Benedikt Fontana
Gedenktafel an seinem Wohnsitz: Burg Rätia Ampla in Riom

Benedikt Fontana, rätoromanisch: Benedetg Fontana (* um 1450 in Salouf; † 22. Mai 1499 in Mals/Malles Venosta) war ein Vogt und Ministerialer und starb in der Schlacht an der Calven (rätoromanisch: Chalavaina) angeblich einen Märtyrertod.

Inhaltsverzeichnis

Sein Leben als Vogt

Benedikt Fontana stammt aus Salouf im Oberhalbstein. Sein Vater war ein Ministerialer im Dienste des Bischofs von Chur. Seine Mutter war Magdalena von Lumerins. Über Fontanas Kindheit und Jugend gibt es kaum nachweisliche Unterlagen. Entsprechend ist sein Geburtsdatum ungewiss. Bekannt ist jedoch, dass er drei Brüder hatte. Fontana wurde 1493 zum bischöflichen Vogt an der Südgrenze der Drei Bünde eingesetzt. Ein ursprünglich lokaler Weiderechtskonflikt zwischen den Puschlavern und den Tiranern drohte, das gute Verhältnis zwischen dem Bistum Chur und dem Herzogtum Mailand zu gefährden. Wissend dass Fontana ein gutes Schlichtungsgeschick besass, beauftragte ihn der Churer Bischof, sich des Problems anzunehmen. Der Konflikt konnte beseitigt werden. Allerdings - so wird gesagt - fühlte sich Fontana bei den Gesprächen mit dem Mailänder Adel sehr unwohl: Fontana war doch eher ein Mann der Tat als der Diplomatie!

Ab dem Jahre 1495 amtete er, wie bereits sein Vater, als Ministerialer im Gotteshausbund im Oberhalbstein. Sein Sitz war die Burg Rätia Ampla in Riom. Die Burg thront noch heute markant auf einem Hügel an der linken Talseite. In der Funktion als Ministerialer schuf sich Fontana einen guten Namen in der Bevölkerung. So soll er im Jahre 1497 in einem Grenzstreit zwischen den Nachbargemeinden Savognin und Tinizong sein Schwert in beide Hände genommen und es mit voller Wucht in den Erdboden gerammt haben. "Cò è'l igl cunfegn!" - "Hier ist die Grenze!" habe er gesagt. Von da an wagte sich niemand mehr, die Grenze zu hinterfragen.

Heldentod

1499, im Schwabenkrieg erwarb er sich als Hauptmann Ruhm, als er in der Schlacht an der Calven starb. Obwohl die kampfbereiten Truppen unter dem Kommando Hauptmann Dietrich Freulers standen, ging Fontana als Held in die Geschichte ein, da Freuler plötzlich mit dem Angriff zu zögern begann, als die Lage kritisch wurde. Fontana indes sah, dass es kein Zurück mehr gab. Er übernahm kurzerhand die Befehlsgewalt und kommandierte den Angriff. Die Schlacht wurde letztendlich durch die Bündner gewonnen, Fontana allerdings liess sein Leben. Über seinen Tod wird die folgende Geschichte erzählt:

Benedikt Fontana wurde durch ein feindliches Geschoss schwer verletzt, während er als Hauptmann an der Spitze der Bündner Truppen den Österreichern entgegenstürmte. Mit dem Tode ringend, hält er mit der linken Hand die Wunde am Unterleib, während er mit der Rechten sein Schwert gegen den Feind richtet. Das Gesicht den Kameraden zugewandt, spornte er mit letzter Kraft zum Sieg an: "Frisch auf, meine Jungen, ich bin nur ein Mann, achtet meiner nicht; heute noch Bündner und die Bünde oder nimmermehr!" Dies hatte offenbar genützt, denn die Bündner schlugen die Habsburger in die Flucht.

Einer Legende nach soll Fontanas Schwert nach der Calvenschlacht in das Bachbett des Balandegns, einem Wildbach ausserhalb von Salouf, geworfen worden sein, damit es keinem Dieb zum Opfer falle. Dort liege es noch heute verborgen...

Geschichtsschreibung

Sein Heldentod wurde in den Chroniken jedoch lange Zeit gar nicht erwähnt. Erst der Bündner Historiker Simon Lemnius rückte Mitte des 16. Jahrhunderts Fontanas Rolle in der Schlacht ins Zentrum und verhalf ihm somit zu einem Ruhmesplatz in der Bündner Geschichte. 1771 fand er Eingang in Johann Conrad Füsslis eidgenössischen Darstellungen Erdbeschreibung, aber im bedeutendsten Schweizer Geschichtswerk des 19. Jahrhunderts, in Johann von Müllers Geschichten der Eidgenossenschaft, wird die Calvenschlacht jedoch ohne Benedikt Fontana aufgeführt. Fontanas Durchbruch zum Bündner Nationalhelden wird in der Bündnergeschichte (1870-1874) von Conradin von Moor vollzogen und seine Heldenverehrung fand im ausklingenden 19. Jahrhundert in verschiedenen Anlässen ihren Höhepunkt.

Fontanas Heldenworte

Fontana-Denkmal in Chur

Fontana wird in Graubünden als Nationalheld, vergleichbar mit Wilhelm Tell oder Arnold von Winkelried, hochgelebt. Seine letzten Worte sind der Inbegriff für Patriotismus und sind in zahlreichen Gedichten und Liedern vorzufinden. Doch gerade über diese Worte herrscht eine gewisse Unklarheit, denn über Fontanas Ableben war lange Zeit nichts zu finden.

Simon Lemnius war der erste Chronist der Fontanas Worte niederschrieb. Dieses auf Lateinisch verfasste Werk schrieb Lemnius kurz vor seinem Tod anno 1550. Demnach habe Fontana Folgendes gesagt: "Socii vos, tendite contra vallum igens telis; hodie est, aut Raetia nunquam amplius extabit, patriam defendite dextra!" Dies wurde später so übersetzt: "Gefährten! Erstrürmt mir den Wall, der so grimmig mit Geschützen gespickt ist! Denn Rätien - heut oder nimmer - wird weiterbestehn, drum verteidigt in Treue die Heimat."

Im Jahre 1570 veröffentlichte der Engadiner Humanist Ulrich Campell eine weitere Chronik über Fontana. Auch diese war in Lateinisch verfasst. Einzig Fontanas Heldenworte schrieb er im damaligen Engadinerromanisch nieder: "Hei fraischgiamaing meis matts: cun mai ais par un huom da far; quai brichia guardad: u chia hoaz Grischuns e Ligias, u maa non plü!" Dass Campell einzig dieses Zitat auf Rätoromanisch schrieb, zeigt, dass er diesen Worten grosse Bedeutung beimass. Die deutsche Übersetzung kann dem Abschnitt 2 (Heldentot) entnommen werden. Im Oberhalbsteinerromanisch - Fontanas Muttersprache - heisst es: "Frestgamaintg anavant, mies mats! Ia sung angal en om, betg az starmante; oz Grischuns e las Leias u mai ple!"

Während Lemnius' lateinisches Zitat in der Bevölkerung eher wenig Anklang fand, wurde Campells romanisches Zitat zu einem Aufruf Bündnerischer Vaterlandsliebe. Und dies, gerade weil es auf Romanisch und nicht auf Lateinisch abgefasst war; so frei nach dem Motto: Unser Land, unsere Sprache!

In seinem Buch Calvenschlacht und Benedikt Fontana (1971, Seite 81) äussert sich Claudio Willi eher kritisch zurückhaltend gegenüber den Worten aus Lemnius' und Campells Chroniken, da die Herkunft genannter Zitate ungewiss ist. Zudem neigten Chronisten gelegentlich dazu, geschichtsträchtige Situationen durch geflügelte Zitate noch stärker zu dramatisieren.

Denkmal

In Chur im Fontanapark erinnert ein 1903 von Richard Kissling geschaffenes Monument an Fontana.

Sein Name ziert einen der im Jahre 2010 gelieferten "Allegra" Triebzüge, ABe 8/12 3507, der Rhätischen Bahn.

Weblinks

Literatur

  • Willi, Claudio. Benedikt Fontana im Laufe der Zeiten, in: Historisch-antiquarischen Gesellschaft der Kantons Graubünden (Hrsg.), "Festschrift 600 Jahre Gotteshausbund - Zum Gedenken an die Gründung des Gotteshausbundes am 29. Januar 1367". Chur 1967. S. 351-375.
  • Willi, Claudio. (1971). Calvenschlacht und Benedikt Fontana, in "Reihe Historia raetica - Band 1". Chur: Calven Verlag
  • DERS., Calvenschlacht und Benedikt Fontana. Überlieferung eines Schlachtberichtes und Entstehung und Popularisierung eines Heldenbildes, Domat/Ems 1971.

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