Benno Martin

Benno Martin, (* 12. Februar 1893 in Kaiserslautern; † 2. Juli 1975 in München); war im nationalsozialistischen Deutschen Reich Polizeipräsident in Nürnberg-Fürth, SS-Obergruppenführer, General der Waffen-SS und Polizei und Höherer SS- und Polizeiführer Main.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Benno Martin wurde am 12. Februar 1893 in Kaiserslautern als Sohn eines Oberregierungsrates geboren. Nach Ablegung des Abiturs 1911 studierte er Jurisprudenz. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet. 1919 war er Angehöriger des Freikorps Epp, bevor er 1920 in die Bayerische Landespolizei eintrat. Nach seinem Assessorexamen promovierte er 1923 zum Dr. jur. Der Polizeidirektion Nürnberg-Fürth gehörte Martin seit 1925 an. 1933 trat er der NSDAP bei (Mitglieds-Nr. 2.714.474) und wurde im März des gleichen Jahres zum kommissarischen Polizeipräsidenten von Nürnberg-Fürth ernannt. 1934 wurde er regulärer Polizeipräsident und Mitglied der SS (Mitglieds-Nr. 187.117). Seine SS-Karriere führte ihn vom SS-Hauptsturmführer am 10. April 1935 über den SS-Sturmbannführer am 15. September 1935 zum SS-Oberführer am 9. November 1938. Als der SS-Oberabschnitt Main am 1. Mai 1941 organisatorisch vom Oberabschnitt Süd getrennt und verselbstständigt wurde, übernahm Martin dessen Leitung. Seine Beförderung zum Generalmajor der Polizei erfolgte am 30. Januar 1942. Am 17. Dezember 1942 wurde er schließlich zum Höheren SS- und Polizeiführer Main ernannt. Weitere Beförderungen geschahen am 20. April 1944 zum SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei und am 1. Juli 1944 zum SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS und Polizei. In dieser Funktion nahm er an der Gruppenführer-Tagung am 4. Oktober 1943 in Posen teil, bei der Heinrich Himmler die erste Posener Rede hielt[1].

Martin war in seiner Funktion als Polizeipräsident von Nürnberg-Fürth durch die Organisation und Durchführung der Deportation der fränkischen Juden in die Vernichtungslager für deren Schicksal mitverantwortlich; zu den Deportationen der Nürnberger Juden vgl. Willy Liebel.

Nach dem Krieg wurde Martin von den Alliierten in Haft genommen. Trotz mehrerer Verfahren erfolgte keine Verurteilung: Am 14. November 1949 und am 1. Juli 1953 wurde Martin vom Landgericht Nürnberg-Fürth zweimal freigesprochen: Gegenstand des ersten Verfahrens war die Misshandlung zweier deutscher Häftlinge im Nürnberger Polizeigefängnis in den Jahren 1934 und 1936 sowie die fortgesetzte Misshandlung von russischen Häftlingen im Ausländergefängnis Langenzenn zwischen 1943 und 1944.[2] Ein Teil der russischen Gefangenen war gestorben. Das zweite Verfahren betraf die Mitwirkung Martins an vier von sieben Transporten von Juden aus Franken nach Riga, Lublin und Theresienstadt zwischen November 1941 und September 1942.[3] Anfang der 1960er Jahren lebte Martin in München.

Auszeichnungen

Literatur

  • Utho Grieser: Himmlers Mann in Nürnberg. Der Fall Benno Martin. Eine Studie zur Struktur des 3. Reiches in der „Stadt der Reichsparteitage“. (= Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte. Band 13) Stadtarchiv Nürnberg, Nürnberg 1974, ISBN 3-87432-025-1.
  • Ruth Bettina Birn: Die Höheren SS- und Polizeiführer. Himmlers Vertreter im Reich und den besetzten Gebieten. Düsseldorf 1986, ISBN 3-7700-0710-7.
  • Friedrich Wilhelm: „Die Polizei im NS-Staat“, Paderborn 1997, ISBN 3-506-77503-0.
  • Ernst Klee: „Benno Martin“ Eintrag in ders.: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Aktualisierte Ausgabe. Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0.

Einzelnachweise

  1. Romuald Karmakar, Das Himmler-Projekt, DVD 2000, Berlin, ISBN 3-89848-719-9
  2. Justiz und NS-Verbrechen Zusammenfassung des Urteils vom 14. November 1949.
  3. Justiz und NS-Verbrechen Zusammenfassung des Urteils vom 1. Juli 1953.

Weblinks


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