Bengaluru
Bangalore
Bangalore (Indien)
DEC
Staat: Indien
Bundesstaat: Karnataka
Distrikt: Bangalore
Lage: 12° 57′ N, 77° 37′ O12.9577.6166666666677Koordinaten: 12° 57′ N, 77° 37′ O
Höhe: 920 m
Fläche: 366 km²
Einwohner: 4.292.223 2001[1]
Bevölkerungsdichte: 11.727 Ew./km²

Bangalore bzw. Bengaluru (Kannada: ಬೆಂಗಳೂರು Beṅgaḷūru) ist die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Karnataka. Mit 4.931.603 Einwohnern in der eigentlichen Stadt und 6.062.577 als Agglomeration (Stand jeweils 1. Januar 2005) ist sie die fünftgrößte Stadt Indiens. Bangalore ist auch Hauptstadt der Distrikte Bangalore und Bangalore Rural District.

Bangalore ist ein wichtiges Zentrum der zivilen und militärischen Luft- und Raumfahrtindustrie und -forschung Indiens. In jüngerer Zeit hat es sich zudem zu einem der wichtigsten IT-Zentren des Landes entwickelt. Wegen der zahlreichen Parkanlagen wird von Bangalore auch oft als der „Gartenstadt“ gesprochen.

Anlässlich des fünfzigsten Jahrestags der Gründung des Bundesstaats im Jahr 2006 beschloss die Regierung von Karnataka nach einem Vorschlag des Schriftstellers U. R. Ananthamurthy, den englischen Namen der Stadt in ihre Kannada-Namensform Bengaluru umzubenennen.[2] Da die indische Zentralregierung der Namensänderung bisher nicht zugestimmt hat, ist der Umbenennungsprozess aber noch nicht abgeschlossen.[3]

Inhaltsverzeichnis

Geographie und Klima

Klimadiagramm von Bangalore

Bangalore liegt im Dekkan-Tafelland, im südlichen Teil des indischen Subkontinents, auf etwa 900 m über Meereshöhe. Dadurch herrschen trotz der tropischen Lage auf etwa 13° nördlicher Breite milde Temperaturen – im Winter geht die Temperatur nachts bis etwa 15 °C zurück, im Sommer kann sie tagsüber bis 37 °C ansteigen. Der Monsunregen dauert vom Juli bis September.

Geschichte

Bangalore wurde wahrscheinlich 1537 von Kempe Gowda I (1510–1570) gegründet. Kempe Gowda soll für diese neue Stadt den Namen Bengaluru gewählt haben, da seine Mutter und seine Ehefrau aus einer Ansiedlung dieses Namens stammen, die heute noch als Halebengaluru nahe Bangalore existiert.

Nach einer anderen Version hat eine alte Frau im zehnten Jahrhundert König Veeraballa gekochte Bohnen zu Essen gegeben, als er sich im Wald verirrt hatte. Aus Dankbarkeit nannte er den Ort danach Benda Kaluru, die „Stadt der gekochten Bohnen“.

Die Briten unter Charles Cornwallis eroberten die Stadt 1799 in einer Schlacht mit Tipu Sultan und anglizierten den Namen zu „Bangalore“.

Im Jahr 1898 wurde Bangalore von einer Pestepidemie heimgesucht, die eine große Zahl von Opfern forderte. Als Konsequenz daraus wurden Abwasser- und Gesundheitswesen modernisiert, und Vorschriften für Sanitäranlagen beim Bau neuer Häuser erlassen. 1900 wurde das Victoria Hospital eröffnet.

Nach 1900 dehnte sich Bangalore schnell aus. Bis 1950 entstanden die Stadtteile Basavanagudi, Malleshwaram, Kalasipalyam, Gandhinagar und Jayanagar.

Bis 1949 war Bangalore eine wichtige Garnisonsstadt der Briten, wovon noch heute Straßennamen wie Brigade Road oder Residency Road zeugen.

Kultur und Politik

Bangalore ist die Hauptstadt des Bundesstaates Karnataka. Über die Hälfte der Bevölkerung Bangalores sind Zuwanderer aus anderen Teilen Indiens und der Welt - zu einem guten Teil qualifizierte IT-Fachkräfte, was der Stadt eine kosmopolitische Prägung gegeben hat.

Einkaufsstraße in Bangalore

Die eingesessene Bevölkerung spricht Kannada, die Amtssprache von Karnataka. Viele Zuwanderer sprechen Tamil oder Telugu als ihre Muttersprache. Englisch findet im Bildungs- und Wirtschaftssektor Verwendung.

Wirtschaft

Luft- und Raumfahrt

Ein wichtiger Faktor für den wirtschaftlichen Aufschwung Bangalores war, dass die indische Regierung hier – weit weg und daher gut geschützt vor potentiellen Gegnern wie Pakistan und der Volksrepublik China - stark in Forschung und Schwerindustrie, insbesondere in Luft- und Raumfahrt investiert hat. So hat Hindustan Aeronautics Limited (HAL), die zivile wie militärische Flugzeuge entwickelt und baut, ihr Hauptquartier in Bangaluru. Neben den National Aerospace Laboratories (NAL) ist auch die Indian Space Research Organisation (ISRO) in Bangaluru beheimatet, die erfolgreich Satelliten und Raketen entwickelt und startet.

IT-Industrie

In den letzten Jahren haben sich in Bangalore viele in- und ausländische Computer- und Hochtechnologiefirmen angesiedelt, die die Stadt zu einem Zentrum der indischen Softwareindustrie machten und ihr den Beinamen „indisches Silicon Valley“ eingebracht haben. Ein Grund hierfür ist auch das vergleichsweise angenehme Klima, denn anders als in den schwülwarmen Küstenregionen herrscht im Sommer hier meist eine trockene Hitze. Insbesondere große internationale Unternehmen wie beispielsweise Intel, Accenture, IBM, Cisco Systems, Dell, Oracle, Bosch, Mico, HP, SAP, Motorola, Infosys Technologies Ltd.,Tata Consultancy Services, Siemens, Texas Instruments, Novell oder Wipro Technologies sowie Call-Center haben sich hier in großen „Technikparks“ wie Electronics City oder International Technology Park (ITPL) niedergelassen. Dadurch hat sich in Bangalore eine breite Mittelschicht von hoch qualifizierten und überdurchschnittlich verdienenden indischen Informatikern gebildet. Allerdings leben nach einer Zählung aus dem Jahr 2001 trotzdem etwa 346.000 Einwohner (etwa 8,1 % der Bevölkerung) Bangalores in Slums.

Biotechnologie

Biotechnologie ist ein weiterer, stark wachsender Wirtschaftszweig in Bangalore. Knapp 100 der 240 indischen Biotechnologiefirmen haben ihren Sitz in Bangalore, unter anderem Biocon, in der Liste der weltweit umsatzstärksten Biotechnologiefirmen derzeit auf Rang 16.

Stadtleben und Tourismus

Vidhana Soudha

Bangalore wird auch die „Gartenstadt“ genannt, da sie für indische Maßstäbe eine hohe Zahl von Parks besitzt. Die größten sind Lal Bagh, ein schöner Park mit sehenswertem Glashaus und Blumenbeeten, und Cubbon Park. Weitere Sehenswürdigkeiten sind Vidhana Soudha (das Parlament) und der High Court, sowie viele kleine und große Tempel und zwei bis drei christliche Kirchen. Der größte, aber nicht unbedingt schönste Tempel, ist ein ISKCON-Krishna-Tempel.

Aufgrund der relativ breiten wohlhabenden Mittelschicht rund um die IT-Industrie hat sich ein großes, westlich geprägtes Konsumangebot mit Einkaufszentren, Multiplex-Kinos, Restaurants, Pubs und Bars und einem vergleichsweise aktiven – wenn auch nicht mit westlichen Verhältnissen vergleichbaren - Nachtleben entwickelt. Die Jugend der Stadt ist mode- und techniktrendbewusst.

Restaurants bieten überwiegend vegetarische Gerichte aus verschiedenen Regionen Indiens an, einige zudem chinesisches und westliches Essen. Westliches Fastfood ist mittlerweile in vielen Stadtteilen erhältlich - im Oktober 2004 wurde die erste McDonald’s-Filiale in der damals sehr modernen Shopping Mall "Forum" im Stadtteil Koramangala zwischen Hosur Road und Marigowada eröffnet.

Wer ein Hotel mit westlichem Standard sucht muss tief in die Tasche greifen: die Hotelpreise sind, wie auch in Mumbai und Delhi, mit die höchsten in ganz Asien. Eine einzige Übernachtung kostet schnell den Monatslohn eines durchschnittlichen indischen Angestellten (100-200 EUR). Auch die Nachbarschaft zu ausgedehnten Slums dokumentiert das oft extreme Gefälle der indischen Gesellschaft.

Bangalore ist weiterhin bekannt für seine Seidenprodukte und seine Sandelholz-Schnitzereien. Das Cricket-Team der Stadt, die Royal Challengers Bangalore spielt in der Indian Premier League.

Selbst in der Innenstadt begegnet man hin und wieder freilaufenden Kühen.

Die Festung

Die Lehmwälle, die Kempe Gowda bei Bau der Festung 1537 anlegen ließ, genügten Hyder Ali nicht. Er ließ sie durch Steinmauern ersetzen und einen Graben ziehen. Die Tore und Bögen wurden im islamischen Stil gebaut. Da Hyder Ali Andersgläubige tolerierte, entstand unter seiner Herrschaft ein kleiner Ganesh-Tempel innerhalb der Festungsmauern. Heute sind Teile der Mauern als Folge des Straßenbaus niedergerissen worden; für den Bau des Victoria-Hospitals wurde ein Graben zugeschüttet. Von den acht Toren ist nur noch das Delhi-Tor geblieben.

Lal Bagh

Die Parkanlage Lal Bagh südlich des Stadtzentrums wurde 1740 von Hyder Ali gegründet. Sie ist reich an tropischen und subtropischen Pflanzen, die zum Teil von Tippu Sultan importiert wurden und beherbergt einen Botanischen Garten (Lal Bagh Botanical Gardens).

Der Palast von Bangalore

Palast von Bangalore

Dieser Prunkbau im Tudorstil wurde 1887 im Auftrag der Wadiyars gebaut.

Infrastruktur

Die Infrastruktur der Stadt kann mit der rasanten Entwicklung der Informatikbranche der letzten 20 Jahre nicht mithalten. Es gibt keine Straßenbahnen, und die ersten beiden U-Bahn-Linien befinden sich noch im Bau. Einzige öffentliche Verkehrsmittel sind die völlig überlasteten Busse mit antiquierter Technik und eine Armada von Autorikschas – offene, auf Motorrollertechnik basierende Dreiräder für zwei Passagiere.

Die Straßen sind für westliche Verhältnisse in sehr schlechtem Zustand und können die Masse an Fahrzeugen nicht bewältigen. Bangalore ist weltweit die Stadt mit den meisten Motorrädern und -rollern. Die Stadtverwaltung versucht, die schlimmsten Schwachstellen durch Straßenverbreiterungen, Einbahnregelungen und Bau von Brücken zu beseitigen, allerdings bisher mit geringem Erfolg.

Da auch der Güternahverkehr ausschließlich auf der Straße abgewickelt wird, ist die Luftverschmutzung enorm hoch. Hinzu kommt dass Müll oft an Ort und Stelle verbrannt wird da es in der Stadt keine wirklich tragfähige Müllentsorgung gibt.

Strom- und Wassernetz sind ebenso überlastet, Abschaltungen ganzer Stadtviertel sind an der Tagesordnung. Der durch Stromabschaltungen gewünschte Energiespareffekt wird allerdings dadurch konterkariert, dass die meisten Läden und besseren Wohngegenden Notstromaggregate haben, die wiederum zur Luftverschmutzung beitragen.

Der am 24. Mai 2008 neu eröffnete Bangalore International Airport (BIAL, IATA Code BLR) liegt ca. 30km nördlich des Stadtzentrums und löste den in der Stadt gelegenen, jedoch zunehmend überlasteten Hindustan Airport (auch HAL Bangalore International Airport) ab. Das BIAL Projekt steht in der Kritik da dieser aufgrund chaotischer Verkehrslage oft nur schlecht erreichbar ist und für die Anreise gerade aus südlichen Stadtteilen je nach Tageszeit mit mehreren Stunden gerechnet werden muss. Der neue Flughafen mit 16,4 km² Fläche und im Endausbau zwei Startbahnen ist für jährlich 50 Mio. Fluggäste konzipiert und soll auch für den Airbus A380 tauglich sein. Der Flughafenneubau wurde notwendig nachdem der alte Flughafen von Bangalore, eigentlich der Werksflugplatz der Hindustan Aeronautics (HAL), angesichts des rasant wachsenden Luftaufkommens hoffnungslos überlastet war. Es gab nur zwei Gates und zwei Passagierbrücken, kaum mehr als eine Hand voll Abfertigungsschalter, und nur drei Gepäckbänder. Da die durch große Passagierflugzeuge aus Europa verursachten Aufwände innerhalb des normalen Tagesgeschäftes nicht zu bewältigen waren wurden diese Maschinen in der Regel nachts abgefertigt. Dennoch trauern viele Fluggäste dem alten Flughafen nach, da dieser aufgrund seiner zentralen Lage wenigstens problemlos erreichbar war.

Luftverschmutzung und Verkehrsprobleme in Bangalore haben ein Ausmaß erreicht, die die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Stadt ernsthaft bedrohen. Einige IT-Firmen erwägen aufgrund dessen bereits eine Abwanderung nach Hyderabad.

Söhne und Töchter der Stadt

Quellen

  1. Census of India 2001: Population, population in the age group 0-6 and literates by sex - Cities/Towns (in alphabetic order)
  2. Spiegel Online: Namenswechsel: Bangalore - ab sofort die "Stadt der gekochten Bohnen", 9. November 2006.
  3. The Hindu: Centre mum on ‘Bengaluru’, 18. 12. 2007.

Weblinks

Alle folgenden Websites sind in englischer Sprache.

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