen Truppen am 20. Juni Hindernisse entfernten, die beim Vordringen zu den deutschen Verteidigungslinien im Weg standen, erfolgte auf deutscher Seite immer noch keine Reaktion.

Im Gegensatz zu den Deutschen hatten die Sowjets mit Hilfe ihrer militärischen Aufklärung einen sehr genauen Überblick über die gegenwärtige Aufstellung deutschen Kräfte erhalten und konnten sich daher sicher sein, dass der von ihnen gewünschte Überraschungseffekt der Offensive auch tatsächlich wirksam werden würde.

Verlauf

Übersichtskarte zum Gesamtverlauf der Operation Bagration vom 22. Juni 1944 bis zum 29. August 1944. Die Angriffsoperationen der Roten Armee während der ersten Phase sind in roter Farbe, die nachfolgenden in oranger Farbe dargestellt.

Der sowjetische Angriffsplan sah drei Stellen vor, an denen der Durchbruch durch die deutschen Linien erfolgen sollte: Das erste Hauptziel war die Ausschaltung der den Raum Wizebsk verteidigenden 3. Panzerarmee, die unter dem Kommando von Generaloberst Georg-Hans Reinhardt stand. Diese Aufgabe sollte von der 1. Baltischen Front unter dem Kommando des Armeegenerals Hovhannes Baghramjan in Koordination mit der benachbarten 3. Weißrussischen Front unter Armeegeneral Iwan Danilowitsch Tschernjachowski erfüllt werden.

Weiterhin erfolgte ein Angriff auf die nördlich der Ortschaft Orscha beginnenden Stellungen der 4. deutschen Armee unter der Führung von General von Tippelskirch, die auch der Stadt Mogilew/Mahiljou vorgelagert waren, und die bis nördlich der Stadt Babruijsk reichten. Den Angriff an diesem Frontabschnitt führte die 2. Weißrussischen Front unter dem Kommando von General Georgi Fjodorowitsch Sacharow aus.

Dritter Schwerpunkt war ein Vorstoß auf die Stadt Babrujsk, die das Hauptquartier der 9. deutschen Armee unter General Hans Jordan war. Dieser Armee stand die 1. Weißrussische Front unter dem Marschall der Sowjetunion Konstantin Konstantinowitsch Rokossowski gegenüber.

Diese drei Angriffe wurden zeitlich gestaffelt. Am 22. Juni begannen die Kämpfe bei Wizebsk [29], am darauffolgenden Tag wurde die 4. deutsche Armee zum ersten Mal attackiert bis schließlich am 24. Juni die 1. Weißrussische Front den Abschnitt der 9. deutschen Armee bedrängte, der im Süden an die unzugänglichen Pripjetsümpfe grenzte.[7][9]

Das taktische Ziel der Offensive war die Durchführung einer Zangenbewegung durch die bei Babrujsk und Wizebsk angreifenden Kräfte, die sich bei Minsk vereinigen und große Teile der Heeresgruppe Mitte in einem riesigen Kessel einschließen sollten. Die Attacke bei Mahiljou sollte sicherstellen, dass die Kräfte der deutschen 4. Armee nicht zur Entlastung der 3. Panzerarmee oder der 9. Armee eingesetzt werden konnten. Gelang diese Operation, sollten daraufhin möglichst große Teile des nun ungeschützten deutschen Hinterlands besetzt und bis zur Ostsee vorgestoßen werden. In der sowjetischen bzw. russischen Militärgeschichtsschreibung wird der Verlauf der Operation bis zur kompletten Sicherung des taktischen Zieles Minsk als erste Phase, der weitere Verlauf bis zu ihrem Ende am 29. August 1944 als zweite Phase bezeichnet.

Störaktionen der Partisanen: Die Operation „Konzert“ als Teil der Operation „Eisenbahnkrieg“

Transport deutscher Soldaten mit einer getarnten Feldbahn (Juni 1944)

Die sowjetischen Partisanen wurden durch Offiziere des NKWD in ihrer Tätigkeit geleitet, sodass sie in Koordination mit der Roten Armee tätig werden konnten. Nachdem ein ausreichendes Verbindungsnetzwerk geschaffen worden war, begannen direkt von Moskau aus geleitete Sabotageoperationen, von denen eine der wichtigsten die im Sommer 1943 beginnende Operation „Eisenbahnkrieg“ war. Wie deren Name nahelegt, war das Hauptziel die Störung des deutschen Nachschubs durch Sprengung der hierfür genutzten Eisenbahnlinien. Das war ein empfindlicher Eingriff in die Bewegungsfreiheit der Deutschen, da die Bahnlinien die einzigen Transportwege waren, die eine ausreichende Kapazität zur schnellen Verlegung größerer Einheiten in Regiments- oder Divisionstärke boten. [30]

Die Schlussphase der Operation „Eisenbahnkrieg“ erhielt den Decknamen „Konzert“ und fand kurz vor dem Beginn des russischen Angriffs statt. In der Nacht vom 19. auf den 20. Juni begannen die Partisaneneinheiten, die sich in Weißrussland befanden, damit, die Bahnlinien PinskLuninez, Baryssau-Orscha und Maladsetschna-Polazk, welche die einzigen in den Bereich der Armeen der Heeresgruppe Mitte führenden Eisenbahnverbindungen waren, systematisch zu sprengen.[7] Die von 145.000 Freischärlern gelegten 10.500 Sprengladungen unterbrachen den Nachschub der deutschen Truppen für einige Tage, obwohl ca. 3.500 der Sprengsätze entschärft werden konnten. Diese Aktion war der größte Sabotageanschlag des zweiten Weltkriegs.[31][32]

Luftüberlegenheit der sowjetischen Luftstreitkräfte

Sowjetische Il-2-Besatzung auf einem Feldflugplatz in Weißrussland. Die Maschine trägt den Namen des russischen Generals Alexander Suworow. Die Motivation durch den Bezug auf Helden aus der Zeit des Kriegs gegen Napoleon wurde in der Roten Armee ab 1942 praktiziert, da sich die kommunistische Agitation nicht bewährt hatte. (PK-Foto, Sommer 1944)

Seit der Schlacht bei Kursk hatte sich die Zahl der an der Ostfront eingesetzten deutschen Kampfflugzeuge ständig verringert. Der Grund dafür war, dass zur Abwehr der alliierten Landungen auf Sizilien und der Normandie Luftstreitkräfte nach Italien beziehungsweise Frankreich verlegt wurden und dort große Verluste durch alliierte Jagdflieger erlitten. Die deutsche Flugzeugindustrie war nicht mehr in der Lage, die steigenden Verluste der Luftwaffe, die vor allem durch die überlegenen Jagdflugzeugmuster der Alliierten hervorgerufen wurden, vollständig auszugleichen. Das zwischen den deutschen und sowjetischen Luftstreitkräften bestehende Ungleichgewicht wurde bis zum Beginn der Operation Bagration so groß, dass die Luftflotte 6 unter Ritter von Greim, die zur Unterstützung der Heeresgruppe Mitte vorgesehen war, durch starke Verluste und technische Ausfälle, die auf die mangelhafte Versorgung mit Ersatzteilen zurückzuführen waren, nur noch knapp 50 einsatzbereite Jagdflugzeuge bzw. 250 Flugzeuge insgesamt zur Verfügung hatte. Demgegenüber konnten die sowjetischen Luftstreitkräfte knapp 4.500 Flugzeuge [33] aller Art aufbieten, die zur Unterstützung der Offensive eingesetzt werden konnten und in 4 Luftarmeen organisiert waren (die 1. Luftarmee, 3. Luftarmee, 4. Luftarmee sowie die 16. Luftarmee), die jeweils einer der an dem Angriff beteiligten sowjetischen Fronten unterstellt waren. Daher hatten die sowjetischen Flieger zum Zeitpunkt des Beginns der Offensive die nahezu vollständige Luftüberlegenheit inne. [34]

Unterstützung durch Artillerie

Sowjetische Batterie schwerer Haubitzen vom Typ M1931(B-4) (3. Weißrussische Front, Sommer 1944)

Der Angriff der Roten Armee begann am Morgen um 4:00 Uhr mit dem stärksten Artilleriefeuer, das bis dahin auf die Stellungen der Heeresgruppe Mitte gerichtet worden war.[35] Dieses setzte sich aus folgenden Komponenten zusammen:

  1. 15 Minuten Feuer auf deutsche Verteidigungsstellungen bis in eine Tiefe von drei Kilometern.
  2. 90 Minuten Feuer auf aufgeklärte Ziele, sowie bekannte Stellungen von Artillerie und schweren Waffen
  3. 20 Minuten Feuer auf die deutsche Hauptverteidigungslinie und dahinter liegende Stellungen
  4. Feuer auf erkannte Ziele bei Anforderung durch Beobachter für den Rest des Tages

Die Rote Armee hatte in den geplanten Durchbruchszonen Artilleriegeschütze in einer Dichte von 178 Einheiten pro Kilometer aufgestellt. Dieser massiven Feuerkraft konnten die vorher mühsam ausgehobenen deutschen Stellungen nicht standhalten:

„Das Verhalten der deutschen Soldaten in ihren befestigten Arealen war dumm [...] Unser Beschuss machte sie fertig. Unmengen an Granaten gingen auf sie nieder und man hörte nichts als ein Donnern. Die befestigten Anlagen konnten völlig zerschmettert werden. Es war tödlich [...]“[36]

Die überlebenden deutschen Soldaten in den Durchbruchskorridoren waren danach nicht mehr in der Lage, wirksamen Widerstand gegen die ohnehin zahlenmäßig mehrfach überlegenen sowjetischen Panzer- und Infanterieeinheiten zu leisten. Der Mangel an einsatzbereitem schweren Waffenmaterial machte die Lage der deutschen Soldaten noch aussichtsloser.[37]

Witebsk-Orscha-Operation

Der als Witebsk-Orscha-Operation bezeichnete Angriff war der verheerendste der drei initialen sowjetischen Vorstöße, da für die Eroberung der festen Plätze Wizebsk und Orscha insgesamt zwei Fronten (Heeresgruppen) der Roten Armee eingesetzt wurden.

Kesselschlacht bei Wizebsk

Lokation des Kampfgebietes der Wizebsk-Orscha-Operation
Die sowjetische Offensive bei Wizebsk (Verlauf vom 22. bis 27. Juni 1944)
Sowjetische MG-Schützen während der Rückeroberung von Wizebsk am 26. Juni 1944
Öffentliche Vernehmung von Generalleutnant Hitter und General Gollwitzer durch den Befehlshaber der 3. Weißrussischen Front Tschernjachowski und den Marschall der Sowjetunion Wassilewski (von rechts nach links) nach der Gefangennahme der Deutschen im Kessel von Wizebsk. Der sowjetische Offizier links im Vordergrund ist Generalleutnant Makarow. (28. Juni 1944)
Aus einem deutschen Lager befreite Zivilisten kehren nach Hause zurück. (bei Wizebsk, Ende Juni 1944)

Nach dem Ende der Artillerievorbereitung griff aus Richtung Nordwesten die sowjetische 1.  Baltische Front unter Armeegeneral Baghramjan mit der 6. Gardearmee und der 43. russischen Armee die deutsche Front bei Wizebsk an. In Koordination dazu attackierte die 3. Belorussische Front unter Generalleutnant Tschernjachowski mit der 39. und der 5. russischen Armee, der 11. Gardearmee sowie der 5. Gardepanzerarmee die deutschen Stellungen bei der Stadt Wizebsk aus östlicher Richtung. Die Angriffe wurden zuerst von Infanterieeinheiten begonnen, um Durchbrüche in der deutschen Frontlinie zu schaffen. Waren diese Durchbrüche vorhanden, konnte die Rote Armee durch den Einsatz von Panzern tief in das deutsche Hinterland vorstoßen. Örtliche Gegenangriffe der Deutschen, wie beispielsweise der von Teilen der 290. Infanterie-Division ausgeführte Vorstoß gegen die 6. Gardearmee, blieben ohne Wirkung. Bis zum 24. Juni gelang es den Sowjets, die diesen Bereich verteidigenden deutschen Einheiten bis 30 Kilometer hinter ihre ursprünglichen Stellungen zu verdrängen, da diese insbesondere im nordwestlichen Frontabschnitt viel schlechter ausgebaut waren als an der Stadt selbst.[7] Dies lag auch daran, dass die deutsche Aufklärungsabteilung Fremde Heere Ost (FHO) unter Reinhard Gehlen vor dem 22. Juni die komplette 6. Gardearmee im Bereich der 1. Baltischen Front übersehen hatte und dadurch die Führungsebene der Heeresgruppe Mitte diesen Bereich als nicht gefährdet ansah.[2] Am Abend des 24. Juni war die deutsche Frontlinie nördlich und südlich von Wizebsk zusammengebrochen. Insbesondere konnten die schweren Panzer vom Typ IS-2, die von der 5. Gardepanzerarmee eingesetzt wurden, große Geländegewinne erzielen und das deutsche VI. Korps, das den südöstlich von Wizebsk gelegenen Abschnitt verteidigte, fast vollständig vernichten. Auch die 5. Gardepanzerarmee war von der deutschen Militäraufklärung übersehen worden, da man sie im Bereich der Heeresgruppe Südukraine vermutete. Eine Korrektur der fehlerhaften Annahmen erfolgte nicht, da die 5. Gardepanzerarmee bis zum 21. Juni in Bereitstellungsräumen gelegen hatte, die sich 50 km östlich der Front befanden. Das aus drei Divisionen bestehende LIII. Korps der deutschen 3. Panzerarmee, das eine Stärke von 30.000 Soldaten hatte und den als Magneten gedachten und gut befestigten Frontvorsprung um den festen Platz Wizebsk verteidigte, wurde aufgrund des schnellen russischen Durchbruchs in diesem bereits am 25. Juni eingeschlossen. Deutsche Gegenangriffe am nördlichen Rand des von der 1. Baltischen Front geschaffenen Durchbruchskorridors blieben weitestgehend erfolglos.

Aufgrund der großen sowjetischen Übermacht war es den wenigen nicht eingeschlossenen deutschen Verbänden auch nicht mehr möglich, eine westlich der Stadt gelegene Frontlinie zu halten; sie wurden im Verlauf der nächsten Tage weiter nach Westen abgedrängt oder vernichtet. Die katastrophale Lage führte dazu, dass auch die Einheiten, die vorher zur Partisanenbekämpfung eingesetzt worden waren, zu einer Kampfgruppe zusammengefasst und direkt zum Einsatz gegen die angreifende Rote Armee geführt wurden. Da diese Gruppe, die unter dem Kommando von Gottbergs stand, nicht die Kampfkraft besaß, um Erfolge zu erzielen, waren diese verzweifelten Versuche, die angeschlagene Frontlinie der deutschen 3. Panzerarmee zu verstärken, nicht sehr erfolgreich.[38]

Die bei Wizebsk eingeschlossenen deutschen Truppen begannen im Laufe der folgenden Tage immer stärker unter Munitionsmangel zu leiden. Generalleutnant Hitter und General Gollwitzer befahlen daher als Befehlshaber der eingeschlossenen Truppen entgegen den Weisungen Hitlers den Ausbruch aus Wizebsk.[29] Dieser wurde aber viel zu spät eingeleitet, so dass sich die Reste der Deutschen zu einem großen Teil nach einem sowjetischen Großangriff am 27. Juni im Bereich des Sarro-Sees ergaben, nachdem der Abstand des Kessels zu den noch von den Deutschen kontrollierten Gebieten auf über 80 km angewachsen war. Eine Gruppe von 5.000 Soldaten der 4. Luftwaffenfelddivision begann auf eigene Faust am 26. Juni einen Ausbruchsversuch.[29] Sie wurde aber am selben Tag gestoppt und am 27. Juni in den Wäldern bei der Ortschaft Jakubowtschina aufgerieben.[39] Im Ergebnis der Kämpfe bei Wizebsk entstand ein etwa 100 Kilometer breiter Korridor zwischen der 16. deutschen Armee der Heeresgruppe Nord und der 4. deutschen Armee, durch den die sowjetischen Truppen der 3. Weißrussischen Front schnell in Richtung Minsk vorstießen. Die Truppen der 1. Baltischen Front begannen das Gebiet um die Stadt Polazk anzugreifen. Damit war eine Komponente der von STAWKA geplanten Zangenbewegung um die Heeresgruppe Mitte erfolgreich ausgeführt worden.

Wizebsk war nach dem Ende der Kämpfe fast vollständig zerstört. Von 170.000 Einwohnern, die im Juni 1941 die Stadt bewohnten, waren im Juli 1944 nur 118 übriggeblieben.[40] Die 3. deutsche Panzerarmee existierte nach dem 28. Juni faktisch nicht mehr, obwohl sie organisatorisch weiterhin Bestand hatte. Ihre Reste zogen sich Richtung Westen zurück, wobei sie durch die sowjetische 1. Baltische Front verfolgt wurden. Da die Deutschen bei der Bekämpfung der Partisanen im Frühjahr 1944 Erfolge erzielt hatten, war der Rückzugsweg für die verbleibenden Einheiten der 3. deutschen Panzerarmee nicht versperrt. [19]

Angriff auf Orscha

Sd.Kfz. 10 mit Nebelwerfer 42 des Werfer-Regiments 51 durchquert ein Waldgebiet während des Rückzugs aus Orscha (Anfang Juli 1944)

Am nördlichen Rand des Verteidigungsbereiches der 4. deutschen Armee lag die Ortschaft Orscha, durch die mehrere Eisenbahnlinien und die von den Deutschen als Rollbahn oder Autobahn bezeichnete Hauptversorgungsstraße der Heeresgruppe Mitte verliefen, die in östlicher Richtung direkt nach Smolensk und Moskau, in westlicher Richtung direkt nach Minsk führte (siehe Europastraße 30). Da die verkehrstechnische Infrastruktur auf dem Gebiet Weißrusslands im Jahr 1944 sehr unterentwickelt war und nur wenige Straßen existierten, die besser befestigt waren als gewöhnliche Feldwege, war die Rückeroberung Orschas eine wichtige Aufgabe, mit welcher der südliche Flügel der 3. Weißrussischen Front betraut wurde. Auch der deutschen Führung war die Bedeutung des Ortes bewusst, weshalb er ähnlich wie Wizebsk als „fester Platz“ deklariert und stark befestigt wurde.

Der Angriff der 11. russischen Gardearmee am 23. Juni konnte daher von den Deutschen zunächst verzögert werden, die sowjetischen Truppen erzielten nur geringe Geländegewinne. Durch den weiter nördlich erfolgenden Vorstoß auf Wizebsk gelang es jedoch den sowjetischen Einheiten in den folgenden Tagen, die stark befestigten deutschen Verteidigungsbereiche zu umgehen. Am 25. Juni waren die deutschen Verteidiger bereits so geschwächt, dass die Verteidigungsstellungen im Laufe des Tages durchbrochen werden konnten. Ein deutscher Gegenangriff in der Nähe der Ortschaft Orechowsk schlug fehl. Am 26. Juni waren die deutschen Truppen dabei, sich aus dem Gebiet um Orscha vor der Übermacht sowjetischer Truppen und einer drohenden Einkesselung zurückzuziehen, sodass die Ortschaft am Abend desselben Tages von sowjetischen Truppen eingenommen werden konnte. Damit war die deutsche Verteidigung der wichtigen Straße nach Minsk gescheitert. Sowjetische Panzerverbände der 11. russischen Gardearmee stießen auf ihr schnell in Richtung der weißrussischen Hauptstadt vor. Die deutschen Verbände zogen sich im Laufe der folgenden Tage gemeinsam mit der 4. deutschen Armee ebenfalls in Richtung Westen zurück. Jedoch war das Marschtempo der Deutschen geringer als das der Sowjets.

Angriff auf Mahiljou (Mogilew-Operation)

Das Kampfgebiet während der Mogilew-Operation

Im mittleren Sektor des von der Heeresgruppe Mitte gehaltenen Gebietes begannen die Truppen der erst im Frühjahr 1944 neu gebildeten 2. Weißrussischen Front ihre Angriffe gegen die Stellungen der 4. deutschen Armee am 23. Juni. Die Intensität dieser russischen Operation war jedoch wesentlich geringer als im Wizebsker Gebiet, da der sowjetische Operationsplan eine Einschließung des Zentrums der Heeresgruppe Mitte durch die im Norden und Süden vorgehenden Angriffsspitzen vorsah. Es sollte daher lediglich ein vorzeitiger Rückzug der 4. deutschen Armee, der diese Einschließung vereitelt hätte, verhindert werden. So stieß lediglich die sowjetische 49. Armee bis zum Abend des 26. Juni 30 Kilometer in Richtung Mahiljou vor. Diese Armee war durch die Übernahme von Frontabschnitten durch die beiden benachbarten Armeen verstärkt worden. (siehe Karte Verlauf 23. bis 24. Juni und Verlauf 25. bis 26. Juni)

Am 26. und 27. Juni gelang es den Pionieren der sowjetischen 49. Armee nördlich von Mahiljou Pontonbrücken über den Dnepr zu errichten und eine Überquerung des Flusses zu ermöglichen. Adolf Hitler erteilte daraufhin den Befehl, dass die 12. Infanteriedivision die zur Festung erklärte Stadt bis zum letzten Mann zu verteidigen hatte, um den Vormarsch der Sowjets zu verzögern. Alle anderen Teile der 4. deutschen Armee zogen sich weiter Richtung Minsk zurück, sodass diese Division praktisch geopfert wurde. Die sowjetischen Truppen schlossen Mahiljou am 27. Juni ein. (siehe Karte Verlauf 27. bis 28. Juni) Nach erbitterten Kämpfen wurde Mahiljou am 28. Juni zurückerobert. Der Befehlshaber der 12. Infanteriedivision Generalleutnant Bamler und der Stadtkommandant, Generalmajor Gottfried von Erdmannsdorf, ließen den Kampf einstellen, nachdem gemäß sowjetischen Angaben 6.000 deutsche Soldaten bei der Verteidigung der Stadt gefallen waren. 3.400 Überlebende gerieten in sowjetische Gefangenschaft. Versprengte deutsche Soldaten leisteten teilweise noch über mehrere Wochen Widerstand und kämpften sich teilweise erfolgreich zu den deutschen Linien zurück.

Die Rückzugsbewegung der 4. deutschen Armee konnte nur langsam vollzogen werden, da der Weg durch ein weites, unzugängliches Waldgebiet führte, das außerdem zum größten Teil von Partisanenverbänden kontrolliert wurde. Die einzige für den Rückzug verfügbare, jedoch unbefestigte Straße Mahiljou-Berazino-Minsk war mit Fahrzeugen aller Art verstopft. Viele Zivilisten, die mit den Deutschen kooperiert hatten, flohen aus Furcht vor Lynchjustiz zusammen mit den deutschen Soldaten. Der durch das OKH verursachte Mangel an Kraftfahrzeugen bei den deutschen Verbänden rächte sich jetzt sehr. Zusätzlich wurden die Kolonnen durch sowjetische Schlachtflugzeuge vom Typ Iljuschin Il-2 angegriffen, was zu einem allgemeinen Chaos und zum Tod von drei Korps-Kommandeuren der 4. deutschen Armee innerhalb weniger Stunden führte. Der massenhafte Einsatz sowjetischer Schlachtflieger war für die Deutschen neu und beraubte sie ihrer Artillerie, welche die letzte, bis dahin effiziente Verteidigungsmöglichkeit gegen die Angriffe der Roten Armee war.[22] Generell erlitten die deutschen Truppen auch in diesem Sektor sehr hohe Verluste. Laut dem damaligen Befehlshaber der 4. deutschen Armee Kurt von Tippelskirch gelang es nur der Hälfte seiner Soldaten, sich über den Fluss Dnepr zurückzuziehen. [7] Dies wird unter anderem in den Memoiren Lew Kopelews bestätigt, der als Soldat bei der 50. sowjetischen Armee an der Offensive gegen Mahiljou teilnahm. [41]

Kessel von Babrujsk (Bobruisker Operation)

Lokation des Kampfgebietes während der Bobruisker Operation
Häuserkampf in Babrujsk (28. oder 29. Juni 1944)
Zerstörungen in Babrujsk, Bereich Puschkin Straße (Foto Herbst 1944)

Im dem südlichen, von der 9. Armee gehaltenen Frontabschnitt begann der Angriff der sowjetischen 1. Weißrussischen Front unter Marschall Rokossowski am 24. Juni. Auch hier wurde der Angriff durch heftiges Artilleriefeuer sowie durch Schlachtflugzeuge der 16. sowjetischen Luftarmee unterstützt. Gemäß Rokossowskis Plan griffen die sowjetischen Truppen an zwei Abschnitten der deutschen Front an. Am Abend des Tages gelang es den Angreifern der 65. sowjetischen Armee unter Generalleutnant Batow, die Front an der südlichen Flanke des deutschen XXXV. Armeekorps zu durchbrechen. Zeitgleich misslang ein deutscher Versuch, mit Hilfe der 20. Panzerdivision den sowjetischen Angriff an der nördlichen Flanke desselben Armeekorps abzuwehren. Auch dort gelang der Roten Armee (unter anderem bei der Ortschaft Rogatschew) der Einbruch in die deutschen Verteidigungsstellungen, obwohl die 20. Panzerdivision an dieser Stelle versuchte, den sowjetischen Angriff abzuwehren. Die schnellen sowjetischen motorisierten Verbände im Süden stießen danach sofort in Richtung der Ortschaft Paritschi vor und überquerten dort die Bjaresina. Die langsameren sowjetischen Infanterieeinheiten drehten nach Norden ein und begannen mit den nördlich angreifenden Teilen das Gros der 9. deutschen Armee einzuschließen. Der Befehlshaber der 9. deutschen Armee beging den Fehler, die 20. Panzerdivision, welche die einzige deutsche Einheit war, die Chancen auf Erfolg bei der Abwehr einer der sowjetischen Angriffsspitzen gehabt hätte, auf beide Schwerpunkte aufzuteilen. Durch diese selbst verursachte Schwächung waren beide Angriffe der 1. Weißrussischen Front erfolgreich.

Im Gegensatz zu den in Wizebsk stationierten Einheiten wurde den deutschen Truppen der 9. Armee ein Rückzug nach Nordwesten in Richtung Minsk genehmigt. Große Teile der relativ unbeweglichen deutschen Einheiten mussten dabei jedoch den Weg über Babrujsk nehmen. Aufgrund der guten Motorisierung der sowjetischen Truppen gelang es diesen, die sich zurückziehenden deutschen Einheiten zu überholen und hinter Babrujsk einen Kessel um große Teile der 9. deutschen Armee zu bilden. In diesem wurden ca. 70.000 Deutsche, darunter auch viele Unterstützungseinheiten eingeschlossen. Die sich im Kessel befindenden deutschen Truppen wurden nun von sowjetischer Artillerie zusammengeschossen. [14]

Der Kommandeur des XXXV. Armeekorps Generalleutnant von Lützow erkannte den Ernst der Lage und autorisierte selbstständige Ausbruchsversuche der ihm unterstellten Einheiten. Unter den deutschen Soldaten brach Panik aus, viele versuchten sogar, den Fluss Bjaresina durchschwimmend, den sowjetischen Einheiten zu entkommen. [39] Obwohl 15.000[42] bis 30.000[32] deutschen Soldaten ein Ausbruch unter Zurücklassung vieler Fahrzeuge und schweren Waffenmaterials gelang, wurde der größere Teil der deutschen Soldaten im Kessel vom Babrujsk gefangengenommen oder getötet. Wie katastrophal die deutschen Verluste waren, zeigt ein Zitat des sowjetischen Journalisten Grossman:

„Die Männer laufen über die Leichname deutscher Soldaten. Leichen, hunderte und tausende bedecken die Straße, liegen in Gräben, unter den Kiefern, auf den noch grünen Getreidefeldern. An einigen Stellen müssen Fahrzeuge über die Körper fahren, weil sie so dicht auf dem Boden liegen. […] Ein Kessel des Todes kochte an diesem Ort, an dem Rache [für den deutschen Überfall auf die Sowjetunion] genommen wurde.“ [43]

Die in Babrujsk eingeschlossene 383. Infanteriedivision erhielt den Auftrag, den festen Platz zu verteidigen und somit Zeit für den Aufbau einer neuen deutschen Verteidigungslinie vor Minsk zu gewinnen. Die Reste der Division unter dem Befehl des Platzkommandanten Generalleutnant Edmund Hoffmeister ergaben sich schließlich am 29. Juni. Tausende deutscher Soldaten gingen in sowjetische Gefangenschaft oder wurden durch die Russen an Ort und Stelle umgebracht. Dieses Schicksal ereilte beispielsweise viele der in Babruisk verbliebenen schwer verwundeten Deutschen:

„Am 29. besetzten die Russen das Lazarett und filzten uns sogleich gründlich. […] Etwa eine Stunde später erschienen wieder Russen, diesmal in ölverschmierten Uniformen. Systematisch gingen sie von Bett zu Bett, richteten ihre Maschinenpistolen auf die Verwundeten und schossen ihre Magazine leer. […] Mit den Toten lag ich noch drei Tage in diesem Lazarett, ohne jegliche […] Versorgung und Verpflegung. […] Plötzlich erschien ein russischer Zivilarzt […] Der Arzt sorgte dafür, dass die Überlebenden aus den Räumen heraus [in ein ehemaliges Wehrmachtserholungsheim] gefahren wurden.“[14] Besonders Soldaten derjenigen Einheiten der Wehrmacht, die sich aus der örtlichen Bevölkerung oder aus Russen zusammensetzten oder Hilfswillige (kurz Hiwis) und Zivilisten, bei denen eine Kollaboration mit den Deutschen nachweisbar war, hatten keine Gnade von den Soldaten der Roten Armee zu erwarten: Sie wurden nach ihrer Gefangennahme beziehungsweise Verhaftung misshandelt und häufig getötet.[44] [41]

Die Stadt Babrujsk wurde während der Kämpfe fast vollständig zerstört. Nach der Rückeroberung lebten in der Stadt kaum mehr als 28.000 Menschen, die meisten waren obdachlos. Die Mehrzahl der geflohenen Einwohner kehrte erst 1945 zurück. [45]

Die Truppen der 1. Weißrussischen Front stießen nach ihrem Erfolg durch einen breiten Korridor auf Minsk und in westlicher Richtung entlang des Pripjaz vor. Damit begann die Rote Armee einen Ring um die noch intakte 4. deutsche Armee, die sich noch weiter östlich gegen die 2. Weißrussische Front verteidigte, sowie um die sich zurückziehenden Reste der 9. deutschen Armee zu schließen.

Rückeroberung von Minsk (Minsker Operation)

Geografische Lage des Kampfgebietes während der Minsker Operation
Panzer IV der 5. Panzerdivision (Anfang Juli 1944)
Sowjetische Infanteristen auf Sturmgeschützen vom Typ SU-76 (Minsk, 3. Juli 1944)
Brennendes Gebäude der Minsker Universität (3. Juli 1944)
Einwohner von Minsk kehren in ihre Häuser zurück (Juli 1944)

Die bisher erzielten Erfolge der Roten Armee und die daraus resultierenden Meldungen machten auch dem deutschen OKW das Ausmaß der bisher erlittenen Niederlage deutlich, das erst am 26. Juni die Lage richtig erkannte. Sofort wurden alle verfügbaren Reserven, die vorher in Richtung der Heeresgruppe Nordukraine verlegt worden waren, in Richtung der Heeresgruppe Mitte in Marsch gesetzt.[16] Personelle Konsequenzen bezüglich der Besetzung von Führungspositionen der Heeresgruppe folgten. Der Oberbefehlshaber der 9. deutschen Armee, General Jordan, wurde wegen zu zögerlichem Einsatz der 20. Panzerdivision abgelöst und durch General von Vormann ersetzt. Busch wurde als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte unberechtigterweise allein für die Lage der Heeresgruppe verantwortlich gemacht und am Abend des 28. Juni entlassen [16]. Sein Nachfolger wurde Generalfeldmarschall Model.

Wie Busch stand auch Model bedingungslos auf der Seite Adolf Hitlers [46], genoss jedoch bei diesem im Gegensatz zu seinem Vorgänger hohes Ansehen.[9] Model hatte außerdem den Vorteil, dass er das Kommando über die Heeresgruppe Nordukraine behielt und somit ohne Anträge den Transfer von Verstärkungen einleiten konnte. Durch diese Umbesetzungen wurden aber die enormen Probleme, mit denen die Heeresgruppe Mitte konfrontiert war, zunächst nicht gelöst. Deren Front war am Abend des Tages auf einer Breite von etwa 300 Kilometern durchbrochen oder aufgrund der dramatischen Umstände aufgegeben worden.

Model erkannte, dass er die bedrohliche Situation nur dadurch bereinigen konnte, indem er zunächst mit den ihm zur Verfügung stehenden begrenzten Kräften eine neue deutsche Front aufzubauen versuchte. Zeitgleich versuchte er, die Umfassung der 4. deutschen Armee und 9. deutschen Armee durch die 1. Weißrussische Front und 3. Weißrussische Front zu verhindern. Dazu sollte eine ad hoc gebildete Kampfgruppe von Saucken, die die bereits stark angeschlagene Kampfgruppe von Gottberg ersetzte, mit der 5. Panzerdivision den Übergang über den Fluss Beresina bei Baryssau nordöstlich von Minsk sichern. Im südöstlichen Abschnitt konnte die noch weitestgehend unberührt gebliebene 2. deutsche Armee den Vormarsch der Roten Armee bei Sluzk verzögern. Die als Verstärkung von der Heeresgruppe Nordukraine herbeigerufene 4. Panzerdivision konnte per Eisenbahntransport bei Baranawitschy ausgeladen und sofort eingesetzt werden. Ihr Auftrag war, die Verbindung zur 12. Panzerdivision der 9. deutschen Armee bei der Ortschaft Stoubzy (weißrussisch: Стоўбцы) wieder herzustellen.

Im Nordosten waren jedoch die Reste der 3. Panzerarmee nicht mehr in der Lage, Widerstand zu leisten, auch wenn sie inzwischen wieder zu einer Kampfgruppe zusammengefasst waren. Dadurch wurde auch die Frontlinie der 5. Panzerdivision überdehnt, die sich daraufhin ebenfalls zurückziehen musste. Die sowjetische 3. Weißrussische Front konnte mit der von dem Marschall der Panzertruppen Pawel Alexejewitsch Rotmistrow geführten 5. Gardepanzerarmee an der Spitze die Bjaresina überschreiten, am 30. Juni Baryssau einnehmen und weiter in Richtung Minsk vorstoßen. Dieser sehr starke Panzerverband erlitt dabei trotz der relativ schwachen deutschen Abwehr hohe Verluste, war aber durch den rücksichtslosen Einsatz für die Deutschen am gefährlichsten. Als die 5. Gardepanzerarmee am 16. Juli auf nur 50 kampfbereite Panzer des Typs IS-2 geschrumpft war, wurde Rotmistrow schließlich von seinem Frontkommando entbunden. Im Südosten gelang es der 1. Weißrussischen Front am 2. Juli Stoubzy zu erreichen, das von der deutschen 4. und 12. Panzerdivision als Rückzugsweg offen gehalten werden sollte. In und um die Stadt entbrannten heftige Kämpfe zwischen der deutschen 4. Panzerdivision und Einheiten der russischen 65. Armee. Den Deutschen gelang es, im Laufe der folgenden Tage, einen Teil der Stadt und der Umgebung in ihrer Hand zu behalten. Weiter nördlich der Ortschaft befand sich der Wald von Naliboki, der vollständig von Partisanen besetzt und somit für die Wehrmacht unzugänglich war. Die militärische Katastrophe der Heeresgruppe Mitte war nicht mehr aufzuhalten, als es der Roten Armee am 3. Juli gelang, Minsk einzunehmen (siehe Karte mit den Operationen der daran maßgeblich beteiligten 4. Gardepanzerbrigade), das kaum verteidigt werden konnte, weil sich in der Stadt zwar große Mengen an Nachschubgütern, jedoch keine nennenswerten Truppen mehr befanden. Dadurch wurde diese Stadt jedoch auch weniger zerstört als andere Orte in Weißrussland, weil die wenigen deutschen Zerstörungskommandos in der Stadt es nicht wie vorgesehen schafften, einen Großteil der Häuser anzuzünden oder zu sprengen und sich durch den geringen deutschen Widerstand auch der sowjetische Artillerieeinsatz in Grenzen hielt.

Die bis dahin noch auf dem Ostufer der Bjaresina befindliche 4. deutsche Armee konnte aufgrund ihrer geringen Marschgeschwindigkeit den Flussübergang erst am gleichen Tag beenden und war nun zusammen mit Resten der 9. deutschen Armee in einem Kessel eingeschlossen, der durch die Truppen der 2. Weißrussischen Front bedrängt und eingedrückt wurde. Damit erlitten die Deutschen nun ein ähnliches Schicksal wie die Franzosen knapp 132 Jahre zuvor. (siehe Schlacht an der Beresina) Der 12. Panzerdivision gelang es zwar, zusammen mit anderen Teilen der 9. deutschen Armee die 4. Panzerdivision zu erreichen. Dies geschah jedoch erst, nachdem die Division aufgrund nicht mehr vorhandenen Funkkontakts an Stoubzy vorbeimarschiert war. Um die Verbindung herzustellen, gab die 4. Panzerdivision Stoubzy am 4. Juli auf. Damit war jedoch der einzige noch verbleibende Rückzugsweg für die sich noch knapp 100 km östlich befindende 4. deutsche Armee verschlossen worden. [16] Model konzentrierte nach diesen Misserfolgen seine Bemühungen ganz auf die Bildung einer Frontlinie westlich von Minsk, da er nicht über genügend Mittel verfügte, um den eingeschlossenen Truppen östlich der Stadt zu helfen.

Die Zerschlagung der 4. deutschen Armee

Das Oberkommando über die 4. deutsche Armee wurde durch von Tippelskirch am 1. Juli dem Generalleutnant Vincenz Müller übertragen. Die an Müller mündlich weitergegebene Zielstellung lautete: „[...] Der nächste Auftrag für die 4. Armee ist: weiter zurückgehen in allgemeiner Richtung etwa 50 bis 60 km südlich Minsk.“ Müller sollte versuchen, nach dem Vorbild des bereits im April bei einem Flugunfall ums Leben gekommenen Generaloberst Hans-Valentin Hube, die ihm unterstellten Truppen, die in absehbarer Zeit eingeschlossen sein würden, in Richtung Westen an Minsk vorbei zu bewegen und wieder den Anschluss an die deutschen Stellungen herzustellen.

Bis zum 3. Juli, als die 4. Armee endgültig von den Russen eingeschlossen wurde, verlief der Rückzug langsam, aber im Großen und Ganzen planmäßig. Es fanden Feuerüberfälle von Partisanen statt, die sich in den Wäldern westlich und südwestlich von Mahiljou aufhielten, und deren Intensität mit fortlaufender Zeit zunahm. Nach der sowjetischen Rückeroberung von Minsk verstärkte sich auch der Druck durch die regulären Truppen der 2. Weißrussischen Front, die mit der Vernichtung der deutschen Armee beauftragt war. Generalleutnant Vincenz Müller, der sich im deutschen Heer zu Recht einen Namen als Steher gemacht hatte, war aber immer noch der Meinung, dass der Ausbruch aus der Umklammerung zu schaffen wäre: „Es wäre ja zum Lachen, wenn wir diese Schweine nicht durch Sonne, Mond und Sterne jagen würden.“ [47] Über Funk teilte er von Tippelskirch am 3. Juli mit, dass er einen Durchbruch „möglichst vieler noch moralisch einwandfreier Kämpfer mit einfachster Waffenausstattung “ durchführen würde.[47] Ob Müller zu diesem Zeitpunkt die aktuelle deutsche Gesamtlage vollständig bekannt war, bleibt dahingestellt.

Die Lage der Reste der 4. Armee dramatisierte sich in den folgenden Tagen nahezu stündlich. Die Ränder des Kessels, der sich in einem unübersichtlichen Gebiet mit vielen Waldstücken befand, zerfaserten immer mehr: Deutsche Einheiten, die vor angreifenden russischen Truppen in Waldstücken Deckung suchten, verloren den Kontakt zum Rest der Armee und waren plötzlich auf sich gestellt. Die Angriffsspitzen der Deutschen, die einen Weg nach Westen bahnen sollten, kamen immer schwerer voran. Ein zusätzliches Hindernis war die Tatsache, dass Müllers Stab keine Karten des Gebietes um Minsk zur Verfügung standen, nach denen sich die Deutschen hätten orientieren können. Die kümmerlichen Reste der deutschen Luftwaffe versuchten, zumindest ansatzweise die eingeschlossenen Truppen mit Nahrung und Munition zu versorgen: Der Großteil dieser wenigen per Fallschirm abgeworfenen Versorgungsgüter, deren Menge sowieso nicht ausgereicht hätte, landete jedoch beim Gegner. Am 5. Juli hatte die deutsche 4. Armee zum letzten Mal Funkkontakt mit den übrigen Verbänden der Heeresgruppe Mitte: Müller forderte dabei von Tippelskirch auf, wenigstens den Abwurf genauer Landkarten über dem Kessel zu organisieren, erhielt aber keine Antwort mehr. [7] Am selben Tag brach auch die Versorgung aus der Luft ab, bei Smilawitschy (weißrussisch Сьмілавічы) südostwärts Minsk wurden die letzten Versorgungspakete abgeworfen.[9] Die für die Versorgung notwendigen Feldflugplätze mussten aufgrund des raschen sowjetischen Vordringens weiter nach Westen verlegt werden.

Am 6. Juli gelang es der sowjetischen 49. und 33. Armee, die Rückzugsstraße Beresino-Minsk zu blockieren und die an der Spitze der 4. deutschen Armee stehende 110. Infanteriedivision vom Rest des Verbandes abzuschneiden. Der Treibstoff und die Munition aller unter Generalleutnant Müllers Befehl stehenden Einheiten gingen zur Neige. Verwundete konnten nicht mehr medizinisch versorgt werden. Trotz der verzweifelten Lage kämpften die deutschen Soldaten aus Furcht vor der sowjetischen Gefangenschaft weiter.

Ausbruchsversuche und Kapitulation

Generalleutnant Vincenz Müller erkannte die Hoffnungslosigkeit der Lage und schlug in einer am 7. Juli stattfindenden Stabsbesprechung vor, „Schluss zu machen“ und den Kampf einzustellen. Müller verlor auf diese Weise seine Autorität als Führungsperson der deutschen Einheiten. Sein Vorschlag wurde von den meisten der ihm unterstellten Kommandeure abgelehnt, die zu ihren Einheiten gingen und von nun an auf eigene Faust versuchten, doch noch nach Westen durchzustoßen. Die 57. Infanterie-Division, die noch eine Stärke von ungefähr 5.000 deutschen Soldaten besaß, versuchte unter dem Befehl von Generalleutnant Adolf Trowitz bei der Ortschaft Michanowitschi den sowjetischen Einschließungsring zu sprengen, scheiterte aber an der russischen Gegenwehr. Ähnliche Versuche kleinerer Gruppen folgten, hatten aber immer dasselbe Ergebnis. Müller beschloss in der Zwischenzeit, nachdem er Gedanken an einen Selbstmord verworfen hatte, sich auf eigene Faust zu den russischen Gegnern zu begeben und zu kapitulieren, da sein Stab inzwischen versprengt war und keine Kommunikationsmöglichkeiten mehr bestanden.

Deutsche Kriegsgefangene auf der Straße Minsk-Smolensk kurz nach dem Ende der Kesselschlacht bei Minsk, im Hintergrund ein aufgegebener Panzer vom Typ Tiger I (um den 9. bis 15. Juli 1944)

Am Morgen des 8. Juli ging Müller in Begleitung eines weiteren Offiziers und eines Hornisten in Richtung schießender russischer Artillerie und wurde von der Sicherung des dazugehörenden Stabes gefangengenommen. Er wurde sofort zu einem russischen Oberst geführt, dem er erklärte, dass er den Befehl zur Einstellung des Kampfes geben wolle, jedoch keine Mittel mehr habe, um diesen zu kommunizieren. Er diktierte daraufhin einen Befehl, der neben der Aufforderung zur Kampfeinstellung auch Zusagen über die korrekte Behandlung der Gefangenen durch die russische Führung enthielt. Dieser wurde in den folgenden Tagen mit Kleinflugzeugen über dem Gebiet des Restkessels abgeworfen beziehungsweise durch Propagandaeinheiten, denen auch Lew Kopelew angehörte, über Lautsprecher bekannt gegeben.[47]

Da Generalleutnant Müller keine Befehlsgewalt mehr über einen Großteil seiner Streitkräfte hatte und die Flugblätter bei weitem nicht alle deutschen Soldaten erreichten, ging deren verzweifelter Kampf zunächst an diesem Tag bis zum 11. Juli in einer halbwegs organisierten Form weiter, bis sich die letzte größere zusammenhängende Formation in Bataillonstärke ergab.

Gefangennahmen und Kriegsgräuel

Ein größerer Teil der eingekesselten deutschen Soldaten ging nach dem Bekanntwerden der Kapitulation in Gefangenschaft, wie aus den Memoiren Lew Kopelews zu entnehmen ist:

„[...] Ein paar Tage zogen wir über Straßen und Dörfer, hielten an, richteten unsere Lautsprecher auf den Wald und forderten die deutschen Soldaten auf, sich in Gefangenschaft zu begeben. Sie kamen einzeln oder in kleinen Gruppen, und wir schickten sie ohne Bewachung nach hinten mit einem Zettel »so und so viele Überläufer auf dem Weg zum Sammelpunkt«. Später erfuhren wir, daß sich ihnen unterwegs meist noch andere anschlossen; am Sammelpunkt korrigierten sie unseren Zettel, manchmal hatte sich die Zahl verdoppelt. [...]“[41]

Nicht immer verliefen diese Aktionen so reibungslos; versprengte deutsche Einheiten in Kompanie- oder Zugstärke leisteten weiterhin Widerstand und griffen mehrfach die Propagandaeinheit Kopelews an, teilweise, weil ihnen der Aufruf Müllers zur Kapitulation einfach noch nicht bekannt gemacht worden war oder sie nicht aufgeben wollten. Um diese deutschen Rückkämpfer zu stellen, wurden nun in großen Maßstab die ehemaligen Partisanen durch die Rote Armee herangezogen, wie aus der Geschichte der Bielski-Partisanen hervorgeht:

„[...] Begleitet von mehreren Stabsoffizieren, ritt ein sowjetischer General an der Spitze der Versammlung [der Partisanen]. Er blieb auf seinem Pferd sitzen, während er sprach. [...] »Die sowjetische Armee hat eine große deutsche Streitmacht bei Minsk eingeschlossen«, rief er, »Wir sind sicher, dass sie versuchen wird, in kleinen Gruppen aus unserer Falle auszubrechen und sich nach Westen zu den Wäldern hin durchzuschlagen. Unsere Pflicht, Genossen und Mitpartisanen, ist es, die Deutschen daran zu hindern, die Wälder zu erreichen! Ich baue darauf, dass ihr diese Mission mit Feuereifer erfüllen werdet.«

Die Partisanen wurden in Verteidigungstruppen eingeteilt und entlang dem Ostrand des [ Nalibocki-Waldes ] postiert. [...] Einige Tage später bemerkten einige jüdische Kämpfer die ersten deutschen Soldaten, die auf die sicheren Wälder zuhielten. Die Juden eröffneten sofort das Feuer. [...] Einer der deutschen Soldaten hatte genug: »Ich will keinen Krieg !« rief er verzweifelt und wollte sich ergeben. »Ich will leben !« Aber er durfte nicht kapitulieren: Sein kommandierender Offizier hob seine Waffe und erschoss ihn. Dann richtete er sich selbst.“

Die übrigen Soldaten des deutschen Trupps wurden in dem oben beschriebenen Fall gefangen genommen. Derartige Szenen sollten sich in den folgenden letzten Monaten des Krieges noch häufig wiederholen: Fanatische Vorgesetzte verursachten durch ihr blindes Durchhalten oft zusätzliche Todesopfer unter den deutschen Soldaten.

In der Geschichte der Bielski-Partisanen wird auch erwähnt, dass die deutschen Soldaten, die den Partisanen in die Hände fielen, zumeist erschossen und unter Umständen misshandelt wurden. Im Falle der Bielski-Partisanen nahmen die dieser Gruppe angehörenden überlebenden Juden nun Rache für die Grausamkeiten, die an ihnen während der vergangenen drei Jahre durch die Deutschen begangen worden waren:

„[...] Nach wenigen Tagen bedeckten Tausende von Leichen deutscher Soldaten den Rand des [Nalibocki-Waldes].“[17]

Die Grausamkeit der weißrussischen Partisanen muss im Verhältnis zu den von den Deutschen betriebenen Zwangsverschleppungen von Arbeitskräften, der von ihnen angewandte Taktik der verbrannten Erde und dem zu diesem Zeitpunkt immer noch stattfindenden Holocaust gesehen werden. Unabhängig von den äußeren Umständen handelt es sich bei der Erschießung oder Misshandlung von Kriegsgefangenen um ein Kriegsverbrechen und einen Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung. Es wäre kaum anzunehmen, dass es sich bei den Todesopfern ausschließlich um Deutsche gehandelt hat, die ihrerseits persönlich Kriegsverbrechen begangen hatten. In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, dass Lew Kopelew, aus dessen Memoiren hier zitiert wurde, 8 Jahre in einem sowjetischen Gulag verbrachte, nachdem er gegen die später von der Roten Armee in Ostpreußen begangenen Gräueltaten protestiert hatte.

Es gelang trotz der Verfolgung durch Partisanen und die Rote Armee noch bis in den August hinein vereinzelten, völlig heruntergekommenen Soldaten der 4. deutschen Armee, sich wieder bis zu den von der Wehrmacht gehaltenen Linien durchzuschlagen, die sich zu diesem Zeitpunkt schon in der Nähe der Ostpreußischen Grenze befanden. [7]

Versuche einer deutschen Verteidigung und weiteres sowjetisches Vordringen

Lage der Kampfzonen während der Polazker Operation, in der Umgebung der Ortschaften Baranawitschy und Maladsetschna sowie um Vilnius

Nach dem Einschluss der 4. deutschen Armee stellte sich die Lage der Heeresgruppe Mitte wie folgt dar: Am nördlichen Rand des Zuständigkeitsbereiches befand sich isoliert der Rest der 3. Panzerarmee, der von der Heeresgruppe Nord durch eine ca. 60 km breite Lücke getrennt war. Durch diese Lücke stießen Teile der ersten baltischen Front weiter nach Westen vor. Auf der südlichen Seite war die 2. deutsche Armee damit beschäftigt, ihren in den Pripyaz-Sümpfen gelegenen Frontabschnitt nach Westen hin aufzurollen und die Verteidigungsaufgaben der stark angeschlagenen 9. deutschen Armee zu übernehmen. Deren Reste wurden dazu dieser Armee unterstellt. Im mittleren Abschnitt des Zuständigkeitsbereiches der Heeresgruppe Mitte befand sich überhaupt keine zusammenhängende Front mehr.

Die 5. und 12. deutsche Panzerdivision, die ursprünglich dafür vorgesehen waren, die deutschen Verteidigungslinien östlich Minsk zu verstärken, übernahmen nun die Hauptlast der deutschen Verteidigungsbemühungen in diesem Bereich. Diese wurden durch das waldreiche und schwer zugängliche Gelände westlich Minsk begünstigt. Die beiden Hauptrouten in Richtung Westen verliefen über die Ortschaften Maladsetschna und Baranawitschy, alle anderen Wege waren für motorisierte und gepanzerte Verbände ungeeignet, da das Gelände sehr stark bewaldet war. Daher konzentrierte man sich auf deutscher Seite darauf, diese beiden Ortschaften solange wie möglich zu halten. In der verbleibenden Zeit wurden immer mehr Einheiten aus anderen Frontabschnitten in den Bereich der Heeresgruppe Mitte verlegt, darunter auch eine Kavalleriedivision der 1. ungarischen Armee. [16][14]

Generalfeldmarschall Model erkannte, dass er mit den wenigen ihm verbleibenden Kräften keine durchgängige und starre Verteidigung des ihm übertragenen Abschnitts durchführen konnte. Statt dessen wurden die beiden verbleibenden Panzerdivisionen zu örtlichen Gegenangriffen auf die Angriffsspitzen der Roten Armee verwendet, sodass deren Vormarsch soweit verzögert werden konnte, das rückwärtige deutsche Truppen in der Lage waren, Verteidigungsstellungen zu errichten. War ein kurzer Gegenstoß der deutschen Truppen erfolgt, lösten sich diese bald darauf wieder vom Gegner, um sich den erwarteten Gegenschlägen der Roten Armee mit schwerer Artillerie und Schlachtflugzeugen zu entziehen. Aufgrund der mehrfachen Überlegenheit der Roten Armee hatten die Deutschen aber keine ernsthafte Chance, den sowjetischen Vormarsch zum Stehen zu bringen. Dies hätte nur durch den Einsatz ganzer Armeen geschehen können, die aber aufgrund der taktischen Fehler des OKW in mehreren Kesseln verloren gegangen waren. Um Kräfte dieser Größenordnung zur Verfügung zu haben, schlug der deutsche Generalstabschef Kurt Zeitzler bereits am 30. Juni vor, die Heeresgruppe Nord aus ihren Stellungen nach Süden hin abzuziehen und diese Kräfte für die Errichtung einer neuen Abwehrstellung zu nutzen. Dieser Plan wurde von Hitler abgelehnt und Zeitzler trat umgehend von seinem Posten als Generalstabschef zurück.

Polazker Operation

Auch die sowjetische Führung hatte das Gefahrenpotential erkannt, das von der immer noch intakten Heeresgruppe Nord für die angreifenden sowjetischen Truppen ausging. Die erste baltische Front begann daher kurz nach dem erfolgten Durchbruch bei Wizebsk mit Teilen nach Norden zu schwenken und den "festen Platz" Polazk anzugreifen. Nach heftigen Kämpfen wurde die Stadt am 4. Juli von den Truppen der 1. baltischen Front befreit. In der Folge wurde die deutsche Front nördlich der Stadt immer weiter in Richtung Westen eingedrückt. Es zeichnete sich ab, dass die Heeresgruppe Nord vom Rest der deutsch besetzten Gebiete abgeschnitten werden würde, falls nicht unverzüglich mit dem Rückzug in Richtung Süden begonnen werden würde. Hitler sperrte sich aber immer noch gegen die eindringlich vorgebrachten Rückzugsvorschläge der deutschen Generalität.

Inzwischen konnte die Lücke, die in der deutschen Verteidigung zwischen den Resten der 3. deutschen Panzerarmee und der Polazk verteidigenden 16. deutschen Armee existierte, mangels verfügbarer Truppen nicht geschlossen werden. Ortschaften wurden teilweise durch versprengte deutsche Einheiten verteidigt, die aber gegen die sowjetische Übermacht nicht die geringste Chance hatten. [48]

Kessel von Vilnius (Vilniuser Operation) und Beginn des polnischen Aufstands

Hauptartikel: Aktion Gewitter

Die kastrophale Lage der Deutschen und das rasche Vordringen der Roten Armee riefen zu Beginn des Monats Juli eine dritte Konfliktpartei auf den Plan, die sich bis dahin im Hintergrund gehalten hatte: Die Befehlshaber der Polnischen Heimatarmee (Armija Krajowa kurz A.K.) befürchteten zu Recht, dass die sowjetische Besetzung Polens im schlimmsten Fall mit der vollständigen Annexion des polnischen Staatsgebiets enden oder zumindest zur Installation einer prosowjetischen Regierung führen würde. Daher wurde hastig die Aktion Gewitter initiiert, deren Ziel die eigenständige Befreiung des polnischen Staatsgebiets durch die A.K. und die Etablierung einer unabhängigen polnischen Regierung war. Die polnische Aufstand begann daraufhin am 1. Juli und hatte einen ersten Höhepunkt während der Kämpfe um die heutige litauische Hauptstadt Vilnius.

Nach heftigen Kämpfen gelang es der Roten Armee die Engpässe von Maladsetschna und Baranawitschy bis zum 8. Juli einzunehmen. Die sowjetischen Truppen drangen auf litauisches Gebiet und in Richtung Vilnius vor. Die Stadt war zuvor von Hitler zu einem "festen Platz" deklariert worden. In der Stadt, die am gleichen Tag von der 5. sowjetischen Gardepanzerarmee, der 5. sowjetischen Armee sowie Teilen der 11. Gardearmee unter General Tschernjachowski eingeschlossen worden war, befanden sich 4.000 deutsche Soldaten [6] unter dem Kommando von Generalmajor Reiner Stahel, darunter auch ein Fallschirmjägerbataillon, das erst am Abend des Vortags eingeflogen worden war.

Am 7. Juli begann die Armija Krajowa ihrerseits die Operation "Ostra Brama" (deutsch "Tor der Morgenröte" benannt nach einer gleichnamigen Kapelle in Vilnius) unter dem Kommando von Aleksander Krzyżanowski, die die Befreiung der Stadt durch polnische Kräfte zum Ziel hatte. Den polnischen Kräften gelang es, einen Großteil des Stadtzentrums von Vilnius zu besetzen. In den östlichen Stadtteilen kooperierten die A.K.-Einheiten mit sowjetischen Aufklärungseinheiten. Der polnische Aufstand vereitelte die deutschen Bemühungen, Vilnius zu befestigen.

Den deutschen Soldaten, die sich hauptsächlich in den westlichen Teilen der Stadt verschanzt hatten, wurde erst am 11. Juli ein Ausbruch genehmigt, nach dem der neue Generalstabschef Adolf Heusinger Hitler von dieser Maßnahme mit den Worten überzeugt hatte, dass es sich doch leichter bei einem aussichtslosen Ausbruchsversuch sterben lasse, als bei einer aussichtslosen Verteidigung. Hitler, dem es egal war, wie seine Soldaten für ihn starben, stimmte Heusingers Vorschlag zu. Von den 4.000 Eingeschlossenen konnten sich daraufhin 3.000 Soldaten zu den deutschen Linien durchschlagen.

Die letzten deutschen Soldaten verließen Vilnius am 14. Juli. Die A.K.-Angehörigen wurden kurz nach dem Ende der Kämpfe von den sowjetischen Truppen am 15. Juli entwaffnet und ihre Offiziere durch das NKWD verhaftet.

Ausweitung der sowjetischen Angriffe

Lage der Kampfgebiete der Lwiw-Sandomierz-Operation sowie der Pskow-Ostrower Operation

Die Unfähigkeit der Heeresgruppe Mitte, das Gebiet Weißrusslands wirksam zu verteidigen, zeigte der sowjetischen Führung noch einmal überdeutlich, dass das Deutsche Reich am Ende seiner Kräfte angelangt war. Daher wurde von der STAWKA beschlossen, die Offensive auf die angrenzenden Frontabschnitte auszuweiten.

Lwiw-Sandomierz-Operation

Hauptartikel: Lwiw-Sandomierz-Operation

Am 13. Juli 1944 begann die sowjetische Offensive auf den von der Heeresgruppe Nordukraine gehaltenen Frontabschnitt. Auch dieser mit weit überlegenen Kräften gegen die inzwischen ausgedünnte deutsche Verteidigung geführte Angriff erzielte rasche Erfolge, die zu der Einkesselung deutscher Einheiten bei der Stadt Brody führten. Wenig später griffen auch die Teile der 1. weissrussischen Front die deutschen Stellungen vor der Stadt Kowel an. Obwohl dieser Frontabschnitt am besten gegen einen Angriff gesichert worden war, gelang es den sowjetischen Angreifern mittels eines extrem heftigen Artillerieangriffs die deutschen Verteidiger zu überrennen. Sowjetische Truppen drangen immer tiefer in das ehemalige polnische Staatsgebiet ein und näherten sich Warschau.

In den Woiwodschaften Ternopil und Lemberg begannen Einheiten der Armija Kraiowa ab dem 16. Juli mit ihren Aktionen gegen die deutschen Besatzer. Die Stadt Lemberg wurde während der Operation Burija vom 22. Juli bis 27. Juli durch die Kämpfer der A.K. befreit. Nachdem die Rote Armee die Stadt erreicht und gesichert hatte, wurden die A.K.-Angehörigen wie zuvor in Vilnius entwaffnet.

Pskow-Ostrower Operation

Hauptartikel: Pskow-Ostrower Operation

Gegen die Flankenbedrohung der 1. baltischen Front durch die immer noch intakte Heeresgruppe Nord begannen die 2. und 3. baltische Front am 17. Juli 1944 ebenfalls eine Offensive, die zum Vordringen sowjetischer Truppen auf lettisches Gebiet führte. Die 16. und 18. deutsche Armee gerieten in eine kritische Lage und mussten sich weiter nach Westen zurückziehen. Ostrow und Pskow wurden als letzte noch in deutscher Hand verbliebene russische Städte am 21. bzw. 23. Juli 1944 von der Roten Armee befreit.

Öffentliche Zurschaustellung gefangener deutscher Soldaten in Moskau

Deutsche Kriegsgefangene werden nach ihrer Gefangennahme im Kessel von Minsk durch die Straßen Moskaus geführt (17. Juli 1944)

Um das Ausmaß des sowjetischen Sieges der Weltöffentlichkeit zu präsentieren, befahl Stalin, dass die während der Vernichtung der 4. deutschen Armee gefangengenommenen deutschen Soldaten in einer Parade durch Moskau geführt werden sollten. Der Grund hierfür war, die noch mit dem Deutschen Reich verbündeten Regierungen Finnlands, Rumäniens und Ungarns zu einem Seitenwechsel zu veranlassen und den verbündeten Briten und Amerikanern die Stärke der Roten Armee vor Augen zu führen. Die von Stalin befohlene Parade fand am 17. Juli 1944 statt. 57.000 gefangene deutsche Soldaten wurden durch Moskau getrieben. An ihrer Spitze marschierten die gefangengenommenen Befehlshaber der Heeresgruppe Mitte. Die Gefangenen wurden beschimpft und mit Gegenständen beworfen, sodass die zur Bewachung abkommandierten sowjetischen Soldaten sie vor der aufgebrachten Menge schützen mussten. Nachdem der Zug der Gefangenen die Stadt passiert hatte, wurden die Straßen sofort mit Reinigungsmaschinen symbolisch gesäubert.[24]

Von Moskau aus wurden große Teile der Deutschen in Arbeitslager bei Karaganda, Kuibyschew, Stalingrad, in der Ukraine sowie bei Tscherepowez verschickt. [49]

Der 20. Juli 1944

Hauptartikel: Attentat vom 20. Juli 1944

Der rasche Vormarsch der Roten Armee und die immer ungünstiger werdende Lage der deutschen Truppen in der Normandie waren für die Mitglieder der Widerstandsgruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg schockierend. Der Oberleutnant der Reserve Heinrich Graf von Lehndorff-Steinort richtete im Auftrag von Stauffenbergs die Frage an Henning von Tresckow, ob ein militärischer Umschwung überhaupt noch einen praktischen Zweck habe.[50] Von Tresckow, der als Stabschef der 2. deutschen Armee besser als alle anderen Widerständler über die tatsächliche Lage an der deutschen Ostfront Bescheid wusste, antwortete jedoch hierauf:

„Das Attentat muss erfolgen, coûte que coûte. Sollte es nicht gelingen, so muss trotzdem in Berlin gehandelt werden. Denn es kommt nicht nur auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, dass die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte den entscheidenden Wurf gewagt hat. Alles andere ist daneben gleichgültig.“

Von Tresckow plante sofort nach dem Gelingen des Putsches die deutsche Westfront den Truppen der Alliierten zu öffnen. Die dadurch freigewordenen deutschen Einheiten sollten dann umgehend an die deutsche Ostfront verlegt werden, um ein weiteres sowjetisches Vordringen nach Westen und somit eine sowjetische Besatzung Deutschlands zu verhindern. Zeitgleich sollten auch mit der Sowjetunion Verhandlungen über einen Waffenstillstand begonnen werden. Aber nach der katastrophalen Niederlage in Weißrussland hatte Deutschland gegenüber der Sowjetunion keinen Verhandlungsspielraum mehr, wenn die von Tresckow vorgeschlagenen Maßnahmen nicht wirksam wurden.

Nicht alle Widerständler teilten von Tresckows Meinung. Der Generalfeldmarschall Günther von Kluge hatte als Oberbefehlshaber West bereits resigniert und unterstützte nicht mehr die Bestrebungen Tresckows und Georg Boeselagers mit den Alliierten Verhandlungen aufzunehmen. [51]

Die Mehrheit der Offiziere des militärischen Widerstands setzte ihre Bemühungen fort und die Vorbereitungen eines Attentats auf Hitler erreichten einen letzten Höhepunkt. Am 18. Juli 1944 begann Philipp Freiherr von Boeselager auf Weisung seines Bruders Georg Freiherr von Boeselager mit der Verlegung von sechs Schwadronen des Kavallerie-Regiments 31 von der deutschen Front im östlichen Teil Polens in Richtung Berlin.[52] Die sechs Schwadronen erreichten Brest-Litowsk, das soeben zu einem "Festen Platz" erklärt worden war und durchquerten ohne Pause die Stadt. Sie ritten auch die Nacht über weiter und erreichten nach einer Strecke von über 200 Kilometern den polnischen Ort Lachowka. [53] Dort erhielten die Schwadronchefs einen Hinweis auf „einen möglichen Einsatz im Reich in unter Umständen bürgerkriegsähnlicher Lage“. [50] Die Einheit sollte nach Berlin-Tempelhof geflogen werden. Von dort aus sollte sie unverzüglich in das Reichssicherheitshauptamt und das Propagandaministerium vordringen, um dort Heinrich Himmler und Joseph Goebbels festzunehmen und zu liquidieren. [53]

Die Schwadronen bereiteten gerade die Verladung auf LKW und einen späteren Lufttransport vor, als die Nachricht vom Misslingen des Attentats auf Hitler am späten Nachmittag über Radio bekannt wurde. Georg von Boeselager und sein Bruder verlegten daraufhin die Schwadronen umgehend an die deutsche Ostfront zurück. Glücklicherweise fielen diese Bewegungen niemandem auf, sodass allen Beteiligten aus dem Kreis des deutschen Kavallerie-Regiments 31 eine Untersuchung und Verhaftung durch die Geheime Staatspolizei erspart blieb.

Henning von Tresckow selbst nahm sich, nachdem er vom Scheitern des Attentats auf Hitler erfahren hatte, am Morgen des 21. Juli an der Front bei Brest das Leben.

Im Gegensatz zu den wenigen direkt Beteiligten empfand die Mehrheit der noch kämpfenden Soldaten der Heeresgruppe Mitte das Attentat auf Hitler als Verrat, da man den Zeitpunkt aufgrund der überaus kritischen Frontlage als denkbar ungünstig ansah.[14] So äußerte sich Peter von Butler, zum Zeitpunkt des Attentats Verbindungsoffizier für eine Panzerdivision der Heeresgruppe Mitte im Generalstab, in einem später gegebenen Interview wie folgt: „[...] Meine erste Reaktion war:« Um Himmels Willen, jetzt in dieser Lage ein Chaos hervorrufen, das geht nicht.»“[54] Das Attentat wurde als "Dolchstoß in den Rücken der kämpfenden Soldaten" betrachtet und führte in keiner Weise zu einer Auflehnung der Deutschen gegenüber ihren Vorgesetzten.[14] Die Befehlshaber der Wehrmacht begannen damit zu rechnen, dass es zu Kämpfen mit Einheiten der Waffen-SS kommen würde, bis schließlich Nachrichten vom endgültigen Scheitern des Putschversuches eintrafen.[54]

Die Nachricht von dem Putschversuch entfachte auch neue Aktivitäten des NKFD und des BdO. 17 von der Roten Armee gefangengenommene deutsche Generäle der Heeresgruppe Mitte wandten sich unter der Federführung des durch die Ereignisse im Minsker Kessel verbitterten Vincenz Müller in einem Aufruf an jeden "deutschen General und Offizier", der später auch von Generalfeldmarschall Friedrich Paulus unterzeichnet wurde. In diesem Aufruf wurde gefordert, das Regime der NSDAP mit Gewalt zu stürzen. Tatsächlich wurde dieser Aufruf aber vom deutschen Offizierskorps als ein opportunistischer Versuch der daran beteiligten Generäle betrachtet, ihrer eigene Haut zu retten. Die Wirkung dieses und späterer Aufrufe war aus diesem Grund äußerst gering.[55]

Ergebnisse

Angehörige des RAD errichten Stellungen in der Nähe der ostpreußischen Grenze. Im August 1944 rückte die Ostfront unmittelbar an das Deutsche Reich heran. (11. August 1944)

Die Operation Bagration wurde auf einer Frontbreite von 1.100 Kilometern vorgetragen, der Vorstoß erreichte eine Tiefe von bis zu 600 Kilometern. Sie öffnete der Roten Armee den Weg zur Bucht von Riga, nach Ostpreußen sowie an die mittlere Weichsel und nach Warschau.

Die Heeresgruppe Nord, ein Drittel des Ostheeres, wurde durch den Durchbruch der sowjetischen Einheiten zur Ostsee von allen Landverbindungen abgeschnitten, hielt sich jedoch bis zum Kriegsende im Mai 1945 im Kurland. Hitler hatte abgelehnt, sie nach Westen zurückzunehmen.

Von 179 Divisionen und 5 Brigaden, die an der Ostfront operierten, zerschlug die Rote Armee 17 Divisionen und 3 Brigaden der Wehrmacht vollständig und weitere 50 Divisionen verloren mehr als 50 % ihres Personals. [56] [57] [56]

Bedingt durch die katastrophalen Verluste verlor die Wehrmacht ihre operative Handlungsfähigkeit an der Ostfront vollständig und war in der Folgezeit nur noch zu hinhaltendem Widerstand gegenüber der Roten Armee fähig. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis die Rote Armee in das Deutsche Reich eindringen würde. Die strategische Gesamtlage des Zweiten Weltkrieges änderte sich aber nur dahingehend, dass die bereits vorher vorhandene materielle Überlegenheit der Sowjetunion und der Alliierten gegenüber dem Deutschen Reich nur noch vergrößert wurde. Daher kann der Operation Bagration keine ähnliche historische Bedeutung beigemessen werden, wie sie den Schlachten bei Moskau, Stalingrad oder Kursk zusteht. Die Operation Bagration steht aber zusammen mit der Operation Overlord am Beginn des endgültigen Zusammenbruchs des Dritten Reiches.

Eine kontrovers diskutierte Theorie besagt, dass der Vormarsch der Roten Armee auf Warschau bewusst gestoppt worden sei, um es den deutschen Truppen zu ermöglichen, den zur gleichen Zeit stattfindenden Warschauer Aufstand niederzuschlagen. Dies soll nach der Schwächung der unter Leitung der in London existierenden Polnischen Exilregierung stehenden Polnischen Heimatarmee die spätere Bildung einer kommunistischen polnischen Regierung nach sowjetischem Muster erleichtert haben.

Die katastrophale Niederlage der deutschen Wehrmacht an der Ostfront war eine wichtige Motivation für die Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Hitler zu verüben und durch einen Putsch den als verloren erkannten Krieg vorzeitig zu beenden.

Zeitgleich löste der Vormarsch der Roten Armee bei der deutschen Bevölkerung Ostpreußens Panik aus. Trotz eines durch die NSDAP ausgesprochenen strikten Verbots setzten sich erste Flüchtlingstrecks in Richtung Westen in Bewegung.

Am 20. August begann die Rote Armee auf dem Gebiet der rumänisch-deutschen Front mit einer weiteren, auf sowjetischer Seite mit Operation Jassy-Kischinew bezeichneten Offensive. Der Zusammenbruch der Heeresgruppe Südukraine ermöglichte der Roten Armee den Weg zum rumänischen Erdöl, nach Bulgarien und über Siebenbürgen nach Ungarn.

Spätfolgen

Bedingt durch den massiven Einsatz von Landminen durch die Wehrmacht wie auch durch die Rote Armee wird Weißrussland bis heute (2007) mit der Räumung undokumentierter Minenfelder aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges belastet. [58] Besonders in den Regionen um Minsk, Wizebsk und Gomel, die lange Zeit Frontgebiet waren, besteht bis heute Minengefahr.[59] Zwischen 1944 und Februar 2006 wurden 6.171 Minenunfälle dokumentiert. Dabei verloren 2.665 Menschen das Leben. [58]

Sonstiges

Die Operation wurde vom sowjetischen Oberkommando STAWKA nach dem Namen des Generals Pjotr Iwanowitsch Bagration benannt, der in der Schlacht von Borodino 1812 gegen die napoleonischen Truppen gefallen war.

Der die Operation Bagration umfassende Zeitraum wird im Kriegstagebuch des OKW mit der Begründung ausgespart, dass die Kriegsführung auf diesem Schauplatz unter der alleinigen Verantwortung von Adolf Hitler gelegen habe.

Einzelnachweise

Die Nennung der Quellen erfolgt mit vollständiger Literaturangabe, da die Menge der in diesem Artikel zitierten Bücher nicht mit der Menge der Bücher identisch ist, die die Operation Bagration als Hauptgegenstand haben. Schwer auffindbare Textpassagen (beispielsweise aus Solschenizyns umfangreichem Werk "Der Archipel GULag") sind vollständig wiedergegeben worden, um dem Leser die Suche danach zu ersparen.

  1. a b c d Angaben für sowjetische Streitkräfte aus G. F. Krivošeev; Die Lüftung des Geheimnisses. Verluste der Streitkräfte der UdSSR in Kriegen, Kampfhandlungen und in kriegerischen Konflikten; ISBN 5-203-01400-0 - Onlineversion
  2. a b c d David M. Glantz; Soviet Military Deception in the Second World War, Frank Cass, London, 1989, ISBN 0-7146-3347-X
    a) und c) Zahlenangabe S. 362
    b) eine gute Quelle für die Maßnahmen zur Tarnung der sowjetischen Angriffsvorbereitungen (Maskirowka) ist Glantz, da sich sein Buch primär mit der Entwicklung dieser Maßnahmen über gesamten Verlauf des Deutsch-Sowjetischen Krieges auseinandersetzt.
    d) siehe Abb. 128, S. 372
  3. Roy Francis Leslie, The History of Poland Since 1863, Cambridge University Press, 1983, ISBN 0-521-27501-6
  4. Stanisław Salmonowicz, Polskie Państwo Podziemne, Wydawnictwa Szkolne i Pedagogiczne, Warszawa, 1994, ISBN 830205500X
  5. Frieser: Das Deutsche Reich und der Zweite Krieg, S. 593-594; da die Anzahl der sogenannten Rückkämpfer auf ca. 9000 und die der Kriegsgefangenen auf ca. 150.000 zu veranschlagen sei, würde sich die Gesamtzahl der (unmittelbar) Gefallenen auf ca. 140.000 belaufen
  6. a b c d Karl-Heinz Frieser (Hrsg. i.A. des MGFA); Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg - Band 8: Karl-Heinz Frieser, Klaus Schmider, Klaus Schönherr, Gerhard Schreiber, Kristián Ungváry, Bernd Wegner; Die Ostfront 1943/44 - Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten; Deutsche Verlags-Anstalt München 2007; ISBN 978-3-421-06235-2
    a) und b) S. 424 - 431
    c)siehe S. 327
    d)Zahl wurde Frieser entnommen, andere Quellen wie der englische Wikipedia-Artikel zur Operation Ostra Brama vom 24. Mai 2008 nennen 30.000 deutsche Soldaten sowie 12.500 AK-Angehörige.
  7. a b c d e f g h i j Kurt von Tippelskirch (General der Infanterie); Geschichte des 2. Weltkrieges; 2. verbesserte Auflage Bonn 1956
    b) Laut von Tippelskirch waren sich jedoch auch die deutschen Armee- und Korpskommandeure des tatsächlichen Kräfteverhältnisses nicht bewußt und überschätzten deswegen die Verteidigungsfähigkeit ihrer Einheiten. Siehe S. 462
    c) von Tippelskirch dazu: „An der Front der Heeresgruppe Mitte begann sich der Schleiher, der über den zukünftigen Absichten der russischen Führung lag, um den 10. Juni zu lichten. [...]“ Gemeint ist damit wahrscheinlich eine Agentenmeldung dieses Datums, in der von einer Großoffensive im Raum Witebsk und Orscha in Richtung Minsk die Rede ist. Siehe dazu: John Erickson: The Road to Berlin. Continuing the History of Stalin′s war with Germany.; Westview Press Boulder 1983; ISBN 0-89158-795-0
    e) Von Tippelskirch als auch Gackenholz gehen davon aus, dass dies geschah, um eine maximale Anzahl von Luftangriffen in dem jeweils attackierten Abschnitt zu erreichen.
    f) siehe S. 462
    g) Von Tippelskirch bezeichnete den sowjetischen Angriff aus der nordwestlichen Richtung als besonders unangenehm, da dieser auch für die Befehlshaber der Heeresgruppe Mitte überraschend war. Siehe S. 463
    i) Von Tippelskirch dazu: „[...] Durch Versorgung aus der Luft, die ihnen nach Möglichkeit zugeführt wurde, hatte man versucht, ihnen vorwärts zu helfen. Am 5. Juli meldete sich eine Funkstelle aus der Gegend ostwärts Minsk zum letzten Mal; soweit hatten sie sich also durchgekämpft. Aber die eigene Front entfernte sich schneller nach Westen als sie folgen konnten. So mussten sie den hoffnungslosen Kampf aufgeben und wurden durch die 2. weißrussische Front allmählich aufgerieben. [...]“ Zwei Dinge fallen bei der Lektüre des von Tippelskirchschen Werkes ins Auge: Die nun folgend beschriebenen Ereignisse erwähnt er nicht, obwohl ihm diese spätestens dann bekannt geworden sein müssen, als er zu Beginn der 1950er Jahre mit der Erstellung seines Buches begann. Es scheint fast so, als er recht froh darüber gewesen ist, dass er sich nicht zusammen mit der 4. Armee "durchkämpfen" musste, zumindest suggeriert das die etwas merkwürdige Ausdrucksweise und auch die Lückenhaftigkeit seiner Darstellung. Diese hätte aufgrund seiner eigenen Beteiligung an den Ereignissen auch deutlich umfangreicher ausfallen können.
  8. Earl F. Ziemke;From Stalingrad to Berlin: The German Defeat in the East; Center of Military History, United States Army 1984; ASIN B000V1CC8G: „[...] As the often-repeated slogan 'nur keine schema' implied, a cardinal principle of German general staff doctrine was the avoidance of rigid or schematic tactical or operating conceptions. In June 1944 on the Eastern Front that rule was forgotten. To a soviet deception, the Germans added an almost hypnotic self-induced delusion: the main offensive would come against Army Group North Ukraine because that was where they were ready to meet it.“
  9. a b c d e Hermann Gackenholz; Der Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte 1944 in Hans-Adolf Jacobsen, Dr. Jürgen Rohwer (Hrsg.); Entscheidungsschlachten des zweiten Weltkriegs; Verlag für Wehrwesen Bernard und Graeffe; Frankfurt am Main 1960 (Gackenholz ist der Verfasser des Kriegstagebuchs der Heeresgruppe Mitte von 1943 bis 1945):
    b) siehe S. 445
    d) Gackenholz über die Auswirkungen der Ablösung Buschs: „[...] Mit dem Wechsel im Oberbefehl verband sich ein Wandel nicht nur im „Stil“ der Operationsführung, sondern auch im Verhältnis zur obersten Führung. Das Ansehen, das der neue Oberbefehlshaber bei Hitler besaß, machte sich sofort geltend, [...] was im Führungstabe der Heeresgruppe mit einer gewissen Verblüffung bewerkt wurde.“
  10. a b c d Christof Rass; «Menschenmaterial» - Deutsche Soldaten an der Ostfront; ISBN 3-506-74486-0:
    a) Verschleppungen von Bewohnern fanden in der Zeit seit 1941 statt, gezielt wurden sie aber erst ab Beginn des Jahres 1944 praktiziert. So erhielt die 9. deutsche Armee den Auftrag, bis Ende März 1944 25.000 Zwangsarbeiter für die Kriegswirtschaft bereitzustellen. siehe S. 370
    b) Genaue Beschreibung der Vorgänge in Kapitel 6 - Anatomie eines Kriegsverbrechens.
  11. a b Ausstellungskatalog Verbrechen der Wehrmacht - Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941 - 1944 (Wehrmachtsausstellung), Hamburger Edition HIS Verlagsgesellschaft GmBH Oktober 2002, ISBN 3-930908-74-3:
    a) siehe Seiten 397-428
    b) siehe Seiten 429-460
  12. a b Willy Peter Reese, Stefan Schmitz (Hrsg.): „Mir selber seltsam fremd“ - die Unmenschlichkeit des Krieges, Russland 1941 - 1944. Claasen-Verlag, 2003, ISBN 3-546-00345-4:
    a) siehe S. 248
    b) Seit dem Sommer 1943 betrank sich Reese nach seiner eigenen Schilderung immer häufiger, sodass er schließlich nicht mehr in der Lage war zu schreiben. Sein autobiografisches Buch bricht zur Jahreswende 1943/1944 ab.
  13. Brief eines Schneidermeisters aus Oppeln vom 21. November 1945: „[...] Als ich das letzte Mal [ im März 1944 ] in Urlaub war, wusste ich, wohin ich fahren werde. [...] Milek Hans, der mit dem amputierten Arm, war der Einzige dem ich gesagt habe, das ich zu den Partisanen fahren werde, denn sonst müsste ich zum Militär und für einen Hitler habe ich und werde ich nie kämpfen. Ich bin nach Kalus gefahren und habe mich von den Kameraden verabschiedet. Auch den Oppelner Kameraden habe ich mein Anliegen gesagt. Ich sollte damals in einer stockfinsteren Nacht nach Lojevze gehen, und benutzte diese Gelegenheit zur Flucht. Ich ging zu meinem russischen Genossen Kulitzki, da war alles schon vorbereitet und nach einigen Tagen gingen wir mit 5 Mann zu den Partisanen. Hier wurde wurde ich ganz groß gefeiert. Hier habe ich versucht, deutsche Kameraden vor dem Tod für den wahnsinnigen Hitler zu retten, aber meine Aktion scheiterte an der Doofheit der Soldaten.“
  14. a b c d e f g Rolf Hinze: Ostfrontdrama 1944 - Rückzugskämpfe der Heeresgruppe Mitte: Motorbuchverlag Stuttgart 1988; ISBN 3-613-01138-7:
    a) Rolf Hinze ist ehemaliger Soldat in der Heeresgruppe Mitte, der die vorherrschende Haltung der Deutschen auf S. 415 seines Buches offenbart: „[...] Anlass zu weiteren Überlegungen bieten Andeutungen hinsichtlich des Übels der Kollektivbeurteilung. [...] Solche Kollektivbeurteilung wünschte die deutsche Führung auch von den deutschen Soldaten im Osten gegenüber den sowjetischen Staatsbürgern. [...] Die in Kriegsgefangenschaft geratenen [deutschen] Gefangenen spürten ebenfalls, wohin Kollektivbeurteilungen führen und wie falsch sie sind. Schließlich gibt es in jedem Volke, in jeder weltanschaulich verbundenen Gruppe [...] Menschen jeglichen Schlages, jeglicher Charakterveranlagung.“
    b) In der Karte auf S. 182-183 ist ein Flugplatz der Partisanen eingezeichnet.
    c) Zitat aus Anlage 2: Rückkämpferbericht: „[...] Mit allen zur Verfügung stehenden Waffen [...] bearbeiteten uns die Russen. Glücklicherweise hatten wir in diesem Kessel viel Wald, was uns Tarnung bot. Die größten Verluste entstanden in diesem Kessel, weil alle Muni- und Verpflegungstrosse mit im Kessel lagen. [...]“
    d) Zitat aus Anlage 1: Bericht eines Angehörigen des IR 58 der 6. ID
  15. Hans-Georg Gerhardt; Ernährungssituation des deutschen Heeres im 2. Weltkrieg; Inaugural-Diss. Univ. Greifswald 1969
  16. a b c d e f g Dietrich von Saucken (General der Panzertruppen); 4. Panzer-Division. Divisionsgeschichte, Teil 2: Der Russlandfeldzug von Mai 1943 bis Mai 1945, Selbstverlag, Coburg 1968, ASIN: B0000BTZAC - Joachim Neumann; Die 4. Panzer-Division 1943 - 1945. Bericht und Betrachtung zu den letzten zwei Kriegsjahren im Osten, Selbstverlag, Bonn 1989, (stark erweiterte Neufassung der Divisionsgeschichte von 1968):
    a) Eintrag vom 27. Mai 1944: „[...] Erstmals wird im Abschnitt der Division durch das berüchtigte “Nationalkomitee Freies Deutschland” Lautsprecherpropaganda betrieben. Sie bleibt ohne Wirkung, und die Division bezeichnet die Stimmung und Haltung der Truppe, für deren Entspannung und Betreuung das Möglichste getan wird, als sehr erfreulich. Ab 5.5. ist ein Frontkino in Betrieb. Die Einheiten bauen sich Badebunker und Saunas. Gelegentlich spielt sogar die Musik.“
    d) Die 4. deutsche Panzerdivision , die als Reserve für die Abwehr der von den Deutschen erwarteten Offensive im Raum Kowel vorgesehen war, wurde ab dem 27. Juni per Eisenbahntransport als Verstärkung nach Weißrussland befördert.
    e) Generalfeldmarschall Busch's Name wird bei der Schilderung der personellen Besetzung nicht genannt, obwohl die Divisionsgeschichte sonst in Bezug auf solche Umbesetzungen auch auf höherer Ebene sehr akkurat ist.
    f) Später wurde seitens der Führung der 12. deutschen Panzerdivision behauptet, das es falsch war, die 4. Panzerdivision bei Baranawitschy auszuladen, was den Offizieren der 4. Panzerdivision als Fehler angelastet wurde. Es wäre laut den Offizieren der 12. Panzerdivision besser gewesen, die 4. Panzerdivision bis Stoubzy zu transportieren, weil dadurch evtl. noch die Passage bei Stoubzy für die sich zurückziehende 4. deutsche Armee hätte offen gehalten werden können.
  17. a b c Peter Duffy, Die Bielski Brüder, S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt am Main 2005 (englische Originalausgabe 2003 im Verlag HarperCollins), ISBN 3-502-18160-8:
    a) Die jüdische Partisanengruppe der Bielskis hatte sehr harte disziplinarische Regeln: Schon verhältnismäßig geringe Vergehen, wie die Opposition zu einem Anführer einer Partisanengruppe oder ein unerlaubtes Entfernen von dieser konnte mit dem Tod durch Erschießen geahndet werden. Um die Führung der Sowjetmacht sicherzustellen, wurden jeder Partisanengruppe politische Führer zugeteilt.
    b) Kapitel 11: Januar bis Juli 1944
  18. Bogdan Musial: Sowjetische Partisanen in Weißrußland, Oldenbourg-Verlag Mai 2004, ISBN 3-486-64588-9:
    Zu den Verbrechen, die echte oder vermeintlich prosowjetische oder propolnische Partisanen an der Landbevölkerung begingen, gehören u. a. Vergewaltigungen, aus Habgier begangene Morde, Erpressungen sowie Diebstahl von Wertgegenständen ohne Nutzen für den Widerstand gegen die Deutschen. Diese Tätigkeiten einzelner Partisanenabteilungen wurden durch die zentrale Partisanenführung ungenügend unterbunden, da man gegen die teilweise psychopathisch agierenden Elemente in den eigenen Reihen nur halbherzig vorging. Siehe dazu bspw. Musial: "Sowjetische Partisanen in Weißrussland": Seite 173ff. Fall des Oberleutnants Minin, der neben anderen Verbrechen von Mitte 1942 bis Anfang 1944 vier seiner eigenen Kameraden erschoss, einen Partisan erwürgte und mehrere Schießereien zwischen Partisanenabteilungen verursachte, bevor er schließlich selbst Anfang Februar 1944 entwaffnet und durch ein Standgericht der Partisanenführung zum Tode verurteilt und erschossen wurde. Aber auch Bielski, dessen Einheit gegenüber den von Musial geschilderten Beispielen nahezu mustergültig agierte, bezeichnete die Versorgungsaktionen, die er mit seiner Gruppe durchführte, später offen als Raubzüge.
  19. a b Ralph Mavrogordato, Earl Ziemke: „The Polotsk Lowland“ in John A. Armstrong (ed.): „Soviet Partisans in World War II“, University of Wisconsin Press, Madison 1964:
    a) siehe Seiten 543-546
  20. PzAOK 3, Ic/AO, „Entwicklung der Bandenlage im Bereich der 3. Pz.-Armee während des Monats Mai 1944“, 27. Mai 1944, S.1 (GMDS, PzAOK 3, 62587/12)
  21. David M. Glantz; The role of intelligence in soviet Military Strategy in World War II; Presidio Press, Novato (CA) 1990; ISBN 0-89141-380-4
  22. a b c François de Lannoy: La ruée de l'Armée Rouge, Heimdal-Verlag Bayeux 2002, ISBN 2-84048-155-3:
    a) siehe Seite 2-3
    c) Die Zahlenangabe stammt aus diesem Buch.
  23. Catherine Merridale: Ivan's War - Live and Death in the Red Army, 1939 - 1945. Metropolitan Books, New York 2006, ISBN 0-8050-7455-4, S. 272-275
  24. a b Alexander Werth; Rußland im Krieg 1941 - 1945; Übers. von Dieter Kiehl; Droemersche Verlagsanstalt München
  25. Walentin Michailowitsch Falin; Zweite Front: Die Interessenskonflikte der Anti-Hitler-Koalition; Übers. Helmut Ettinger; Droemer Knaur München 1995; ISBN 3-426-26810-8: Die von Falin vertretene These einer Absprache zwischen den Deutschen und den Alliierten, die diesen die Landung in der Normandie ermöglichen sollte, während die Deutschen bei der Abwehr der Roten Armee kompetent agiert haben, ist in Anbetracht einer Vielzahl militärischer Fehlentscheidungen auf deutscher Seite vor und während der Operation Bagration als äußerst fragwürdig einzustufen.
  26. Winston Churchill; The Second World War gibt einen guten Überblick über die Gegensätze in der Anti-Hitler-Koalition.
  27. Wassili Iwanowitsch Tschuikow; Das Ende des Dritten Reiches; München 1966; S. 15
  28. Rolf Hinze: Der Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte in Kriegsjahr 1944 - Im Großen und im Kleinen; Franz Steiner Verlag Wiesbaden GmbH Stuttgart
  29. a b c Kurt Mehner (Hrsg.): Die geheimen Tagesberichte der Deutschen Wehrmachtsführung im Zweiten Weltkrieg Band 10: 1.März 1944 - 31. August 1944; ISBN 3-7648-1284-2:
    a) Erste Angriffe fanden bereits am 21. Juni im Bereich der 299. Infanteriedivision statt, diese waren letzte Tests der deutschen Widerstandsfähigkeit durch die Rote Armee.
    b) Unklare Informationen über die Verteidiger von Wizebsk im OKW: "Das LIII. A.K. durchbrach den Einschließungsring von Wizebsk und ist nach Luftaufklärung im Angriff nach ?"
    c) Über die 4. Luftwaffenfelddivision: "Reste der 4. Lw. F. Div. kämpfen sich anscheinend selbständig in Gegend 36 km westsüdwestlich Witebsk auf die eigenen Linien durch."
  30. Heinz Bergschicker: Deutsche Chronik 1933–1945; Verlag der Nation, Berlin (Ost), 1981: Es finden sich verschiedene Hinweise auf Phasen einer Operation „Schienenkrieg“, was eine mögliche Übersetzung von „Рельсовая война“ ist. Daraus ergibt sich, dass „Eisenbahnkrieg“ ein Oberbegriff für „Konzert“ sein muss.
  31. Pawel Anatoljewitsch Sudoplatow; Spezialoperationen: Lubjanka und Kreml 1930 bis 1950; Мoskau 1997 ;ISBN 5-94849-202-8 , Kapitel 6: Aufklärung in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges; „Operationen, die von den Kampfgruppen der Partisanen ausgeführt wurden, gewannen manchmal eine strategische Bedeutung und spielten eine wichtige vorbereitende Rolle durch die Desorganisation rückwärtiger Verbindungen [der deutschen Wehrmacht], beispielsweise bei Beginn unserer Offensive in Weißrussland. Diese Operationen sind unter den Bezeichnungen ‚Eisenbahnkrieg‘ oder ‚Konzert‘ bekannt geworden. Am Vorabend des Angriffs auf Weißrussland traten wir hervor und unterbrachen die Eisenbahnlinien der deutschen Armee, über die diese hauptsächlich ihren Nachschub erhielt.“; orig. Text: «Операции, проведенные боевыми группами партизан, порой приобретали стратегическое значение и сыграли важную роль в дезорганизации тыловых коммуникаций, когда в 1944 году развернулось наше наступление в Белоруссии. Эти операции известны как ‹Рельсовая война›, или ‹Концерт›. В канун нашего наступления в Белоруссии мы вывели из строя основные железнодорожные линии снабжения немецкой армии.», Online Version
  32. a b Janusz Piekałkiewicz; "Der Zweite Weltkrieg"; ECON, ISBN 3-430-17479-1
  33. Hermann Gackenholz; Denkschrift über den Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte; vom August 1944 (veröffentlicht in Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Jg. 1955, 3. Heft, S.317 ff.) ( Online-Version des Heftes veröffentlicht vom Institut für Zeitgeschichte)
  34. Olaf Groehler; "Geschichte des Luftkriegs 1910 bis 1980"; Militärverlag der DDR Berlin, 1981
  35. Kriegstagebuch der Deutschen 4. Armee
  36. Wenjamin Fjodorow, ehemaliger Soldat der Roten Armee in der Fernsehserie Hitlers Krieg im Osten (November 2000) über den russischen Angriff am 22. Juni 1944
  37. siehe https://cgsc.leavenworth.army.mil/carl/download/csipubs/tactical.pdf : Kapitel 4: Dr. Samuel J. Lewis: German Counterartillery Measures on the Eastern Front in 1944-45: Operation Bagration
  38. siehe Walter S. Dunn jr.: Soviet Blitzkrieg: The Battle for White Russia, 1944. Lynne Rienner Publishers, 2000, ISBN 1-55587-880-6
  39. a b David M. Glantz, Harold S. Orenstein; Belorussia 1944 - The Soviet General Staff Study; ISBN 0-415-35116-2; S. 85
  40. siehe Wladimir Karpow: Russland im Krieg 1941-1945. Weltbild, ISBN 3-8289-0578-1
  41. a b c Lew Kopelew; "Aufbewahren für alle Zeit": Steidl-Verlag Göttingen 1996; ISBN 3-88243-378-7:
    a) Kapitel 6, S.44 „Die ersten Hiwis hatte ich im Sommer 1944 in Bjelorussland gesehen. Unsere Soldaten rechneten manchmal eigenmächtig mit ihnen ab, gleich an Ort und Stelle ihrer Gefangennahme: »A-a-a-h, Landsleute, Verräter, zum Teufel mit euch, verfluchte Wlassow-Bande, Hunde !« Sie hatten noch Glück, wenn sie sofort erschossen oder aufgehängt wurden. Es kam auch vor, daß sie lange gequält und schließlich zu Tode getrampelt wurden.“
    b) Zitat aus S. 66
    c) „Im Sommer 1944 sah ich auf bjelorussischen Feldern und Straßen von der Hitze unheimlich aufgedunsene Leichen in blaugrauen Uniformen, sah an Wegweisern Erhängte in Uniformen und zivilen Lumpen, barfuß mit großen Plakaten auf der Brust: »Vaterlandsverräter«, »Faschistenhelfer«, »Mörder von Frauen und Kindern«.“
  42. Christian Zentner; „Der Zweite Weltkrieg“; Moewig-Verlag Rastatt 1994; ISBN 3-8118-1625-X
  43. Antony Beevor und Luba Vinogradova (Hrsg.): A Writer at War: Vasily Grossman with the Red Army. Pimlico, 2006, ISBN 978-1-84595-015-6: Englisches Zitat, das die Grundlage der deutschen Übersetzung ist: “Men are walking over German corpses. Corpses, hundreds and thousands of them, pave the road, lie in ditches, under the pines, in the green barley. In some places, vehicles have to drive over the corpses, so densely they lie upon the ground […] A cauldron of death was boiling here, where the revenge was carried out”
  44. Alexander Solschenizyn: Der Archipel GuLAG, ISBN 3-499-14196-5:
    Bd. I, Kap. 6., S. 239–240: „Ich schäme mich, wenn ich mich daran erinnere, wie ich damals, während der Erschließung (lies Plünderung) des Kessels von Bobruisk, als ich zwischen den zerschossenen und umgekippten deutschen Kraftwagen, den herrenlosen deutschen Lastgäulen und dem rundherum verstreuten erbeuteten Luxus einherschlenderte, plötzlich jemanden rufen hörte: «Herr Hauptmann! Herr Hauptmann!» und in einer Niederung, in der deutsche Troßwagen und Autos steckengeblieben waren und das eben erbeutete in Brand gesteckt wurde, den Mann sah, der mich da in reinstem Russisch um Hilfe anflehte, einen Mann in deutschen Uniformhosen, aber nacktem Oberkörper, überall Blut an ihm, im Gesicht, auf der Brust, auf den Schultern, am Rücken – und den Sergeanten vom Sonderdienst hoch zu Rosse, der ihn mit Peitschenhieben und mit der Kruppe seines Pferdes vor sich hertrieb. Er ließ die Knute auf den nackten Leib des Opfers sausen, daß es sich nicht umsah, nicht um Hilfe rief; er trieb den Mann vorwärts und schlug auf ihn ein, immer neue blutige Striemen in seine Haut prügelnd.
    Es war nicht der Punische, nicht der Griechisch-Persische Krieg! Jeder machtbefugte Offizier einer jeden beliebigen Armee hätte der mutwilligen Mißhandlung Einhalt gebieten müssen. Einer jeden beliebigen – ja, bloß auch der unseren? … Bei der Erbarmungslosigkeit und Absolutheit unseres zweipoligen Klassifizierungssystems? (Wer nicht mit uns ist, folglich gegen uns, der falle der Verachtung und Vernichtung anheim.) Kurz gesagt: Ich war ZU FEIGE, den Wlassow-Mann vor dem Sonderdienstler in Schutz zu nehmen, ICH HABE NICHTS GESAGT UND NICHTS GETAN, ICH GING VORBEI, ALS OB ICH NICHT GEHÖRT HÄTTE – damit die allseits geduldete Pest nur ja nicht auf mich übergreife (was, wenn der Mann ein Superbösewicht ist? Was wenn der Sergeant glaubt, ich sei … ? Was wenn … ?). Ja, einfacher noch: Wer die damalige Atmosphäre in unserer Armee kennt – ob sich der Sonderdienstler von einem simplen Hauptmann auch etwas hätte befehlen lassen ?
    Und so wurde ein wehrloser Mensch wie ein Stück Vieh weitergetrieben, und der Mann vom Sonderdienst hörte nicht auf, mit wutverzerrtem Gesicht auf ihn einzupeitschen.
    Dieses Bild ist mir für immer geblieben. Denn es ist beinahe ein Symbol des Archipels und würde bestens auf den Buchumschlag passen.“
  45. Deutsche Wikipedia – Artikel über die Stadt Babrujsk; Version vom 23. November 2007
  46. siehe http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/18/0,1872,7121810,00.html
  47. a b c Lapp; General bei Hitler und Ulbricht - Vincenz Müller, eine deutsche Karriere; ISBN 3-86153-286-7:
    a) O-Ton gegenüber Generalleutnant Ochsner, Kommandeur der 31. Infanteriedivision, um den 3. Juli
    c) Die Darstellung orientiert sich an der von Peter Joachim Lapp in der Biografie Vincenz Müllers gegebenen Version. Nach der Darstellung Karl-Heinz Friesers in Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg Band 8 S. 554, Fußnote 100, die auf dem Inhalt der Berichte von Rückkämpfern der 4. Armee basiert, hat sich Müller am 5. Juli 1944 „mit seinem Stab von der Armee getrennt mit der Absicht sich allein durchzuschlagen. Er legt damit die Führung des Korps nieder.“ Weder die Lappsche Version noch die von Frieser angegebene sind überzeugend. Grund: Bei Lapp kann die Absicht vorliegen, Vincenz Müller „reinzuwaschen“, weil er als erster späterer Chef des Hauptstabes der NVA in einem positiveren Licht dargestellt werden soll, da der Verfasser selbst dem linken politischen Spektrum nahesteht und nicht unpolitisch ist. Bei Friesner besteht das Problem, dass die Rückkehrerberichte unter Druck aufgenommen wurden, weil zum gleichen Zeitpunkt auch das Attentat vom 20. Juli 1944 stattgefunden hatte und die NS-Führung gierig nach allen möglichen Anhaltspunkten und Querverweisen zu Personen im Zusammenhang mit dieser Verschwörung suchte. Es ist daher durchaus möglich dass a) die Aussagen von den Rückkehrern so getätigt wurden, dass kein Verdacht auf sie als Anhänger der stauffenbergschen Verschwörung fiel. b) Die Nationalsozialisten die Aussagen der Rückkämpfer bewusst verfälscht haben, um Müller innerhalb des Deutschen Reiches vollständig zu diskreditieren. Auf jeden Fall ist es gewagt, die Aussagen der Rückkämpfer so unbedarft als die Wahrheit zu klassifizieren. Da Friesners Arbeit von der Bundeswehr finanziert wurde, besteht auch hier die Möglichkeit, dass sein Blick ähnlich wie bei Lapp durch politische Einflüsse getrübt ist.
  48. Michail Trofmimowitsch Tschwenjawskij, Naratsch, ehemaliger Partisan - in Hinrich Herbert Rüßmeyer - Spurensuche: "Am 4. Juli [1944] kam die sowjetische Armee Richtung Mjadel (weißrussisch: Мядзел). Die Soldaten der Wehrmacht wollten Mjadel in einem Ring verteidigen. Sie kämpften, bis die Rote Armee kam, mussten dann aber kapitulieren. Nach der Kapitulation mussten sich die Soldaten der Wehrmacht und der Ordnungspolizei in je eine Reihe stellen. Die Soldaten wurden der Roten Armee als Kriegsgefangene übergeben, die Polizisten den Partisanen. [Die Polizisten wurden erschossen.] "
  49. Kurt W. Böhme: Die deutschen Kriegsgefangenen in sowjetischer Hand - Eine Bilanz; Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1966
  50. a b Klaus Achmann: Lebensbilder aus dem militärischen Widerstand; Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, Herford, 1994; ISBN 3-8132-0456-1:
    b) basierend auf dem in Achmann wiedergegebenen Bericht des damaligen Rittmeisters und späteren Generalmajors Alexander Frevert-Niedermein, der während eines Gesprächs zwischen H. Bühl und Frevert-Niedermein im Juni 1989 in Buschhoven aufgezeichnet wurde.
  51. Generalfeldmarschall Günther von Kluge behinderte diese Bestrebungen aber auch nicht. Er beteiligte sich nur ganz einfach nicht mehr daran.
  52. Die Bezeichnung Schwadron bezieht sich auf eine Einheit in Kompaniestärke. Es sind also Einheiten in der ungefähren Größenordnung eines Bataillons mit einer Stärke 1.200 Mann aus der Front genommen worden, was unter den katastrophalen Bedingungen in denen sich die ausgedünnte Heeresgruppe Mitte befand, ein sehr riskanter Schritt war, der ohne die Deckung durch Henning von Tresckow kaum möglich gewesen wäre.
  53. a b http://www.spiegel.de/jahreschronik/0,1518,331476-2,00.html:
    Philipp von Boeselager dazu: "Das war eine wahnsinnige Anstrengung, die Leute pennten im Sattel ein."
  54. a b Der Spiegel vom 12. November 2007 S. 180: Malte Herwig, Philipp Oehmke: "Mir hätte der Mut gefehlt"
  55. Bodo Scheurig: Verräter oder Patrioten. Das Nationalkomitee »Freies Deutschland« und der Bund Deutscher Offiziere in der Sowjetunion 1943-1945; Prophyläen-Verlag 1993; ISBN 3-549-07234-1 S.155 - 157
  56. a b http://wwii-soldat.narod.ru/OPER/ARTICLES/026-bagration.htm
  57. http://www.soldat.ru/doc/casualties/book/chapter5_10_1.html#5_10_36
  58. a b http://www.icbl.org/lm/2006/belarus.html#Heading77
  59. http://www.icbl.org/lm/1999/belarus.html#Heading13072

Literatur

An dieser Stelle befindet sich eine Liste von Literatur, die die Ereignisse der Operation Bagration in ausführlicher Form behandelt.

  • Karl-Heinz Frieser (Hrsg. i.A. des MGFA); Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg - Band 8: Karl-Heinz Frieser, Klaus Schmider, Klaus Schönherr, Gerhard Schreiber, Kristián Ungváry, Bernd Wegner; Die Ostfront 1943/44 - Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten; Deutsche Verlags-Anstalt München 2007; ISBN 978-3-421-06235-2
  • Catherine Merridale: Ivan's War - Live and Death in the Red Army, 1939 - 1945. Metropolitan Books, New York 2006, ISBN 0-8050-7455-4
  • Hervé Borg: Bagration 1944 ; l'élève dépasse le maître, in Histoire de guerre n°57, Histopresse Schiltigheim, April 2005 (S. 24-43).
  • Peter Duffy, Die Bielski Brüder, S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt am Main 2005 (englische Originalausgabe 2003 im Verlag HarperCollins), ISBN 3-502-18160-8
  • Philippe Naud: Opération Bagration : l'Armée Rouge lamine la Wehrmacht, in Batailles n°4, Paris, Histoire et Collections, Oktober-November 2004 (S. 32-43).
  • Bogdan Musial: Sowjetische Partisanen in Weißrußland, Oldenbourg-Verlag Mai 2004, ISBN 3-486-64588-9
  • Peter Joachim Lapp: General bei Hitler und Ulbricht, Vincenz Müller - Eine deutsche Karriere, Christoph Links Verlag, Berlin, August 2003, ISBN 3-86153-286-7
  • Christof Rass: »Menschenmaterial«: Deutsche Soldaten an der Ostfront, Schöningh-Verlag Paderborn 2003, ISBN 3-506-74486-0
  • Ausstellungskatalog Verbrechen der Wehrmacht - Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941 - 1944 (Wehrmachtsausstellung), Hamburger Edition HIS Verlagsgesellschaft GmBH Oktober 2002, ISBN 3-930908-74-3
  • François de Lannoy: La ruée de l'Armée Rouge, Heimdal-Verlag, Bayeux 2002, ISBN 2-84048-155-3
  • David M. Glantz (Oberst) und Harold S. Orenstein (Übersetzer und Herausgeber): Belorussia 1944: the Soviet General Staff study. Frank Cass Publishers, 2001, ISBN 0-7146-5102-8
  • Walter S. Dunn jr.: Soviet Blitzkrieg: The Battle for White Russia, 1944. Lynne Rienner Publishers, 2000, ISBN 1-55587-880-6
  • Rolf-Dieter Müller, Gerd R. Ueberschär; Hitlers Krieg im Osten 1941 - 1945. Ein Forschungsbericht; Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2000; ISBN 3-534-14768-5
  • Steven J. Zaloga: Bagration 1944: The Destruction of Army Group Centre. Osprey 1996, ISBN 1-85532-478-4
  • Ivan V. Timochovič; Bitva za Belorussiju. 1941 - 1944 (Der Kampf um Weißrussland 1941-1944); Minsk 1994
  • G. F. Krivošeev (Generaloberst a.D.) (Ed.) , Grif sekretnosti snjat. Poteri Vooružennych Sil SSSR v vojnach, boevych dejstvijach i voennych konfliktach. Statističeskoe issledovanie. (Die Lüftung des Geheimnisses. Verluste der Streitkräfte der UdSSR in Kriegen, Kampfhandlungen und in kriegerischen Konflikten) Voennoe Izdat Moskau 1993, ISBN 5-203-01400-0, ISBN 978-5-203-01400-9. с. 203, 371. (Quelle einer alternativen Angabe zur zahlenmäßigen Stärke der sowjetischen Truppen (2.331.700 Soldaten, 5.200 Panzer und Sturmgeschütze) sowie deren Verluste (178.507 Tote, 587.308 Verwundete, 2.957 Panzer und Sturmgeschütze, 2.447 Feldgeschütze und Granatwerfer, 822 Kampfflugzeuge)
    kyrillisch: Гриф секретности снят: Потери Вооруженных Сил СССР в войнах, боевых действиях и военных конфликтах: Стат. исслед./ Г. Ф. Кривошеев, В. М. Андроников, П. Д. Буриков. - М.: Воениздат, 1993 (Onlineversion russisch)
  • David M. Glantz; Soviet Military Deception in the Second World War, Frank Cass, London 1989, ISBN 0-7146-3347-X
  • Rolf Hinze: Ostfrontdrama 1944 - Rückzugskämpfe der Heeresgruppe Mitte: Motorbuchverlag Stuttgart 1988; ISBN 3-613-01138-7
  • П.А. Жилин (Generalleutnant), Боевой состав Советской Армии. 1944 год., Военное Издательство Министерства Обороны Союза ССР, Москва 1988, digitale Version
  • Kurt Mehner (Hrsg.): Die geheimen Tagesberichte der Deutschen Wehrmachtführung im Zweiten Weltkrieg Band 10: 1. März 1944 - 31. August 1944; Biblio-Verlag Osnabrück 1985; ISBN 3-7648-1460-8
  • Michail R. Akalovič; Osvoboždenie Belorussii: ljudi, podvigi (Die Befreihung Weißrusslands: Menschen, Heldentaten); Minsk 1985
  • Thomas Kröker: Fehleinschätzung der sowjetischen Operationsabsichten im Sommer 1944. Der Zusammenbruch der Hgr. Mitte.; Diss. Phil. Albert-Ludwigs-Universität. Freiburg im Breisgau 1984
  • John Erickson: The Road to Berlin. Continuing the History of Stalin′s war with Germany.; Westview Press Boulder 1983; ISBN 0-89158-795-0
  • Сборник боевых примеров из опыта Великой Отечественной войны., Военное Издательство Министерства Обороны Союза ССР, Москва 1982
  • F.I. Paul'man, Ot Narvy do Syrve, Tallin, "Eesti Ramaat", 1980
  • "V srazheniyakh za Sovetskuju Latviju", Liesma, Riga, 1975
  • Alexei Iwanowitsch Radsijewski (Armeegeneral); Taktika w bojewych primerach - Polk; Wojennoje Isdatelstwo Ministerstwa Oborony Soiusa SSR Moskwa 1974 ( Taktikmuster im Gefecht - Regiment; Verlag des Verteidigungsministeriums der UdSSR, Moskau 1974)
    kyrillisch: Алексей Иванович Радзиевский, Тактика в боевых примерах - Полк, Военное Издательство Министерства Обороны Союза ССР, Москва 1974 digitale Version
  • Dietrich von Saucken (General der Panzertruppen); 4. Panzer-Division. Divisionsgeschichte, Teil 2: Der Russlandfeldzug von Mai 1943 bis Mai 1945, Selbstverlag, Coburg 1968, ASIN: B0000BTZAC
    Joachim Neumann; Die 4. Panzer-Division 1943 - 1945. Bericht und Betrachtung zu den letzten zwei Kriegsjahren im Osten, Selbstverlag, Bonn 1989, (stark erweiterte Neufassung der Divisionsgeschichte von 1968)
  • Иван Ильич Людников (Generaloberst, Befehlshaber der 39. sowjetischen Armee), Под витебском, Москва 1962
  • С.П. Кирюхин: 43 Армня в Витебской Операции. Военное Издательство Министерства Обороны Союза ССР, Москва 1961
  • Hermann Gackenholz; Der Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte 1944 in Hans-Adolf Jacobsen, Dr. Jürgen Rohwer (Hrsg.); Entscheidungsschlachten des zweiten Weltkriegs; Verlag für Wehrwesen Bernard und Graeffe; Frankfurt am Main 1960 (Gackenholz ist der Verfasser des Kriegstagebuchs der Heeresgruppe Mitte von 1943 bis 1945)
  • А.А. Сидоренко: На могилевском направлении: Наступательная операция 49-й армиии 2-го Белорусского фронта в июле 1944 г, Воениздат Москва 1959
  • Kurt von Tippelskirch (General der Infanterie); Geschichte des 2. Weltkrieges; 2. verbesserte Auflage Bonn 1956
  • Konstantin A. Malanin; Razgom fashistikh woisk v Belorussii (Die Zerschlagung der faschistischen Truppen in Weißrussland); Moskau 1956 kyrillisch: К.А. Маланьин, Разгром фашистских войск в Белоруссии, Москва, 1956
  • Otto Heidkämper (Generalleutnant, Chef des Generalstabes der 3. Panzerarmee); Witebsk. Kampf und Untergang der 3. Pz.-Armee; Heidelberg 1954
  • М. М. Минасян (Полковник), Победа в Белоруссии (пятый сталинский удар), Военное издательство Военного министерства Союза ССР, Москва, 1952
  • Augustin Guillaume (Armeegeneral); La guerre germano-soviétique 1941-1945; Paris 1949
  • П.С. Болдырев, А.Г Афанасьев, Военно-исторический отдел генерального штаба Красной Армии: Бобруйская операция, Воениздат Москва 1945
  • Hermann Gackenholz; Denkschrift über den Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte; vom August 1944 (veröffentlicht in Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Jg. 1955, 3. Heft, S.317 ff.) ( Online-Version des Heftes veröffentlicht vom Institut für Zeitgeschichte)

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