Bennußgewächse
Moringa
Moringa ovalifolia in Namibia

Moringa ovalifolia in Namibia

Systematik
Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Bennussgewächse
Gattung: Moringa
Wissenschaftlicher Name der Familie
Moringaceae
Martinov
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Moringa
Adans.
Moringa oleifera, Meerrettichbaum
Zygomorphe Blüten der Moringa oleifera
Moringa hildebrandtii

Moringa ist die einzige Pflanzengattung der monogenerischen Familie der Bennussgewächse (Moringaceae). Der botanische Name der Gattung stammt von der in der indischen Malankara- (Malabar-) Region gebräuchlichen Bezeichnung für die Art Moringa oleifera: „Moringo“.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Diese Pflanzenarten sind laubabwerfende, kleine Sträucher oder Bäume mit sukkulenten, knolligen oder rübenförmigen Wurzeln oder „Flaschenbäume“ mit sukkulenten, angeschwollenen Stämmen. Sie enthalten insbesondere in ihren sukkulenten Teilen Senfölglykoside, die stark nach Meerrettich riechen. Die strauchförmigen Arten haben teils nur sehr wenige Zweige, die in Dürreperioden zurücktrocken, sie treiben in Feuchteperioden aber mit schnellem Wuchs wieder aus den Speicherwurzeln aus. Die wechselständig angeordneten, gestielten Laubblätter sind zwei- oder dreifach gefiedert, mit ganzrandigen, meist kleinen Teilblättern. Nebenblätter fehlen oder bilden manchmal gestielte Drüsen an den Basen der Blattstiele und Teilblätter.

In achselständigen, rispigen oder zymösen Blütenstände stehen viele Blüten zusammen. Die zwittrigen, fünfzähligen Blüten sind sehr gering bis stark zygomorph. Der Blütenbecher ist tassen- oder röhrenförmig. Die fünf Kelchblättern sind teilweise ungleich. Von den fünf ungleichen, weißen, gelben oder roten Kronblättern ist meist das außen stehende am größten. Zwischen den fünf freien, fertilen Staubblättern stehen drei bis fünf Staminodien. Zwei bis vier Fruchtblätter sind zu einem oberständigen bis halbunterständigen, gestielten und zylindrischen Fruchtknoten verwachsen, der einen schlanken, röhrenförmigen Griffel ohne Narbenstrahlen trägt.

Die verholzende, drei- bis zwölfkantige Kapselfrucht besteht aus drei Klappen, die bei Reife (explosiv) aufreißen. Die zahlreichen, meist (mit drei Flügeln) geflügelten Samen enthalten kein Nährgewebe (Endosperm).

Der gemahlene Samen eignet sich, um Wasser bakterien- und schwebeteilchenfrei zu machen. Zur Säuberung von 1 Liter Wasser werden 0,2 g des Samens benötigt. Ein diesbezügliches Experiment wurde am 1. Juni 2008 in der Sendung „Die große Show der Naturwunder“ im MDR Fernsehen gezeigt.

Systematik und Verbreitung

Die Pflanzenfamilie ist mit einer Gattung und 13 Arten sehr klein. Näher verwandt sind die Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) und, wie sich erst durch DNA-Analysen ergab, die Kaperngewächse (Capparaceae)[1].

Auf Grund der Blütenstruktur wird die Gattung in drei Sektionen geteilt:[2]

  • Sektion Moringa mit kurzem Blütenbecher und halb unterständigem Fruchtknoten,
  • Sektion Donaldsonia (Baker f.) Verdc. mit kurzem Blütenbecher und oberständigem Fruchtknoten und
  • Sektion Dysmoringa: Engl. mit langröhrigem Blütenbecher und halb unterständigem Fruchtknoten.

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Familie und Gattung erstreckt sich von Indien über die Arabische Halbinsel zum Schwerpunkt Ostafrika und mit einer Lücke nach Madagaskar und südwestliche Afrika.

Arten

  • Moringa arborea Verdc.: ein noch wenig bekannter schlanker Baum im nordöstlichen Kenia.
  • Moringa borziana Mattei: ein bis etwa 1 m hoher Strauch mit wenigen Zweigen und großer (bis 1,5 m Durchm.), sukkulenter Rübenwurzel, verbreitet von SO Kenia bis SO Somalia.
  • Moringa concanensis Nimmo: ein schlanker Baum mit bis zu 15 cm dicker Borke, verbreitet vom südöstlichen Pakistan über Indien bis Bangladesch.
  • Moringa drouhardii Jum.: ein 5 bis 10 m hoher, sukkulenter Baum mit stark flaschenförmig verdicktem Stamm, heimisch im südlichen Madagaskar, in Gestalt sehr ähnlich der afrikanischen Adansonia digitata.
  • Moringa hildebrandtii Engl.: ein bis 25 m hoher, sukkulenter Baum mit stark flaschenförmig verdicktem Stamm, heimisch im südwestlichen Madagaskar, in anderen Teilen Madagaskars meist in der Nähe königlicher Gräber angepflanzt.
  • Moringa longituba Engl.: ein bis 50 cm hoher Strauch mit meist nur einem Zweig und sukkulenter Rübenwurzel, verbreitet von SO Kenia über Somalia bis ins südöstliche Äthiopien.
  • Moringa oleifera Lam.: der Meerrettichbaum aus dem nordwestlichen Indien.
  • Moringa ovalifolia Dinter & A.Berger: ein 2 bis 6 m hoher, sukkulenter Baum mit stark flaschenförmig verdicktem Stamm, heimisch in Namibia und südwestlichen Angola.
  • Moringa peregrina Fiori: ein schlanker Baum oder manchmal Strauch mit sukkulenter Rübenwurzel, in der Jugend auch mit sukkulenten Zweigen, verbreitet um das Rote Meer (Arabische Halbinsel) bis Somalia).
  • Moringa pygmaea Verdc.: ein kleiner Strauch mit sukkulenter Rübenwurzel, nur durch zwei Exemplare aus dem nördlichen Somalia bekannt und bisher nicht wieder aufgefunden.
  • Moringa rivae Chiov.: ein Strauch bis 3 m Höhe und sukkulenter Rübenwurzel, heimisch in Kenia und Äthiopien.
  • Moringa ruspoliana Engl.: ein schlanker, bis 6 m hoher Baum mit sehr großen Teilblättern, sukkulenter Rübenwurzel und im Alter stark verdicktem Wurzelsystem, heimisch vom nördlichen Somalia über das südöstliche Äthiopien bis an die Grenze von Kenia.
  • Moringa stenopetala (Baker f.) Cufod.: ein bis 10 m hoher, sukkulenter Baum mit flaschenförmig verdicktem Stamm, in Äthiopien und Kenia heimisch.

Verdcourt berichtet von einer weiteren sukkulenten, noch nicht beschrieben Art, die wahrscheinlich mit Moringa longituba verwandt ist.[3]

Moringas als Nutz- und Zierpflanzen

Die Samen von Moringa oleifera liefern das Behenöl, das früher als Schmierstoff in Uhren verwendet wurde. Heute dient es als Salatöl oder zur Seifen- und Kosmetikherstellung. Die jungen, fleischigen Wurzeln dienen mitunter als Gemüse. Arten, die sich schnell als Stecklinge ziehen lassen, werden in Afrika als Grenzmarkierungen für Haus oder Farmen angepflanzt. Die sukkulenten Arten sind seltene und begehrte Sammelobjekte von Liebhabern. Eine weitere mögliche Anwendung in der Zukunft ist die Fähigkeit des Samens, Wasser zu desinfizieren bzw. zu reinigen. Mit 0,2 g gemahlenem Moringasamen kann 1 Liter verunreinigtes Wasser trinkbar gemacht werden. Die wasserreinigende Wirkung von Moringa beruht hauptsächlich auf der koagulierenden Wirkung einiger Inhaltsstoffe der Samen. Die Bakterien und Schwebstoffe vereinigen sich zu Agglomeraten, sodass diese zu Boden sinken oder abfiltriert werden können. Es existieren allerdings auch direkte bakterizide Eigenschaften der Inhaltsstoffe der Samen. [4]

Quellen

Literatur

  • Adanson: Moringaceae, Familles des Plantes 2: 318, 1763.
  • Monique Keraudren: Famille 85: Moringacées. In: Jean-Henri Humbert & Jean-François Leroy (Hrsg.): Flore des Madagascar et des Comores, Muséum National d'Historie Naturelle: 33-44, 1982.
  • Ian Keith Ferguson: The pollen morphology of Moringaceae, Kew. Bull. 40(1): 25-34, 1985.
  • M. Fernanda Pinto Basto: Flora de Cabo Verde, plantas vasculares - 37. MORINGACEAE, 1995, ISBN 972-672-783-9
  • Mark Earl Olson: Intergeneric Relationships within the Caricaceae-Moringaceae Clade (Brassicales) and Potential Morphological Synapomorphies of the Clade and Its Families, International Journal of Plant Sciences, 163: 51–65, 2002.
  • Mark Earl Olson: Combining data from DNA sequences and morphology for a phylogeny of Moringaceae (Brassicales), Syst. Bot. 27: 55-73, 2002.
  • Mark Earl Olson: Ontogenetic origins of floral bilateral symmetry in Moringaceae (Brassicales). American J. Bot. 90: 49-71, 2003.
  • Erwin G. Bruhns: "Der Wunderbaum Moringa", ISBN 978-3-9812259-1-4

Einzelnachweise

  1. Mark Earl Olson: Intergeneric relationships within the Caricaceae-Moringaceae clade (Brassicales) and potential morphological synapomorphies of the clade and its families, Int. J. Plant Sci. 163: 51-65, 2002
  2. Bernard Verdcourt: A synopsis of the Moringaceae, Kew. Bull. 40(1): 1-23, 1985
  3. Bernard Verdcourt: Moringaceae. In: Roger Marcus Polhill (Hrsg.): Flora of Tropical East Africa, Rotterdam (NL) / Brookfield (US: VT): A.A. Balkema, 1986
  4. Eilert U. et al. (1981), The Antibiotic Principle of Seeds of Moringa oleifera and Moringa stenopetala Journal of Medicinal Plant Research 42: 55-61

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”