Belševica

Vizma Belševica (* 31. Mai 1931 in Riga; † 6. August 2005 ebenda) war eine lettische Dichterin, Schriftstellerin und Übersetzerin.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Der Vater von Vizma Belševica, Jānis Belševics, war Arbeiter, ihre Mutter Ieva (geb. Cīrule) Hausfrau. Mit nur einem Einkommen und wegen des Alkoholproblems des Vaters, der seine Backwarenfirma während der großen Depression der lettischen Wirtschaft verloren hatte, war die Familie arm. Vizma verbrachte den größten Teil ihrer Kindheit in Riga; die Stadt ist Thema ihrer Arbeiten, aber die Zeit, die sie auf dem kleinen Bauernhof ihrer Verwandten in Kurland (lettisch Kurzeme) verbrachte, spielt in ihren Gedichten und Texten eine ungleich größere Rolle.

Während der 1950er Jahre studierte Vizma Belševica am Moskauer Maxim-Gorki-Institut Literaturwissenschaft. Ihr erster Gedichtband erschien 1955. Ihre frühen Werke zeigten sich kommunistisch beeinflusst, später distanzierte sie sich jedoch. In den 1960er Jahren ließ ihr Ansehen in der Lettischen SSR nach, da sie sich weigerte, ihr Schreiben der sowjetischen Literaturdoktrin anzupassen. Die Gedichtsammlung Jūra deg (“das Meer brennt”) kam 1966 heraus. Besonders mit dem Gedicht “Randbemerkungen zur Chronik Heinrichs von Livland” 1969 schuf sie sich große Probleme. Die genannte Chronik stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert, als der deutsche Schwertbrüderorden Livland eroberte. Die Parallelen zur sowjetischen Okkupation Lettlands waren - auch für die politische Zensur - unverkennbar. Eine Reihe von Repressalien waren die Folge: Belševica konnte knapp acht Jahren lang nicht veröffentlichen, und sie wurde aus dem Schriftstellerverband der Lettischen SSR ausgeschlossen.

Sie nutzte die erzwungene Ruhezeit unter anderem dazu, Shakespeare, Hemingway, Puschkin und ukrainische Literatur zu übersetzen. Nach der Aufhebung des Publikationsverbots kamen neue Gedichtsammlungen heraus, bis 1987 der Sohn Vizma Belševicas, der Dichter Klāvs Elsbergs, ums Leben kam. Er stürzte unter ungeklärten Umständen aus einem Gebäude des Schriftstellerverbandes; möglicherweise handelte es sich um einen politischen Mord, der auch Belševica treffen sollte. Danach verstummte sie zunächst, veröffentlichte aber 1995 den ersten Band der autobiographischen Roman-Trilogie „Bille“.

Belševica arbeitete mit einfachen, kontrastreichen Bildern von großer Symbolkraft. In ihren Gedichten und Kurzgeschichten spielt die Natur in all ihren Ausprägungen, auch Mutterschaft und die Rolle der Frau eine große Rolle. Die Texte, die die Zensur passierten, wurden in der Sowjetunion und im Ausland übersetzt und verbreitet.

Durch das unabhängig gewordene Lettland erfuhr sie Anerkennung: Am 6. Dezember 1990 wurde sie zum Ehrenmitglied der Lettischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Zweimal wurde sie mit dem Spīdola-Preis, der höchsten lettischen Anerkennung auf dem Gebiet der Literatur, daneben mit dem höchsten Ehrenzeichen Lettlands, dem Drei-Sterne-Orden, ausgezeichnet. 1998 teilte sie sich mit Knuts Skujenieks den damals erstmals verliehenen Tomas-Tranströmer-Preis. Vizma Belševica war nach 2000 immer wieder als Anwärterin auf den Literaturnobelpreis im Gespräch, zuletzt 2004. Am 6. August 2005 starb sie nach langer Krankheit, die sie zuletzt an den Rollstuhl gefesselt hatte, in Riga.

Bibliographie (Auswahl)

deutsch

  • Pielbeerbaum im Herbst und andere Erzählungen. Übersetzt aus dem Lettischen von May Redlich, Eva-Maria Eussler, Andreas Ludden und Charlotte Torp. Hannover, Hirschheydt 1984. ISBN 3-7777-0054-1.

lettisch

  • "Visu ziemu šogad pavasaris" (1955) Gedichte
  • "Zemes siltums" (1959) Gedichte
  • "Ķikuraga stāsti" (1965) Kurzprosa
  • "Jūra deg" (1966) Gedichte
  • "Gadu gredzeni" (1969) Gedichte
  • "Madarās" (1976) Gedichte
  • "Nelaime mājās" (1979) Erzählungen
  • "Kamolā tinēja" (1981)
  • "Ceļreiz ceļš uz pasaciņu" (1985) Zwei Stücke für Kinder
  • "dzeltu laiks" (1987) Gedichte
  • "Zem zilās debesu bļodas" (1987) Märchen
  • "Ievziedu aukstums" (1988) Ausgewählte Gedichte
  • "Baltās paslēpes" (1991) Liebesgedichte
  • "Bille. Triloģija" (Autobiographische Romantrilogie)
    • "Bille" (1992 USA, 1995 Lettland)
    • "Bille un karš" (ursprünglicher Titel: "Bille dzīvo tālāk") (1996)
    • "Billes skaistā jaunība" (1999)
  • "Par saknēm būt. Dzejas izlase" (1996) Ausgewählte Gedichte
  • "Lauztā sirds uz goda dēļa. Stāsti" (1997) Erzählungen
  • "Raksti, 1.-4. sējums" (1999-2002) Gesammelte Werke Band 1 bis 4
  • "lirika" (2003) Ausgewählte Gedichte

Übersetzungen

  • "Dante Alighieri: Vita nuova" (1965, mit Jānis Liepiņš)

[... under construction ...]

  • "Atdzeja" (2004) Nachdichtungen

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Vizma Belševica — (May 30, 1931 August 6, 2005) was a Latvian poetess, writer and translator. She was nominated for the Nobel Prize in Literature. Biography Belševica s father Jānis Belševics was a worker, but her mother Ieva Belševica (maiden name Cīrule) was a… …   Wikipedia

  • Vizma Belsevica — Vizma Belševica (* 31. Mai 1931 in Riga; † 6. August 2005 ebenda) war eine lettische Dichterin, Schriftstellerin und Übersetzerin. Inhaltsverzeichnis 1 Biographie 2 Bibliographie (Auswahl) 2.1 deutsch 2.2 …   Deutsch Wikipedia

  • Vizma Belševica — (* 31. Mai 1931 in Riga; † 6. August 2005 ebenda) war eine lettische Dichterin, Schriftstellerin und Übersetzerin. Inhaltsverzeichnis 1 Biographie 2 Bibliographie (Auswahl) 2.1 deutsch …   Deutsch Wikipedia

  • Vizma Belsevica — Vizma Belševica est une poétesse lettonne née en 1931 à Rīga. Elle est morte le 6 août 2005. Elle a fait des études de lettres à l institut Gorki de Moscou. Ses premiers poèmes lui valent les remontrances des autorités car elle ne respecte pas… …   Wikipédia en Français

  • Белшевица (Belševica) Визма — (настоящая фамилия Элсберга, Elsberga) (р. 1931), латышская поэтесса. Сборники лирических стихов «Тепло земное» (1959), «Стихи о соловьином инфаркте» (1969), «Апрельский дождь» (1978), «Узоры старика» (1985). Рассказы (сборник «Беда в дом», 1984) …   Большой Энциклопедический словарь

  • Lettische Schriftsteller — A Eriks Ādamsons (1907–1946) Jānis Akuraters (1876–1937) Juris Alunāns (1832–1864) Jānis Austriņš (1842–1919) B Pēteris Balodis (1837–1918) Fricis Bārda (1880–1919) Krišjānis Barons (1835–1923) Vizma Belševica (1931–2005) Mirdza Bendrupe… …   Deutsch Wikipedia

  • Lettischer Schriftsteller — A Eriks Ādamsons (1907–1946) Jānis Akuraters (1876–1937) Juris Alunāns (1832–1864) Jānis Austriņš (1842–1919) B Pēteris Balodis (1837–1918) Fricis Bārda (1880–1919) Krišjānis Barons (1835–1923) Vizma Belševica (1931–2005) Mirdza Bendrupe… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Bel–Bem — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Tomas-Tranströmer-Preis — Der Tomas Tranströmerpriset (Tomas Tranströmer Preis) ist eine literarische Auszeichnung, die alle zwei Jahre von der schwedischen Stadt Västerås verliehen wird und mit 100.000 Kronen dotiert ist. Sie ist nach dem lange in Västerås ansässig… …   Deutsch Wikipedia

  • Tranströmer-Preis — Der Tomas Tranströmerpriset (Tomas Tranströmer Preis) ist eine literarische Auszeichnung, die alle zwei Jahre von der schwedischen Stadt Västerås verliehen wird und mit 100.000 Kronen dotiert ist. Sie ist nach dem lange in Västerås ansässig… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”