ABB-Senf
ABB-Senf im traditionellen Steinguttopf

ABB-Senf bzw. Düsseldorfer Mostert ist eine Senfspezialität aus Düsseldorf, die seit dem frühen 18. Jahrhundert hergestellt wird.

Der ABB-Senftopf, abgebildet in einem Stillleben von Vincent van Gogh 1885

Unter dem Namen „ABB“ wurde der „aechte Düsseldorfer Mostert“ bekannt. Die Bezeichnung „Düsseldorfer Mostert“ darf nur von Herstellern aus der Rheinmetropole verwendet werden. Der scharfe, malzig-bräunliche Senf wird aus brauner und gelber Senfsaat hergestellt. Der „Düsseldorfer Mostert“ wird laut Aussage von Zeitzeugen seit dem Ersten Weltkrieg nicht mit Traubenmost, sondern mit unfiltriertem Düsseldorfer Branntweinessig angerührt. Im übrigen ist die Herstellungsweise seit 1726 nahezu unverändert, da zur Vermahlung immer noch ein 500 kg schwerer Granitmühlstein verwendet wird. Ob bei der Herstellung des Düsseldorfer Mosterts nach der ursprünglichen Rezeptur jemals Traubenmost verwandt wurde, kann nicht belegt werden.

Der Name „ABB“ leitet sich aus den Initialen des Firmengründers Adam Bernhard Bergrath ab.[1]

Der niederländische Maler Vincent van Gogh stellte in seinem Ende 1884 in Nuenen entstandenen Gemälde „Stilleven met flessen en aardewerk“ (Stillleben mit Flaschen und Keramik) einen grauen Senftopf dar, der die Initialen ABB mit dem Ankersymbol trägt.[2] Das in Öl auf Leinwand im Format 31,5 × 41,7 cm gemalte Bild befindet sich heute im Van Gogh Museum, Amsterdam.[3]

ABB-Mostertpöttchen mit Düsseldorfer-Radschläger-Deckel

Noch heute wird ABB-Senf in dem gleichen grauen Steinguttopf angeboten, auf dem in blauer Farbe die Initialen des Firmengründers sowie ein Anker abgebildet sind. Der Topf wird traditionell durch einen Korken verschlossen, wobei inzwischen auch modernere Varianten mit Kunststoffverschluss vermarktet werden.

Geschichte

Eine Familie Esser, aus der der Begründer der Senffabrik stammt, ist bereits Anfang des 17. Jahrhunderts in Düsseldorf nachweisbar. Im Landsteuerbuch von 1632 werden in „Lierenvelt“ zwei zinssteuerpflichtige Gebäude angeführt. Als Eigentümer werden Adolf Esser und Wilhelm Esser's Erben genannt.[4]

  • 1726 begann Wilhelmus Theodorus Esser (* 1695; † 1741)[5][6][7] mit der Produktion von Senf im Gebäude Rittergasse Nr. 30, genannt der Stadt Venlo[8]
  • 1741, nach dem Tod, übernahm Sohn Godefridus Esser (1722–1774)[9] als Erbe die Fabrik; für 1773 ist belegt, dass er in der Rittergasse Haus Nr. 30 Senf hergestellt hat.[10]
  • Nach dem Tod 1774[9] übernahm die Witwe von Godefridus Esser, Catharina Elisabeth Esser, die Firma.
  • 1777 starb Catharina Elisabeth Esser[11] und das Haus in der Rittergasse wurde verkauft; Herstellung und Verkauf des Senfs erfolgten danach in der Neustraße im Haus Nr. 57, genannt Im goldenen Römer, und später in einem Haus in der Mertensgasse[10]
  • September 1781 erfolgte der Besitzübergang der Senffabrik an den damaligen Castellan des Schlosses Johann Cornelius Bergrath über Vererbung.[10][12] In den „Bergischen Wochennachrichten, Gülich-Berg“ wurden die Geschäftübernahme und der weitere Vertrieb des Senf bekanntgegeben.[10] Zur Abwehr einer Konkurrenz aus Köln wurde in einer weiteren Anzeige dieser Zeitung 1786 angeführt: „… dass er nirgend eine Niederlage habe, sondern bei ihm selbst hier im Churfürstlichen Schloss gleich am Eingang wohnend, … (Senf) zu bekommen wäre …, woran der ächte ohnverfälschte Düsseldorfer Mostardt zu erkennen ist“.[10]
  • 1797 wurde die Fabrikation vom Schloss in die Andreasstraße Nr. 31, ins Gebäude genannt Zur Stadt Cölln verlegt.[7]
  • Im Testament von Johann Cornelius Bergrath 1799 wurde niedergelegt, dass seine drei Söhne den Besitz erben.[10]
  • 1800, nach dem Tode des Vaters († 2. Mai 1800)[7] übernahmen die Söhne Adam Bernard und Josef Bergrath die Fabrikation (der dritte Sohn war Frater bei den Kapuzinern)[7][10]
  • Am 7. Oktober 1800 wurde in einem Teilungsvertrag die alleinige Übernahme des väterliche Senfgeschäftes durch Adam Bernhard Bergrath vereinbart.[7] Die Produktion wurde in ein Haus am Burgplatz verlegt. Die Senftöpfchen wurden nun mit seinem Monogramm und dem Düsseldorfer Anker gekennzeichnet. Neben Senf wurden in seinem Geschäft auch Siegellack, Papier, Textilspitzen, Federn und anderes verkauft.[13]

Hinweis: Vermutlich hat auch der Bruder Josef Bergrath nach der Geschäftstrennung in einem eigenen Geschäft weiter Senf verkauft. Ob dies ABB-Senf war oder ob auch vielleicht ein eigener Senf hergestellt wurde, ist unbekannt. Seine Witwe Cordula, geb. Schrodz, teilte jedenfalls im wöchentlichen Anzeiger im Mai 1808 mit, dass nach ihrem Umzug in die Bergerstraße dort weiter im Namen ihrer unmündigen Kinder Senf verkauft werde.[7]

  • 1817, nach dem Tode von A. B. Bergrath, verlegte seine Witwe, Caroline Sybille geb. Sentz, die Fabrikation in das noch von ihrem Mann umgebaute Haus am Burgplatz Nr. 15, genannt Zum Zuckerhut.[14] Sie ist damit die Namengeberin der Firma A. B. Bergrath sel. WWe.. Geschäftlich wurde sie von ihrem Sohn und Nachfolger Peter Bergrath unterstützt.[7]
  • 1878 übernahm Heinrich Dittges als Ehemann der Tochter von Peter Bergrath, Elisabeth, die Firma. Dass Heinrich Dittges Eigentümer der Firma ABB geworden war, ist in einer Urkunde vom Besitzübergang an seinen Sohn belegt.[15][13] Die Fabrikation wurde unter dem Hoflieferanten Heinrich Dittges zuerst in die Flinger Str. Nr. 38, danach zur Nr. 7 und schließlich in die Schadowstraße Nr. 30 verlegt.[7]
  • Ein per 30. Januar 1895 beantragtes Warenzeichen wurde am 14. Mai 1895 eingetragen. Es zeigt „ABB mit Anker und einer 4 am Ende vom Ankerschaft“ und ist aktuell noch gültig.[7][16]
  • Am 31. März 1896 wurde Ludwig Dittges, der Sohn von Heinrich Dittges, Eigentümer der Firma ABB.[15] Unter Ludwig Dittges wurde der Düsseldorfer Konkurrent, die 1826 von L. Mackenstein gegründete Senffabrik Mackenstein, übernommen.[7]
  • 1912 wurden die Rechte für A. B. Benrath sel. WWe. an Rudolf Schenzner verkauft.[7][17]
  • 1914 wurde von Rudolf Schwenzner die Fabrikation zur Hunsrückenstraße Nr. 30, dem Haus Im goldenen Karpfen, und danach zur Immermannstraße Nr. 25 verlegt.[7]
  • 1934 zog unter dem Schwager von Rudolf Schwenzner, Albert Vomberg, die Senfherstellung von ABB-Senf zur Bilker Straße 16 um.[7][18]
  • Zum 1. Dezember 1940 verkaufte Albert Vomberg aus gesundheitlichen Gründen die Firma A. B. Bergrath sel. WWe. an Fastrich und Frau Luise, Duisburg.[7][19]
  • Am 11. Mai 1965 wurde die Senffabrik A. B. Bergrath sel. WWe. von Frieda Frenzel, Eigentümerin der Firma Düsseldorfer Senfindustrie O. Frenzel, erworben.[7][20] Damit endete die Eigenständigkeit der Senffirma Esser/Bergrath und Nachfolger.

Amtlich wurde die ehemalige Firma Esser/Bergrath und Nachfolger erst zum 29. Dezember 1988 im Handelsregister gelöscht.[20] ABB-Senf wird aber weiter von der Firma Löwensenf hergestellt und im Raum Düsseldorf in Feinkostgeschäften sowie ausgewählten Fleischereien vertrieben. Sämtliche Düsseldorfer Hausbrauereien und Traditionsgaststätten servieren ABB-Senf im traditionellen Steinguttopf, aber zum Teil mit eigenem Design.

Einzelnachweise

  1. Düsseldorfer Löwensenf GmbH, Firmengeschichte
  2. „Stilleven met flessen en aardewerk“, auf: www.vggallery.com (Van-Gogh-Museum, Amsterdam)
  3. C. J. Kaldenbach: Museumgids Rembrandt, Vermeer, Van Gogh, scriptio, 2008, ISBN 978-9-08773011-6. S. 81
  4. Herausgeber H. Ferber; In: Das Landsteuerbuch Düsseldorf's von 1632; Nachdruck, 1881, S. 50+51.
  5. Landesarchiv NRW, Brühl, Augustusburg, digitalisierte Kirchenbücher von Düsseldorf; In: St. Lambertus, LD0047, Blatt 291; * 11. Mai 1665.
  6. Landesarchiv NRW, Brühl, Augustusburg, digitalisierte Kirchenbücher von Düsseldorf; In: St. Lambertus, LD0064, Blatt 10; † 1. Mai 1741.
  7. a b c d e f g h i j k l m n o Mitarbeiter: Fa. Frenzel; In: Eine Ausarbeitung von 1966.
  8. H. Ferber; In: Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf; Herausgegeben vom Düsseldorfer Geschichtsverein; Verlag C. Kraus, 1889, Teil I, S. 2.
  9. a b Landesarchiv NRW, Brühl, Augustusburg, digitalisierte Kirchenbücher von Düsseldorf; In: St. Lambertus, LD0064, Blatt 217; * 1722, † 14. April 1774.
  10. a b c d e f g H. Ferber; In: Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf; Herausgegeben vom Düsseldorfer Geschichtsverein; Verlag C. Kraus, 1889, Teil I, S. 3.
  11. Landesarchiv NRW, Brühl, Augustusburg, digitalisierte Kirchenbücher von Düsseldorf; In: St. Lambertus, LD0064, Blatt 244; * 1722, † 19. Oktober 1777.
  12. Landesarchiv NRW, Brühl, Augustusburg, digitalisierte Kirchenbücher von Düsseldorf; In: St. Lambertus, LD0055, Blatt 90, Taufregister; am 20. Juli 1772 wurde J.C. Bergrath als Vater eines Kindes eingetragen.
  13. a b H. Ferber; In: Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf; Herausgegeben vom Düsseldorfer Geschichtsverein; Verlag C. Kraus, 1889, Teil I, S. 4.
  14. H. Ferber; In: Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf; Herausgegeben vom Düsseldorfer Geschichtsverein; Verlag C. Kraus, 1889, Teil I, S. 71.
  15. a b laut Königliches Amtsgericht Düsseldorf, In: Urkunde Nr. 310, Handelsregisterakten Bd. I, 225.05.1; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland.
  16. http://register.dpma.de/DPMAregister/marke/trefferliste unter Nr. 6450.
  17. Laut Handelsregister Düsseldorf war Rudolf Schenzner Eigentümer von A. B. B., Datum: 2. August 1912; In: Handelsregister Düsseldorf; Blatt HR 1853, Eintragung 2.
  18. Laut Handelsregister Düsseldorf war Albert Vomberg persönlich haftender Gesellschafter von A. B. B., Datum: 30. Mai 1934; In: Handelsregister Düsseldorf; Blatt HR 1853, Eintragung 7.
  19. In: Handelsregister Düsseldorf; Blatt HRA 11151.
  20. a b In: Handelsregister Düsseldorf; Blatt HR A29.

Literatur

  • Theo Lücker: Die Düsseldorfer Altstadt. Wie sie keiner kennt. Vom Ratinger Tor bis in Kurze Straße. I. Band. Verlag der Goethe-Buchhandlung, Düsseldorf 1984, Nr. 29. Die Ritterburg. Geburtsstätte des Mosters (S. 131–133)

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