Benediktinerkloster St. Stephan (Augsburg)
Blick auf Kirche und einen Teil des Klosterbaus

St. Stephan ist ein ehemaliges Kanonissenstift in Augsburg (Bayern) in der Diözese Augsburg. Heute ist es ein Benediktinerkloster, das der Bayerischen Benediktinerkongregation angehört. Dem Stift schließt sich im Norden das Gymnasium bei St. Stephan an.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das St. Stephan geweihte Stift wurde 969 gegründet durch Hl. Ulrich, Bischof von Augsburg. Bald wurde mit dem Bau einer großen Kirche zu Ehren des hl. Stephanus begonnen. Seit Mitte des 12. Jahrhunderts führte die Oberin den Ehrentitel Äbtissin, bei St. Stephan handelte es sich aber nicht um ein Kloster, sondern ein „freiweltlich adeliges Damenstift“. Erst Ende des 16. Jahrhunderts verschärfte der Augsburger Bischof Johann Otto von Gemmingen massiv die Regeln des Stiftes. Im 18. Jahrhundert kam das Stift St. Stephan zu neuer Blüte. Der Neubau seiner Stephanskirche unter dem fürstbischöflichen Hofbaumeister Franz Xaver Kleinhans erfolgte in den Jahren 1755/57. 1796 wurde unter Äbtissin Maria Antonia Reichsfreifrau von Welden ein kompletten Neubau für den Konvent begonnen. Das Stift wurde aber dann 1803 im Zuge der Säkularisierung aufgelöst und kam in Besitz der Stadt. Es wurde 1807 geräumt. 1816 richtete die Armee dort ein Monturmagazin ein. 1828 zog auf Anregung König Ludwigs I. eine katholische Studienanstalt in das Stiftsgebäude. Sie umfasste eine Lateinschule, das eigentliche Gymnasium, ein Lyzeum (später Philosophische Hochschule bis 1969) und ein Internat. Seit 1834 wirken Benediktiner in St. Stephan, das 1835 als Abtei neu gegründet wurde und Mutterkloster für die Priorate Metten und Ottobeuren wurde. Die im Zweiten Weltkrieg 1944 zerstörten Gebäude wurden von 1950 bis 1966 wieder aufgebaut.[1]

Gegenwart

Die Benediktiner von St. Stephan leben ihre Berufung als getaufte Christen in der Lebensform des benediktinischen Mönchtums.

Der Gemeinschaft von derzeit 17 Brüdern steht P. Theodor Hausmann seit 2006 als Prior-Administrator vor. Gebet, Arbeit, Lesung und Schweigen prägen nach der Mönchstradition ihr Leben in der Spannung zwischen Zurückgezogenheit und Zuwendung zu den Menschen, um ihre Freude und Hoffnung, Trauer und Angst zu teilen. Als Glaubende bezeugen die Benediktiner gemeinsam mit den Menschen, die als Gäste das Kloster aufsuchen, das Evangelium.

Durch ihre Arbeit als Lehrer am Gymnasium bei St. Stephan, im Tagesinternat St. Joseph, in der Erwachsenenbildung, im Gästehaus St. Benedikt, in der außerordentlichen Seelsorge, sowie in pflegerischen und handwerklichen Tätigkeiten leisten die Benediktiner von St. Stephan ihren Beitrag als Christen für unsere Gesellschaft und verdienen selbst ihren Lebensunterhalt.

Äbte

  • Barnabas Huber 1834-1851
  • Theodor Gangauf 1851-1859
  • Raphael Mertl 1859-1889
  • Eugen Gebele 1889-1903
  • Theobald Labhardt 1903-1915
  • Placidus Glogger 1915-1920
  • Johannes Ruhland 1941-1970
  • Albert Brettner 1970-1987
  • Emmeram Kränkl 1987-2006
    • Theodor Hausmann, Prior-Administrator seit 2006

(Quelle: orden-online.de und [1])

Klimamessungen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann in Augsburg die Messung und Beobachtung des Wetters. Von 1812 an bis 1837 maß und beobachtete Augustin Stark in seinem Wohnturm beim Kloster St. Stephan täglich Wetterelemente. Diese veröffentlichte er jährlich als "Meteorologisches Jahrbuch". [2]

Nach dem Tod Augustins führten die Mönche die Messungen bis zum heutigen Tage fort. Im Jahre 1866 wurde von der Bayerische Akademie der Wissenschaften ein bayernweites Beobachtungsnetz initiiert, welches in der Tradition der "Societas Meteorologica Palatina" stand. In dieses Netz war auch die Station in St. Stephan als Säkularstation integriert. Da der Standort nie gewechselt wurde, steht eine solide Messreihe von Augsburger Wetterdaten zur Verfügung. Diese homogene Messreihe ist eine der längsten in Europa und vergleichbar mit der des Meteorologischen Observatoriums auf dem Hohen Peißenberg. Einzig nach dem Luftangriff auf Augsburg im April 1944 waren die Messungen auf Grund zerstörter Instrumente für eine Woche unterbrochen.

Einzelnachweise

  1. Klöster in Bayern: St. Stephan (Geschichte)
  2. Siegmund Günther: Stark, Augustin. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 35, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 487 f.

Weblink

48.37563697222210.8993494444447Koordinaten: 48° 22′ 32″ N, 10° 53′ 58″ O


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