Bengasi
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Bengasi (Libyen)
Bengasi
Bengasi
Satellitenfoto von Bengasi

Bengasi (auch in den Schreibweisen Banghazi, Benghasi oder Benghazi, arabisch ‏بنغازي‎, DMG Banġāzī) ist eine libysche Hafenstadt im Nordosten des Landes und liegt an der Großen Syrte. Bengasi ist mit 670.797 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2006) nach Tripolis die zweitgrößte Stadt Libyens und das politische und wirtschaftliche Zentrum der Kyrenaika.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Dämmerung an der Uferpromenade

Die Stadt wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. von Griechen als Kolonie mit dem Namen Euhesperides gegründet. Dieser Name bezieht sich auf die Gärten der Hesperiden. Dem Mythos nach war es eine der Aufgaben des Herakles, aus diesen Gärten die goldenen Äpfel zu holen. Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt unter dem Namen Berenike erneut gegründet. Im 2. Jahrhundert n. Chr. kam es aufgrund sozialer Missstände zu Unruhen. Während der arabischen Herrschaft (im 7. Jahrhundert n. Chr.) versank sie in Bedeutungslosigkeit.

Die Türken besetzten Bengasi im Jahr 1578. Von 1711 bis 1835 wurde die Stadt von der Familie der Qaramanli von Tripolis aus regiert. Danach kam sie bis 1911 unter osmanische Herrschaft.

Während der italienischen Kolonialzeit war Bengasi das Verwaltungszentrum der Kyrenaika. 1931 wurde der libysche Freiheitskämpfer Umar Muchtar in Bengasi zum Tode verurteilt und in der Stadt Soluk öffentlich erhängt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt durch Bombardierungen schwer beschädigt und wechselte ebenso wie die gesamte Kyrenaika fünf mal den Besitzer (siehe auch Afrikafeldzug). In den 1950er Jahren beherbergte die Stadt eine Residenz des libyschen Königs.

1986 war die Stadt Ziel von Luftangriffen der amerikanischen Luftwaffe, die die US-Regierung als Vergeltung für die mutmaßliche Unterstützung terroristischer Aktivitäten durch Libyen befohlen hatte (Operation El Dorado Canyon). Im Februar 2006 kam es im Rahmen islamischer Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen zu gewalttätigen Ausschreitungen, in deren Verlauf das italienische Generalkonsulat in Brand gesetzt wurde. Bei den Zusammenstößen mit der Polizei kamen mehrere Menschen ums Leben.

Verteilung der libyschen Ölfelder: Der Schwerpunkt im Osten ist sichtbar.

Am 31. August 2008 unterzeichnete der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi in Bengasi ein Abkommen, mit dem sich Italien verpflichtet, über 20 Jahre hinweg 5 Milliarden Dollar als Wiedergutmachung in die ehemals italienische Kolonie Libyen zu investieren.

Im Februar 2011 wurde die Stadt ein Zentrum der Proteste gegen das Gaddafi-Regime.[1] Wenige Tage später erklärten die Aufständischen die Stadt als befreit.[2]

Wirtschaft

Die Wirtschaft ist vor allem auf das Verarbeiten von landwirtschaftlichen Produkten aus dem Umland und den Fischfang ausgerichtet. Bengasi ist ein Zentrum des Ölgeschäfts im Nordosten Libyens.

Verkehr

Die Stadt ist auf dem Landweg (Kairo-Dakar-Highway), auf dem Seeweg über das Mittelmeer (Hafen von Bengasi) und auf dem Luftweg über den Flughafen Bengasi (IATA: BEN, ICAO: HLLB) zu erreichen.

Derzeit ist ein Neubau der Bahnstrecke Sirt–Bengasi als Teil einer pan-arabischen West-Ost-Achse im Bau. Von 1911 bis 1965 bestanden von Bengasi aus lokale Schmalspurbahnen ins Umland.

Siehe auch:Schienenverkehr in Libyen

Bildung

Die Universität von Bengasi (Garyounis University) wurde 1955 gegründet.

Weblinks

 Commons: Bengasi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ghadhafi-Gegner und Polizei liefern sich Strassenschlachten – 35 Tote. In: www.tagesanzeiger.ch, 18. Februar 2011.
  2. Regimegegner gewinnen Boden. In: Die Zeit, 5. März 2011.

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