Benno von Meißen

Benno (* um 1010 in Hildesheim; † 16. Juni 1106 in Meißen) war von 1066 bis 1106 Bischof von Meißen und wird als Heiliger verehrt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Benno wird in Quellen erstmals als Stiftsherr in Goslar erwähnt. 1028 wurde er Mönch, 1040 weihte man ihn zum Priester. Dass er 1042 Abt in St. Michael in Hildesheim gewesen sein soll, beruht auf späterer Legende. 1066 wurde er Bischof von Meißen. Er wurde 1073 in den Sachsenkrieg hineingezogen. Benno versuchte zwar, sich aus dem Streit herauszuhalten, doch gerade dafür beschuldigte ihn König Heinrich IV. des Hochverrats, denn „er habe ihm während des ganzen Sachsenkrieges … keinen Beweis seiner ungebrochenen Treue … gegeben“, und setzte ihn fest. 1076 erklärte Heinrich IV. den Papst für abgesetzt, nachdem er im Investiturstreit mit ihm über das Vorrecht zur Ernennung der Bischöfe in Streit geraten war. Benno, von dem nicht überliefert ist, wie er wieder freikam, soll sich nun auf die Seite des Papstes und der Sachsenfürsten gestellt und 1077 an der Wahl des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden beteiligt haben. Nach Rudolfs Tod wandte er sich dem neuen Gegenkönig Hermann von Salm zu. Dafür wurde er von Heinrich IV. zusammen mit den anderen Bischöfen, die von ihm abgefallen waren, exkommuniziert und andere Bischöfe wurden ernannt. Auch einen Gegenpapst setzte Heinrich IV. ein – Clemens III. Benno bat um des Friedens willen Letzteren um Verzeihung, und dieser ließ ihn in sein Bistum zurückkehren. Obwohl es ja inzwischen einen anderen Meißner Bischof gab, gelangte Benno anscheinend ohne Aufsehen wieder in sein Amt. 1084 wurde Heinrich IV. zum Kaiser gekrönt und nahm 1103 den Gottesfriedensgedanken, den sein Vater Heinrich III. bereits stark unterstützt hatte, wieder auf und verkündete einen reichsweiten Landfrieden, wobei er in Benno einen Unterstützer fand. Im Zuge der deutschen Ostexpansion konnte Benno durch Landschenkungen in den Jahren 1090, 1091 und 1095 den Besitz seines Bistums unblutig mehren. Seine Reisen sollen ihn bis nach Bautzen im Milzenerland geführt haben. Ihm werden Ortsgründungen wie zum Beispiel Bischofswerda und Bischheim zugeschrieben, aber auch der Beginn des Weinanbaus im Elbtalkessel. Die Via Regia, in der Oberlausitz auch „Bischofsweg“ genannt, soll er, meist zu Fuß, bis ins hohe Alter bereist haben. Er muss zwischen 1105 und 1107 gestorben sein. Sein Tod ist nicht urkundlich belegt. Die Gebeine Bennos wurden im romanischen Dom zu Meißen bestattet, um 1270 von Bischof Withego I. erhoben und, nach Einführung der Reformation 1539, um 1580 in die Münchner Frauenkirche gebracht. Eine Zeichnung des Heiligenmomuments, eines steinernen Schreins in Tumba-Form mit überdachendem Baldachin, hat sich überliefert. [1]

Legende

Die Überlieferung, dass Benno ein unehelicher Sohn der Frau Derksen und des Grafen Friedrich von Woldenburg (Sachsen) war, wird durch Quellen nicht bestätigt. Die Vita Bennonis (1512) von Hieronymus Emser enthält einige legendäre Berichte aus dem Leben Bennos. So werden ihm verschiedene Wunder zugeschrieben, beispielsweise habe er durch einen Schlag mit seinem Krummstab eine Quelle hervorspringen lassen. Markgraf Heinrich I. von Eilenburg, der ihn beleidigte, soll, wie Benno ihm prophezeite, nach einem Jahr tot umgefallen sein. Ein Schlüssel, den er in die Elbe warf, soll von einem Fisch verschluckt und nach Rückkehr des Bischofs im Fischbauch gefunden worden sein. Daraus entstand das Wappen des Bistums Meißen: ein Schlüssel und ein Fisch, die sich kreuzen. Wahrscheinlich sind auch die Berichte über Bennos Missionstätigkeit, seine Kirchenbauten und seine Förderung des Kirchengesangs Legende.

Heiliger und Schutzpatron

Aus St. Benno in München: Benno mit Fisch und Schlüssel.

Ende des 15. Jahrhunderts bemühten sich das Meißener Domkapitel und in besonderer Weise auch Georg der Bärtige, Herzog zu Sachsen, um Bennos Heiligsprechung, die am 31. Mai 1523 durch Papst Hadrian VI. erfolgte und heftige Polemik zwischen Martin Luther und Vertretern der Katholischen Kirche auslöste. Luther sah darin den Versuch, der Ausbreitung der Reformation in Sachsen entgegenzuwirken und schrieb die Streitschrift „Wider den Abgott und Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden“.

Benno ist Schutzpatron von München und der heutigen Diözese Dresden-Meißen. Des Weiteren sind zwölf Pfarreien seinem Patrozinium unterstellt.

Gedenktag

Sein katholischer Gedenktag ist der 16. Juni. Es handelt sich dabei um einen nicht gebotenen Gedenktag im Allgemeinen Römischen Kalender, jedoch um einen Gebotenen Gedenktag im Bistum Dresden-Meißen und im Erzbistum München und Freising.

Patrozinien und Denkmäler

Deutschland:

Polen:

  • St.-Benno-Kirche in Warschau (seit 1636)

Sowie:

Filme

  • Patron Bayerns, St. Benno von Meißen. BR 1998, Eine Filmdokumentation von Bernhard Graf und Heinrich Biron

Literatur

  • Friedrich Wilhelm Bautz: Benno von Meißen. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Hamm 1975, Sp. 500–502.
  • David Collins SJ: Bursfelders, Humanists, and the Rhetoric of Sainthood: The Late Medieval vitae of Saint Benno.. In: Revue Benedictine. Vol. 111, 2001, S. 508–556.
  • David Collins SJ: Reforming Saints. Oxford University Press, Oxford 2008, S. 3–6, 28–39, 45–46.
  • Heinrich Theodor FlatheBenno. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 339.
  • Johannes Derksen: Das gefurchte Antlitz. St. Benno-Verlag, Leipzig 1956.
  • Guido Erbrich: Bennos Volltreffer – wenn ein Fußball durchs Kirchenfenster fliegt. Druckerei und Verlag Christoph Hille, Dresden 2006, ISBN 3-932858-25-5 (Kinderbuch über Benno von Meißen).
  • Guido Erbrich: Beno je trechil!. Druckerei und Verlag Christoph Hille, Dresden 2006 (übersetzt von Merko Pohonc), ISBN 3-932858-97-2 (sorbische Ausgabe des Kinderbuches „Bennos Volltreffer“).
  • H. Gröger: 1000 Jahre Meißen. Verlag Klinkicht, Meißen 1929.
  • Norbert Hupbach: Der heilige Benno. Bischof von Meißen und Schutzpatron von München. Druckerei und Verlag Christoph Hille, Dresden 2006, ISBN 3-932858-95-6.
  • Karl-Hermann Kandler: Heiligsprechung des Bischofs Benno von Meißen. Kirche-Chemnitz-Bibliothek (Skizzen zur sächsischen Kirchengeschichte).
  • Martin Luther: Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden (1524). In: D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesammtausgabe. 1. Abteilung, 15. Band, Weimar 1899, S. 170–198.
  • Eduard Machatschek: Geschichte der Bischöfe des Hochstiftes Meissen in chronologischer Reihenfolge: Zugleich en Beitrag zur Culturgeschichte der Mark Meissen und des Herzog und Kurfürstenthums Sachsens. Nach dem „Codex diplomaticus Saxoniae regiae“, anderen glaubwürdigen Quellen und bewährten Geschichtswerken bearbeitet. C.C. Meinhold, Dresden 1884. S.65-94.
  • Willi Rittenbach, Siegfried Seifert: Geschichte der Bischöfe von Meissen 968–1581. In: Studien zur Katholischen Bistums- und Klostergeschichte. Bd. 8, St.Benno-Verlag, Leipzig 1965, S. 62–75.
  • Philip M. Soergel: Wondrous in his Saints. Univ. Calif. Pr., Berkeley 1993, S. 181–191.
  • Christoph Volkmar: Tzu Bischoff Benno gelobet. Die Heiligenverehrung Bennos von Meißen im ausgehenden Mittelalter. In: Ecclesia Misnensis. 2002, S. 98–113.
  • Christoph Volkmar: Die Heiligenerhebung Bennos von Meißen (1523/24). Spätmittelalterliche Frömmigkeit, landesherrliche Kirchenpolitik und reformatorische Kritik im albertinischen Sachsen in der frühen Reformationszeit. Aschendorff, Münster 2002, ISBN 3-402-03810-2.
  • Helga Wäß (Hrsg.): Baldachintumba für Bischof Benno († 1106). In: Form und Wahrnehmung mitteldeutscher Gedächtnisskulptur im 14. Jahrhundert. Bd. 2, Bristol u. a. 2006, ISBN 3-86504-159-0 (Kat. Nr. 571 mit Abb.).
  • Heinz Weise (Hrsg.): Mark Meißen, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig, 1. Auflage 1989
  • Herbert Zielinksi: Benno. In: Lexikon für Theologie und Kirche (LThK). ?. Auflage. Band 2, Herder, Freiburg im Breisgau, S. 233f..

Weblinks

 Commons: Benno von Meißen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. s. Wäß, 2006, Kat. Nr. 571.


Vorgänger Amt Nachfolger
Reiner
(Craft)
Bischof von Meißen
1066–1106
Herwig

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