Zigeuner
Artikel Ziegeuner,[1] Johann Heinrich Zedler, Universallexicon (1731–1754), einflussreichste deutschsprachige Enzyklopädie im 18. Jahrhundert. Ziegeuner werden als heterogene soziale Gruppe mit den gemeinsamen Merkmalen der Delinquenz und einer nicht ortsfesten Lebensweise dargestellt.

„Zigeuner“ ist eine seit dem 15. Jahrhundert im deutschen Sprachraum belegte, mutmaßlich auf byzantinischen Sprachgebrauch zurückgehende Fremdbezeichnung für Bevölkerungsgruppen, denen in Stereotypen ausgeprägte, jeweils auffällige, von der Mehrheitsbevölkerung abweichende Eigenschaften zugeordnet werden. Zwei wesentliche Beschreibungen lassen sich unterscheiden, die in Mischungen auftreten können:

  • „Zigeuner“ als soziografische Sammelkategorie für unterschiedliche ethnische und soziale Gruppen, deren Angehörigen eine als unstet, ungebunden, deviant und/oder delinquent beschriebene Lebensweise zugeschrieben wird. Dieses Konzept entstand mit dem Beginn der Frühen Neuzeit und ist bis heute wirksam.
  • „Zigeuner“ als ethnische Gruppe in einem ethnisch-kulturellen oder ethnisch-biologischen Verständnis. Eine als unstet bis hin zum "Nomadentum", als ungebunden, deviant und/oder delinquent beschriebene Lebensweise gilt als invariantes Merkmal. Dieses Konzept geht zurück auf die völkerkundlich orientierte Zigeunerkunde des ausgehenden 18. Jahrhunderts und ist bis heute wirksam. Im Rahmen dieses Konzepts wurde und wird „Zigeuner“ als Sammelname auf die Gruppen der Roma bezogen, im Nationalsozialismus exklusiv.

Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert entwickelte sich eine Perspektive im Sinne von „Volk“ und „Rasse“, die sich im 19. Jahrhundert zunehmend verfestigte. Zugleich mit dieser diskriminierenden kam eine ebenfalls abgrenzende romantisch verklärende Sichtweise auf, die negative Stereotype positiv umwertete.

Die wesentlichen nationalen und internationalen Interessenvertretungen der Roma lehnen die Anwendung des Begriffs auf Roma wegen der stigmatisierenden Konnotationen, die bis zu rassistischen Vorurteilen reichen, ab. Sie verstehen das Wort gleichsam als Überschrift über eine lange Verfolgungsgeschichte mit ihrem Höhepunkt im Porajmos, dem Völkermord an den europäischen Roma unter der NS-Herrschaft.

Aus dem Sprachgebrauch der staatlichen und nichtstaatlichen Verwaltung, der Justiz, der großen gesellschaftlichen Institutionen wie der Gewerkschaften oder der Kirchen, der internationalen Behörden und der Politik ist „Zigeuner“ inzwischen verschwunden. In den Medien hat der Begriff eine zunehmend minimalisierte Außenseiterposition. Eine Ausnahme im Raum der Politik sind rechtsextremistische Organisationen und Medien. Sie wenden den Begriff gezielt auf Roma an.

Eigenbezeichnungen wie Roma oder Sinti haben eine andere Bedeutung als „Zigeuner“, übersetzen also nicht, sondern ersetzen.

Inhaltsverzeichnis

Zur Einordnung des Begriffs

Verbreitungsraum, frühes Auftreten, Etymologie

Eine Bekanntmachung für eine Zigeuner-Sklaven-Auktion in Rumänien 1852

Das Wort Zigeuner ist eine Fremdbezeichnung, die in ähnlicher Form in vielen europäischen Sprachen vorkommt.[2]

Die genaue Herkunft des gemeineuropäischen Ethnonyms ist unsicher und mythisch. Weithin anerkannt ist die These einer Herkunft vom griechischen Wort athinganoi, das die Anhänger einer gnostischen Sekte bezeichnete, die vor allem in Phrygien, einer Landschaft im westlichen Anatolien, beheimatet war.[3] Eine Lebensbeschreibung des „heiligen Georgios von Athos“ vom Beginn des 12. Jahrhunderts enthält eine Legende, die sich 1054 ereignet haben soll. Demnach hätten „Samaritaner, Abkömmlinge des Simon Magus, welche Adsincaner genannt werden“ die Jagdgehege des byzantinischen Kaisers durch einen Abwehrzauber von eingedrungenen wilden Tieren befreit.[4]

Athinganoi im Sinne des späteren „Zigeuner“ tritt seit dem 12. oder 13. Jahrhundert auf, zuerst mit noch unsicherem Bezug bei Theodoros Balsamon († nach 1195) für Schlangenbeschwörer und Wahrsager,[5] und dann mit klarem Bezug (o toùs kaì Aìgyptíous kaì Athingánous, s.u.) bei Gregorios II. Kyprios (1283–1289 Patriarch von Konstantinopel).[6] Ob auch die Belege des 11. und 12. Jahrhunderts schon die Anwesenheit von Roma in Byzanz bezeugen oder aber auf Wahrsager anderer Provenienz zu beziehen sind, wird dabei in der Forschung diskutiert.

Alternativ wurden auch Herleitungen von persisch Ciganch (Musiker, Tänzer), von persisch asinkan (Schmiede) oder von alttürkisch čïgāń „arm, mittellos“[7] vorgeschlagen.

Im Deutschen wurde Zigeuner volksetymologisch und fälschlich zu „Zieh-Gäuner“, also „(umher-)ziehende Gauner“ umgedeutet. Auch deswegen wird die Bezeichnung heute vielfach als negativ belastet abgelehnt.

„Zigeuner“ und „zigeunerische Lebensform“

Obwohl die ganz überwiegende Mehrheit der Roma seit vielen Generationen, in Südosteuropa seit Jahrhunderten und in Mitteleuropa spätestens seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ortsfest lebt, ist das auf sie bezogene Etikett im mehrheitsgesellschaftlichen Verständnis Chiffre für einen als „zigeunerische Lebensform“ verstandenen „Nomadismus“. Die auffällige und abweichende Ausnahmesituation einer Minderheit innerhalb der Roma wird in dieser Vorstellung nicht nur fälschlich auf die Gruppe insgesamt verallgemeinert, sondern ihr zudem als Konstante zugeschrieben, die entweder biologisch oder kulturell festgelegt sei.[8]

Tatsächlich fanden und finden sich nicht ortsfeste Erwerbs- und Lebensweisen quer durch die Jahrhunderte in den unterschiedlichsten Varianten universal in allen geografischen Räumen und innerhalb vieler ansonsten sesshafter Ethnien.[9] Die ethnischen, kulturellen und sozialen Unterschiedlichkeiten dieser Gruppen übergehend und zugleich Roma kollektiv auf eine mobile minderheitliche Teilgruppe reduzierend wird gelegentlich „ziganische Völker“ als ein Oberbegriff zu „Zigeuner“ verwendet.[10]

Zur historischen Position der Eigenbezeichnungen

Entgegen einer verbreiteten Ansicht[11] sind die Eigenbezeichnungen im deutschsprachigen Raum seit langem auch in der Mehrheitsgesellschaft bekannt, ohne jedoch bis in die 1980er Jahre hinein je in eine nennenswerte Konkurrenz zu Zigeuner getreten zu sein. Sie haben – wie die Minderheit selbst – stets eine unbedeutende Randposition gehabt. 1793 stellt ein Autor fest, es sei „die Frage, wie nennt ein Volk sich selbst, bei historisch-etymologischen Untersuchungen wichtig. Wie also nennen sich die Zigeuner? Mit Recht antwortet man: Roma oder Romma in der mehreren Zahl, Rom in der einfachen.“[12] Auch „Sinte“ ist ihm geläufig. „Romni“ ist im regionalen Dialekt belegt.[13] Der scharf antisemitische und antiziganistische hessische Heimatschriftsteller Rudolf Oeser verwendet die Eigenbezeichnungen.[14] Gustav Freytag erklärt, die Zigeuner nennten „sich noch heute Sinte“ bzw. mit der „romany tschib“ verfüge „der Rom, wie er sich selbst nennt“ über eine eigene Sprache.[15]

Zumindest im französischsprachigen Raum hatten demgegenüber die Subjektbegriffe auch vor dem Paradigmenwechsel der 1980er Jahre einen festen Platz wenigstens in der fachlichen und in der Heimatliteratur.[16]

Weitere Fremdbezeichnungen

Ein weiterer gesamteuropäischer Gruppenname wird von Ägypten als Herkunftsland hergeleitet. Er wird überwiegend als Ableitung aus dem Ortsnamen Gyp(p)e, Berg auf dem Peloponnes, gedeutet, der seit den 1480er Jahren in mehreren Reiseberichten bezeugt ist. Es habe demnach dort vor der Stadt Modon (heute: Methoni) eine Siedlung namens „klein Egypten“ gegeben. Sie sei von „Egyptianern genant Heyden“ bzw. von „Suyginern“ bewohnt gewesen.[17]

In der ersten Periode ihres Auftretens in Europa bezogen Romagruppen sich auf diesen Herkunftsmythos und bezeichneten sich als ägyptische Pilger. Als solche erhielten sie Almosen und Schutzbriefe.[18] „Ägypter“ wurde zu einer europaweiten mehrheitsgesellschaftlichen Bezeichnung: so spanisch Gitano, französisch Gitan, englisch Gypsy, griechisch γύφτος (gyftos), serbisch cipside, türkisch kipti. Der Artikel „Ziegeuner“ in Johann Heinrich Zedlers „Universallexicon“, der einflussreichsten deutschsprachigen Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts, bezeichnet „Egyptier“ als den am häufigsten („vornehmlich“) im Deutschen auftretenden Gruppennamen.[1]

Sowohl in Norddeutschland als auch in skandinavischen Sprachen und in dem früheren rumänischen Sprachraum findet sich auch die Bezeichnung Tatern oder tattare (rum. tărtari oder tătăraşi), die eigentlich die Tataren meint. Im Englischen hat das ursprüngliche Ethnonym tatters seinen originären Sinngehalt völlig verloren und ist heute eines der Worte für „Lumpen“.

Auch der Begriff Heidenen oder Heider (also „Heiden“) wurde historisch verwendet.[19] In Theodor Storms Werk Der Schimmelreiter wurden „Zigeuner“, die von den einheimischen Nordfriesen geopfert werden sollten, als Slowaken bezeichnet.

Französische und spanische mehrheitsgesellschaftliche Bezeichnungen sind auch bohémiens bzw. bohemios („Böhmen, Böhmische“). Ihre Bedeutung hat sich auf die Angehörigen eines Künstlertums, die bohème, ausgeweitet, das als abseits bürgerlicher Ordnungsvorstellungen lebend imaginiert wird.

Angesichts der Diskreditierung der von den Ordnungsinstanzen geübten Kategorisierungs- und Erfassungspraxis durch den Nationalsozialismus gingen die bundesrepublikanischen Polizeibehörden zu unauffällig wirkenden verhüllenden Ersatzbezeichnungen für „Zigeuner“ über. So zu „Landfahrer“: Der 1899 in München eingerichtete zentrale Zigeunernachrichtendienst („Zigeunerzentrale“, im Nationalsozialismus „Zigeunerpolizeileitstelle“) etwa wurde über den Nationalsozialismus hinaus aufrechterhalten, nun jedoch unter dem neuen Namen „Landfahrerstelle“.[20] Eine weitere Tarnbezeichnung ist „mobile ethnische Minderheit“. Sie dient dazu, das der Polizei auferlegte Verbot zu umgehen, die Zugehörigkeit von Verdächtigen zur Minderheit in öffentlichen Erklärungen bekanntzugeben.[21]

„Zigeuner“ im öffentlichen Diskurs der Moderne

19. und 20. Jahrhundert

Die Semantik von Zigeuner bewegte sich lange zwischen einem kulturalistisch oder biologisch bestimmten ethnischen und einem soziografischen Inhalt. In diesem zweiten Fall konnten auch Nicht-Roma gemeint sein: So wurde seit dem 19. Jahrhundert gelegentlich das Etikett „weiße Zigeuner“ auf die aus mehrheitsgesellschaftlicher Sicht „nach Zigeunerart lebenden Landfahrer“ und seit etwa 1900 das der „Kulturzigeuner“ auf mehrheitsgesellschaftliche nonkonformistische Künstler („Bohemiens“)[22] angewendet. Die soziografische Zuschreibung beinhaltete gleichwohl nicht anders als die ethnische die Typisierung der Betroffenen als „gemeinschaftsschädlich“ bzw. als „entartet“.

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde der Begriff systematisch „wissenschaftlich“ rassifiziert. Zigeuner war spätestens seit den ausgehenden 1930er Jahren eine von der Rassenforschung und den polizeilichen und sonstigen Verfolgungseinrichtungen ausschließlich ethnisch-biologisch gemeinte Kategorisierung, auf der eine Vielzahl von Ausschließungsvorschriften bis hin zu den Deportationslisten für Auschwitz, mithin für den Genozid an der Minderheit („Porajmos“), basierten. Auf diesem besonderen Hintergrund gilt der Begriff heute in weiten Teilen des gesellschaftlichen Diskurses als kontaminiert.

Wenn die Eigenbezeichnungen an die Stelle von Zigeuner traten, so geht dies vor allem auf die Anstrengungen der sich seit den 1970er Jahren organisierenden Roma und ihrer mehrheitsgesellschaftlichen Unterstützer zurück. Die Bürgerrechtsbewegung konfrontierte die Mehrheitsgesellschaft mit den für sie ungewohnten Begriffen, um auch auf diese Weise eine Veränderung der gewohnten Sichtweise auf die Minderheit zu bewirken. Die Eigenbezeichnungen stehen symbolisch für den Bruch mit der überkommenen mehrheitsgesellschaftlichen Perspektive und für die Anerkennung der Minderheit als einer eigenständigen und sich selbst definierenden Größe.

Bis etwa 1980 wird in Text und Titel deutschsprachiger Publikationen zum Thema fast ausnahmslos das Wort „Zigeuner“ benutzt. Exemplarisch für die einsetzende Abwendung von der Fremdbezeichnung und für die enge Verbindung von Bürgerrechtsbewegung und Benennungsdiskurs sind das von Tilman Zülch von der Gesellschaft für bedrohte Völker im Jahr 1979 herausgegebene Buch In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt – zur Situation der Roma (Zigeuner) in Europa und ein 1980 von der Friedrich-Naumann-Stiftung Bremen herausgegebener Tagungsband Sinti in der Bundesrepublik – zur Rechtlosigkeit verurteilt?

Zur heutigen Position von „Zigeuner“

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, die Rom und Cinti Union (Hamburg) oder die Roma-Union (Frankfurt a. M.) lehnen die Fremdbezeichnung als rassistisch ab und verweisen dabei auf deren Geschichte. So auch der in Köln ansässige, aber weit darüber hinaus anerkannte von Nichtroma getragene Rom e. V. Die Sinti Allianz Deutschland (Köln), einer der weniger bedeutenden Zusammenschlüsse und beschränkt auf einige Familien aus den Teilgruppen der Sinti und der Lovara, akzeptiert die Bezeichnung, wiewohl sie sie in ihrem Eigennamen vermeidet.[23] Sie bemisst ihre Verwendbarkeit nach der privaten Sprecherabsicht.

Von dem Bestreben von Selbst- und von Bürgerrechtsorganisationen nach Durchsetzung der Eigenbezeichnungen im mehrheitsgesellschaftlichen Sprachgebrauch ist die reale Sprachpraxis innerhalb der Minderheit zu unterscheiden. Eine Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre entstandene Untersuchung zum rheinischen Schaustellermilieu, die ansonsten tradierten Zigeunerbildern verhaftet ist, stellte doch fest, dass "von den Zigeunern selbst ... das Wort kaum akzeptiert" werde. "Vielmehr bezeichnen sich die ... Vaganten selbst je nach Sippenzugehörigkeit als ròm 'Mann, Zigeunermensch' ... oder als sinte 'Zigeuner'".[24] Im Rahmen einer Untersuchung zur aktuellen Bildungssituation deutscher Roma, die zwischen 2007 und 2011 durchgeführt wurde und im Umfeld des Zentralrats entstand, wurde auch nach der Verwendung der Gruppenbezeichnungen durch Angehörige der Minderheit gefragt. Thematisiert wurden gemäß dem Selbstverständnis des Zentralrats allein die beiden Eigenbezeichnungen Roma und Sinti, ferner die Fremdbezeichnung Zigeuner. Nicht ganz 95% der Befragten verwendeten die Eigenbezeichnungen, für 57,5% war der Fremdbegriff "immer ein Problem", 14,9% hatten "kein Problem mit der Verwendung des Zigeuner-Begriffs durch andere" und weitere 25,7% fanden, "dass es darauf ankommt, ob dieser Begriff abwertend oder gar als Schimpfwort benutzt wird". 6,9% wandten den Zigeunerterminus auf sich selbst an, z. T. neben Roma oder Sinti.[25]

Die „Katholische Zigeunerseelsorge“ vertrat den Begriff bis ins Jahr 2010. Der Bischof von Hildesheim Norbert Trelle als Beauftragter der „Zigeunerseelsorge“ erklärte 2008 dazu, die Kirche wolle dem Begriff jene Würde und Bedeutung zurückgeben, die ihm durch jahrhundertealte Vorurteile und die NS-Verbrechen genommen worden sei, nämlich indem sie ihn weiterverwende. „Zigeuner“ war für ihn ein soziografischer, zugleich aber auch ethnischer Sammelbegriff für ein „Volk in Bewegung“, dem er sowohl Roma als auch Jenische zuordnete. Deren „Nomadenkultur“ habe eine ihnen allen gemeinsame fremdartige und für Sesshafte „schwer zu begreifende“ „Weltanschauung“ hervorgebracht.[26]

Der Zentralrat kritisierte die Weiterverwendung der Bezeichnung wie die pauschale Darstellung der Roma als „Nomaden“. „Zigeuner“ schüre Vorurteile, weil es eine untrennbar mit rassistischen Zuschreibungen verknüpfte und von Vorurteilen überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft sei, die von den allermeisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend empfunden werde. „Nomaden“ spreche den Menschen ihre Heimatrechte ab. Die Zuschreibung suggeriere, „Zigeuner“ bildeten eine archaische „Stammesgesellschaft“, die in die moderne Umgebungsgesellschaft nicht integrierbar sei. Die Angehörigen der Minderheit seien aber realer Teil der Gesellschaft und nähmen als solche an ihrer Entwicklung teil.[27]

2010 beendete die Deutsche Bischofskonferenz ihre bisherige Praxis und beschloss, den Namen ihrer Einrichtung in „Katholische Seelsorge für Roma, Sinti und verwandte Gruppen“ zu ändern. „Zigeunerseelsorge“ stehe nicht mehr im Einklang mit dem üblichen Sprachgebrauch und werde von Betroffenen als missverständlich oder diskriminierend empfunden. Trelle wurde durch Bischof Franz Vorrath abgelöst.[28]

Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch tritt die Bezeichnung mitunter noch auf, wird aber regelmäßig mit dem Hinweis versehen, als Quellenbegriff, also zitierend, eingesetzt zu werden. Eine auffällige Ausnahme bildet die Leipziger Schule der Tsiganologie. Ihr bekanntester Sprecher, der Ethnologe Bernhard Streck, trägt vor, das überkommene Gruppenetikett sei ein „altehrwürdiger Begriff“. Die von ihm vertretene „seriöse Tsiganologie“ habe daher den von ihm als „Umbenennung“ beschriebenen Sprachwandel „nicht mitgemacht.“[29] Streck und seine Schule vertreten ein dezidiert soziografisches ethnienübergreifendes Zigeunerkonzept, das an den Konstrukten „Dissidenz“ und „Nomadismus“ ausgerichtet ist, sich der Definition verweigert[30] und als einzige Gemeinsamkeit von gleichermaßen als „Zigeuner“ bezeichneten

  • indigenen Gruppen in Osteuropa, Asien und Afrika, die ethnisch nichts mit Roma zu tun haben, und
  • den Gruppen der Roma

ein schillerndes „spannungsreiches Verhältnis zur jeweiligen Mehrheitsgesellschaft“ sieht.[31] In der Forschung stößt dieser Ansatz auf scharfe Kritik.[32]

Die von Jenischen dominierte Schweizer Radgenossenschaft der Landstraße verwendete in den ersten beiden Jahrzehnten ihrer Aktivität „Zigeuner“ als Selbstbezeichnung für die Angehörigen „ein[er] gemischte[n] Gemeinschaft von Sinti, Romani und Jenischen“, diese von den „übrigen Fahrenden in der Schweiz, Schausteller[n], Jahrmarkthändler[n], Chilbi[= Kirmes/Kirtag]- und Zirkusleute[n]“ abgrenzend.[33] Davon ist sie jedoch seit etwa der Mitte der 1990er Jahre abgerückt und verzichtet in der Folge auf das Zigeuner-Etikett. Bereits seit der Mitte der 1980er Jahre zieht sie eine ethnisch definierte strikte Trennlinie zu den Gruppen der Roma und ethnisiert die jenische Bevölkerungsgruppe zu einem separaten „jenischen Volk“.[34]

Mehrheitsgesellschaftliche Verteidiger von „Zigeuner“ begründen ihre Haltung häufig mit einem praktischen Vorteil: die Bezeichnung umfasse alle Teilgruppen, während Sinti und Roma nur auf zwei Gruppen - Roma gelten ihnen als Teilgruppe - begrenzt und damit seinerseits ausschließend sei. Abwertend sei „Zigeuner“ – unbeachtlich von Wortgeschichte und semantischem Kontext – nicht, wenn es gut gemeint sei, so etwa der Zeithistoriker Eberhard Jäckel 2005.[35] Als Gesamtbezeichnung der Angehörigen aller Teilgruppen empfiehlt demgegenüber der Roma-Weltdachverband International Romani Union Roma,[36] während der deutsche Zentralrat in Abweichung eher unscharf von Sinti und Roma spricht.[37]

Insgesamt ist „Zigeuner“ im öffentlichen Sprachgebrauch, wie Justiz, staatliche und nichtstaatliche Verwaltung, die großen gesellschaftlichen Institutionen wie Parteien, Gewerkschaften oder Kirchen, die nationale Politik oder die Verlautbarungen der internationalen Institutionen ihn repräsentieren, heute nicht mehr nachweisbar (Stand: 2010).[38] Exemplarisch ist eine jüngere Aussage der Europäischen Kommission, nach der es den Gepflogenheiten bei EU-Strategiepapieren und Diskussionen entspreche, den Ausdruck „Roma“ selbst auf Fälle anzuwenden, in denen Roma es sind, die von „Zigeunern“ (bzw. mit deren nichtdeutschen Pendants von „Gypsies“, „Gitanos“, „Gitans“ usw.) sprechen.[39]

In den Medien befindet der Begriff sich inzwischen in einer zunehmend minimalisierten Außenseiterposition. Exemplarisch ausgezählt ergab sich in der Zeit und der Tageszeitung für den Zeitabschnitt von 1995/96 bis 2003

  • als die am häufigsten verwendete Form mit definitiv ethnischem Inhalt Roma,
  • das dreimal so häufig auftrat wie Sinti,
  • während das ethnisch uneindeutige Etikett Zigeuner noch einen Anteil von 20-30% hatte.

Eine Zählung in der Zeit von 2003 ergab, dass Zigeuner abgesehen von „zitierenden Verwendungen in Reflexionen über das Wort ‚Zigeuner‘“ und der historiografischen Quellenzitierung überhaupt nur noch in romantisierenden, „positiven“ Verwendungsweisen (in Literatur und Musik) oder im übertragenen Sinn („Leben wie ein Zigeuner“) vorkam.[40] Heute wird der Terminus kaum mehr genutzt. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (2006) und die Einrichtung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2006) haben Aufmerksamkeit und Sensibilität gerade für alltägliche Formen der Diskriminierung, wie sprachliche Diskriminierung in den Medien sie darstellt, weiter heraufsetzen können.[41] Sie ermutigen die Betroffenen, dagegen aufzutreten.[42]

Die Abwendung von „Zigeuner“ im politischen und medialen Raum hat eine Ausnahme: Für rechtsextremistische Organisationen und Medien gilt nach wie vor „Zigeuner“ als die eindeutig bevorzugte Bezeichnung.[43] Dabei wird ein Konstrukt einer solchen Minderheit mit den traditionell antiziganistischen angeblichen Hauptmerkmalen der „Delinquenz“ und des „Nomadisierens“ vertreten. Angewendet wird der Terminus vor allem im Kontext von Abschiebungsforderungen auf südosteuropäische Roma. Zum üblichen rechtsextremistischen Sprachgebrauch gehören auch Zusammensetzungen mit herabsetzender Konnotation wie „Zigeunerlobby“, „Zigeunersippe“ oder „Zigeunerhäuptling“. „Die Jahrhunderte alte Bezeichnung ‚Zigeuner‘“ sei nicht diskriminierend. Hingegen handle es sich, heißt es mit dem Gestus des Widerspruchs gegen „politische Korrektheit“, bei der Verwendung von „Roma“ oder „Sinti und Roma“ um eine Anpassung an „verordnete Mediensprachregelungen“.[44]

Die Veränderungen der letzten Jahrzehnte sind jedoch selbst hier nicht ohne Auswirkung geblieben. Es ist durchaus gelegentlich auch von „Roma“ die Rede.[45]

Vom öffentlichen ist der private Sprachgebrauch zu unterscheiden. Zwar gibt es keine Untersuchungen zum älteren und zum heutigen Stand von „Zigeuner“ in der privaten alltäglichen Kommunikation innerhalb der Mehrheitsgesellschaft. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass der Begriff mit den ihm anhängenden Konnotationen nach wie vor von Bedeutung ist. Dafür sprechen die Ergebnisse der Meinungsforschung: Ressentiments gegen „Zigeuner“ haben demnach seit Jahrzehnten eine feste Position in der Vorstellungswelt der Mehrheitsbevölkerung. Seit Beginn der Umfragen in den frühen 1960er Jahren sind „Zigeuner“ in der Bundesrepublik mit Abstand die unbeliebteste aller ethnischen Gruppen. 2002 lehnten 58 Prozent der Deutschen nach einer Umfrage von Infratest im Auftrag des American Jewish Committee „Zigeuner“ als Nachbarn ab.[46] So hat der schon aus den 1920er Jahren bekannte,[47] mutmaßlich aber ältere volkstümliche Spruch „Zick, zack, Zigeunerpack“ den Sprachwandel ganz unbeeinträchtigt überdauert. Er gehört bis heute zum festen Repertoire deutscher Fußballfans,[48] tritt aber (ähnlich wie malerisch kostümierte Zigeuner-Gruppen) auch im Karneval auf.[49] Entgegen der sozialen Realität der traditionell mit dem Begriff belegten Minderheiten stehen die abgeleiteten Formen zigeunern, auch herumzigeunern bis heute nach Angabe des Dudens (2011) umgangssprachlich für eine nicht-sesshafte, „vagabundierende“ Lebensweise „ohne festen Wohnsitz“.[50]

Zur Position der Fremdbezeichnungen in Europa

Im gesamten europäischen Sprachraum befinden sich die Fremdbezeichnungen auf dem Rückzug. Gemeinsamer Hintergrund dieses Vorgangs sind

  • der allgemeine kulturelle Paradigmenwechsel im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts mit seinem grundlegenden Wechsel der Perspektive auf Minderheiten, mit dem in vielen Fällen eine Wende zu nichtdiskriminierenden Gruppenbezeichnungen einherging und
  • die Selbstorganisation der Roma in selbstbestimmten nationalen und internationalen Interessenverbänden sowie deren zähe Anstrengungen um eine Veränderung der traditionellen mehrheitsgesellschaftlichen Sichtweise.

Die Entwicklung verläuft indessen nicht gleichförmig, sondern entsprechend den unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen. In Skandinavien sind die Fremdbezeichnungen inzwischen historisch.[51] In Rumänien bewirkte Druck von außen – durch die Gremien der EU – zwar eine Regierungszusage, die Fremdbezeichnung als diskriminierend aus dem offiziellen Sprachgebrauch zu streichen und künftig von „Roma“ zu sprechen, dies stieß aber auf erheblichen gesellschaftlichen Widerspruch. Rumänische Nationalisten eröffneten 2009 eine Kampagne für ein Gesetz zur Wiedereinführung von țigani und zur Beseitigung von roma.[52]

Literatur

  • Anita Awosusi (Hrsg.): Stichwort: „Zigeuner“. Zur Stigmatisierung von Sinti und Roma in Lexika und Enzyklopädien. (= Schriftenreihe des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, 8) Wunderhorn, Heidelberg 1998. ISBN 3-88423-141-3.
  • Stephan Bauer: Von Dillmanns Zigeunerbuch zum BKA: 100 Jahre Erfassung und Verfolgung der Sinti und Roma in Deutschland. Siedentop, Heidenheim 2008, ISBN 978-3-925887-27-7 (zugl. Dissertation, Universität Osnabrück 2007)
  • Reimar Gilsenbach, Joachim S. Hohmann: Verfolgte ohne Heimat. Beiträge zur Geschichte der Sinti und Roma. Rosa-Luxemburg-Stiftung, Leipzig 1992, ISBN 3-932725-19-0 (auch Ausgaben ohne ISBN)
  • Stefani Kugler: Kunst-Zigeuner. Konstruktionen des „Zigeuners“ in der deutschen Literatur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Reihe: Literatur, Imagination, Realität, Band 34. Wissenschaftlicher Verlag, Trier 2004, ISBN 3-88476-660-0 (zugleich Dissertation, Universität Trier 2003)
  • Anja Lobenstein-Reichmann: Zur Stigmatisierung der „Zigeuner“ in Werken kollektiven Wissens am Beispiel des Grimmschen Wörterbuchs. In: Herbert Uerlings, Iulia-Karin Patrut (Hrsg.): „Zigeuner“ und Nation. Repräsentation, Inklusion, Exklusion. Frankfurt 2008, S. 589–629
  • Ramona Mechthilde Treinen, Herbert Uerlings: Vom „unzivilisierten Wandervolk“ zur „diskriminierten Minderheit“: „Zigeuner“ im Brockhaus. In ebd. S. 631–696
  • Leo Lucassen: Zigeuner. Die Geschichte eines polizeilichen Ordnungsbegriffes in Deutschland 1700–1945. Böhlau, Köln 1996, ISBN 3-412-05996-X u. ö.
  • Rüdiger Vossen, Wolf Dietrich, Michael Faber, Michael Peters (Hrsg.): Zigeuner. Roma, Sinti, Gitanos, Gypsies. Zwischen Verfolgung und Romantisierung. Katalog zur Ausstellung im Hamburgischen Museum für Völkerkunde. Ullstein 1987, ISBN 3-548-34135-7.

Weblinks

  • Jörg Kilian, Wörter im Zweifel. Ansätze einer linguistisch begründeten kritischen Semantik, in: Linguistik online, 16 (2003), Nr. 4, siehe: linguistik-online.de.

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. a b Ziegeuner. In: Zedlers Universal-Lexicon, Band 62, Leipzig 1749, Spalte 520–544.
  2. Einer der ältesten lateinischen Belege in Mitteleuropa lautet secanus. Siehe: Hermann Korners Chronica novella (hrsg. von Jakob Schwalm, Vandehoeck & Ruprecht 1895) als Latinisierung der Bezeichnung einer Gruppe, die 1417 in Lübeck Aufsehen erregte (Sec(h)anos se nuncupantes), in der mittelniederdeutschen Bearbeitung der sogenannten Rufus-Chronik dann eingedeutscht als Secanen (unde nomeden sik de Secanen), Karl Koppmann (Hrsg.), Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, XXVIII: Die Chroniken der niedersäschischen Städte – Lübeck, Band 3, Hirzel, Leipzig 1903, S. 108, Nr. 1285.
  3. Rüdiger Vossen, Zigeuner. Roma, Sinti, Gitanos, Gypsies. Zwischen Verfolgung und Romantisierung, Frankfurt a. M./Berlin/Wien 1983, S. 20f.
  4. Reimar Gilsenbach, Weltchronik der Zigeuner, Frankfurt a. M. et alt. 1997, 2., korr. und erg. Aufl., S. 26, 222.
  5. George C. Soulis, The Gypsies in the Byzantine Empire and the Balkans in the Late Middle Ages, in: Dumbarton Oaks Papers 15 (1961), S. 141–165, 146–147, zitiert nach Angus M. Fraser, The Gypsies, Blackwell, Oxford u.a. 1995, S. 46–47
  6. Viorel Achim, The Roma in Romanian Historiy, Central European University Press, Bukarest u.a. 2004, S. 9
  7. Marek Stachowski, Das Ethnonym ‚Zigeuner‘, sein slawisch-türkischer Hintergrund und ungarisch ‚szegény‘, in: Studia Etymologica Cracoviensia 7 (2002), S. 159–169
  8. Vgl. Karola Fings, Rasse: Zigeuner, in: Herbert Uerlings, Iulia-Karin Patrut (Hrsg.), „Zigeuner“ und Nation. Repräsentation-Inklusion-Exklusion (= Inklusion/Exklusion. Studien zu Fremdheit und Armut von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 8), Frankfurt a. M. u.a. 2008, S. 273–309, S. 274.
  9. Vergleiche dazu: Arbeit von Hosemann
  10. Zum Beispiel vha.fu-berlin.de.
  11. Der Zeithistoriker Eberhard Jäckel formuliert sie in einem Beitrag zur Debatte um den Text für ein Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma, in: FAZ, 5. Februar 2005
  12. Johann Erich Biester, Ueber die Zigeuner; besonders im Königreich Preußen, in: Berlinische Monatsschrift, Bd. 21, 1793, S. 108–165, 360-393, hier S. 364f.
  13. Werner Wied, Von mancherlei wandernden und fahrenden, handelnden und bettelnden Leuten, in: Gerhard Hippenstiel, Werner Wied (Hrsg.): Wittgenstein III. ein Lesebuch zur Volkskunde und Mundart des Wittgensteiner Landes, Bad Laasphe 1984, S. 493–506, hier S. 502.
  14. O. Glaubrecht [= Rudolf Oeser], Der Zigeuner, Halle (Saale) 1907, S. 42f.
  15. Gustav Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit, 2. Bd., 1. Abt.: Vom Mittelalter zur Neuzeit, Berlin o. J. (1920), S. 464ff.
  16. Siehe: Ulrich Friedrich Opfermann, „Seye kein Ziegeuner, sondern kaiserlicher Cornet“. Sinti im 17. und 18. Jahrhundert. Eine Untersuchung anhand archivalischer Quellen, Berlin 2007, S. 21.
  17. Berichte von Arnold von Harff, Patrizier aus Köln, Georges Lencheraud, Bürgermeister von Mons im Hainaut (Belgien) und Alexander Pfalzgraf von Rhein nach: Reimar Gilsenbach, Weltchronik der Zigeuner, Teil I, Frankfurt a. M. 1997, 2. korr. und erg. Aufl., S. 103, 110, 114.
  18. Hierbei gaben sie zum Teil an, als Bußprediger für die Sünden ihrer Vorfahren auf Wanderschaft zu sein, die der Heiligen Familie während ihrer Flucht nach Ägypten Hilfe verweigert hätten. Siehe Ines Köhler-Zülch, Die verweigerte Herberge: Die heilige Familie in Ägypten und andere Geschichten von „Zigeunern“ Selbstäusserungen oder Aussenbilder?, in: Jacqueline Giere (Hrsg.), Die gesellschaftliche Konstruktion des Zigeuners: zur Genese eines Vorurteils (= Wissenschaftliche Reihe des Fritz-Bauer-Instituts, 2), Campus, Frankfurt am Main 1966, S. 46–86
  19. Stichwort „Zigeuner“ in Meyers Konversationslexikon von 1888
  20. Was damals Rechtens war. In: Die Zeit, Nr. 17/1980
    br-online.de (PDF)
  21. Belegt beispielsweise hier: S. 3 (PDF), landtag-bw.de (PDF)
  22. Anna-Lena Sälzer, Arme, Asoziale, Außenseiter. Künstler- und „Zigeuner“-Diskurse von 1900 bis zum Nationalsozialismus, in: Herbert Uerlings, Iulia-Karin Patrut (Hrsg.): „Zigeuner“ und Nation. Repräsentation-Inklusion-Exklusion, Frankfurt a. M. u.a. 2008, S. 203–230.
  23. Die Sinti Allianz vertritt eine besonders strenge Auslegung des Mitteilungsverbots der Sinti über ihre Sprache. Siehe: Sinti Allianz, Köln. Auch die Mitteilung der Gruppennamen wird von manchen Sinti als Verstoß gegen das Verbot betrachtet, so dass sie es vorziehen, in der Kommunikation mit Nichtsinti auf „Zigeuner“ auszuweichen.
  24. Michael Faber, Schausteller. Volkskundliche Untersuchung einer reisenden Berufsgruppe im Köln-Bonner Raum, Bonn 1982, 2. durchges. Aufl., S. 24.
  25. Michael Klein, Auswertung von quantitativen Daten zur Erhebung, in: Daniel Strauß (Hrsg.), Studie zur aktuellen Bildungssituation deutscher Sinti und Roma. Dokumentation und Forschungsbericht, Marburg 2011, S. 17-50, hier S. 10f., ferner S. 48-50, 99, siehe: [1].
  26. Statement von Bischof Norbert Trelle, Hildesheim, Bischöflicher Beauftragter für die Zigeunerseelsorge in Deutschland, zum VI. Weltkongress der Pastoral für die Zigeuner … (Freising, 1. bis 4. September 2008), siehe: dbk.de (PDF).
  27. Siehe: roma-service.at, volksgruppen.orf.at, wlz-fz.de
  28. Neuer Name für „Zigeunerseelsorge“., Radio Vatikan: Die Stimme des Papstes und der Weltkirche, 11. Mai 2010. Hoffnungszeichen, in: Antiziganismuskritik 2 (2010), H. 2, S. 4, siehe: antiziganismus.de (PDF). Es ist dort allerdings nicht die neue Bezeichnung, sondern stattdessen falsch der innerhalb der Roma-Gemeinschaft minderheitliche Sprachgebrauch des Zentralrats wiedergegeben.
  29. Bernhard Streck an den Kölner Tsiganologen Rüdiger Benninghaus, 13. April 2004, nach dessen Homepage, Stand: 28. Dezember 2009.
  30. Olaf Guenther, Henning Schwanke: Überrollte Figuren und moderner Kreisverkehr. Bernhard Streck, dem spiritus rector der Leipziger Tsiganologie zu Ehren, in: Blickpunkte, Nr. 9, August 2010, S. 10–18, hier: S. 15, siehe auch: uni-leipzig.de (PDF).
  31. So beispielsweise programmatisch bei der Vorstellung einer Publikation über eine Vielfalt ethnischer Gruppen am Schwarzen Meer: buch.de.
  32. Siehe z. B. Joachim Krauß, „Zigeunerkontinuum“ – die Raum und Zeit übergreifende Konstanz in der Beschreibung von Roma in Theorie und Empirie, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung, Bd. 18 (2009), S. 161–180.
  33. Nicht jeder Fahrende ist ein Zigeuner, in: Scharotl, 17 (1992), H. 1, S. 21.
  34. Siehe: Ulrich Opfermann, "Die Jenischen und andere Fahrende". Eine Minderheit begründet sich, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 19 (2010), S. 126-150.
  35. Eberhard Jäckel: Denkmal-Streit., in: FAZ, 5. Februar 2005
  36. Siehe zum Beispiel: ling.kfunigraz.ac.at (PDF).
  37. Der Zentralrat organisiert und vertritt vor allem Sinti deutscher Staatsbürgerschaft, ferner die deutschen Nachfahren osteuropäischer Roma, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die deutschen Staaten migrierten. In Sinti und Roma spiegeln sich diese Vertretungsansprüche und der Primat für Sinti.
  38. Der Begriff „Zigeuner“ war noch bis in die 1990er Jahre gängige Ausdrucksweise in den Dokumenten der Europäischen Union und ihrer Vorgängerinstitutionen (so etwa in den Entschließungen des Europäischen Parlaments von 1984 und 1994, siehe Roma-Politik der Europäischen Union).
  39. Siehe die undatierte, aber nicht vor 2008 formulierte Aussage auf der Homepage der Europäischen Kommission.
  40. Thorsten Eitz, Georg Stötzel, Wörterbuch der „Vergangenheitsbewältigung“ (= Die NS-Vergangenheit im öffentlichen Sprachgebrauch, Bd. 2), Hildesheim 2009, S. 599.
  41. Gleichstellung. Weniger Tabus, kaum mehr Rechte. [u. a. zu „Zigeuner“], in: FAZ.net, 3. Juli 2007. antidiskriminierungsstelle.de.
  42. Siehe: kreisanzeiger-online.de.
  43. Siehe z. B. die NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und die Reaktionen aller anderen Parteien im Juli 2010: endstation-rechts.de.
  44. Siehe z. B.: Geistige Brandstifter, 28. Juli 2010, in: altermedia.info.
  45. Siehe z. B. [NPD-]Nachrichten für Mecklenburg und Pommern: mupinfo.de.
  46. Brigitte Mihok, Peter Widmann, Sinti und Roma als Feindbilder, in: bpb.de.
  47. Siehe Michael Zimmermann, Rassenutopie und Genozid. Die nationalsozialistische "Lösung der Zigeunerfrage", Hamburg 1996, S. 57.
  48. Vgl. z. B. als zeitgenössische Erscheinung mit dem Abstand einer Generation: „Zickzack – Zigeunerpack“ – Ein Gespräch mit Hugo Franz, in: Einer muß überleben. Gespräche mit Auschwitzhäftlingen 40 Jahre danach, hrsg. von der ESG Bonn, Düsseldorf 1984, mit: Ronny Blaschke: Zick, zack, Zigeunerpack. In: Süddeutsche Zeitung, 28. Mai 2010.
  49. Siehe: Strafanzeige gegen Narren. Staatsanwalt ermittelt wegen Volksverhetzung, in: Schwäbische Zeitung, 7. Februar 2005, [2]. Gegen die Einstellungen der Ermittlungen in diesem Fall erhob der Zentralrat der deutschen Sinti und Roma Verfassungsbeschwerde. Diese wurde abgelehnt.
  50. duden.de, duden.de.
  51. Siehe zum Beispiel Bo Hazell, Resandefolket. Från tattare till traveller, Stockholm 2002.
  52. Rumänien: Zigeuner statt Roma. In: taz. roma-service.at; Spanien: zur spanischen Debatte um das Wort „gitano“ siehe zum Beispiel: dROMa, 12/2006: Nur ein Wort?/Tschak alav? (PDF).

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