Benito Wogatzki
Von links nach rechts: Fritz Selbmann, Erik Neutsch, Dieter Noll und Benito Wogatzki (1973)

Benito Wogatzki (* 31. August 1932 in Berlin) ist ein deutscher Erzähler und Funk- und Fernsehautor.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Benito Wogatzki wurde in Berlin-Charlottenburg als Sohn eines jüdischen Vaters geboren. Sein Vater war Vertreter und seine Mutter Putzmacherin. In die Zeit des Faschismus hineingeboren, war seine Kindheit von Bedrohung und Krieg geprägt: sein Vater verließ Deutschland, seine Mutter allein musste die drei Kinder schützen. Die Wirren im bombardierten Berlin und die Umsiedelung nach Reinsdorf (Land Brandenburg) haben die Spuren der jüdischen Herkunft verwischt und mit dem Kriegsende war die Familie gerettet.

Nach einer Tuchmacherlehre in Luckenwalde und dem Abitur an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät in Potsdam studierte Wogatzki in Leipzig Journalistik und war dann als Reporter und Publizist für mehrere Zeitungen tätig, darunter bei der Studentenzeitung Forum.

Einem breiten Publikum wurde Wogatzki als Hörfunk- und vor allem als Fernsehautor bekannt: Von ihm stammen mehrfach prämierte Fernsehfilme: Meine Besten Freunde (mehrteilig, mit Wolf Kaiser in der Hauptrolle), Broddy, Anlauf (Regie: Egon Günther), aber auch eine der ersten deutschen Fernsehserien: Tiere Machen Leute.

Seine Arbeit als Serienautor setzte er in den neunziger Jahren für ZDF, Sat.1 (darunter für die Serie Für alle Fälle Stefanie) und RTL fort. Von seinem Faible für schwarzen Humor zeugen eine Reihe Mordslust-Geschichten für das ZDF.

Bereits mit seinem ersten Roman Romanze mit Amélie, in der er eine ungewöhnliche Jugendliebe gleich nach dem Krieg in einem Dorf im Brandenburgischen schildert, machte sich Wogatzki als Erzähler bei den Lesern in Ost- und Westdeutschland einen Namen. „Die "Romanze mit Amélie" ist ein heiteres Buch, trotz der schweren, angstbeladenen Zeit, in der die Geschichte handelt. Das hängt mit Wogatzkis Begabung für Detailmalerei zusammen, für ein ungemein exaktes Erfassen der Wesenszüge, die man schildern muß, um einen Menschen kenntlich zu machen, ihn aus der Masse der anderen herauszuheben.“ FAZ

Es folgten der Schelmenroman Narrenfell und viel beachtete Kinderbücher wie Der Ungezogene Vater und Ein Goldener Schweif Am Horizont Von Thumbach (Ehrenliste zum Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur 1989).

Für seine schriftstellerische Tätigkeit wurde Wogatzki unter anderem mit dem Lessing-Preis und dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. Von 1969 bis 1991 war er Ordentliches Mitglied der Akademie der Künste der DDR, Sektion Literatur und Sprachpflege.

Wogatzki lebt heute in Südfrankreich und im Sommer auch auf dem Land in Siethen bei Ludwigsfelde.

Zitate

„Das Schönste am Leben ist die Reue. Man bleibt ein anständiger Kerl, aber man versäumt nichts.“

Prosa

  • Der Preis des Mädchens, Kurzgeschichten; Berlin: Verlag Neues Leben, 1971
  • Romanze mit Amélie, Roman; Berlin: Verlag Neues Leben, 1977 – Düsseldorf: Claassen, 1977 – Verfilmung 1980
  • Der ungezogene Vater, Kinderbuch; Berlin: Kinderbuchverlag, 1980 - Frankfurt am Main: Insel-Verlag, 1982
  • Narrenfell, Roman; Berlin: Verlag Neues Leben, 1982 – Augsburg: Maro Verlag, 1986
  • Schwalbenjagd, Roman; Berlin: Verlag Neues Leben, 1985
  • Ein goldener Schweif am Horizont von Thumbach, Jugendbuch; Berlin: Verlag Neues Leben, 1987 – unter dem Titel SATTI, Stuttgart: Hoch, 1989
  • Flieh mit dem Löwen, Roman; Berlin: Das Neue Berlin, 2007

Vorlage für Verfilmungen:

  • Die Geduld der Kühnen. Zeit ist Glück (Nachwort von Käthe Rülicke-Weiler), Berlin: Henschel, 1969
  • Die Zeichen der Ersten, 1969, Regie: Lothar Bellag
  • Broddy. Henschelverlag Berlin: Kunst u. Gesellschaft, 1976

Hörspiele - Theater - Film

Hörspiele:

  • Ein Tag Und Eine Nacht mit Erik S. Klein, 1965
  • Schobers Verrücktester Gedanke mit Jürgen Frohriep, 1970

Theater:

  • Viola Vor Dem Tor, 1980
  • Yesterday Und Kanapee, 1981

Film und Fernsehen:

  • Meine Besten Freunde, Mehrteilige Fernsehreihe, Fernsehen der DDR 1968/1969
  • Broddy, Fernsehen der DDR, 1975
  • Anlauf, DDR-Fernsehen 1976 (1971), (Regie: Egon Günther, mit Eberhard Esche, Fred Düren, Klaus Piontek u.a.)
  • Romanze Mit Amélie, Spielfilm, DEFA, 1981 (R.: Ulrich Thein)
  • Tull, Fernsehen der DDR, 1983 (mit Ulrich Thein in der Hauptrolle)
  • Tiere Machen Leute, Serie in 13 Teilen, Fernsehen der DDR, 1988

Drehbuch-Mitarbeit an:

Literatur

  • Ernst-Günter Kautz: Gesichtspunkte zur Interpretation fernsehdramatischer Beiträge. Dargestellt am Beispiel des Films: „Zeit ist Glück“ von Benito Wogatzki im Dt. Fernsehfunk. Urania, Sektion Kunst und Literatur, Berlin 1969
  • Knut Hickethier: Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Fernsehdramatik in den sechziger Jahren. In: Ulrich Profitlich (Hrsg.): Dramatik der DDR. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987
  • Joachim Walther, Gesine von Prittwitz: Sicherungsbereich Literatur. Schriftsteller und Staatssicherheit in der Deutschen Demokratischen Republik. Ch. Links Verlag, Berlin 1996
  • Bernd-Rainer BarthWogatzki, Benito. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Ch. Links Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, Band 2.

Weblinks


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