Zweite Schlacht von El Alamein


Zweite Schlacht von El Alamein
8-Rad-Panzerspähwagen mit 2-cm-Kanone (Sd.Kfz.231) der Panzerjäger-Abteilung 39 in der Wüste. Rechts ein Mittlerer Einheits-PKW

Die Zweite Schlacht von El Alamein war eine Schlacht am afrikanischen Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkrieges zwischen den Achsenmächten Deutsches Reich sowie faschistisches Italien einerseits und dem Vereinigten Königreich mit seinem Commonwealth auf der anderen Seite.

Die Schlacht begann am 23. Oktober 1942 mit dem Angriff der britischen 8. Armee gegen die Panzerarmee Afrika im Zuge der Operation Lightfoot, die nach anfänglichen Erfolgen am Miteiyra-Bergrücken stecken blieb. Aus diesem Grund verlegte der britische Oberbefehlshaber Bernard Montgomery den Angriffsschwerpunkt aus dem Süden in den Norden, wo die 9. Australische Division in der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober den ersten von vielen nächtlichen Ablenkungsangriffen durchführte, die das Ziel hatten, das Hauptaugenmerk auf einen anderen Abschnitt der Front als den geplanten Schwerpunkt zu lenken.

Während dies gelang und Rommel einen sofortigen Gegenangriff startete, der fehlschlug, bereitete Montgomery weiterhin zuversichtlich seine Truppen auf die Großoffensive unter dem Decknamen Operation Supercharge vor. Am 2. November lief diese Operation an, und Rommel begann aufgrund der starken alliierten Angriffskraft einen Rückzug über die gesamte Frontbreite, den er nach einem Haltebefehl Hitlers in der Nacht vom 3. auf den 4. November unverzüglich stoppte. Die britische 8. Armee griff am 4. November um 7:00 Uhr erneut an und erzielte bei Tel el Aqqaqir durch die große Materialüberlegenheit einen Durchbruch, der beginnend mit dem 5. November eine unkontrollierte Flucht der Panzerarmee Afrika nach Westen einleitete. Die Schlacht stellte die Wende in Afrika dar, da die deutsch-italienischen Einheiten in Ägypten sich fortan permanent auf dem Rückzug befanden.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Vorstoß des Afrikakorps nach Ägypten bis zum 25. April 1941

Ab September 1940 stießen italienische Verbände nach Ägypten vor, wo sie die grenznahe Stadt Sidi Barrani einnehmen konnten. Aus diesem Grund führten die Alliierten eine Gegenoffensive unter dem Decknamen Operation Compass durch, bei der sie 800 Kilometer weit in libysches Territorium eindrangen und den italienischen Truppen hohe Verluste zufügten. Da die britischen Verbände jedoch in Griechenland benötigt wurden, gab der britische Premierminister Winston Churchill einen Haltebefehl. Zu diesem Zeitpunkt war es den Alliierten fast gelungen, sämtliche italienische Kontingente aus Nordafrika zu vertreiben.

Die ersten deutschen Verbände landeten am 11. Februar 1941 in Italienisch-Libyen. Ihnen wurde die Aufgabe zugewiesen, als Sperrverband einen Komplettverlust der italienischen Kolonie an die Briten abzuwenden. Das Afrikakorps unter General der Panzertruppe Erwin Rommel ging zum eigenmächtigen Gegenangriff über, sodass die Verbände bei Sollum östlich von Tobruk im April 1941 aufgehalten wurden. [1]

Brennender deutscher Panzer IV, rechts britischer Crusader (27. November 1941 während der britischen Operation Crusader)

Im November 1941 führten die Alliierten einen erfolgreichen Gegenangriff durch, der den Decknamen Operation Crusader erhielt. Die Achsenmächte mussten sich in Folge auf die Ausgangsstellung, die westliche Kyrenaika, zurückziehen. Im Zuge einer erneuten Offensive ab Januar 1942 konnten die deutsch-italienischen Verbände am 21. Juni 1942 Tobruk erobern.

Der Vorstoß endete in der Ersten Schlacht von El Alamein.[2] Im Zuge dieser wechselvollen Schlacht änderte sich die Frontlinie nur geringfügig. Da sich die Versorgungslage weiterhin verschlechterte und Anzeichen für große alliierte Verstärkungen bestanden, planten die Achsenmächte, noch im August 1942 die Entscheidung zu erzwingen. Nachdem dieser Versuch in der Schlacht von Alam Halfa gescheitert war, gingen die deutsch-italienischen Verbände zur Verteidigung über.

Ausgangslage

Deutsche Lage

Ende September 1942 hielt Rommel bei Adolf Hitler einen Vortrag, in dem er die Nachschublage bei der Panzerarmee Afrika weiterhin als „äußerst kritisch“ einschätzte. [3]

„Die Nachschubfrage ist daher nach wie vor das wichtigste Problem, das unter Einsatz allen verfügbaren Schiffs- und Lufttransportraumes gelöst werden muß, wenn die Panzerarmee den afrikanischen Kriegsschauplatz auf Dauer behaupten soll […]. Der Armee stehen die besten Teile der großbritischen Wehrmacht gegenüber.“

Erwin Rommel, Oberbefehlshaber der Panzerarmee Afrika[3]

Rommel meldete auch, dass bereits erste Anzeichen von Zuführungen amerikanischen Materials (Flugzeuge, Panzer und Kraftfahrzeuge, geschlossene Luftwaffenverbände) zu erkennen seien. Des Weiteren berichtete er, die britische Luftwaffe habe ihre außerordentliche Stärke bewiesen, die britische Artillerie wurde beweglich und zahlreich mit unerschöpflichen Massen an Munition eingesetzt. Trotz der Zurückhaltung der Panzermassen der Briten hatte sich der Kampfwert seit den letzten Konfrontationen laut Rommel verbessert. In seinem Vortrag kritisierte er stark die italienischen Verbände mit den Worten, sie hätten diesmal „erneut versagt“, wobei Rommel versuchte, die Schwächen durch Betonung der strukturellen Probleme zu rechtfertigen. [A 1] Nach seinen Aussagen würden die Offensiven ausschließlich die Aufgabe von deutschen Verbänden bleiben, in der Verteidigung seien die italienischen Truppen nur mit deutscher Unterstützung einsetzbar. Für eine Wiederaufnahme von Offensivoperationen stellte der Oberbefehlshaber der Panzerarmee Afrika folgende Bedingungen [3]:

  • die Auffüllung der deutschen Verbände
  • die Verbesserung der Versorgungslage
  • die Einsetzung eines „deutschen Bevollmächtigten für das gesamte Transportwesen Europa-Afrika“

Teile der Forderungen hatte Rommel bereits vor der Schlacht von Alam Halfa erfolglos gestellt. Wie er wusste, waren die Aussichten auf eine Wiederaufnahme der Offensive trotz seines bei Benito Mussolini am 24. September gezeigten Optimismus schlecht. Die große Zuversicht im Führerhauptquartier machte ihn dafür umso betroffener und durch die Propaganda des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels sah Rommel sich gezwungen, den Optimismus noch weiter durch Auftritte bei großen öffentlichen Veranstaltungen und in Pressekonferenzen zu stärken. Dies bereute er im Nachhinein. [4] Hitler, der unter anderem die Überführung einer Nebelwerferbrigade mit 500 Rohren sowie von 40 Panzerkampfwagen VI Tiger und Sturmgeschützen zum Teil mit Siebelfähren versprochen hatte, hielt ähnlich wie der italienische Chef des Generalstabes der Armee Ugo Cavallero mit seinen Versprechungen an Treibstoff seine Zusagen nicht ein. Lediglich Mussolini hatte keine Versprechungen gemacht und wirkte bereits resigniert[5], da er den Krieg im Mittelmeer als zeitweilig verloren ansah. [6] [A 2] Letztendlich änderte sich trotz der Bemühungen Rommels nichts zum Positiven; die gelöschte Tonnage sank seit Juli 1942, wobei sie nach einem erneuten kleineren Höhepunkt im Juli im August wieder abfiel, im September wieder anstieg und im Oktober wieder absank. [7] Zusätzlich dazu erwähnte Rommel bei seinen Besuchen in der Wolfsschanze und in Rom auch die hohen Verluste der vergangenen Schlacht von Alam Halfa. Insgesamt hatte die Panzerarmee Afrika in den acht Tagen vom 30. August bis zum 6. September der letzten Offensive in der Schlacht von Alam Halfa Gesamtverluste von 2.910 Soldaten erlitten. Aufgrund dessen legte der Oberbefehlshaber der Armee einen Bericht vor, den er mit seinem Stab erarbeitet hatte. Dieser zeigte den rasanten Anstieg der Verluste seit dem Juni 1942, wobei der Ersatz dringend nötig war. Durch Zuführung vor allem von Infanterie versuchte das deutsche Oberkommando diese Probleme zu kompensieren. Als problematisch erwies sich dabei jedoch, dass die fehlenden und unbedingt nötigen Lastkraftwagen nicht zur Verfügung gestellt wurden. [5] Sofort nach dem Rückzug der Offensivgruppe am Südflügel in der Schlacht von Alam Halfa befahl das Oberkommando der Panzerarmee Afrika den Aufbau einer neuen Verteidigungslinie, die in Anlehnung an die neu eroberten britischen Minenfelder verlaufen sollte. Die neue Abwehrfront bestand aus zwei Linien. In der ersten Linie standen die italienischen Truppen, die zweite Linie wurde vom Afrikakorps gebildet, das als Eingreifreserve fungierte. Der nördliche Abschnitt (Küste bis Deir Umm Khawabir) wurde wie zuvor durch das aus den Infanteriedivisionen Bologna und Trento bestehende italienische XXI. Armeekorps gemeinsam mit der deutschen 164. leichten Afrika-Division verteidigt. Im Mittelabschnitt (bis Deir el Munassib) wurde das italienische X. Armeekorps mit der Infanteriedivision Brescia und der motorisierten Division Trieste sowie die 90. leichte Afrika-Division gemeinsam mit der Jägerbrigade Ramcke stationiert. Südlich davon standen im Abschnitt bis Qaret el Himeimat das italienische XX. Armeekorps (mot.), bestehend aus den Panzerdivisionen Ariete und Littorio mit der Jägerdivision Folklore und der deutschen Aufklärungsgruppe.[A 3] Das Afrikakorps wurde mit dem Großteil seiner Kräfte hinter dem italienischen XX. Armeekorps (mot.) platziert, wobei zwei Kampfgruppen hinter das italienische XXI. Armeekorps abgestellt wurden.[5] Bis zum 18. September wurde das italienische XX. Armeekorps (mot.) ebenfalls als Reserve zurückgehalten, was hieß, dass die beiden italienischen Infanteriekorps die Stellungen alleine besetzen mussten. Die Aufteilung war, dass das XXI. Armeekorps gemeinsam mit der Hälfte der Brigade Ramcke wie bisher den Norden sicherte, während das X. Armeekorps mit der Verstärkung durch die Fallschirmjäger der Division Folklore und der Brigade Ramcke die Stellung im Bereich von Deir Umm Khawabir bis Qaret el Himeimat zu bewachen hatte. Die Südflanke des Korps wurde von einer verstärkten Aufklärungsabteilung gesichert. Hinter dem nördlichen Teil des Nordabschnittes waren die Panzerdivision Littorio gemeinsam mit der 15. Panzerdivision als Eingreifreserve stationiert, im Norden des Südabschnittes waren die Panzerdivision Ariete und die 21. Panzerdivision in je drei gemeinsamen Kampfgruppen so eingesetzt, dass die Masse der Divisions-Artillerie Sperrfeuer vor die HKL des XXI. und des X. Armeekorps schießen konnte. Die Verteilung der deutschen Armeeartillerie war in mehreren Gruppen auf die gesamte Breite der Front verteilt.[8]

Aufgrund eines gescheiterten Kommandounternehmens gegen die Knotenpunkte der Versorgung Tobruk, Bengasi und Barce am 13. und 14. September 1942 kam dem Flankenschutz besondere Aufmerksamkeit zu. Die Oase Siwa wurde durch die italienische Jungfaschistendivision gemeinsam mit je einer italienischen sowie einer deutschen Aufklärungsabteilung gedeckt. Der Auftrag der 90. leichten Afrika-Division war es, gemeinsam mit dem Sonderverband 288 den Raum um El Daba an der Küste zu schützen. Zusätzlich dazu standen die italienische Division Pavia mit einer weiteren deutschen Aufklärungsabteilung im Raum Marsa Matruh zur Verfügung, den sie gegen mögliche Landungen sowie versuchte Nordumgehungen der britischen Armee verteidigen sollte. [8] Die Panzerarmee wandte in ihren Verteidigungsvorbereitungen das sogenannte „Korsettstangenprinzip“ an, das bereits vor der Schlacht von Alam Halfa erfolgreich praktiziert wurde. Das „Korsettstangenprinzip“ war der Einschub von deutschen Bataillonen zwischen die italienischen Infanteriebataillone und wurde im Speziellen an Frontabschnitten mit kritischer Lage praktiziert. Die Verbände wurden jedoch nicht ineinander integriert, sondern weiterhin den nationalen Kommandobehörden unterstellt. Dabei wurden zur Verbesserung der Zusammenarbeit die Gefechtsstände sehr nah beieinander platziert und gleiche Befehle erteilt, wobei der deutsche Generalstab vereinzelt auch Anregungen zum Einsatz der italienischen Truppen gab, da deren Führung als „nicht entschlussfreudig“ galt.[8] Ende September befahl das Oberkommando der Panzerarmee Afrika aufgrund der Verluste im bisherigen Stellungskrieg eine in der Tiefe gestaffelte Auflockerung. Die vorderen Minensperren wurden in der Tiefe von 500 bis 1000 Metern lediglich durch Vorpostenstreifen bewacht. Dahinter folgten 1 bis 2 Kilometer leerer Raum, hinter dem die neue Hauptkampflinie in der hinteren Hälfte der Minenfelder lag. Zur Verteidigung der neuen HKL befahl Rommel die Verstärkung der hinteren Minensperren, wofür aus einem Mangel an Minen verschiedene Sprengmittel wie Fliegerbomben verwendet wurden. Diese Minenfelder wurden „Teufelsgärten“ genannt. In der Tiefe umfasste das an die HKL anschließende Hauptkampffeld rund 2 Kilometer, ein Bataillon war ein etwa 1,5 Kilometer breiter und 5 Kilometer tiefer Abschnitt zugewiesen. [8]

Der Nachschub gestaltete sich weiterhin als problematisch, weshalb Anfang September aufgrund von Mängeln an Mehl die Brotration halbiert werden musste und die begehrten Zusatzrationen komplett gestrichen wurden. Neben Mehl fehlte es der Armee vor allem auch an Fett. In dieser Zeit stieg die Anzahl an Kranken in den einzelnen Verbänden weiterhin permanent an, was unter anderem auch auf Unterernährung zurückzuführen war.[A 4] Des Weiteren ließ die vorhandene Menge an Betriebsstoffen keine größeren Bewegungen der motorisierten Truppen zu und auch der Munitionsbestand blieb knapp.[9] Der angeschlagene Zustand Rommels hatte sich indessen nicht nennenswert verbessert, sodass er Anfang September dem dringenden Anraten seines Arztes nachgab und sich bereit für einen längeren Aufenthalt in Europa zeigte. Auf seinem Weg in die Heimatstadt Wiener Neustadt, in der Rommel vor dem Ausbruch des Krieges Kommandeur einer Kriegsschule gewesen war, hielt er Vorträge bei Cavallero, Mussolini und Hitler. Den Kriegsschauplatz verließ er jedoch mit gemischten Gefühlen, da Rommel annahm, dass Winston Churchill in Ägypten im Zeitraum der nächsten vier bis sechs Wochen eine Großoffensive beginnen würde. Als einzige Möglichkeit, dieses Vorhaben zu stoppen, sah Rommel eine Offensive im Kaukasus. Ein weiteres Risiko war durch die Möglichkeit eines Ausfalls des Generalstabschefs der Armee Alfred Gause und des Divisionskommandeurs Friedrich Wilhelm von Mellenthin, wobei auch der stellvertretende Generalstabschef Siegfried Westphal sich nicht im besten Gesundheitszustand befand.[A 5] Des Weiteren hatten während der letzten zehn Tage sämtliche Divisionskommandeure sowie der Kommandierende General des Afrikakorps gewechselt, Wilhelm Ritter von Thoma hatte von Generalmajor Vaerst die stellvertretende Führung des Korps übernommen. Als problematisch erwies sich auch der Vertreter Rommels aus der Heimat. General der Panzertruppe Georg Stumme besaß zwar Erfahrung in der Führung von Panzerverbänden, hatte aber noch nicht auf afrikanischem Boden gekämpft und stand als kriegsgerichtlich Verurteilter vor allem unter Bewährungszwang vor Adolf Hitler. Stumme war im Juli 1942 unter dramatischen Umständen als Befehlshaber des XXXX. Panzerkorps im mittleren Abschnitt der Ostfront entlassen worden. Indessen ließ sich der abwesende Erwin Rommel in Wiener Neustadt stets über die gegenwärtige Lage informieren und war bereit, beim Beginn der britischen Offensive umgehend an die Front zurückzukehren. [9] Stumme übernahm den Oberbefehl über die Panzerarmee am 22. September vom Generalfeldmarschall Rommel, der am folgenden Tag nach Rom flog. [10] Der Stellvertreter Rommels ging sofort zur Organisation der Verteidigung im Sinne des abwesenden Oberbefehlshabers über[11] [12] und bemühte sich um eine Verbesserung des Klimas im Dialog mit den italienischen Kommandobehörden [13] sowie auch an die Lösung sehr detaillierter Probleme, die bis hin zur Regelung des Straßenverkehrs reichten. Die problematische Versorgungslage bestand jedoch trotz all dieser Bemühungen weiterhin und die gelöschte Ladung sank im Vergleich zu September nochmals stark ab, obwohl Schiffe mit mehr Tonnage als im Vormonat ausgelaufen waren. Die Ursache dieses Problems war die Versenkung von neun Transportern mit 40.012 BRT durch sechs alliierte U-Boote.[14] Daher wird es verständlich, dass Stumme am Tag vor dem Beginn der alliierten Großoffensive an den Deutschen Bevollmächtigten General beim Hauptquartier der italienischen Wehrmacht Enno von Rintelen folgendes schrieb:

„Ich kann, welche Argumente von wem auch immer vorgebracht werden, nur vom Erfolg, d.h von dem in Afrika greifbaren Nachschub ausgehen und dieser muss mich, ganz nüchtern gesehen, mit Sorge erfüllen.“

Georg Stumme, Stellvertreter von Erwin Rommel als Oberbefehlshaber der Panzerarmee Afrika[14]

Der Oberbefehlshaber der Armee forderte im Sinne Rommels eine komplette Neuorganisation der Versorgung und zeigte sich in einem persönlichen Schreiben, das seine Forderungen beinhaltete, teils auch bereits resigniert und hoffte auf eine baldige Rückkehr Rommels. Zum Beginn der britischen Großoffensive schrieb der Oberbefehlshaber Süd, Albert Kesselring, in einem Telegramm an Stumme folgendes: „Ich betrachte die Betriebsstofflage ebenso ernst wie die Panzerarmee Afrika und habe ab heute Lufttransport befohlen.“ Noch am selben Tag überflog die Luftwaffe von Maleme auf Kreta nach Tobruk 100 t Benzin.[14] Beginnend mit Anfang Oktober verdichteten sich die Anzeichen einer bevorstehenden Großoffensive der britischen 8. Armee unter Bernard Montgomery. Stumme war wie auch Rommel der Meinung, dass die beste Lösung ein Zuvorkommen mit einer eigenen Offensive sei, was er auch am 3. Oktober in seinem Brief an Ugo Cavallero schrieb. Hinzufügend meinte der Oberbefehlshaber der Panzerarmee Afrika jedoch, dass die Versorgung in näherer Zukunft ausreichen würde und ein Gegenangriff aus der Defensive eher möglich sei. Dieser sollte die Vernichtung der 8. Armee sowie in weiterer Folge die Einnahme Alexandriens zum Ziel haben. [14] Des Weiteren erwies sich die Aufgabe, gegenüber Hitler und Mussolini trotz deren irrealen Erwartungen das Ende aller Offensivhoffnungen nach der Niederlage in der Schlacht um Alam Halfa zuzugeben, wie auch schon für Rommel als sehr schwierig, weshalb es Stumme lediglich wagte, einen Kompromiss zwischen der Realität und allen unmöglichen Wünschen gegenüber dem italienischen Oberkommando zu formulieren. In einem handschriftlichen Brief von Erwin Rommel vom 5. Oktober 1942 an seinen Stellvertreter heißt es über die Erwartungen der beiden Diktatoren: „Führer und Duce sind mit der Absicht, zunächst die gewonnen Positionen in Nordafrika zu halten und nach gründlicher Bevorratung, Auffüllung der Truppen und Zuführungen von weiteren Kräften zum Angriff überzugehen, einverstanden“.[15] Die deutsche Aufklärungsgruppe erstattete am 9. Oktober eine Meldung, nach der „jederzeit mit einem Angriff zwischen […] Himeimat und Deir el Munassib“, daher im südlichen Frontabschnitt zu rechnen sei. Im Oberkommando der Panzerarmee Afrika wurde die genaue britische Offensivabsicht differenziert betrachtet: Es wurde mit einer Offensive gerechnet, die sich über die gesamte Front erstreckte. Der Schwerpunkt könnte der durch Aufklärungsgruppe genannte Ort sein, jedoch erwartete man stärkere Truppenkontingente entlang der Küstenstraße. Bereits am 7. Oktober kam das Oberkommando zu dem Ergebnis, dass die britische Armee seit dem Ende der Schlacht von Alam Halfa voll aufgefüllt worden war und mittlerweile einen Bestand von 800 bis 900 Panzern besaß. So wurde ab Mitte des Monats fast täglich mit dem Angriffsbeginn gerechnet.[16] Die Panzerarmee wurde also nicht hinsichtlich des Angriffszeitpunktes, sondern in der Hinsicht der Schwerpunkte des britischen Angriffs überrascht, was auch in einem Armeebefehl an das Afrikakorps vom 15. Oktober deutlich wird.[15] In selbigem wird auch deutlich, dass das Oberkommando der Armee sich der Gefahren bewusst war: „Es ist nicht ausgeschlossen, daß bei einem in naher Zeit möglichen britischen Großangriff es dem Feind gelingt, unter starker Kräftezusammenfassung an einzelnen Stellen in das Hauptkampffeld einzubrechen.“ Als mögliche Ort eines Durchbruchsversuches wurden folgende drei Möglichkeiten angesehen [15]:

  • beiderseits Deir el Munassib und südlich (am 23. Oktober erfolgten dort lediglich Ablenkungsangriffe)
  • beiderseits el Ruweisat (dort erfolgten keine britischen Angriffe)
  • an und südlich der Küstenstraße (dieser Abschnitt war den australischen Verbänden zugeteilt)

Die Hauptstoßrichtung der Offensive ab dem 23. Oktober im Westen und Nordwesten der Stadt El Alamein erkannte die deutsche Aufklärung nicht. In diesem Abschnitt im Norden der Alamein-Front stand lediglich die 15. Panzerdivision und nicht die 21. Panzerdivision, die aufgrund der dort erwarteten Hauptangriffsrichtung im Süden belassen worden war. Da die deutsche Luftaufklärung aufgrund ihrer Probleme, die einem Totalausfall nahekamen, den britischen Schwerpunkt nicht sichten konnte, waren die beiden Panzerdivisionen, welche die Hauptschlagkraft der Panzerarmee darstellten, zu weit voneinander entfernt, um das am 15. Oktober entwickelte operative Verteidigungskonzept mit sofortiger Wirkung umzusetzen.[15] Dieses sah vor, die durchgebrochenen gegnerischen Truppen „mit den motorisierten Kräften unter Bindung in der Front in zangenartigen Gegenangriff“ einzukesseln und danach sofort zu vernichten. [15]

Das Oberkommando der Panzerarmee Afrika ließ sich nicht durch die Ansicht des Chefs der Abteilung Fremde Heere West im Generalstab des Heeres, Oberst i.G. Liß, der die Truppen der Armee am 20. Oktober besucht hatte und auch nach dem Angriffsbeginn nicht an die Großoffensive glaubte, beeinflussen.[15] Nach seiner Ansicht waren die Vorzeichen einer amerikanisch-britischen Landung in Nordwestafrika lediglich Anzeichen für die Offensive in Ägypten, mit deren Beginn er erst Anfang des Monats November rechnete.[17] Inzwischen war die Versorgungslage etwas besser geworden, weshalb die Verpflegung und der Munitionsbestand sich leicht verbesserten. 30 % der Kraftfahrzeuge der Armee befanden sich zu diesem Zeitpunkt jedoch gerade in Reparatur und auch der Nachschub an Wasser erwies aufgrund verschiedener Unwetter als problematisch.[18] Daraus resultierend war das Oberkommando der Panzerarmee am 23. Oktober, dem Tag des Angriffsbeginns gezwungen, festzustellen „daß die Armee bei der augenblicklichen Betriebsstofflage die unabweisbar notwendige operative Bewegungsfreiheit nicht besitzt“.[18]

Nichtsdestotrotz wurden alle möglichen Verteidigungsmaßnahmen durchgeführt, was dazu führte, dass fast die gesamte geplante Tiefengliederung der Panzerarmee Afrika bereits am 20. Oktober fertiggestellt war. Lediglich die Verminung des Küstenabschnittes war noch nicht abgeschlossen. Im Zuge dieser Arbeiten waren seit dem 5. Juli 1942 264.358 Minen durch deutsche und italienische Pioniere verlegt worden, was zu einer Gesamtanzahl von 445.358 Minen inklusive der früheren alliierten Minenfelder führte.[18]

Die Panzerarmee meldete vier Tage vor Angriffsbeginn den Bestand von 273 einsatzfähigen deutschen sowie 289 italienischen Kampfpanzern, was einen Anstieg an deutschen Modellen um 39 Stück sowie einen Ausfall von 34 italienischen Geräten gegenüber dem Stand von fünf Tagen zuvor bedeutete.[18] Unter diesen 273 deutschen Panzern waren jedoch nur 123 Stück moderne Modelle. Unter ihnen waren 88 Panzerkampfwagen III mit der langen 5-cm-KwK, sieben Panzerkampfwagen IV mit kurzer 7,5-cm-KwK und 28 mit langer 7,5-cm-KwK.[18] Italienische Modelle wiesen gegenüber den britischen und amerikanischen Panzertypen lediglich einen geringfügigen Kampfwert auf.[19] Im Gegensatz dazu konnte die britische 8. Armee am Tag des Angriffes eine Übermacht von 1.029 einsatzbereiten Panzern aufbieten, die noch durch 200 in Reserve gehaltene sowie 1.000 in Reparatur und Umbau befindliche Fahrzeuge verstärkt werden konnten. Unter den einsatzbereiten Panzern waren 170 Grants sowie 252 Shermans. Am 23. Oktober standen diesen Kontingenten 250 deutsche Panzer gegenüber.[18]

Die Lage bei den Luftstreitkräften war ähnlich. Trotz vieler taktischer Einsätze der deutschen und italienischen Luftwaffe in den Monaten September und Oktober konnte nicht verhindert werden, dass die britische Royal Air Force zunehmend die Luftherrschaft auch über der Panzerarmee dem rückwärtigen Raum errang. Daran konnten auch die beiden Angriffe des X. Fliegerkorps Ende September auf die britische Nachschubbasis im Nildelta mit acht beziehungsweise fünf Flugzeugen nur wenig ändern. Insgesamt stand die deutsche Luftflotte 2 mit 914 Flugzeugen (528 Stück einsatzbereit) für den gesamten Mittelmeerraum 96 einsatzbereiten Staffeln mit über 1.500 Flugzeugen, die lediglich im Mittleren Osten unter dem Kommando von Luftmarschall Tedder operierte, gegenüber. [18] Passend dazu kann der Absturz des erfolgreichsten deutschen Jagdfliegers in Nordafrika, Hauptmann Hans-Joachim Marseille mit 158 Abschüssen am 30. September aufgrund eines Motorschadens als Symbol des Untergangs der deutschen Luftwaffe in Afrika gesehen werden.[18] Zuvor hatten die beiden Luftwaffen der Achse im Oktober noch einmal unter enormem Kraftaufwand einen Großangriff gegen Malta unternommen, der an der verbesserten britischen Luftverteidigung von Malta gescheitert war. Als Folge dieses Misserfolgs gingen die britischen Nachtangriffe mit Wellington-Bombern gegen die italienischen Geleitzüge weiter.[20]

Britische Angriffsvorbereitungen

Der Kommandeur der britischen 8. Armee, Bernard Montgomery, konnte mit der Unterstützung des britischen Oberbefehlshabers im Nahen Osten, Harold Alexander, den kompletten Neuaufbau der Armee in aller Ruhe durchführen und vor dem Beginn der Offensive abschließen. Der britische Premierminister Winston Churchill drängte mehrmals auf einen früheren Termin zum Beginn des Angriffes, doch die beiden Planer ließen sich nicht dadurch beeinflussen. Auf das Verlangen Churchills eines Offensivbeginns bereits im September hin gaben Montgomery und Alexander bekannt, den Termin des Angriffsbeginns für Ende Oktober veranschlagt zu haben. Daraufhin resignierte der britische Premier schließlich und antwortete: „Wir sind in Ihren Händen.“ [20]

Beginnend mit der Zeit nach dem Sieg in der Schlacht von Alam Halfa war das Ansehen Montgomerys stark angestiegen. Er vollzog große Wechsel bei den Kommandeuren, die von den Kommandierenden Generälen über die Divisionskommandeure hinunter bis zu den Obersten reichten, ernannte den routinierten Herbert Lumsden, der zuvor die 1. Panzerdivision kommandiert hatte, zum Befehlshaber des zum Elitekorps erhobenen X. Armeekorps, auch die Ausbildung der Armee leitete er selbst. Montgomery entledigte sich Details der Armeeführung durch die Einsetzung eines Chefs des Generalstabes der Armee nach deutschem Vorbild. Dieser war mit der Aufgabe betraut, die Arbeit des Stabes zu koordinieren, wobei eine Position wie diese in Großbritannien eher unüblich war. Den neu geschaffenen Posten übernahm Brigadier Freddie de Guingand. Mit seiner Persönlichkeit war er in dieser Position auch in der Lage, das Unvermögen Montgomerys im Umgang mit anderen Menschen auszugleichen.[20]

Nach der Restrukturierung der Armee standen drei verschiedene Typen von Divisionen zur Verfügung:

  • die Panzer- (armoured -)
  • die motorisierte (leichte, mixed)
  • die Infanteriedivisionen

Bis zum 11. September waren 318 Shermans und Selbstfahrlafetten in Afrika eingetroffen, das Personal war eingeübt und die USAF verfügte bereits über eigene Kommandos und Stäbe, die aber auf die Zusammenarbeit mit der britischen Führung angewiesen waren. [21] Die Offensive war bis ins kleinste Detail geplant. Bereits Claude Auchinleck, der Vorgänger Montgomerys, hatte im Juli 1942 die Vorbereitung einer Offensive befohlen, die ihren Schwerpunkt im Norden haben sollte. Grund für die Auswahl des nördlichen Abschnittes war, dass in diesem Teil der Front die alliierte Materialüberlegenheit besser als im Süden genützt werden konnte.[22] Diese Tatsache wurde vor dem Beginn der britischen Offensive im Oktober nochmals durch die intensiven und umfangreichen Verteidigungsvorbereitungen der Panzerarmee Afrika verstärkt. [22] Sofort nach seiner Ankunft erstellte der neue Oberbefehlshaber der britischen 8. Armee binnen einer Woche nach seiner Ankunft in Ägypten alleine den kompletten Offensivplan, den er am 14. September den 13 Kommandierenden Generälen und Divisionskommandeuren sowie dem Stab im Armeeoberkommando zur Ausarbeitung weiterer Details vorlegte.[22]

Britische Planungen

Dieses Konzept mit dem Decknamen Operation Lightfoot hatte nach Aussage Montgomerys folgendes Ziel: „To destroy the enemy forces opposing the Eighth Army [22] (Die feindlichen Kräfte, die der achten Armee gegenüberstehen, zu zerstören)“. Gemäß den Planungen sollte die in ihren Stellungen gebundene Panzerarmee vernichtet werden. Für den Fall, dass deutsche oder italienische Truppen entgegen dem britischen Erwarten nach Westen ausbrächen, besagte der Plan folgendes: „Should small elements escape to the West, they will be pursued and dealt with later [22] (Sollten kleine Elemente nach Westen entkommen, werden sie verfolgt und es wird sich später um sie gekümmert.)“. Der Angriff sollte im Mondlicht des 23. Oktobers 1942 durch den gleichzeitigen Beginn des Vormarsches des XXX. Korps im Norden und des XII. Korps im südlichen Abschnitt beginnen, wobei es jedoch vorgesehen war, die Entscheidung im Norden herbeizuführen. Die Aufgabe des XXX. (Infanterie-)Korps war es, mit sehr starker Unterstützung durch die Artillerie in die deutsch-italienischen Minenfelder vorzustoßen, die Truppen der Achsenmächte entweder zurückzudrängen oder zu vernichten und anschließend die Minen zu räumen. Der so neu gewonnene Raum sollte dem X. (Panzer-)Korps als Brückenkopf für den weiteren Vormarsch in Richtung Westen dienen, „to exploit sucess and complete the victory“, daher um den Erfolg auszunutzen und den Sieg zu komplettieren.[22]

Für den folgenden Morgen wurde dieses X. Korps, das Montgomerys Hauptstoßkraft darstellte, angewiesen, bei Anbruch des ersten Tageslichtes mit der 1. und der 10. Panzerdivision den „Teufelsgarten“ in zwei Korridore geteilt zu überqueren, dahinter auszuharren und schließlich in einem Zangenangriff rückwärtiges Gebiet der Panzerarmee Afrika einzunehmen, das die von Norden nach Süden reichende Kattara-Piste (Telegraphen- oder Ariete-Piste der Panzerarmee) sperrte. Die Piste stellte den wichtigsten Weg der Nahversorgung der Armee dar, da durch diese hinter der Hauptkampflinie verlaufende Piste die Stellungsfront mit der Küstenstraße verbunden wurde. [22]

Der Vormarsch des aus einer Panzer- sowie zwei Infanteriedivisionen bestehenden XII. Korps am Südflügel diente hauptsächlich der Ablenkung und der Bindung der deutsch-italienischen Truppen. Des Weiteren wurden jedoch auch begrenzte Ziele für das Korps geschaffen. Während des Vorstoßes sollte Qaret el Himeimat erneut unter britische Kontrolle gebracht werden und im Falle einer günstigen Lage sollte die 4. Panzerbrigade nach El Daba vordringen, sodass die dortigen Versorgungslager und Flugplätze den Achsenmächten entzogen werden könnten. [22] Der Plan Montgomerys endete mit den zusammengefassten Grundsätzen, die er einen seinen Truppen ohne Anzeichen von Müdigkeit ständig einprägte: Im Falle eines Gelingens der Offensive führe sie neben Säuberungsaktionen das Kriegsende am nordafrikanischen Kriegsschauplatz herbei, ja: „It will be the turning point of the whole war“, was so viel bedeutet wie: „Es wird die Wende des gesamten Krieges sein.“ Nach seiner Auffassung seien auch der Siegeswillen und die Moral der 8. Armee von großer Bedeutung, denn „no tip and run tactics in this battle, it will be a killing match; the German is a good soldier and the only way to beat him is to kill him in battle.“ [22]

Bernard Montgomery sah sich jedoch am 6. Oktober zu einer Planänderung gezwungen. [23] Der Zeitpunkt des Angriffsbeginns stand mit dem 23. Oktober 1942 bereits fest und der Oberbefehlshaber der britischen 8. Armee wusste auch, dass das Resultat der Operation Torch, der alliierten Landung in Französisch-Nordafrika, sowie das Verhalten der dort ansässigen Franzosen und der Umfang des US-amerikanischen Engagements im Raum des Mittelmeers von dem Ausgang dieser Offensive abhing.[23] Hintergrund der Veränderung am britischen Angriffsplan war eine Analyse der Intelligence-Abteilung im Armeestab, nach der das System der Verteidigungsanlagen der Panzerarmee Afrika komplizierter als ursprünglich angenommen sein würde. Zusätzlich zu diesem Problem wurde auch der Grad des derzeitigen Standes der Ausbildung der Armee als nicht zufriedenstellend eingestuft und die Kommandeure der Panzerverbände waren gegen den bisherigen Plan.[23] Vor allem der Kommandierende General des neuen Elitekorps, des X. Korps, Lumsden, dem Montgomery die entscheidende Rolle zugeteilt hatte, sagte für den Ausbruch den Panzer seines Korps aus dem Minenfeld in Richtung Westen Probleme voraus. Er beschwerte sich über die Rolle seines Verbandes, der lediglich als Unterstützung der Infanterie operieren sollte.[23] Gemäß dem neuen Angriffskonzept sollten das XXX. Korps und das X. Korps nun zur gleichen Zeit ihren Vorstoß beginnen, sodass sowohl Panzer die Infanterie als auch umgekehrt unterstützen könnten.

Die Problematik der Konzentration der zwei Korps in einem Gefechtsabschnitt war jedoch damit noch immer nicht gelöst.[23] Die Bedenken des Kommandeurs der X. Korps, Herbert Lumsden, räumte Montgomery durch einen Befehl aus, der besagte, dass die Panzer eine Stellung innerhalb der deutsch-italienischen Minenfelder einnehmen sollten, um die Bekämpfung der gegnerischen Infanterie zu decken. Aus diesem Grund wären dann die beiden Panzerdivisionen, welche die Hauptstoßkraft der Armee darstellten, zu einem Angriff gegen das X. Korps genötigt gewesen, der wie in der Schlacht von Alam Halfa an einer großen stählernen Mauer aus einer Überzahl an überlegenen Panzern und Panzergeschützen gescheitert wäre.[23] Zum Beginn der entscheidenden Schlacht in Nordafrika in der mondhellen Nacht vom 23. auf den 24. Oktober waren die deutsch-italienischen Kräfte in jeder Hinsicht- sowohl hinsichtlich Material als auch Personal der 8. Armee stark unterlegen.[23] Insgesamt standen drei Tage vor dem Beginn der Schlacht am 23. Oktober rund 152.000 Soldaten der Achsenmächte auf ägyptischem Boden. Dieses Kontingent setzte sich aus 90.000 deutschen und 62.000 italienischen Truppen zusammen.[23] Davon standen unter dem Kommando der Panzerarmee Afrika 48.854 deutsche sowie 54.000 italienische Soldaten.[A 6] Wenn diese Zahlen auf die tatsächliche Gefechtsstärke, die nur von den deutschen Truppen bekannt ist, reduziert werden, betrug die Stärke der deutschen Kontingente bestehend aus der 15. und 21. Panzerdivision, der 90. und der 164. leichten Afrika-Division, dem höheren Artilleriekommandeur Afrika sowie den beiden taktisch unterstellten Großverbänden der Luftwaffe aus der 19. Flak-Division und der Luftwaffen-Jägerbrigade 1 insgesamt 28.104 Mann, die noch von 4.370 Mann in Alarmeinheiten aus den Stäben und Versorgungstuppen verstärkt wurden. Die Gesamtgefechtsstärke der deutschen Verbände betrug also 32.474 Soldaten. Nach einer Annahme einer ähnlichen Stärke der italienischen Kontingente aus zwei Panzer-, einer motorisierten, einer Infanterie- und einer Jägerdivision ergibt sich eine ungefähre Gesamtgefechtsstärke der Panzerarmee von rund 60.000 Mann.[24] Bei einer Gleichsetzung des von Ian Stanley Ord Playfair benutzten Begriffs „fighting strength“ mit dem deutschen Wort Gefechtsstärke stünden den deutsch-italienischen Truppen Verbände aus 195.000 Inselbriten, Australiern, Neuseeländern, Südafrikanern, Indern, Polen und Freifranzosen gegenüber, was eine mehr als dreifache Überlegenheit der alliierten Kontingente bedeuten würde. [24] Bei der Luftwaffe, ganz abgesehen von dem Unterschied zwischen den Marinen, war die Überlegenheit wohl noch größer.[24]

Schlachtverlauf

Britische Panzer rücken durch das geräumte deutsche Minenfeld vor.
Verlauf der zweiten Schlacht von El Alamein
Die Position der Kräfte am 23. Oktober 1942
23. Oktober 1942 10 Uhr – Der alliierte Angriff beginnt
24. Oktober 1942 18 Uhr – Gegenangriff der Panzerdivisionen Rommels
25. Oktober 1942 12 Uhr – Die 1st Armoured Division und 51st Highland Division greifen die 164. leichte Division an
25. Oktober 1942 13 Uhr – Die 7th Armoured Division greift die 185. Fallschirmjägerdivision „Folgore“ an
25. Oktober 1942 15:30 Uhr – Die 133. Panzerdivision „Littorio“ und die 15. Panzerdivision greifen die 1st Armoured Division an
Die 7th Armoured Division stoppt ihren Angriff auf die „Folgore“
25. Oktober 1942 21:30 Uhr – Die 9th Australian Division greift die 164. leichte Division an
25. Oktober 1942 22:30 Uhr bis 3 Uhr – Die 7th Armoured Division, die 44th Infantry Division, 50th Infantry Division und die freie französische Brigade greifen die „Folgore“ von drei Seiten an
26. Oktober 1942 8 Uhr – Das 7. Bersaglieri-Regiment greift die 9th Australian Division an
26. Oktober 1942 17 Uhr – Die 51st Highland Division erobert Kidney Ridge – weitere Angriffe bleiben in Gegenangriffen der „Littorio“ stecken
26. Oktober 1942 17:30 Uhr – Die 2nd New Zealand Division und 1st South African Infantry Division greifen die 102. motorisierte Division „Trento“ an.
Nacht vom 26. Oktober auf den 27. Oktober 1942 – Beide Seiten repositionieren ihre Truppen
27. Oktober 1942 8 Uhr – Die 15. Panzerdivision, 21. Panzerdivision und „Littorio“-Division greifen die 51st Highland Division an, können jedoch Kidney Ridge nicht zurückerobern
27. Oktober 1942 10 Uhr – Das 7. Bersaglieri-Regiment versucht vergeblich, die 9th Australian Division von Hügel 28 zu vertreiben
Die 44th Infantry Division liefert sich Gefechte mit der „Folgore“
Die 7th Armoured Division wird nach Norden verlegt
28. Oktober 1942 10 Uhr – Die 9th Australian Division versucht westlich von Hügel 28 die Front zu durchbrechen
Die „Trento“-Division fällt unter schweren Angriffen der 1st South African und 4th Indian Division zurück. Der 21. Panzerdivision und der „Littorio“-Division gelingt es durch Gegenangriffe, die Front zu stabilisieren
Die 2nd New Zealand Division positioniert sich hinter der 9th Australian Division
29. Oktober 1942 – Die 9th Australian Division gibt den Versuch auf, westlich von Hügel 28 einen Durchbruch zu erzwingen
Rommel reorganisiert seine Truppen
31. Oktober 1942 23 Uhr – Operation Supercharge beginnt: Die 9th Australian Division versucht, eine Bresche in Rommels Front für die nachrückende 2nd New Zealand Division zu schlagen.
Die 9th Australian Division scheitert und zieht sich auf ihre Ausgangsposition zurück
Supercharge wird um 24 Stunden verschoben
2. November 1942 1 Uhr – 2nd New Zealand und 1st Armoured Division greifen nach Süden an und zwingen die 102. motorisierte Division „Trieste“ zum Rückzug
2. November 1942 9 Uhr – 15. und 21. Panzerdivision treten zum Gegenangriff an – Panzerschlacht von Tel el Aqqaqir
Rommel befiehlt die 132. Panzerdivision „Ariete“ nach Norden.
2. November 1942 22 Uhr – Die südlich Tel el Aqqaqir stehenden Divisionen „Trento“, „Bologna“, „Pavia“, „Brescia“ und „Folgore“ sowie die Fallschirmjägerbrigade „Ramcke“ beginnen mit dem Rückzug
3. November 1942 – Rommels Truppen ziehen sich geordnet zurück
3. November 1942 – Auf Befehl Adolf Hitlers stoppt Rommel den Rückzug
4. November 1942 7 Uhr – Die 9th Australian, 2nd New Zealand, 1st Armoured, 7th Armoured und 10th Armoured Division greifen auf breiter Front an
1st Armoured und 10th Armoured brechen als erste durch und stoßen entlang der Küste vor
2nd New Zealand bricht in Richtung Fuka durch und vernichtet auf dem Weg die Divisionen „Trento“ und „Bologna“
7th Armoured bricht durch, umzingelt und vernicht die Panzerdivision „Ariete“
Die Truppen der Achse beginnen eine unkontrollierte Flucht nach Westen

Am 23. Oktober um 20:40 Uhr nach deutscher, nach britischer Zeitrechnung um 21:25 Uhr im südlichen und um 21:40 Uhr im nördlichen Abschnitt begann das britische XXX. Korps mit seiner Artillerievorbereitung. An dem Trommelfeuer, das 15 Minuten anhielt, beteiligten sich 456 Geschütze. Währenddessen flogen Wellington-Bomber der RAF einen Luftangriff auf identifizierte deutsche Stellungen, auf die insgesamt 125 Tonnen an Bombenlast abgeworfen wurden.[25] Nach Ian Stanley Ord Playfair eröffnete das XII. Korps im Süden mit 136 Geschützen das Artilleriefeuer.[26], wobei es jedoch laut Reinhard Stumpf bald auf den Nordflügel konzentriert wurde.[25] Das Trommelfeuer erreichte in der Schlacht eine auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz noch nie zuvor dagewesene Intensität.[25] Rommel schrieb dazu später in seinen Memoiren bezogen auf das Artilleriefeuer, „es sollte die ganzen Kampfhandlungen vor El Alamein hindurch anhalten.“[27] Im Frontabschnitt des XXX. Korps wurde das Trommelfeuer an die Bedürfnisse der einzelnen Divisionen angepasst, es hielt jedoch noch ohne jegliche Pause weitere 5 ½ Stunden an.

Der Angriff des XXX. Korps, das sich von Norden nach Süden in die 9. Australische Division, die 51. Highland-Division, die 2. Neuseeländische Division sowie die 1. Südafrikanische Division gliederte, begann um 22:00 Uhr.[25] [26] Die Front hatte eine Breite von 9 ½ Kilometern und verlief zwischen dem Tell el Eisa und Deir Umm Alsha. Jede der Divisionen gliederte sich in zwei Infanteriebrigaden und ein Panzerregiment, der Neuseeländischen Division war eine Panzerbrigade unterstellt. Ziel der Operation Lightfoot war es, in einem Zug eine Linie unter dem Decknamen Oxalic Line zu erreichen, die hinter dem Minenfeld verlief und etwa fünf bis acht Kilometer entfernt war.[25] [28] [A 7]

Der Oberbefehlshaber der Panzerarmee, Georg Stumme, erteilte der Artillerie keine Erlaubnis, Vernichtungsfeuer zu schießen, da ein akuter Mangel an Munition bestand.[25] Dies erwies sich als schwerer Fehler, da die britischen Verbände ohne jegliche Störung zum Angriff antreten konnten. Nichtsdestotrotz wurden Teile der Artillerie durch den Befehls Stummes intakt gehalten, da sie nicht das Ziel britischer Luftangriffe wurden. [29] Im Norden erfolgte ein kleiner Angriff zwischen der Küstenstraße und der Bahnverbindung, den die deutschen Truppen jedoch aufhalten konnten. Die 51. Highland-Division konnte gemeinsam mit der 9. Australischen Division Einbrüche in die mit Buchstaben gekennzeichneten Minenkästen J und L erzielen.[25]

Die Verbindung des Armeeoberkommandos zu den kämpfenden Truppen war durch die Wirkung des Trommelfeuers stark gestört und Stumme konnte nur mit großer Mühe davon abgehalten werden, sich selbst an die Front zu begeben, wo er indessen in der Dunkelheit ohnehin wenig ausrichten hätte können.[25] Um Mitternacht bestand noch immer kein klares Bild der Lage, das Armeoberkommando war aber aufgrund der starken Kräftekonzentrationen an bestimmten Frontabschnitten gezwungen, davon auszugehen, dass die erwartete Großoffensive begonnen hatte.[30]

In der folgenden Morgenmeldung vom 24. Oktober gab es jedoch lediglich einen Lagebericht und keine expliziten Hinweise, dass die Offensive begonnen habe. Dies änderte sich erst nach Hitlers abendlicher Forderung nach einer Lagebeurteilung, um die Entscheidungen über den weiteren Verbleib von Rommel treffen zu können. Daraufhin antwortete Siegfried Westphal, der zu dieser Zeit der alleinige Führer der Armee war, dass die Panzerarmee am 25. Oktober mit dem entscheidenden Schlag rechnete. Dabei kalkulierte er auch eine längere Dauer der Kämpfe.[25] Westphal hatte die praktische Führung der Armee am 24. Oktober aufgrund des Todes von Stumme an einem Herzinfarkt übernommen. Zuvor hatte sich der Armeeoberbefehlshaber gemeinsam mit dem Armeenachrichtenführer Oberst Büchting an die Front begeben, um Klarheit in der weiter unklaren Lage zu schaffen. Dabei nahm Stumme jedoch keine Eskorte und keinen Funkwagen wie sein Vorgänger Rommel in Anspruch. Büchting wurde bei demselben Frontbesuch durch einen Kopfschuss getötet.[31]

Australische Infanterie beim Angriff (gestelltes Foto)

Nachdem Siegfried Westphal Rommel bereits per Telegramm über Stummes Tod in Kenntnis gesetzt hatte, befahl Hitler diesem persönlich in einem Telefongespräch kurz nach Mitternacht, zurückzukehren. Bis zur Ankunft des Oberbefehlshabers übernahm Wilhelm Ritter von Thoma, der zu diesem Zeitpunkt Kommandierender General des Afrikakorps war, stellvertretend die Armeeführung, ohne dabei jedoch seinen eigenen Gefechtsstand zu verlassen.[31]

Inzwischen war die Lage etwas klarer geworden. Truppen der britischen 51. Highland-Division hatten gemeinsam mit Truppen der 9. Australischen Division die Minenkästen J und L in einer Breite von 10 Kilometern durchquert und einen Einbruch in die Hauptkampflinie erzielt. Dieser Abschnitt wurde vom Infanterieregiment 62 der Division Trento gemeinsam mit dem Grenadierregiment 382 der 164. leichten Afrika-Division verteidigt. Das italienische Regiment hatte sich bereits im Vorfeld während der alliierten Artillerievorbereitung von seinen unvollendeten Stellungen zurückgezogen. Nach dem Korsettstangenprinzip wurden die beiden Verbände vermischt eingesetzt, um eine stabilere Lage aufrechtzuerhalten. Bei ihren Angriffen gelang es den alliierten Truppen, das gesamte italienische Regiment bis auf eine Kompanie und das isolierte I. Bataillon des deutschen Regiments nach langen Kämpfen bis zum nächsten Morgengrauen zu vernichten. [31]

Aufgrund der zu diesem Zeitpunkt angespannten Lage führte die 15. Panzerdivision, verstärkt durch die Panzer der italienischen Panzerdivision Littorio, einen Gegenangriff durch. Durch diesen wurde der Einbruch in die Hauptkampflinie am frühen Morgen des 24. Oktober überall außer im nördlichen Teil des Keils bereinigt, sodass die erfolgreichen Verbände wieder an der Hauptkampflinie standen.[31]

Am folgenden Tag wurde das bereits stark angeschlagene II. Bataillon des Grenadierregiments 382 in intensiven Gefechten während eines erneuten Angriffes der 51. Highland-Division aus dem Kasten L nahezu vollständig vernichtet. Zum selben Zeitpunkt legte das III. Bataillon des italienischen Infanterieregimentes 61 die Waffen nieder und ergab sich. Die deutsche 15. Panzerdivision konnte die Lage durch ganztägige Gegenangriffe erneut stabilisieren und die angreifenden Verbände in den Minenkasten L zurückdrängen. Diese Kämpfe hatten hohe Verluste gefordert, sodass bei der 15. Panzerdivision am Abend desselben Tages lediglich 31 einsatzbereite Panzer zur Verfügung standen.[32]

Um 21:45 Uhr starteten die britischen Truppen nach vorhergehendem massivem Trommelfeuer einen erneuten Angriff aus den Kästen J und L. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Panzerarmee bereits in einer prekären Versorgungslage, da sowohl Mängel an Treibstoff als auch Munition bestanden. Im Gegensatz dazu gab es auf alliierter Seite keinerlei Engpässe.[32]

Auch im südlichen Teil der Front operierten die alliierten Verbände offensiv. Nördlich von Qaret el Himeimat startete die britische 7. Panzerdivision mit 160 Panzern einen Angriff auf die italienische Fallschirmdivision Folglore. Die Attacke verlief erfolgreich, sodass Teile der italienischen Division überrannt werden konnten. Gegenangriffe der 21. Panzerdivision und der Panzerdivision Ariete stoppten den Vorstoß, unterstützt durch Massenfeuer der Artillerie, jedoch wieder. [32]

Danach erging der Befehl, die strategisch wichtige Höhe des Himeimat unter allen Umständen zu halten. Alliierte Angriffe am 25. Oktober scheiterten am Widerstand der deutsch-italienischen Truppen. Noch am Abend desselben Tages kam Rommel über Rom in seinem Hauptquartier an, wo er sofort wieder das Kommando über die Panzerarmee übernahm.[32]

Im AOK der mittlerweile umbenannten Deutsch-Italienischen Panzerarmee bildete sich die Meinung, dass Montgomery einen Durchbruch im Norden beabsichtigte, um danach seine Truppen zur Verfolgung antreten zu lassen. Dadurch wurde klar, dass keine Umfassung der deutsch-italienischen Kräfte von Süden her geplant war.[32]

In der vorhergehenden Nacht konnte die 9. Australische Division bei einem erfolgreichen Angriff die Höhe 28 einnehmen, die nördlich des Minenkastens J lag. Daraufhin wurden umgehend weitere Kräfte an diesen Teil der Front verlegt. Untertags führten die alliierten Verbände mehrere Attacken aus der Lücke zwischen den Kästen J und L in Richtung Westen. Diese hatten das Ziel, einen großen Brückenkopf aufzubauen, der danach für einen Vorstoß nach Nordwesten auf die Küstenstraße genutzt werden sollte. Alliierte Kräfte konnten einen Einbruch in die Stellungen des III. Bataillons des Grenadierregiments 382 erzielen, wobei der Verband zuvor bereits stark angeschlagen gewesen war. Dabei nahmen die Attacken weiter an Stärke zu.[32]

Aus dem bisherigen Verlauf der Schlacht kam das AOK zum Ergebnis, dass Montgomery nach der nahezu vollständigen Einnahme des Territoriums zwischen den Kästen K und J in der Nacht zum 27. oder am 27. Oktober einen Angriffsbefehl erteilen würde. Dieser sah nach Meinung des Oberkommandos einen Großangriff über J und L vor, der die Stoßrichtungen Westen und Nordwesten haben sollte.[32]

Montgomery beobachtet den Vorstoß seiner Panzereinheiten.

Rommel traf auf Basis dieser Einschätzung eine Entscheidung, die aufgrund der Treibstofflage irreversibel war. Er veranlasste, dass die 21. Panzerdivision mit Ausnahme einer Eingreifgruppe in den Norden der Front, in den Raum Tell el Aqqaqir, verlegte. In seiner Anordnung hieß es, dass mit Angriffen über die gesamte Frontbreite, die ihren Schwerpunkt nördlich von Ruweisat hatten, jederzeit zu rechnen sei. Die Stellungen sollten dabei gehalten werden, wobei feindliche Bereitstellungen jedoch durch gemeinsames Feuer der Artillerie und Flakartillerie nicht ermöglicht werden sollten.[32]

Nachdem die Alliierten wieder einen Angriff am Miteirya-Bergrücken erfolglos beenden mussten, wurde die ganze Attacke abgebrochen. Montgomery verlegte den Brennpunkt auf die Nordflanke entlang der Küste, wo die 9. Australische Division unter Major General Leslie Morshead einen von vielen Nachtangriffen startete, um die Aufmerksamkeit vom Hauptangriffsbereich abzulenken. Der erste Nachtangriff vom 25. auf den 26. Oktober war ein Erfolg. Rommels unverzüglich ausgeführte Gegenattacke schlug dagegen fehl. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Alliierten 6.200 und die Achsenmächte 2.500 Männer verloren. Rommel hatte aber nur 370 einsatzbereite Panzer, wohingegen die Briten über mehr als 900 Panzer verfügten. Es gab viele kleinere Scharmützel und die verbissene Verteidigung des sogenannten Outpost Snipe, aber am 29. Oktober waren Rommels Linien immer noch nicht durchbrochen.

Montgomery, der weiter zuversichtlich war, bereitete seine Einheiten auf den Hauptangriff vor. Die Aktion trug den Namen Operation Supercharge. Durch die vielen kleineren Angriffe und Operationen der Briten waren Rommels Panzerkräfte auf nur noch 102 Panzer zusammengeschrumpft.

Die zweite große Angriffswelle der Alliierten fand entlang der Küste statt, hauptsächlich um die Rahman Bahnlinie und die Hochebene bei Tel el Aqqaqir einzunehmen. Der von der 2. Neuseeländischen Division unter Major General Bernard Freyberg angeführte Angriff startete am 2. November 1942. Am nächsten Tag hatte Rommel nur noch 35 Panzer einsatzbereit. Der starke alliierte Vormarsch zwang ihn zum Rückzug. Am selben Tag erhielt Rommel ein Telegramm von Adolf Hitler, der ihn darin aufforderte, „bis zum letzten Mann“ zu kämpfen und die Niederlage abzuwenden. Rommel stoppte daher in der Nacht vom 3. auf den 4. November seinen Rückzug auf der gesamten Breite der Front.

Als am 4 November um 7 Uhr die alliierten Divisionen erneut angriffen, durchbrachen sie bei Tel el Aqqaqir Rommels geschwächte Front, vernichteten die Divisionen „Trento“, „Bologna“ und „Ariete“ und schnitten so die südlich des Durchbruchs stehenden Teile von Rommels Armee von der Fluchtroute entlang der Küste ab. Ab dem Morgen des 5. November befanden sich die verblieben Achsentruppen in einer unkontrollierten Flucht nach Westen; 30.000 Soldaten ergaben sich und wurden gefangengenommen.

Italienische Gefangene mit britischen Bewachern nach der Schlacht

Winston Churchill würdigte am 10. November die Schlacht mit den Worten:

“Now this is not the end, it is not even the beginning of the end. But it is, perhaps, the end of the beginning.”

„Dies ist jetzt noch nicht das Ende, es nicht einmal der Anfang des Endes, aber es ist vielleicht das Ende des Anfangs.“

Diese Schlacht war Montgomerys größter Sieg. Als er 1946 in den Adelsstand erhoben wurde, wählte er sich den Titel Viscount Montgomery of Alamein.

Die Landungen der Operation Torch in Marokko und Algerien stellten später im November den vollständigen Sieg der Alliierten in Nordafrika sicher.

Der Kriegsschauplatz heute

Deutsche Kriegsgräberstätte in El Alamein

Durch 1966 gefundene Erdölvorkommen, die seit 1968 gefördert werden, konnte El Alamein einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung verbuchen. Der in El Alamein angelegte britische Soldatenfriedhof mit 7.500 Gräbern sowie der deutsche mit 4.213 Gefallenen und die italienische Gedenkstätte für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs werden heute von vielen Touristen besichtigt.

Weblinks

 Commons: Zweite Schlacht von El Alamein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Die Probleme waren: Unerfahrenheit im Bewegungskrieg, mangelhafte Ausbildung, überaltertes Offizierkorps, unzureichende Bewaffnung, Panzer mit geringer Reichweite sowie schwachen Motoren, unbewegliche Artillerie mit einer maximalen Reichweite von lediglich 8 km, Mangel an panzerbrechenden Waffen, mangelhafte Verpflegung und keine Feldküchen. Siehe Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 688.
  2. Mussolini gab offen bekannt, „dass die Schlacht im Mittelmeer für uns vorläufig verloren sei“. Italien habe „nicht mehr genügend Schiffsraum“ und im nächsten Jahr müsse man „mit einer Landung der USA in Nordafrika rechnen“. Rommels Meinung nach war ein vorgetäuschter Angriff im Oktober 1942 und unter der Bedingung einer günstigen Nachschublage „der entscheidende Angriff, der sehr schwer werden, in der Mitte des Winters […] möglich. Dieser Ansicht stimmte Mussolini letztendlich zu. Im Nachhinein vermutete Rommel, dass der Duce die ernste Lage nicht erfasst hatte. Dieser hielt Rommel für einen physisch und moralisch gebrochenen Mann, weshalb er auch mit der Ablösung des Oberbefehlshabers der Panzerarmee kalkulierte. Siehe Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 689.
  3. Die deutschen Aufklärungsabteilungen waren zuvor zu einer kompletten Aufklärungsgruppe zusammengefasst worden.
  4. In einem der Infanterieregimenter der 164. leichten Afrika-Division gab es mehr als 1.000 krank gemeldete Soldaten. Siehe Horst Boog, Werner Rahn, Reinhard Stumpf, Bernd Wegner: Der globale Krieg: Die Ausweitung zum Weltkrieg und der Wechsel der Initiative. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1990, ISBN 3-421-06098-3, S. 690.
  5. Er blieb jedoch trotzdem stellvertretender Chef des Generalstabes der Panzerarmee Afrika. Siehe Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 691.
  6. Der Historiker Reinhard Stumpf geht bei Angabe der deutschen Stärke von der Verpflegungsstärke aus. Siehe Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 698.
  7. Trotz eines erwarteten schnellen Durchbruchs durch die Minengürtel kalkulierte Montgomery einen rund zwölftägigen „dog-fight“ vor dem Angriff ein. Siehe: Major General Ian Stanley Ord Playfair: History of the Second World War. The Mediterranean and the Middle East. Volume IV. The Destruction of the Axis Forces in Africa. Her Majesty's Stationary Office, 1996, ISBN 1-84574-068-8, S. 35.

Einzelnachweise

  1. Adalbert von Taysen: Tobruk 1941 - Der Kampf in Nordafrika, Verlag Rombach, Freiburg 1976 (= Einzelschriften zur militärischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges, Bd.21). ISBN 3-7930-0180-6
  2. Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 - Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer, S. 654
  3. a b c Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 688.
  4. Erwin Rommel, Lucie Maria Rommel, Fritz Bayerlein: Krieg ohne Hass. Afrikanische Memoiren. Heidenheimer Zeitung, 1956, S. 191.
  5. a b c Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 689.
  6. Erwin Rommel, Lucie Maria Rommel, Fritz Bayerlein:Krieg ohne Hass. Afrikanische Memoiren. Heidenheimer Zeitung, 1956, S. 235.
  7. La Marina Italiana nella Seconda Guerra Mondiale (18 Bände). Roma 1952–1976, Band 1, S. 117 ff, S. 134 ff.
  8. a b c d Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 690.
  9. a b Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 691.
  10. Erwin Rommel, Lucie Maria Rommel, Fritz Bayerlein: Krieg ohne Hass. Afrikanische Memoiren. Heidenheimer Zeitung, 1956, S. 233.
  11. Erwin Rommel, Lucie Maria Rommel, Fritz Bayerlein: Krieg ohne Hass. Afrikanische Memoiren. Heidenheimer Zeitung, 1956, S. 239.
  12. Siegfried Westphal: Erinnerungen. Mainz 1975, S. 170.
  13. Albert Kesselring: Soldat bis zum letzten Tag. Bublies, 1999, ISBN 978-3926584687, S. 180f.
  14. a b c d Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 692.
  15. a b c d e f Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 693.
  16. Siegfried Westphal: Erinnerungen. Mainz 1975, S. 172.
  17. Siegfried Westphal: Erinnerungen. Mainz 1975, S. 173.
  18. a b c d e f g h Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 694.
  19. Erwin Rommel, Lucie Maria Rommel, Fritz Bayerlein: Krieg ohne Hass. Afrikanische Memoiren. Heidenheimer Zeitung, 1956, S. 238.
  20. a b c Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 695.
  21. Major General Ian Stanley Ord Playfair: History of the Second World War. The Mediterranean and the Middle East. Volume IV. The Destruction of the Axis Forces in Africa.Her Majesty's Stationary Office, 1996, ISBN 1-84574-068-8, S. 5.
  22. a b c d e f g h i Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 696.
  23. a b c d e f g h Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 697.
  24. a b c Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 698.
  25. a b c d e f g h i Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 699.
  26. a b Major General Ian Stanley Ord Playfair: History of the Second World War. The Mediterranean and the Middle East. Volume IV. The Destruction of the Axis Forces in Africa. Her Majesty's Stationary Office, 1996, ISBN 1-84574-068-8, S. 36.
  27. Erwin Rommel, Lucie Maria Rommel, Fritz Bayerlein: Krieg ohne Hass. Afrikanische Memoiren. Heidenheimer Zeitung, 1956, S. 245.
  28. Major General Ian Stanley Ord Playfair: History of the Second World War. The Mediterranean and the Middle East. Volume IV. The Destruction of the Axis Forces in Africa. Her Majesty's Stationary Office, 1996, ISBN 1-84574-068-8, S. 37.
  29. Erwin Rommel, Lucie Maria Rommel, Fritz Bayerlein: Krieg ohne Hass. Afrikanische Memoiren. Heidenheimer Zeitung, 1956, S. 246 f.
  30. Siegfried Westphal: Erinnerungen. Mainz 1975, S. 174.
  31. a b c d Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 700.
  32. a b c d e f g h Reinhard Stumpf: Der Krieg im Mittelmeerraum 1942/43 – Die Operationen in Nordafrika und im mittleren Mittelmeer. S. 701.

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