Ben Wisch
Hans-Jürgen Wischnewski (2002)

Hans-Jürgen Wischnewski (* 24. Juli 1922 in Allenstein/Ostpreußen; † 24. Februar 2005 in Köln), Spitzname "Ben Wisch", war ein deutscher Politiker (SPD).

Er war von 1966 bis 1968 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Beruf

Nach dem Abitur 1941 in Berlin nahm Wischnewski bis 1945 als Soldat (letzter Dienstgrad: Oberleutnant) am Zweiten Weltkrieg teil. Nach dem Krieg arbeitete er in der Metallindustrie und absolvierte später eine Ausbildung zum Gewerkschaftssekretär. Ab 1952 war er bei der IG Metall zunächst als Volontär und von 1953 bis 1959 als Sekretär angestellt.

Hans-Jürgen Wischnewski war verheiratet und hatte drei Kinder.

Partei

Wischnewski 1988 auf dem SPD-Parteitag in Münster

Der SPD gehörte er seit 1946 an. Von 1957 bis 1968 war er Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Köln und gleichzeitig von 1959 bis 1961 Bundesvorsitzender der Jungsozialisten. Als Bundesgeschäftsführer der SPD fungierte er von 1968 bis 1972 und gehörte ab 1970 auch dem SPD-Parteivorstand an. Schließlich war er von 1979 bis 1982 stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD und ab 1984/85 als ihr Schatzmeister tätig.

Abgeordneter

Von 1957 bis 1990 war Wischnewski Mitglied des Deutschen Bundestages und gehörte von 1961 bis 1965 zusätzlich dem Europäischen Parlament an.

Er war 1957 und 1961 über die Landesliste Nordrhein-Westfalen und danach stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Köln I in den Bundestag eingezogen. Zuletzt erreichte er bei der Bundestagswahl 1987 47,3 % der Stimmen.

Öffentliche Ämter

Nach der Bildung der Großen Koalition wurde Wischnewski am 1. Dezember 1966 als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit in die von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger geführte Bundesregierung berufen. Am 2. Oktober 1968 trat er dann von diesem Amt zurück, um Bundesgeschäftsführer der SPD zu werden.

Im Mai 1974 wurde er dann in die von Helmut Schmidt geführte Bundesregierung zunächst als Parlamentarischer Staatssekretär, dann von 1974 bis 1976 zum Staatsminister im Auswärtigen Amt berufen. Nach der Bundestagswahl 1976 war er von Dezember 1976 bis Dezember 1979 Staatsminister im Bundeskanzleramt und zugleich Bevollmächtigter der Bundesregierung in Berlin. Dieses Amt bekleidete er erneut in den letzten Monaten der sozialliberalen Koalition von April bis Oktober 1982.

Politisches Wirken

Grab von Hans-Jürgen Wischnewski auf dem Kölner Melaten-Friedhof

Während des algerischen Befreiungskampfes unterhielt Wischnewski bereits gute Kontakte zur algerischen Seite, die in Claus Leggewies Buch Kofferträger beschrieben werden. In seiner Zeit als Staatsminister wurde er mit zahlreichen Sondermissionen beauftragt: Seinem energischen Auftreten beim Putsch General Pinochets in Chile 1973 haben in Chile verhaftete Deutsche und in die europäischen Botschaften Geflüchtete ihre Befreiung zu verdanken.

Einer größeren Öffentlichkeit wurde er im Zusammenhang mit den Verhandlungen zu den Terroranschlägen im „Deutschen Herbst“ bekannt. Nach der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer durch die Rote Armee Fraktion (RAF) reiste Hans-Jürgen Wischnewski zwischen dem 14. und 29. September 1977 in die fünf Länder, in die die freigepressten Terroristen gebracht werden wollten. Er konsultierte die Regierungen von Algerien, Libyen, Irak, Südjemen und Vietnam, um ihnen darzulegen, dass ihre Länder nun in den Versuch involviert seien, die Bundesrepublik zu erpressen. Außerdem folgte er im Auftrag von Bundeskanzler Helmut Schmidt der entführten Lufthansa-Maschine "Landshut" und führte an den jeweiligen Flughäfen, an denen die Maschine gelandet war, Verhandlungen mit den lokalen Behörden, u.a. auch in Mogadischu, wo er erreichte, dass die GSG-9 die Maschine stürmen durfte.

Im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen zwischen Sandinisten und Contra in und um Nicaragua bereiste Wischnewski mehrfach die Region, um zu einer Befriedung beizutragen. In seinen politischen Memoiren Mit Leidenschaft und Augenmaß berichtet Wischnewski sowohl von Mogadischu als auch von seinen Erfahrungen in Lateinamerika.

Wischnewski erlangte insbesondere durch seine Kenntnis der afrikanischen und der arabischen Verhältnisse große Anerkennung. Er verbesserte das Verhältnis zu zahlreichen arabischen Staaten mit der Bundesrepublik Deutschland und setzte sich für das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser und den Frieden im Nahen Osten ein. Darauf spielt auch sein Spitzname „Ben Wisch“ an, den er durch den Bundeskanzler und SPD-Chef Willy Brandt erhielt. 1997 wurde er von Jassir Arafat mit dem höchsten palästinensischen Orden ausgezeichnet. In Lateinamerika war er unter dem Spitznamen „Comandante Hans“ bekannt.

Wischnewski war langjähriges Mitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, die er 2002 wegen der Auseinandersetzung um Äußerungen Jürgen Möllemanns verließ.[1]

Auszeichnungen (Auszug)

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Möllemann gefährdet deutsch-arabische Beziehungen, Netzzeitung.de

Weblinks


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