Bemannt

Bemannte Raumfahrt ist der Sammelbegriff für alle Weltraummissionen, bei der Menschen in Raumschiffen in den Weltraum vorstoßen. Sind Raumfahrer gezwungen, außerhalb der schützenden Hülle ihres Raumschiffs oder Raumstation zu arbeiten (Weltraumspaziergang), so müssen sie aufwendige Raumanzüge tragen.

Astronaut bei einem Außeneinsatz an der Raumstation ISS

Inhaltsverzeichnis

Länder

Derzeit gibt es drei Länder, deren Raumfahrtbehörden bemannte Raumfahrtmissionen durchführen können: Russland (Roskosmos), die USA (NASA) und die Volksrepublik China (CNSA). Die USA betreiben die Bemannte Raumfahrt mit dem Space Shuttle. Russland startet seine Kosmonauten mit konventionellen Trägerraketen, an dessen Spitze ein Raumschiff aufgesetzt ist. Die Volksrepublik China baut eine eigene Infrastruktur im Weltall auf. Der 2003 durchgeführte, bemannte Raumflug wurde zwar größtenteils durch Verwendung eines modifizierten Nachbaus des russischen Sojus-Raumschiffs ermöglicht, die eigenen Entwicklungen und Programme stehen aber in der Zwischenzeit im Vordergrund.

Ein chronologischer Überblick ist in der Liste der bemannten Raumfahrtmissionen verzeichnet.

Stellenwert in der Berichterstattung

Bemannte Raumfahrtmissionen haben einen relativ hohen Stellenwert in den Medien und es wird daher im Vergleich zu unbemannten Missionen oft darüber berichtet. Trotzdem haben bemannte Missionen heutzutage keine höhere wissenschaftliche Bedeutung als unbemannte, ferngesteuerte Missionen. Fehlschläge und Unfälle, bei denen Astronauten gefährdet oder gar getötet wurden, bleiben der Öffentlichkeit lange im Gedächtnis und sorgen für einen lang anhaltenden Imageverlust der Beteiligten.

Motivation für bemannte Missionen

Als Haupttriebfeder gilt der menschliche Forschungsdrang, die in der Zwischenzeit mit der Hoffnung auf einen potentiellen wirtschaftlichen Ertrag gepaart ist. Bereits in der Vergangenheit wurden viele Entdeckungen aufgrund der Neugierde des Menschen gemacht. In den Anfängen der bemannte Raumfahrt stand das Prestigedenken der dahinterstehenden Nation im Vordergrund und auch der militärische Aspekt spielte eine gewisse Rolle.

Notwendigkeit bemannter Missionen

Aufgrund des enormen technischen Aufwands wird diskutiert, ob und wann bemannte Missionen sinnvoll sind. Notwendige Lebenserhaltungssysteme und Rettungssysteme, die das Risiko für die Astronauten minimieren sollen, verursachen erhebliche Kosten. Viele Tätigkeiten, die ein Astronaut vollbringen könnte, wären mit einer teilweise ferngesteuerten Sonde ebenso möglich. Zukünftige Fortschritte in der Robotik und der autonomen Steuerung würden beispielsweise eine weiter ausgedehnte, wissenschaftliche Erforschung des Mars erlauben, ohne dass ein Mensch die Erde verlassen müsste. Andererseits können Menschen im Gegensatz zu Maschinen intelligent und intuitiv handeln. Je nach Missionsart und Missionsziel ist das wiederum ein Vorteil.

Siehe auch: Liste der Weltraumausstiege

Geschichte

1. Epoche: Kalter Krieg – Wettlauf ins All – Mondlandung

Im Zeitalter des Kalten Krieges begann zwischen den verfeindeten Supermächten USA und der Sowjetunion ein Wettlauf ins All, zuerst mit unbemannten Flügen, später mit bemannten Starts. Am 12. April 1961 umkreiste Juri Gagarin mit einem Wostok-Raumschiff als erster Mensch die Erde. Die USA konnten wenige Wochen später, am 5. Mai 1961, im Rahmen des Mercury-Programms einen 16-minütigen suborbitalen Flug von Alan Shepard vorweisen.

1968 flogen dann mit Apollo 7 die ersten Menschen im Rahmen des Apollo-Programms ins Weltall, was schließlich in der ersten bemannten Mondlandung 1969 mit Apollo 11 gipfelte. Danach konzentrierte man sich auf den erdnahen Weltraum. Die Raumstationen Saljut und Skylab boten den Menschen im All ein bescheidenes Zuhause. Mit Apollo-Sojus-Projekt gab es 1975 außerdem zum ersten Mal eine gemeinsame amerikanisch-sowjetische Mission. Danach gingen die beiden Nationen für die nächsten 20 Jahre wieder getrennte Wege.

Siehe auch: Geschichte der Raumfahrt, Liste der bemannten Raumfahrtmissionen

2. Epoche: Das Shuttle-Konzept und die Raumstation Mir

Bereits in den 1970er Jahren erfolgte die Entwicklung der US-Raumfähren. Zwar kommen sie nach dem Unglück der Columbia nochmal zum Einsatz, ein Nachfolgesystem ist aber bereits im Planungs- und Entwicklungsstadium. Im Zuge der strategischen und organisatorischen Neuausrichtung der NASA Anfang 2004 werden für die geplanten Mond- und Marsflüge andere Raumfahrzeuge benötigt, außerdem ist die weitere Zukunft der ISS ungewiss.

Auch die Sowjetunion setzte in den 1980er Jahren auf das Shuttle-Konzept: Es entstand die Raumfähre Buran, die das Gegenstück zum US-Space-Shuttle bieten sollte. Aufgrund von finanziellen und politischen Schwierigkeiten konnte Buran nie eine bemannte Mission absolvieren. 1993 wurde das Programm endgültig gestoppt.

Parallel arbeitete die Sowjetunion weiter an ihrem bemannten Raumstationsprogramm. 1986 startete das erste Modul der Raumstation Mir, weitere Module folgten. Die Station blieb bis 2001 in Betrieb und diente 28 Stammbesatzungen als ein Zuhause.

Siehe auch: Liste der Space-Shuttle-Missionen, Liste bemannter Missionen zur Raumstation Mir

3. Epoche: Die Internationale Raumstation (ISS)

Außer in der Volksrepublik China ist die Basis für alle gegenwärtigen Aktivitäten der staatlichen Raumfahrtagenturen die Internationale Raumstation (ISS). Bis zum Unglück der US-Raumfähre Columbia wurde die ISS von den US-Raumfähren und den russischen Sojus-Raumschiffen angeflogen. Nach dem Unglück im Februar 2003 startete zweieinhalb Jahre kein Space Shuttle mehr, erst im Juli 2005 wurden ein neuer Flug (STS-114) gestartet, ein weiterer am 4. Juli 2006 im Rahmen der Mission STS-121. Noch bis zum Jahr 2010 sollen Shuttle-Flüge die Raumstation ISS anfliegen.

Siehe auch: Liste bemannter Missionen zur Internationalen Raumstation, Liste der ISS-Expeditionen

4. Epoche: Privatisierung und Weltraumtourismus

Suborbitale Flüge einzelner Länder oder privater Firmen zählen streng genommen nicht zur bemannten Raumfahrt, da keine Umlaufbahn erreicht wird und es somit keine Weltraummissionen im eigentlichen Sinn sind. Privat finanzierte und entwickelte Raumfahrt jeglicher Art steht erst am Anfang ihrer Entwicklung, wenn auch erste Erfolge, etwa die Flüge von SpaceShipOne am 21. Juni 2004, 29. September 2004 und dem 4. Oktober 2004, vorzuweisen sind. Seit dem Jahr 2001 konnten vier Weltraumtouristen mit zur Internationalen Raumstation (ISS) fliegen. Dabei handelte es sich aber um Ausnahmen, da die Transportkapazitäten zur ISS derzeit begrenzt sind.

Zukünftige Entwicklungen

Da Russland mit seinen Sojus-Raumschiffen nur begrenzte Transportkapazitäten anbieten kann, denkt man in Europa wieder über einen eigenen Raumtransporter nach, der der ESA mehr Unabhängigkeit verleihen würde. Bereits einmal gab es mit dem der Entwicklung des Hermes-Konzepts einen Versuch, der aber aufgrund finanzieller und technischer Schwierigkeiten abgebrochen wurde. Ein neuer Versuch ist der Hopper, eine Raumfähre, die ohne Zuhilfenahme zusätzlicher Raketen eine erdnahe Umlaufbahn erreichen soll. Der maßstabsgetreu verkleinerte Prototyp (Phoenix) wurde in Nordschweden im Mai 2004 erfolgreich getestet, eine Entscheidung über den Bau steht noch aus.

Für den Anflug von Zielen, die über die erdnahe Umlaufbahn hinausgehen, sind jedoch zwingend neue Raumschiffe und Konzepte erforderlich. Diese werden zurzeit von der NASA entwickelt und gebaut. Ein von US-Präsident George W. Bush im Januar 2004 verkündetes, strategisches Programm soll Menschen auf den Mond und später bis auf den Mars befördern. Allerdings wären für eine bemannte Marsmission neue Raumschiffe erforderlich. Ein erster Schritt dazu ist der Bau des Raumschiffs Orion (ehemals Crew Exploration Vehicle genannt).

Die ESA entwickelt ebenfalls ein Programm für einen bemannten Flug zum Mars, das Aurora-Programm. Es hat zum Ziel, den Erdmond und den Mars weiter zu erforschen und Vorbereitungen für einen bemannten Marsflug (geplant für das Jahr 2033) zu treffen.

China hat für das Jahr 2024 einen bemannten Mondflug angekündigt; zuvor soll um das Jahr 2010 eine Weltraumstation errichtet werden.

Die indische Raumfahrtbehörde ISRO teilte am 7. November 2006 mit, dass Indien innerhalb der nächsten acht Jahre in der Lage sein könnte, eine bemannte Weltraummission durchzuführen. Das Konzept, das bei einem Treffen führender Wissenschaftler in Bangalore vorgestellt wurde, enthält ein noch zu entwickelndes Raumschiff, das mit der indischen GSLV-Rakete in die Erdumlaufbahn gebracht wird. Die Kosten für dieses Projekt werden auf etwa 2 Milliarden Euro geschätzt.

Siehe auch

Weblinks


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