Benjamin Seff
Theodor Herzl, aufgenommen 1901 auf dem Balkon des Hotels „Drei Könige“ in Basel durch E. M. Lilien

Theodor Herzl (* 2. Mai 1860 in Pest, dem heutigen Budapest; † 3. Juli 1904 in Edlach, Gemeinde Reichenau an der Rax, Niederösterreich) war ein österreichischer Schriftsteller, Publizist, Journalist und zionistischer Politiker. Seine hebräischen Vornamen waren Binyamin Ze'ev. Sein Pseudonym im zionistischen Organ Die Welt war Benjamin Seff.

Er schrieb 1896 anlässlich antisemitischer Tendenzen in Paris sein Buch Der Judenstaat.[1] Die Wirkung dieses Buches, vor allem aber der von ihm begründete politische Zionismus, setzten eine Entwicklung in Gang, die wesentlich zur Gründung des modernen Staates Israel im Jahr 1948 beitrug.

Die 1924 gegründete israelische Stadt Herzlia ist nach ihm benannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gedenktafel am Geburtshaus
Ich bin 1860 in Budapest geboren, nahe der Synagoge, in der mich der Rabbi jüngst mit den strengen Worten anklagte, weil ich – wirklich und wahrhaftig – weil ich für die Juden mehr Ehre und Freiheit, als sie gegenwärtig genießen, zu erlangen versuche. Aber an der Vordertüre des Hauses in der Tabakgasse, wo ich das Licht der Welt erblickte, wird nach zwanzig Jahren ein Zettel mit der Anzeige ‚Zu vermieten’ zu lesen sein.[2]

Herzls Erziehung durch seine Mutter Jeanette (auch Johanna Nannette) Herzl (geb. Diamant; 28. Juli 1836 in Pest – 20. Februar 1911 in Wien) orientierte sich an österreichischer Kultur und deutscher Sprache, wie es für die meisten assimilierten Juden in Österreich-Ungarn selbstverständlich war. Sein Vater Jakob (14. März 1835 in Semlin – 9. Juni 1902 in Wien) hatte es zum Direktor der Hungariabank gebracht und war später als Holzhändler tätig. Ab 1878 studierte Theodor Herzl an der Universität Wien Rechtswissenschaften und war für mehrere Jahre Mitglied der Studentenverbindung Wiener akademische Burschenschaft Albia, die er aber wegen antisemitischer Äußerungen anderer Verbindungsstudenten noch während des Studiums im Jahre 1884 wieder verließ. Am 16. Mai 1884 wurde zum Dr. iur. promoviert und absolvierte von August 1884 bis Juni 1885 die Gerichtspraxis in Wien und Salzburg.

Am 25. Juni 1889 heiratete er in Reichenau an der Rax Julie Naschauer (1. Februar 1868 in Budapest – 1907)[3]. Die beiden hatten drei Kinder: Pauline[4], Hans[5]und Margarete[6][7][8][9]

1888 wurde Herzls Lustspiel Seine Hoheit am Wallner-Theater Berlin und in Prag gegeben. 1890 wurde seine von Adolf Müller junior vertonte Wiener Operette Des Teufels Weib uraufgeführt, inmitten der von Adam Müller-Guttenbrunn angeleiteten Polarisierung des Wiener Theaterlebens. Von 1891 bis 1894 war Herzl Korrespondent der Wiener „Neuen Freien Presse“ in Paris. Von dort berichtete er 1894 über die Dreyfus-Affäre, dessen öffentlicher Degradierung er beiwohnte. Gemäß eigenen Angaben veröffentlichte Herzl 1896 seine Schrift Der Judenstaat unter dem Eindruck dieser Affäre und antisemitischer Ausschreitungen in Frankreich. Gewisse Biografen (Kornberg) hingegen sehen in diesem Text den Endpunkt einer langen inneren Entwicklung. An deren Anfang stand eine ambivalente Haltung Herzls seinem „Jüdischsein“ gegenüber. Ihre entscheidende Verschärfung empfing diese Ambivalenz dann durch den Aufstieg des Antisemitismus in Herzls neuer Wahlheimat Wien während der 1890er Jahre. Im Judenstaat geht es im Kern um die These, dass die Gründung eines jüdischen Staates notwendig und durchführbar sei. Anschließend arbeitete Herzl als Feuilletonist der „Neuen Freien Presse“ in Wien, Daniel Spitzer nachfolgend, und publizierte auch in der deutschsprachigen Tageszeitung Pester Lloyd aus Budapest.

Theodor Herzl organisierte mit Oskar Marmorek und Max Nordau den ersten Zionistischen Weltkongress (29. bis 31. August 1897) in Basel und wurde zum Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation gewählt. Das dort verabschiedete „Basler Programm“ bildete die Grundlage für zahlreiche Verhandlungen (u.a. mit Kaiser Wilhelm II. während seiner Palästinareise vor dem Jaffator in Jerusalem und dem türkischen Sultan Abdülhamit II.) mit dem Ziel, eine „Heimstätte des jüdischen Volkes“ in Palästina zu schaffen. Obwohl seinerzeit ohne greifbaren Erfolg, schuf Herzls Tätigkeit wesentliche Voraussetzungen für die Gründung des Staates Israel im Jahr 1948. Ebenfalls im Jahre 1897 veröffentlichte Herzl das Theaterstück Das neue Ghetto und gründete in Wien Die Welt als monatlich erscheinende Informationsschrift der zionistischen Bewegung.

1899 gründete Herzl in London den „Jewish Colonial Trust“, dessen Aufgabe die Bereitstellung finanzieller Mittel zum Ankauf von Land in Palästina war, das damals noch Teil des Osmanischen Reiches war. Am 27. Februar 1902 wurde von Herzl und Zalman David Levontin als Zweigunternehmen die „Anglo-Palestine Company“ (APC) gegründet, aus der später die Bank Leumi hervorging. Beiden Organisationen gehörte Herzls Freund und Gefolgsmann Jacob Moser an, der zu den wichtigsten finanziellen Unterstützern des frühen Zionismus zählte. Von Seiten Großbritanniens wurde Herzl, als dem Vertreter der Zionistischen Weltorganisation, ein Gebiet in Ostafrika angeboten. Das Uganda-Programm scheiterte aber einerseits daran, dass die meisten Zionisten nur Palästina als mögliches jüdisches Siedlungsgebiet ansahen, und andererseits an der Beschaffenheit des vom britischen Kolonialminister Joseph Chamberlain genannten Gebiets.

1900 publizierte Herzl die Philosophischen Erzählungen. In seinem utopischen Roman Altneuland (1902) entwarf Herzl sein idealistisches Bild eines künftigen Judenstaates. Er formulierte darin einen Entwurf für eine politische und gesellschaftliche Ordnung eines jüdischen Staates in Palästina und vertrat auch die Auffassung, die in Palästina lebenden Araber würden die neuen jüdischen Siedler freudig begrüßen. In der hebräischen Übersetzung von Nachum Sokolow hieß der Roman Tel Aviv (Frühlingshügel); die Benennung der Stadt Tel Aviv wurde von Herzls Roman inspiriert.

Theodor Herzl, 1904

Als Herzl im Sterben lag, war es sein christlicher Förderer William Hechler, dem ein privilegierter Zugang zum Zionistenführer gewährt wurde. Es war Hechler, der Herzls Abschiedsworte der zionistischen Bewegung übermittelte: „Grüßen Sie Alle von mir, und sagen Sie Ihnen, ich habe mein Herz-Blut für mein Volk gegeben.“ Gegenüber seinem behandelnden Arzt sagte er: „Es sind prächtige, gute Leute, meine Volksgenossen! Sie werden sehen, sie ziehen in ihre Heimat ein!“ [10] Theodor Herzl starb am späten Nachmittag des 3. Juli 1904 in Edlach, einem Ortsteil von Reichenau an der Rax, und wurde auf dem Döblinger Friedhof an der Seite seiner Eltern begraben.

Sein Begräbnis am 7. Juli beschrieb Stefan Zweig:

Denn plötzlich kamen auf allen Bahnhöfen der Stadt, mit jedem Zug bei Tag und Nacht aus allen Reichen und Ländern Menschen gefahren, westlich, östliche, russische, türkische Juden, aus allen Provinzen und kleinen Städten stürmten sie plötzlich herbei, den Schreck der Nachricht noch im Gesicht; niemals spürte man deutlicher, was früher das Gestreite und Gerede unsichtbar gemacht, daß es der Führer einer großen Bewegung war, der hier zu grabe getragen wurde. Es war ein endloser Zug. Mit einem mal merkte Wien, daß hier nicht nur ein Schriftsteller oder mittlerer Dichter gestorben war, sondern einer jener Gestalter von Ideen, wie sie in einem Land, in einem Volk nur in ungeheuren Intervallen sich sieghaft erheben. Am Friedhof entstand ein Tumult; zu viele strömten plötzlich zu seinem Sarg, weinend, heulend, schreiend in einer wild explodierenden Verzweiflung, es wurde ein Toben, ein Wüten fast; alle Ordnung war zerbrochen durch eine Art elementarer und ekstatischer Trauer, wie ich sie niemals vordem und nachher bei einem Begräbnis gesehen. Und an diesem ungeheuren, aus der Tiefe eines ganzen Millionenvolkes stoßhaft aufstürmenden Schmerz konnte ich zum erstenmal ermessen, wieviel Leidenschaft und Hoffnung dieser einzelne und einsame Mensch durch die Gewalt seines Gedankens in die Welt geworfen.[11]

Am 14. August 1949 wurden die Särge von Theodor Herzl und seinen Eltern vor ihrer Überführung im Wiener Stadttempel aufgebahrt. Danach wurden sie nach Jerusalem gebracht und auf dem Herzlberg in Westjerusalem beigesetzt. Herzl hatte in seinem Testament diese Überführung verfügt, sobald das große Ziel der Errichtung eines Judenstaates erreicht sei. Dabei hatten die Behörden Israels seinen Wunsch ignoriert, auf dem Friedhof des Karmel-Berges bei Haifa begraben zu werden (welche Bitte er u. a. am 4. Zionistenkongress, London 1900, ausdrücklich ausgesprochen hatte).

2006 wurden die sterblichen Überreste seiner beiden Kinder Pauline und Hans von Bordeaux (Frankreich) überführt und neben ihrem Vater beerdigt. Die jüngste Tochter, Margarete Trude, hat als Opfer der Shoah kein Grab.

Die Gräber in Wien und Jerusalem

Radierung von Piatigorsky, 1905

Max Nordau schloss seine Rede nach dem Tode Herzls auf dem 7. Zionistenkongress 1905 in Basel mit den Worten:

Ewig in des Volks Gedächtnis
Lebt dein Werk und lebt dein Bild.
Sieh! wir hüten Dein Vermächtnis
Treu, den stolzen Davidschild.

In der Zionsfahne Falten
Wird dereinst dein Sarg gehüllt.
Was du schworst, wir werden´s halten,
Und dein Sehnen wird erfüllt ...
[12]

Werke (Auswahl)

Ausgaben (Druckwerke)

  • Altneuland. Leipzig 1902
  • Der Judenstaat. Manesse, Zürich 1988, ISBN 3-717-58133-3.
  • Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage. Ölbaum, Augsburg 2004, ISBN 3-927217-13-1
  • Briefe und Tagebücher. 7 Bde. Hrsg. von Alex Bein, Hermann Greive, Moshe Schaerf und Julius H. Schoeps. Propyläen, Frankfurt/M., Berlin 1983–96.

Volltext-Ausgaben im WWW

Literatur

  • Herzl-Bund-Blätter, in Berlin 1913–1918 monatlich in deutscher Sprache erschienene zionistische Zeitschrift.
  • Adolf Friedemann, Das Leben Theodor Herzls, Berlin, Jüdischer Verlag, 1914
  • Baruch Hagani: Le Sionisme Politique et son Fondateur Théodore Herzl. Payot & Cie, Paris 1919.
  • Reuben Brainin, The life of Herzl, New York 1919 (Original: Chaje Herzl, 1898)
  • Leon Kellner: Theodor Herzls Lehrjahre 1860–1895. Nach den handschriftlichen Quellen. Löwit, Wien und Berlin 1920.
  • Jacob de Haas: Theodor Herzl. A biographical study. Leonard, Chicago 1927.
  • Theodor Herzl. Ein Gedenkbuch zum 25. Todestag. Hrsg. von der Exekutive der Zionistischen Organisation. Jüdischer Verlag, Berlin 1929.
  • Tulo Nussenblatt: Zeitgenossen über Herzl. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn 1929.
  • Alex Bein: Theodor Herzl. Biographie. Fiba, Wien 1934 (grundlegend; verschiedene Folgeauflagen, in mehrere Sprachen übersetzt)
  • Josef Fränkel, Theodor Herzl. Des Schöpfers erstes Wollen, Wien 1934
  • Z. F. [= Zygmunt Foebus] Finkelstein, Schicksalsstunden eines Führers. Sieben Bildnisse um Theodor Herzl, Wien 1934 (nach dem "Anschluss" 1938 verboten)
  • Tulo Nussenblatt (Hrsg.): Theodor Herzl Jahrbuch. H. Glanz, Wien 1937.
  • Simon Samuel Schochet, Dr. Theodor Herzl als Journalist, Schriftsteller, Staatsmann, München 1950
  • Oskar Rabinowicz, Herzl, Architect of the Balfour Declaration, New York 1958
  • Herzl Year Book. New York 1958 ff.
  • André Chouraqui: Théodore Herzl. Éditions du Seuil, Paris 1960.
  • Desmond Stewart: Theodor Herzl. Artist and Politician. Doubleday, Garden City, N. Y. 1974, ISBN 0-38508-896-5.
  • Julius H. Schoeps: Theodor Herzl. Wegbereiter des politischen Zionismus. Musterschmidt, Göttingen 1975, ISBN 3-7881-0086-9.
  • Amos Elon: Theodor Herzl. Schocken Books, New York 1986, ISBN 0-8052-0790-2.
  • Alain Boyer: Théodore Herzl. Éditions Albin Michel, Paris 1991, ISBN 978-2-22605-145-5
  • Avner Falk: Herzl, King of the Jews. A Psychoanalytic Biography of Theodor Herzl. University Press of America, Lanham 1993, ISBN 0-8191-8925-1.
  • Jacques Kornberg: Theodor Herzl. From Assimilation to Zionism. Indiana University Press, Bloomington 1993, ISBN 0-25333-203-6.
  • Julius H. Schoeps: Theodor Herzl. 1860–1904. Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen. Eine Text-Bild-Monographie. Brandstätter, Wien 1995, ISBN 3-85447-556-X.
  • Steven Beller: Herzl. Eichbauer, Wien 1996, ISBN 3-901699-00-7.
  • Serge-Allain Rozenblum: Theodor Herzl. Éditions du Félin, Paris 2001, ISBN 2-86645-337-9.

Weblinks

Anmerkungen / Einzelnachweise

  1. siehe auch: Die Dreyfus-Affäre
  2. Theodor Herzl: Zionistische Schriften. Jüdischer Verlag, Berlin 1905. Zitiert nach: Theodor Herzl. Ein Gedenkbuch zum 25. Todestag. a. a. O., S. 42.
  3. deren Jüdischkeit neuerdings diskutiert wird, s. z. B. hier: [1]; sie war die Tochter des vermögenden Fabrikanten und Unternehmers Jacob Naschauer, kapriziös und launisch bis zur Hysterie. Die Ehe wurde ziemlich unglücklich, sie war angeblich verschwendungssüchtig, machte ihm zeitweise lautstarke Auftritte und Skandale, innerhalb der Ehe machte sie ihm das Leben zur Hölle. Die Ehe blieb unglücklich und lieblos. Julie Herzl verstarb drei Jahre nach dem Tode ihres Mannes in einer psychiatrischen Klinik.
  4. (29. März 1890 – September 1930) Ohne Papiere herumvagabundierend von der französischen Polizei aufgegriffen, verarmt und von der zionistischen Organisation (World Zionist Organization) im Stich gelassen, starb Herzls älteste Tochter Paulina (Pauline) rauschgiftsüchtig mit 40 Jahren und wurde auf dem jüdischen Friedhof von Bordeaux beigesetzt. Schon vor ihrer Rauschgiftsucht hatte sie ihr Leben lang unter schweren gesundheitlichen und psychischen Störungen gelitten.
  5. Ihr Bruder Hans (10. Juni 1891 – September 1930), eng mit der Schwester verbunden, die er innig geliebt hatte, kam zu spät in Bordeaux an und konnte Paulina nur noch im Leichenhaus identifizieren. Voller Schuldgefühle erschoss sich der 39 Jahre alte Mann noch vor Paulinas Beerdigung und wurde mit ihr beerdigt (im Abschiedsbrief hatte er den Wunsch geäußert, im Sarg seiner Schwester begraben zu werden). Hans Herzl war sein Leben lang bemüht, die Erwartungen des Vaters und der Zionistischen Weltorganisation zu erfüllen, und hatte ebenfalls schwere seelische Probleme. Die Organisation kam auch für seine Erziehung auf, denn sein Vater starb, als er gerade dreizehn Jahre alt war. Als 1907 dann auch die Mutter starb, blieben die Waisen mittellos zurück. Hans Herzl erhielt dennoch eine gute Ausbildung und konnte in Cambridge studieren. Doch er sah sich stets im Schatten seines Vaters – als Versager. 1924 konvertierte er zum Christentum (Taufe in der Wiener Baptistengemeinde) und wurde Mitglied verschiedener Sekten. Die Vision eines Judenstaats hielt er für falsch: „Die transzendentale Identität der Juden ist so ein grosses Privileg, dass sie froh sein sollten, keinen Staat zu haben“, schrieb er: „Mein Vater war ein grosser Mann, und ich liebte ihn sehr, doch er irrte, als er seinen Idealismus darauf beschränkte, einen Staat gründen zu wollen.“ Paulina und Hans Herzl sollten also nach dem letzten Willen ihres Vaters neben ihm ruhen. Doch weil Hans Christ geworden war und gegen das jüdische Gebot Selbsttötung begangen hatte, beeilte sich Israel nicht, die Geschwister nach Jerusalem zu holen. Der Widerstand konnte erst spät überwunden werden dank Premierminister Ehud Olmert und der Jewish Agency. Vor allem aber half dabei, dass der orientalische israelische Oberrabbiner Shlomo Amar davon überzeugt werden konnte, Hans sei in seinen letzten Jahren zum Judentum zurückgekehrt und habe deswegen auch auf dem jüdischen Friedhof von Bordeaux bestattet werden können.
  6. Das jüngste Kind Herzls, Margarete (auch Trude, geb. 20. Mai 1893 in Paris), hatte zeitlebens schwere psychische Probleme und wurde zusammen mit ihrem Mann Richard Neumann (15. Mai 1867 in Friedek – 21. Januar 1943 KZ Theresienstadt) am 10./11. September 1942 mit Transport IV/10 von Wien ins KZ Theresienstadt deportiert, wo sie am 17. März 1943 ein Opfer der Shoah und nach ihrem Tod verbrannt wurde. Ihr einziger Sohn war Stephan (Stephan Theodor Neumann; 21. April 1918 in Wien – 26. November 1946 in Washington, D.C.). Der einzige Enkel Herzls war angesichts des zunehmenden Antisemitismus in Österreich bereits 1937 nach London geschickt worden, dort nannte er sich dann Norman und wurde nach dem Studium der Schriften seines Großvaters ein glühender Zionist. Während des Zweiten Weltkriegs dient er in der britischen Armee und besuchte als einziger Nachkomme Herzls 1945/46 Palästina. Dort bot man ihm auch eine Führungsposition in der zionistischen Bewegung an, doch er ging im Herbst 1946 nach Amerika. Als er erfuhr, dass seine Eltern in den Nazi-Lagern umgekommen waren, sprang er 1946 von der Massachusetts Avenue Brücke in Washington, D.C., in den Tod. Herzls Familie ist damit ausgestorben.
  7. Eintrag für Margarete Neumann in der Opferdatenbank des DÖW
  8. Eintrag für Richard Neumann in der Opferdatenbank des DÖW
  9. Eintrag für Margarete Neumann in The Central Database of Shoah Victims' Names
  10. Alex Bein: Theodor Herzl. Wien 1934, S. 684.
  11. Stefan Zweig: Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers. Wien 1952, S. 107.
  12. Max Nordau: Zionistische Schriften. Jüdischer Verlag, Berlin 1923. Zitiert nach: Theodor Herzl. Ein Gedenkbuch zum 25. Todestag. Jüdischer Verlag, Berlin 1929, S. 18.

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