AA191
American-Airlines-Flug 191

Die Absturzstelle von Flug 191 neben einem Campingplatz
Zusammenfassung
Datum 25. Mai 1979
Typ Triebwerksverlust
Ort Chicago
Getötete 271 + 2 am Boden
Verletzte 2 am Boden
Flugzeug
Flugzeugtyp McDonnell Douglas DC-10
Fluggesellschaft American Airlines
Kennzeichen N110AA
Passagiere 258
Besatzung 13
Überlebende 0

American-Airlines-Flug 191 (AA191) war ein Linienflug der American Airlines von Chicago nach Los Angeles. Am 25. Mai 1979 wurde diese Route von einer McDonnell Douglas DC-10-10 mit der Kennnummer N110AA geflogen. Die Maschine stürzte kurz nach dem Start ab, wobei alle 271 Insassen (Passagiere und Besatzungsmitglieder) an Bord und zwei Personen am Boden getötet wurden. Es ist bis heute der schwerste Einzel-Flugunfall in den USA. Die Anzahl der Opfer wurde nur bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 noch übertroffen.

Inhaltsverzeichnis

Der Unfall

Trümmer der AA 191

Der Flug begann am Flughafen O'Hare in Chicago und sollte nach etwa vier Stunden Flugzeit auf dem Flughafen Los Angeles enden. Die Maschine hatte 258 Passagiere und 13 Besatzungsmitglieder an Bord. Die Cockpitbesatzung bestand aus dem erfahrenen Kapitän Walter Lux, dem ersten Offizier James Dillard und dem Flugingenieur Alfred Udovich. Um 15:02 Ortszeit gaben die Piloten für den Start auf Startbahn 32R Vollgas.

Nach ca. 1100m hob das Vorderrad des Flugzeugs vom Boden ab. Kurz vor dem endgültigen Abheben sahen die Fluglotsen im Tower, wie sich Triebwerk Nr. 1 (links) vom Flügel löste, über den Flügel flog und nach kurzer Zeit auf die Start- und Landebahn stürzte. Fürs erste blieb die Maschine im normalen Steigflug bis zu einer Höhe von etwas mehr als 100m, während sie einen Streifen aus auslaufendem Kerosin hinter sich her zog. Ein solcher Vorfall hätte bei einer DC-10 nicht zwangsläufig zum Absturz geführt, da sowohl der Massenmittelpunkt als auch die Tiefenlinie so beschaffen waren, dass eine sichere Landung möglich gewesen wäre, wenn der Abriss des Triebwerks nicht andere Schäden verursacht hätte. Allerdings zeigte sich in folgenden Flugsimulatortests, dass nur Piloten, die auf die Situation vorbereitet waren, in der Lage waren, die Maschine wieder unter Kontrolle zu bringen.

Die Piloten versuchten, die Geschwindigkeit von 310 km/h auf die für einen solchen Fall vorgesehenen 285 km/h zu reduzieren, doch durch den Abriss waren die Hydraulikleitungen im linken Flügel beschädigt worden. Außerdem versorgte normalerweise das Triebwerk die Instrumente des Kapitäns mit Energie, das Fehlen hatte zur Folge, dass nun so wichtige Anzeigen wie die Strömungsabrisswarnung, die Anzeige der Position der Vorflügel und der Vibrationsalarm am Steuer ausfielen. All diese Warnungen wurden zur damaligen Zeit noch nicht auf der Seite des Kopiloten angezeigt, was bedeutete, dass in diesem Fall die Piloten nicht wussten, was genau passiert war und wie stark das Flugzeug beschädigt war. Sie wussten nicht einmal, dass ein Triebwerk abgerissen war, da man dies vom Cockpit einer DC-10 nicht sehen kann und die Fluglotsen ihnen nicht mitteilten, was sie gesehen hatten.

Aufgrund der Beschädigungen der Tragfläche floss in kurzer Zeit viel Hydraulikflüssigkeit aus und dies bewirkte, dass im linken Flügel die Vorflügel einfuhren. Mit eingefahrenen Vorflügeln erhöht sich die Stallgeschwindigkeit eines Flügels der DC-10 etwa um 60 km/h auf mehr als 290 km/h. Als die Piloten die Geschwindigkeit reduzierten, lieferte der rechte Flügel weiterhin genug Auftrieb, während am linken die Strömung abriss. Das Flugzeug kippte um 112° nach links und stürzte, unkontrollierbar geworden, nahe einem Campingplatz in ein Feld ca. 1,5 km vom Ende der Startbahn entfernt[1]. Beim Aufprall ging die Maschine, deren Tanks noch komplett gefüllt waren, in Flammen auf und brach auseinander. Dabei kamen alle 271 Personen an Bord ums Leben. Die Explosion war so stark, dass sie sogar aus dem Zentrum Chicagos gesehen werden konnte. Glücklicherweise wurde der Campingplatz vom eigentlichen Absturz verschont, doch es flogen große Trümmerteile umher. Einige dieser Trümmer trafen mehrere Mobilheime, wobei zwei Bewohner getötet und zwei weitere schwer verletzt wurden.

Obwohl der Stimmenrecorder im Cockpit ebenfalls seinen Strom vom Triebwerk Nr. 1 bekam, nahm er kurz vor dem Ende der Aufzeichnung ein "...Damn..." (dt.: "...Verdammt...") von einem der Piloten auf. Der Tower funkte an AA191, als sie den Abriss des Triebwerks sahen: "Alright American 1, 91 heavy, ..You wanna come back?.. and on what runway?."... "He's not talkin to me ... " (dt.: "Ok, American (Flug) 191 heavy, ... Wollt ihr umkehren? ...auf welcher Start- und Landebahn?"... "Er redet nicht mit mir...")[2]. Die Besatzung antwortete nicht, da sie zu beschäftigt war, das Flugzeug unter Kontrolle zu halten.

Die Ermittlungen des NTSB

Schema der Triebwerksbefestigung

Das Ergebnis der Untersuchung des National Transportation Safety Board (NTSB) wurde am 21. Dezember 1979 veröffentlicht. Es besagte, dass die Ursache für den Unfall wahrscheinlich auf einen Schaden am Triebwerk zurückging, der bei einem Triebwerkstausch bei vorangegangenen Wartungsarbeiten in Tulsa, Oklahoma entstand. Der Träger des Triebwerks wurde beschädigt, da es nicht ordnungsgemäß abgebaut worden war. Korrekterweise hätte das Triebwerk vor seinem Träger abgebaut werden müssen, um aber Zeit und Kosten zu sparen, wurden die American-Airlines-Mechaniker angewiesen, Triebwerk und Träger gleichzeitig zu entfernen. Joe Leonhard, heute Vorsitzender der AirTran, war zu der Zeit Chef der Wartungsabteilung der American Airlines und hatte diesem Vorgehen zugestimmt. Ein großer Gabelstapler wurde benutzt, um das Triebwerk zu halten, während es mitsamt Träger vom Flügel abmontiert wurde. Als bei einer Wartung während dieser Prozedur ein Schichtwechsel dazwischen kam, blieb der Gabelstapler für einen kurzen Zeitraum unbeobachtet. Aufgrund eines Fehlers in seinem Hydrauliksystem kippte das Triebwerk leicht zur Seite, während es noch nicht vollständig abmontiert war. Es entstand eine große Beule und im Inneren der Aufhängung brachen einige Teile. Der Bruch blieb unbemerkt, sogar bei den folgenden Flügen. Bei jedem Flug verschlimmerte er sich jedoch und schließlich riss das Triebwerk beim Start von AA191 ab. Durch den Abriss des Triebwerks und die entstandenen Schäden im Hydrauliksystem konnte die Katastrophe nicht mehr abgewendet werden. Das NTSB schrieb in seinem Bericht, dass die Piloten unter den gegebenen Umständen in keiner Weise für den Absturz verantwortlich waren. Der für die Überwachung der Wartung zuständige Chefmechaniker beging Selbstmord, kurz bevor er bei den Ermittlungen hätte aussagen sollen. [3].

Die verwendete Demontagemethode sparte erheblich Arbeitsstunden und wurde praktiziert, obwohl vorher genau bekannt war, wie der Arbeitsgang hätte durchgeführt werden müssen. Die Ermittlungen ergaben, dass die Konstruktionsweise des Trägers bzw. der gesamten Aufhängung Wartungsarbeiten erschwerte und das Entstehen von Schäden begünstigte.

Quellen

  1. http://local.google.de/local?f=q&hl=en&q=42.0097,+-87.9292&btnG=Search&t=h
  2. Tonaufzeichnung des Funkspruchs
  3. http://www.druggingamerica.com/EUnfriendly_Skies_part.pdf

Weblinks


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