Benedikt IX

Benedikt IX. (eigentlich Theophylakt III. von Tusculum) (* um 1014 oder 1021; † um 1055 in Grottaferrata) war mit Unterbrechungen Papst von 1032 bis 1048. Sein Name bedeutet: der Gesegnete (latein.).

Er war Graf von Tusculum und ein Neffe von Benedikt VIII. und Johannes XIX. Nach dem Tod des letzteren wurde er 1032 im Alter von nur 18 Jahren Papst. Dem Mönch Rodulfus Glaber zufolge war er sogar erst elf Jahre alt. Desiderius von Montecassino berichtete, „dass manches im Leben dieses Papstes für den Chronisten unaussprechlich sei.“

Wegen seines ausschweifenden Lebens und seiner Gewalttaten überaus verhasst, wurde er bereits 1033 aus Rom vertrieben, nach seiner Rückkehr überlebte er mehrere Mordversuche und wurde 1044 wegen Mord und Unterdrückung wiederum vertrieben. Während seiner Abwesenheit wählten die Römer als neuen Papst Silvester III., dieser wurde jedoch 1045 ebenso vertrieben, und Benedikt kehrte wieder zurück. Noch im selben Jahr verkaufte Benedikt die Papstwürde mit Tiara an seinen Taufpaten Johannes Gratianus Pierleoni, der als Gregor VI. das Amt antrat. Der Grund für diesen Verkauf der Papstwürde war, dass Benedikt seine Cousine heiraten wollte, deshalb trat er, unter großem Jubel der Bevölkerung, zurück und hob auch gleich selbst sein Zölibat auf. Inzwischen hatte die Cousine jedoch das Interesse an einer Heirat verloren, Benedikt erklärte deshalb seinen Rücktritt für ungültig und hielt, obwohl inzwischen Gregor VI. Papst war, an seiner Papstwürde fest, so dass zeitweise drei Päpste das Amt für sich beanspruchten. Gregor VI. wurde stark kritisiert, da er seinem Vorgänger die Papstwürde „abgekauft“ hatte. Beinahe als normal wurde der Kauf eines Amtes, auch des Papsttums, gesehen, dies war jedoch etwas anderes, noch nie dagewesenes. Einem amtierenden Papst seine Würde abzukaufen, galt selbst in einer von Simonie und Gewalt beherrschten Zeit als unerhört. Allerdings war Johannes Gratianus Pierleoni ein Gegner der Simonie, der mit diesem Zug die Papstwürde vor Schlimmerem bewahren wollte.

1046 erklärte die Synode von Sutri auf Wunsch Heinrichs III. alle drei Päpste offiziell für abgesetzt und es wurde Clemens II. als neuer Papst gewählt. Als dieser bereits 1047 starb, möglicherweise von Benedikt vergiftet, kehrte Benedikt erneut nach Rom zurück, wo er aber schon 8 Monate später von Damasus II. besiegt wurde. Er betrachtete sich aber weiterhin als rechtmäßiger Papst und arbeitete weiter gegen Damasus und dessen Nachfolger Leo IX., worauf er schließlich 1049 durch eine Synode im Lateran exkommuniziert wurde. Benedikt zog sich schließlich in das Kloster in Grottaferrata zurück, wo er etwa 1055 starb.

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