Beneventana
Seite der Regula Benedicti, datiert auf 1075–1090, aus der Bibliothek von Monte Cassino

Die Beneventana ist eine langobardische Buchschrift, die vor allem in Süditalien verbreitet war. Am bekanntesten ist der Stil von Monte Cassino.

Ihren Namen erhielt sie von E. A. Lowe nach dem Herzogtum Benevent in Süditalien, wo sie weit verbreitet war. Vereinzelt wird sie auch als Langobarda, Longobarda oder Longobardisca bezeichnet. Sie wurde von der älteren paläografischen Forschung zu den Nationalschriften gezählt.

Sie ist vorrangig im Süden der italienischen Halbinsel verwendet worden, wenn auch auf der dalmatinischen Adriaküste Schreibzentren nachgewiesen werden können. Die älteren Formen haben sich seit Mitte des 8. Jahrhunderts aus den süditalienischen Halbkursiven ausgeformt. Die jüngeren Formen sind vom 11. bis zum 13. Jahrhundert in Gebrauch. Einzelne Beispiele sind auch noch bis ins 16. Jahrhundert nachweisbar. Die beiden Hauptzentren, in denen die Schrift gepflegt wurde, sind das Kloster Monte Cassino und die Skriptorien in Bari. Der Bari-Typus ist eine Fortentwicklung des Typus, der in Monte Cassino im 10. Jahrhundert geschrieben worden ist.

In ihrer Hochphase im 11./12. Jahrhundert (Lowe) sind die in der Mitte gedrehten Schäfte der Buchstaben charakteristisch. Brechung und Bogenverbindungen gehören ebenfalls zu den kennzeichnenden Merkmalen. Die Schrift ist insgesamt ligaturenreich.

Leitbuchstaben sind:

  • das cc-förmige a, das in den älteren Handschriften oben offen, in der Art eines ic ausgeformt ist.
  • das e mit langem Mittelstrich und Oberlänge, das dem doppelstöckigen, in der Mitte gekerbten c ähnlich ist, wie es typisch für die Beneventana aus Bari.
  • das g mit offener Rundung oben und unten
  • das pfahlförmige r in der älteren Form der Beneventana,
  • das t mit links eingerolltem Querbalken, das in mit einem nachfolgenden i in typischer Weise verbunden werden kann: ein 'gestürztes' t, das einer stehenden 8 ähnlich sieht, in Ligatur mit i steht für den z-artigen Laut, wie in 'amicitia', während die Ligatur das Standard t mit i für t-Laut steht wie in 'contineri'.

Typisch ist auch das Kürzungszeichen, das häufig über dem Kürzungsstrich einen Punkt setzt. Die 3erförmige Abkürzung für ein abschließendes -m wird auch gerne verwendet.

Handschriften

Zu den ältesten Zeugnissen gehört die Bamberger Cassiodor-Handschrift (Msc.Patr.61), die älteste und beste Überlieferung seiner Institutiones divinarum et saecularium litterarum. Ebenfalls bekannte Zeugnisse der Beneventana sind die Exultet-Rollen.

Literatur

  • Francesco Bianchi/Antonio Magi Spinetti: BMB. Bibliografia dei manoscritti in scrittura Beneventana, Rom 1993 ff.
  • Virginia Brown: A second new list of beneventan manuscripts, Studi medievali 40 (1978) 239-289
  • Guglielmo Cavallo: Rotoli di Exultet dell'Italia meridionale, Bari 1973.
  • Guglielmo Cavallo: Struttura e articolazione della minuscola beneventana tra i secoli X - XII, in: Studi medievali 3. ser. 11 (1970), S. 343-368.
  • Alfonso Gallo: Contributo allo studio delle scritture meridionali nell'alto medio evo, in: Bulletino dell'Istituto Storico Italiano 47 (1931), S. 333-350.
  • Elias Avery Lowe: The Beneventan Script. A history of the south Italian Minuscule, Oxford 1914.
  • Elias Avery Lowe: Scriptura beneventana. A history of the South Italian minuscule, 2 Bde., Oxford 1929.
  • Elias Avery Lowe: A new list of beneventan manuscripts. In: Collectanea Vaticana in honorem A. M. card. Albareda, Città del Vaticano1962 (Studi e testi 220) , S. 211-244 = ders., Palaographical Papers II, Oxford 1972, S. 417-479.
  • Elias Avery Loew [=Lowe]: The Beneventan Script, 2 Bde., 2. Aufl., Rom 1978–1980.
  • Francis Newton: Fifty Years of Beneventan Studies, in: AfD 50 (2004), S. 327-346.
  • Viktor Novak: Scriptura Beneventana, Zagreb 1920

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